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Jüdische Schulzeitung · 1934-06-01 · 6 (1.6.1934) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
10 (1934)
Issue
6 (1.6.1934)
Date
1934-06-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nummer 6 J ü dis ch,e Schulzeitu ng Seite 7 essengemeinschaft hat das Gehöft mit Garten und einem größeren Stück Land vorläufig auf die Dauer eines Jahres gepachtet, um hier die Kinder nicht nur ia den üblichen Schulfächern, sondern auch in Gartenarbeit und anderen prakti- . sehen Arbeiten zu unterrichten. Es können dort fünfzig bis hundert Kinder Aufnahme finden. » Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung Von der Reichsvertretung der deutschen Juden ist unter Leitung von Prof. Dr. Martin Buber und mit dem Sitz in Frankfurt a. M. eine Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung ins Leben gerufen worden. Sie hat vor allem die Aufgabe, den Gedankenaustausch zwischen den Einrichtungen und den Mitarbeitern der jüdischen Erwachsenenbildung in Deutschland zu fördern, neue Einrichtungen und zweckentsprechende Ausgestaltung der bestehenden anzuregen und in allen einschlägigen Fragen den Organisationen und Einzelpersönlichkeiten beratend und helfend zur Verfügung zu stehen. Um einen Ueberblick über die vorhandenen Einrichtungen zu gewinnen und einen Gedankenaustausch einzuleiten, wer-' den die Leiter der Lehrhäuser, Volkshochschulen, Lehrkurse, Kurse der Religionsgemeinden, Schulen der Jugend, Büchereien usw., sowie alle sonst interessierten Persönlichkeiten und Gruppen aufgefordert, möglichst umgehend Material über die Arbeit (Arbeitspläne, Ausbaal wünsche , besondere Schwierigkeiten, gute Ansatzpunkte für die Arbeit, Art und Zahl der Besucher) an die Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung, Frankfurt a. M., Fahrgasse 146, einzuschicken. Eröffnung der neuen jüd. Schule in Offenbach a. M. Am Dienstag, den 17. April, fand im großen Festsaal des Gemeindehauses die Eröffnung der neu errichteten jüdischen Bezirksschule für Offenbach a. M. und Umgebung statt. Erschienen waren Rabbiner und Vorstand der Gemeinde, der Vertreter der staatlichen Schulbehörde, das Lehrerkollegium. Eltern und Schüler, sowie Freunde und Gönner des neuen Schulwerks. Der 1. Vorsteher der Gemeinde, Her- *f,V*nr i. R. Dr. Gug genheim, begrüßte die Anwesenden. In eir; . ' r. -n T.\.->: getragenen Ansprache würdigte er die Beü. /, e.*: 'ö.r:> :itung dieser jüdischen Schule und bezeichnet» ihre AufgaKdie Vermittlung von jüdischem und deutschem Bildungsgut engster Verbindung miteinander. Ein Schüler trug den Psalm 23 vor und danach entwickelte der Leiter der Schule, Herr Lehrer Dr. Manfred Strauß, in großen Zügen die Erziehungs- und Bildungsziele. Die Schule wird zur Zeit von 78 Schülern besucht, die in drei Klassen zusammengefaßt sind. Die beiden obersten Klassen sind solche mit erweiterten Lehrzielen. Es ist beabsichtigt, noch im Laufe dieses Jahres, spätestens aber im nächsten Frühjahr ein 9. und 10. Schuljahr aufzubauen. Die religiöse Weihe wurde dem neu gegründeten Werke durch Herrn Rabbiner Dr. Dienemann gegeben. Hebräischer Sprachunterricht in den Berliner jüdischen Schulen Die Berliner Repräsentantenversammlung hat beschlossen, die Legislaturperiode von Repräsentanz und Vorstand um zwei Janre zu verlängern. Dieser Beschluß konnte nur auf Grund von Vereinbarungen zwischen den verschiedenen Parteien gefaßt werden, die namentlich zionistischen Forderungen entsprechen. Unter ihnen verdient besondere Hervorhebung der Beschluß, Mittel für den Unterricht in hebräischer Sprache bereitzustellen. Es soll künftig an allen Gemeindeschulen dieser Unterricht so intensiv erteilt werden, daß die Absolventen die moderne