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Jüdische Schulzeitung · 1934-06-26 · 7 (26.6.1934) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
10 (1934)
Issue
7 (26.6.1934)
Date
1934-06-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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t Seite 4 Jüdische Schulzei t ung Nummer 7 Triebe erregende Spiel, das die Jugend feurig ergriffen hat und auch auf die jüdische Jugend übergreifen will, und es wird ihm einsichtig werden,, in welche Richtung die Sehnsucht der Jugend geht und wie unendlich schwer es. ist, die Knaben und Mädchen zu einer Welt hinzuführen, in der ein so ganz andrer Heroismus stur Wirkung kam als der, den sie um sieh her sich entfalten sehen. Wir Lehrer müssen uns dessen bewußt sein, daß die natürliche Interessensphäre unserer Jugend überhaupt andre Inhalte aufweist als die, mit denen sie in der Abseitigkeit ihres Schülerdaseins erfüllt werden soll. Das was um den Begriff Wehrhaftigkeit kreist mit all der die Jugend beflügelnden Romantik, es winkt den jüdischen Kindern nicht. Statt seinter steht vor den Toren eine unabsehbar lange Reihe von Gestalten, die Träger einer weit in den Hintergrund gedrängten, in andrer Art großen Welt sind und die nun Einlaß begehren. Da werden wir Lehrer einer ungeheuren inneren Kraft bedürfen, um die Jugend geneigt zu machen, ihn zu gewähren. Diese Kraft wird keinem Lehrer zuwachsen, der nicht sich ergreifen! läßt von der Allgewalt dieser Zeitenwende; der nicht, besessen von seiner Aufgabe, untertaucht in die unvergleichlich reiche jüdische Vergangenheit mit all ihrem Einmaligen, Seltsamen und Abenteuerlichen; der nicht auch glühenden Herzens auf das heroische Bemühen einer neuen Generation in Erez Jisrael hinblickt und mit all diesen Entfaltungen jüdischer Schaffenskraft für sich und die Schule lebenteeugend so ringt wie Jaakob mit dem Engel Gottes: „Ich lasse Dich nicht, Du segnest mich denn!" Eine dringende Aufgabe der jüdischen f Lehrerschaft Von Hüde Ottenheimer-Berlin. Angesichts der lebhaften Diskussion von Erziehungsfragen in der gesamten jüdischen Presse über theoretische, rechtliche und organisatorische Maßnahmen mutet es wie ein verheißungsvoller Streifen am pädagogischen Horizont an, daß in der Aprilnummer der Jüdischen Schulzeitung um Uebersendung von Schülerarbeiten gebeten wird, in welchen sich das Zeitgeschehen spiegelt. Es ist anzunehmen und zu erhoffen, daß man — was bisher vseltsamerweise nur selten der Fall war — auf Grund der Kenntnis dieser Arbeiten sich auch endlich einmal den jüdischen Kindern selbst zuwendet, um zu erkennen, wie sie den so tief in ihr kleines Leben eingreifenden Umbruch erlebt haben und erleben. Ob die Kinder nun in den allgemeinen Schulen verbleiben müssen oder ob sie umgeschult wurden, so kann heute kein Lehrer in den Schulen, keine Jugendleiterin im Kinderhort und kein Erzieher in den Heimen sich der Aufgabe entziehen, sich ein klares Bild von dem seelischen Verhalten des jüdischen Kindes zu Zeit und Welt zu verschaffen. Das ist ebenso wichtig als die Kenntnis der einzelnen psychologischen Schulen, ob es nun die Tiefenpsychologie ist oder der Personalismus, die geisteswissenschaftliche Psychologie, Eidetik, Gestalttheorie oder der. Behaviorismus -r- und wie alle die .psychologischen Richtungen der Neuzeit sich nennen. Im Grunde wollen sie ja alle nur'das eine: das Rüstzeug liefern, damit der Erzieher die Stelle des Kindes in seiner Welt, das Verhältnis und die Wechselbeziehung zwischen der Kinder- und Erwachsenenwelt zueinander verstehen und pädagogisch verwerten lernt. Schon ehe das Erlebnis des letzten Jahres die Kinderwelt, aufgestört hat, wurden psychologische Probleme des jüdischen Kindes. zuweilen, jedoch sehr sehen, behandelt. Als Wesenszüge des jüdischen Kindes in der allgemeinen Schule stelltensie eine oftmals gedrückte Stimmung fest, eine gedämpfte Lebensfreude und Unbefangenheit, in