Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 8 (1.8.1934)
- Date
- 1934-08-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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TTTxl t Nummer 8 Jüdische Schulzeitung Seite 5 w dem Talmud und den Kodizes, sowie der Kommentare und Bihdexegeseri gelehrt werden, so daß alle diese Kroßen Literaturwerke des Judentums dem jüdischen Kinde vor Augen kom- ' inen müssen und ilim.inne werden, so weit dies in der immerhin — auch -in der jüdischen Schule — beschränkter; Unterrichts- und Schulzeit möglich ist. Ks ist aber unumgänglich nötig, um die "tust zum Weiterlernen in Fortbildungskursen, in Jugend vereinen, Volkshochschulen, iu J'sehtwuus usw. fürs spätere Alter anzuregen. Nur so kann der jüdische Jugendliche den immer.wieder dem Juden zugerufenen Imperativ in sich aufnehmen: Z c u l'm a d! Und woher die eigentliche sogenannte Religion sichre und die Ethik des Judentums schöpfen? Welcher „Leitfaden der jüdischen Religion" wäre wohl besser, instruktiver als unser Masseches o-waus, unser Traktat von den ethischen Lehren unserer Vorfahren, den man gemeinhin Pirke owaus, „Sprüche der Väter" nennt und der bezeichnender Weise den Seder N'sikin, das bürgerliche Gesetzbuch des Judentums, abschließt. Warum ferner gehören Fabeln und Legenden aus allen Gebieten der Weltliteratur, von Aeschylos, Aesop, von Lafontaine, von Lessing und Herder zur Bildung eines modernen Menschen, wenn hingegen bei uns die leuchtenden und duftenden Blüten des M i d r a s c h, der talmudischen Agada, dem jüdischen Kinde vorenthalten bleiben: „Dieser Garten hochphantastisch . .~ . wo die schönen alten Sagen, Engelmärchen und Legenden" so „glau'benskräftig", so „gkiubensglühend" das Kinderherz ergreifen könnten. Dieser Midrasch, den wir in einer vorzüglichen Sammlung von dem jüdischen Dichter der Gegenwart, Bialik, besitzen als „jene selige Geheimwelt, jene große Offenbarung, die wir nennen Poesie". Es gibt auch gute deutsche Uebersetzungen. Doch stehe ich auch hier auf dem Standpunkt, daß echter jüdischer Geist nur aus dem Urquell in jüdischer Sprache geschöpft werden sollte, es sei denn in den ersten Kinder- und Schuljahren, wie bereits zugestanden. — Die hebräische Sprache istfür uns Westjuden aber vorwiegend' noch immer die Sprache unsere-s Gebets, unseres Gottesdienstes. Sie ist damit das einigende Band der gesamten Judenheit, und nichts ist besser geeignet als unsere heilige Sprache, den K'lal und Arewus, d. h. den Gemeinschaftsgedanken zu pflegen als die Tatsache, daß in Ost und West, in Nord und Süd in dieser Sprache, in der Sprache der Väter, man den Gott der Väter anbetet. Darum ist es notwendig, die Gebete Israels zum gesonderten-Unterrichtszweig zu machen, weniger der Sprache und Sprachfertigkeit und der Fähigkeit wegen, am Gottesdienst teilzunehmen, als um des religiösen Geistes willen, der sie erfüllt,, denn die sprachlichen Schwierigkeiten des Gebetbuches werden für den schon bibelkundigen Schüler leicht zu überwinden sein. Es ist deshalb methodisch verkehrt, die Unterweisung im Gebetbuch zu früh zu beginnen, so sehr praktische Gründe — die Teilnahme am Gottesdienste.