hebräische Sprache in Wort und Schrift völlig beherrschen. Albert Silberberg s. A. Vor wenigen Wochen ist der frühere Direktor der Israelit. Gartenbauschule in Ahlem, Albert Silberberg, im Alter von 62 Jahren heimgegangen. Sein Name wird für immer eng verknüpft bleiben mit den Bestrebungen, innerhalb der deutschen Judenheit eine Umschichtung der Berufe zur Landwirtschaft und zum Handwerk herbeizuführen. In einer Zeit, da noch kaum jemand ahnte, vor welch schwerwiegende Notwendigkeiten einmal die Juden gestellt sein würden, erhob dieser tatenfrohe weitblickende- Mann seine Stimme, um zu warnen und zur Einsicht zu rufen. Es mutet heute fast wie ein Akt der Vorsehung an, daß es dem Kollegen Silberberg beschieden war, in dem Philanthropen Moritz Simon einen gleichdenkenden Weggenossen zu finden, der ihm in nimmererlahmender Opferbereitschaft die Möglichkeit gab, dem Ziel zuzustreben. Mehr als 30 Jahre durfte Alb. Silberberg dort in der schönen Ahlemer Anstalt wirken. Seine Gabe, den innern und äußern Menschen in den ihm anvertrauten Schülern zur Harmonie reifen zu lassen, war groß; sein Mut, allen Hindernissen zum Trotz das als richtig erkannte Ziel zu verfolgen, war ungewöhnlich, seine Zuversicht, daß er durchdringen werde durch die allzuhäufig spürbare Verhärtung seiner Zeitgenossen, unzerstörbar. So wuchsen ihm ungezählte Freunde in seinen Schülern heran, die als Gärtner, Landwirte und Handwerker Ahlems Ruhm in alle Welt hinaustrugen; Bewunderer aber auch weit und breit, die es spürten, welch ein Mann hier am Werk war. Schwere Krankheit in schwerer Zeit nahmen Albert Silberberg das Steuer aus der Hand, 1930 mußte er sein Amt in andre Hände übergehen lassen. Mitten heraus aus dem Sturm, der über die deutsche Judenheit dahinbraust, der sie mit Ungestüm dahinführen will, wohin sie mit wenigen Getreuen der Heimgegangene hat führen wollen, hai man Albert Silberberg zur Ruhe heimgeleitet. Mehr als sonst zu Zeiten wird eines Menschen gedacht werden, der hellsichtig, reich an Herz und Verstand, sich im Dienste einer Idee verzehrt hat. Aus der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums Zur Geschichte der Judenemanzipation veröffentlicht Fritz Friedländer im neuesten Heft der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums einen sehr wichtigen Beitrat . Er beleuchtet die Auseinandersetzung zwischen dem be- ".ten, preußischen Juristen Geheimrat Streckfuß und jüdi- *>cuen Verfechtern der Gleichberechtigung ums Jahr 1833. Manches in den Gründen und Gegengründen mutet an, als wäre es in unsern Tagen geschrieben. Im gleichen Heft berichtet Max Wiener über neuere Schriften zur Bibelwissenschaft (z. B. Bubers „Königtum Gottes"); Moses Gaster setzt seine sehr lehrreichen Untersuchungen zur vergleichenden Sagenkunde fort, und Bernhard Heller ergänzt ihn. Die MGWJ. wird in diesem Jahr mindestens in gleichem Umfang erscheinen wie im vorigen, da das Januarheft bekanntlich dank auswärtiger Spenden stark erweitert werden konnte. Man abonniert die „Monatsschrift", indem man Mitglied der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums in Berlin wird und den jährlichen Mindestbeitrag von 10 RM an die Gesellschaft (Postscheckkonto: Berlin Nr. 7030) sendet. Richtigstellung Unter der Ueberschrift „Die Lehrerbildungsanstalt ist da", hatten wir in der vorigen Ausgabe unseres Blattes einige Mitteilungen gebracht, die uns zugegangen waren. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden übersandte uns daraufhin eine Richtigstellung, aus deren Inhalt wir nur hervorheben wollen, daß bisher keine Konzession erteilt sei, und daß die Reichsvertretung mit der Einrichtung der Anstalt unmittelbar nichts zu tun habe.

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