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Jüdische Schulzeitung · 1934-08-01 · 8 (1.8.1934) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
10 (1934)
Issue
8 (1.8.1934)
Date
1934-08-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Jüdische Schulzeitung Nummer 8 sinne dazu innerlich imstande sind, d. h. dem Gottesdienst mit Innigkeit und Verständnis folgen können, für so notwendig halte ich einen wahren J u g e n d ff b> t t/e s d ie n s t, d. h. einen dem "Kinde angepaßten Gottesdienst an Sabbat- und Feiertagen. Auch hier erlassen Sie mir eingehende-.Vorschläge; aber Judentum kann nicht nur gelehrt, es muß auch gelebt werden, und darum müssen wir ferner die Vorbereitung zu .den Festen, wie wir sie von jeher in unserm Religionsunterricht theoretisch betrieben haben, erweitern, um den Geist und den Sinn des Festes zur Vorahnung zu bringen, um diese Rüstung zu den gehobenen Tagen des Jahres auch im Bezirk der Schule zu begehen. So kann Sabbatstimmung erzeugt werden durch Absingimg des Sabbatliedes „L'choh daudi," der S'miraus, durch Vortragdes Kiddusch, durch plastische Darstellung oder Zeichnung des Kiddusch-Bechers, der Sabbatlampe oder der Leuchter, durch Illustrierung des safabatlich gedeckten Tisches, durch Zeichnungen in der Art der Oppenheimschen Familienbilder. Ks sollte an jedem Freitag der bevorstehende Wochenabschnitt kurz besprochen — mit einen? Worte alles getan werden, um dem Sabbat, diesem Kleinod ' der jüdischen Glaubensgemeinschaft, der Sabbatidee, diesem herrlichsten Schatz der Menschheit, diesem Künder der Gleichheit aller Menschen, Geltung zu verschaffen. Aber das ganze Jahr hindurch darf der Religionsunterricht nicht verabsäumen, z'. T. unter Heranziehung auch anderer Fächer, festliche Stimmung vor den Fest- und Gedenktagen zu erzeugen. (Man denke nur an die erzieherische Wirkung der Weihnachtsvorbereitungen in der christlichen Schule.) So muß der Religionslehrer, um nur einige Beispiele anzuführen, vor dem Pessach-Feste eine Seder- Scliüssel zusammenstellen, im Zeichenunterricht Illustrationen zur Hagodoh anregen, Scderabendlieder singen oder einstudieren, etwa eilte Mazzoh-Fabrik besuchen, das Aumer-Zählen üben, Lag boaumer, das typische Schülerfest, feiern, den ragenden Sinai-Berg als Symbol des Wochenfestes mit den ihn umlagernden. Zelten des Volkes Israel, etwa auch die Gesetzestafeln, plastisch darstellen, die Tage des Gedenkens an die Zerstörung Jerusalems zur ernsten Besinnung benutzen, z. B. durch Betrachtung von Jerusalem- und Jeremias-Bildern. Tempeldarstcllungen usw., zum Neujahrsfeste Glückwunschbriefe zeichnerisch ausschmücken, das Schaufor als Symbol des Weltenneujahrs, die Awaudoh als Höhepunkt des Versöhnungstages, vorführen, die .bekanntesten Melodien der Jomim nauroim singen, eine Sukkoh, wenn möglich batiönl.; mindestens; aber Zierrate für sie herrichten, das Fest der Gesetzesfreude durch Umzüge jubilierend begehen, Fähnchen mit entsprechenden Emblemen ausstatten. Eine jüdische Schule darf sich nicht mit der Feier des Chanukkoh und Purim begnügen, denn sie kann nicht' immer auf die rechte Würdigung all der andern (jernüt und Glauben stärkenden Momente im Familien- und Gemeindeleben durch die Fltern rechnen. Sie darf auf diese Erziehungsmomente nicht verzichten, sie werden, wie Berthold Auerbach sagt, „die nachhaltigsten Eindrücke der Kindheit sein", mit sinnlicher Eindringlichkeit auf Phantasie und Herz und Gesinnung des jüdischen Kindes wirken; sie werden helfen, Judentumskunde und -kenntnis zu verbreiten und Judentums Hobe zu wecken und zu fördern. — Um mit den Eltern darin einig zu gehen, ilrre Unterstützung in unsern religiösen und erzieherischen Bestrebungen zu gewinnen, wird es vielleicht nötig sein, den Begriff der Schulgemeinde dahin zu erweitern, in dieser, wie in andern Richtungen auch Elternbildung in unsere bedeutungsvolle Aufgabe einzugliedern