— dazu verleiten könnten. Der Ostjude, der das jüdische Schrifttum im übrigen studierte und beherrschte, ist in seinem Cheder nie mit Gebetübersetzen traktiert worden. Man sollte — wie ich das schon oft ausgeführt habe — sich in den ersten Schuljahren mit Inhaltsangaben, durch schon bekannte Stichwörter gestützt begnügen. In den oberen Klassen ist der immerhin gehobene Stil des Gebetbuchs und auch des Machsor und anderer Pijtim, d. h. der jüdischen mittelalterlichen) gottesdienstlichen Poesie, dem Schüler nahezubringen. Mit diesem Unterricht ist auch leicht das Studium des jüdischen Kalenders, des Luach, den Hirsch einmal den Katechismus des Judentums genannt hat, sowie die Erläuterimg der Sitten und Bräuche der Juden von der Wiege bis zum Grabe zu verbinden. Wer — um nur e I n Gebiet aus dieser Mannigfaltigkeit und der. Fülle von Gemütswerten zu streifen — wer weiß, daß das doppelte Brot bei der Sabbatweihe an das Lechem mischneh beim Einsammeln des Mannas und damit an Gottes Fürsorge für sein Volk erinnert, wer das Anzünden der Sabbatlichter durch die Gattin und Mutter als die .Priesterin .des jüdischen Hauses in der. ganzen Gedankentiefe dieses alten Brauches erfaßt hat, der wird wie diese, so andere Bräuche schätzen und werten, der wird gerade in diesem vielleicht unwichtig scheinenden Fache der Judentums^ kundo eine feste Stütze des Heiniischwerdens im jüdischen Kulturkreis finden. „Symbol und Brauch" und die Ewigkeitswerte des Judentums müssen — wie Hennann Vogelstcin kürzlich in einem Aufsatz.im „Morgen" sagte, aus geschichtlichem Schon der Jugend verstündlich worden. Bei der Wanderung auf all diesen Pfaden und Seitenpfaden des jüdischen Lebensgartens darf auch die jüdische Musik — diesen Begriff nicht wissenschaftlich genommen — nicht zu kurz kommen. Sie ist die „Feuersäule des Gesanges, eine wunderbare, große, die der Schmerzenskarawane Israels vorangezogen in der Wüste des Exils."- Sie ist der bezeichnendste und tiefste Gefiihlsausdruck des jüdischen Menschen, der da singt in Freud und Leid, der da jauchzt und jubelt: Ogil w'essmach b'ssimchas tauroh! und der da weint und schluchzt: Eli zijaun w'oreho, dessen Lied mehr als alles andere der Wirklichkeit gewordene Ausdruck seiner Erlebnisse und seiner Geschichte, seines Märtyrertums und seiner gerade darum so unendlich tiefen Verbundenheit mit seinem Gotte darstellt. „Und in der Nacht ist noch sein Lied mit mir, Gebet zu meinem lebendigen Gott!" — Singen wir mit unsern Kindern Psalmen und Psalmodicn, alte und moderne, Synagogen- und häusliche Weisen, Wander- und Wallfahrtslieder — sie .werden, wie immer durch die heilige Musika, in die Heiligkeit und die Weihe, in den zauberhaften Reiz der so eigenartig hohe und tiefe Gemütsbewegungen bergenden jüdischen Sangesweise eingeweiht werden und mit der jüdischen Gesamtheit fühlen und denken — wieder ein Faden der Verknüpfung mit Stamm und Glauben, gemeinsamer Ausdruck gemeinsamen Schicksals. — Gemeinsames Geschick, gemeinsame Geschichte und ihr Erlebnis ist aber wohl das stärkste Band aller Gemeinsamkeit, alles Zusammenhangs mit der Gesamtheit. Darum ist die bedeutendste Kruft nach dieser Richtung dem G e s c Ii i c h t s u n t e r r ic h t beizumessen. Er wirkt, richtig betrieben, auf die verantwortliche Eingliederung 'des Einzelnen in die Gesamtheit. Er soll, wie ein wenig, bekannter Philanthropist (Bahrdt) sagt: nacheifernde Tugend, Klugheit in Handlangen, reifes Urteil, wahre Philosophie, ja Religion, d. h. Verbundenheit mit dem Lenker der Menschheit und des Weltgeschehens geben, lehren und erläutern. — Ohne Zweifel ist keine Geschichte mehr geeignet, alle diese Ziele zu verfolgen und zu erreichen, als die Geschichte unserer Gemeinschaft. Kann man aber schon die eigentliche biblische Mitteilung! Diejenigen Leser, die noch nicht Abonnenten unseres Blattes sind, können durch Einschicken des untenstehenden Bestellscheines die weitere Zusendung der Jüd. Schulzeitung veranlassen._ Ausschneiden u. Ihrem BrleltrSger mltgeten oder unfrankiert in den Briefkasten werfen I Hndas Postamt (Zeitungsstelle) ' - Hier> . 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