welcher stets ein Unterton von Schwermut mitschwingt. Das jüdische Kind neige nach diesen Feststellungen auch dazu, sich in seine Träume einzuspinnen; es sei verträumter, seine Phantasie lebhafter, was zum Hinneigen zu künstlerischer Betätigung, aber auch zur Weitemtfremdung führen kann. Diese Beobachtungen wurden sowohl von Theoretikern als auch Praktikern gemacht Und stets wurde als ihr Wurzelgrund das Erlebnis der Fremdheit und Andersartigkeit festgestellt, dem wohl kaum ein jüdisches Kind in der allgemeinen Schule entging. Angesichts dieser schon früher festgestellten seelischen Verfassung des jüdischen Kindes muß seine Umschulung — ganz abgesehen von der Reaktion auf die Zeitereignisse — eine psychische Umwälzung von einem kaum absehbaren' Ausmaße zur Folge haben. Wenn daher die jetzt entstehenden Schulen nicht nur Unterrichtsanstalten zur Uebermittlung von jüdischem und deutschem Kulturgut, sondern wirkliche Erziehungsschulen sein wollen, so müssen es die Lehrer als ihr© dringendste Aufgabe betrachten, sich ein Bild von dem seelischen Erleben der neu eingeschulten und umgeschulten Kinder auf Grund ihrer eignen Aeußerungen zu machen. Vielleicht lassen sich für solche Feststellungen von vornherein gewisse Richtlinien aufstellen, damit — abgesehen von der praktischpädagogischen Bedeutung — auf diesem Wege auch das Material zu einer Psychologie des jüdischen Kindes gewonnen wird. Vor allem müssen derartige Beobachtungen überall zu dem gleichen Zeitpunkt gemacht werden. Von Bedeutung ist es weiterhin, daß den Aeußerungen der Kinder ein von der Lehrerschaft aufgestellter psychologischer Beobachtungsbogen als Grundlage der späteren Beurteilung beigefügt wird. (Die Namen der Kinder brauchen nicht angegeben zu werden, jedoch ist die Bezeichnung, ob es sich um Knaben oder Mädchen handelt, notwendig.) Ohne einer Gesamtschilderung der jüdischen Lehrerschaft über die häuslichen und persönlichen Verhältnisse des Kindes, über seine wirtschaftliche und soziale Lage, seine körperliche und geistig-seelische Beschal» fenheit und über sein Verhalten zur Umwelt irgendwie vor* greifen zu wollen, sollen nachstehend einige Fingerzeige gegeben werden, auf welche Punkte ein solcher Beobachtungsbogen notwendigerweise einzugehen hätte, um eine sinnvolle Deutung der Schülerarbeiten zu ermöglichen. 1. die wirtschaftlichen Verhältnisse der Familie: Ganz allgemeine Angaben genügen, ob die wirtschaftlichen Verhältnisse günstig, nicht ungünstig oder ungünstig sind.. Beruf des Vaters; Beruf der Mutter: Wohnungsverhältnisse: Sind dem Lehrer (rgend.welche he*; ruflichen oder wirtschaftlichen Um-, Stellungen aus dem letzten Jahr be-! kannt geworden? ' Aeußert sich die wirtschaftliche Lage der Familie an dem. (guten oder schlechten) Aussehen des Kindes oder an seiner Kleidung? Macht das Kind typische Aeußerungen darüber?- (Beispiele). 2. die sozialen Verhältnisse des Kindes: In welcher Umgebung lebt das Kind? (Großstadt — Mittelstadt — Kleinstadt — ländliche Verhältnisse). Hat das Kind Geschwister? Welchen Platz nimmt es in der Geschwisterreihe ein? das älteste, mittlere, jüngste). Sind die Familienmitglieder im Laufe des vergangenen Jahres getrennt worden? Oder kamen neue Menschen in die Familie oder in die nähere Umgebung des Kindes? (Aeußerungen des Kindes darüber.) Hat die Familie Zeit und Interesse für die Leistungen und. Erlebnisse des Kindes? Wie unterstützt* sie ev. die Umschulung? Läßt sich ein im Vergleich zu früher stärkeres Interesse^ der Familie am jüdischen* Religionsunterricht beobachten? Wie äußert es sich? ' Wer gehört zur Umgebung des Kindes außerhalb von Familie und Schule? Kameraden — arische? nichtarische? Gehört das Kind einem jüdischen Jugend- oder Sportbund an? Ev. seit.wann ungefähr? Hat das Kind im Laufe der letzten Zeit alte Beziehungen verloren und neue gefunden? (Aeußerungen der Familie und' des Kindes).

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