und manchmal an Elternabenden entsprechende Vorträge halten zu lassen. So kann die jüdische Schule dem messianischen Ziel entgegen, „das Herz der Eltern zu den Kindern und das der Kinder zu den Eltern zuführen". Der Hilfe der Eltern aber können'wir bei unserem Erziehungswerke nicht entraten. — Ehe ich zum Schlüsse schreite, noch einige wichtige Bemerkungen. Bei der völligen Neugestaltung der religiösen Heranbildung unserer Kinder halte ich allerdings einen zweistündigen Unterricht, wie er noch-heute in manchen simultanen höheren, aber auch' einen vierstündigen, wie er in den Volksschulen erteilt wird, selbst mit dem Ergänzungsmittel der sogenannten Religionsschule und ihren zwei Wochenstunden, für gänzlich ungenügend, um im Sinne meiner Ausführungen und der Forderung unserer Zeit zu wirken. Ich bitte also, meine Darstellung vorwiegend vom Standpunkte der jüdischen Schule zu beachten und zu beurteilen. Nur hier kann das hohe Ziel, nur so kann das 'brennendste Problem der Zeit angefaßt und — wenn Gott will — erreicht werden. Trotzdem ist natürlich alles das, was irgendwie auch in dem allzu knappen Unterricht in der Simultanschule von unsern Anregungen und Wünschen zu erfüllen ist, auch hier zeit- und bedürfnismäßig anzuwenden. — Und noch ein Letztes: Sollten meine Forderungen etwa allzusehr der höheren Schule angepaßt sein, so bitte ich das aus meinem langjährigen Arbeitsbereich zu erklären. In angemessener Reduzierung treffen jedoch alle Wünsche zur Umgestaltung unseres Religionsunterrichts in Judentumskunde auch auf die jüdische Volksschule zu. Sie sind hier wie dort unumgängliche Notwendigkeiten, soll die uns anvertraute Jugend dem Bildungsziele nahekommen, das wir aufstellen müssen, wollen wir unsere Pflicht erfüllen. Damit bin ich nun am Ende meiner Forderungen, Vorschläge und Anregungen und meiner Darstellung von der A u ffassung und U m fassung des aus der Atmosphäre der Zeit geschaffenen Begriffes „Judentumskunde". Ich schließe mit* den Worten Heinz Cohns in der C.V.-Zeitung: „Wir wünschen, daß unsere deutsche jüdische Jugend zu geraden Menschen heranwachse, daß sie ihre Umwelt ohne Haß und mit Verständnis zu betrachten lerne, und daß sie, gleichviel wo immer, sich eine Existenz aufzubauen vermöge. Wir glauben, daß der deutsche Jude diese Unverbogenheiit nur dann wiedergewinnen kann, wenn er das natürliche Verhältnis zu den Grundkräften seines Seins wiedergewinnt, und wenn er es lernt, sich ohne Einschränkung in seine d e u t s c h j ü d i s c h e Gemeinschaft einzugliedern. Eingliederung in eine Gruppe setzt Verständnis dieser Gruppe voraus. Und so wird die künftige Erziehung der jüdischen Jugend die jüdische W u r ze 1 u nseres Lebens zur Kraftquelle des Lebens erheben müssen. Dies ist keine Notstandsmaßnahme, sondern Neubesinnung. Wir haben unser deutsches Schicksal zu allen Zeiten rückhaltlos bejaht, bejahen wir nunmehr auch unser jüdisches Schicksal als deutsche Juden. Machen wir aus der Not eine wirkliche Tugend: Die Tugend des Bekennens zu sich selbst- Man hat so oft von der Notwendigkeit jüdischen Geschichtsbewußtseins geschrieben und gesprochen. Gestehen wir offen ein, daß wir es in unserer Verbundenheit mit der deutschen Not oft vergessen hatten. Wenn es aber ein Zeichen für die Unzerstörbarkeit des Judentums überhaupt gibt, so wird es unsere Rückkehr zum jüdischen Selbstbewußtsein seint" Dazu soll uns „Judentumskunde" verhelfen. ^m^.-^ '!■■>"*■■>'■ ij 1 Ik*~±.f^r^-^-x:-?^^ - ■ >-■,-■■■ . ..,-..,.:>■-.,. ', -9 Sparen Sie Zeit! Verwenden Sie Gummistempel! Wir liefern Gummistempel aller Art prompt und billig. Geben Sie uns den gewünschten Text und die ungefähre Größe an und wir nennen Ihnen postwendend unseren B Preis bei Franko » Lieferung. g Buchdruckerei Gebr. Neubauer | Ludwigs ha fen am Rhein » Gegründet 1893 B j^m^äMmmmm^m^^msrnd

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