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Jüdische Schulzeitung · 1934-06-01 · 6 (1.6.1934) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
10 (1934)
Issue
6 (1.6.1934)
Date
1934-06-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 J ü dische S.chulzeitung Nummer -6 Provinzen Referendare Schulen zur Ausbildung überwiesen und zwar zusammen 15 (Niedersohlesien 2, Hessen-Nassau 9 und Rheinprovinz 4). Aus dem Staatsdienst sind im Laufe des Schuljahres 10 ausgeschieden. Unter 4§n verbliebenen 5 Referendaren sind 2 ins Ausland gegangen und 1 Kriegsteilnehmer, letzterer an einer jüdischen Schule. Nehmen wir alle Gruppen zusammen, so ergibt sich folgendes Gesamtbild: Unter 16 524 preußischen Philologen (ausschließlich der Referendare) sind heute noch 62 jüdische Philologen an christlichen Anstalten Preußens tätig (2 Oberstudienräte, 47 Studienräte, 6 Assessoren-Anwärter, 7 Nichtanwärter) das sind unter Einrechnung der 4 Philologen in Oberschlesien und im Saargebiet 4 vom Tausend. Bei den Philologinnen ergibt sich folgendes Bild: Im preußischen Staatsdienst waren zum Beginn des Schuljahres 1933-34, also vor dem Inkrafttreten des Beamtengesetzes 0 Direktorinnen, 2 Oberstudienrätinnen und 38 Studienrätinnen. In gehobenen Stellungen (Direktorinnen und Oberstudienrätinnen) waren somit 2 von 149 1.34%. Durch Ausscheiden der beiden Oberstudienrätinnen ist der Prozentsatz nunmehr Ofo. Von den 38 Studienrätinnen sind 28 ausgeschieden; von den verbliebenen 10 Studienrätinnen sind 5 an jüdischen Schulen (Philanthropin und Hirsch-Realschule Frankfurt a. M.). 2 in Oberschlesien, 2 Altbeamtinnen und 1 als Kriegerwitwe. An christlichen Anstalten sind somit. verblieben (ohne Olberschlesien) 3 von 1675 0,18 v. H. Für die Nichtfestangestellten ergibt sich folgendes Bild: Von den 13 im Amt befindlichen Assessorinnen, die Anwärterinnen, also anstellungsberechtigt waren, sind 12, also 92,3% ausgeschieden. Die eine verbliebene Assessorin ist jedoch im Ausland tätig, so daß eigentlich 100% Anwärterinnen ausgeschieden sind.' Von den weiteren 31 Nichtanwärterinnen, die zu Beginn des Schuljahres 1933-34 im preußischen Staatsdienst waren, sind alle 31, d. h. 100%- ausgeschieden. Folgendes Gesamtbild möge die Lage der jüdischen Philologinnen abschließend charakterisieren: Legen wir die Zahlen zugrunde, die sich für jüdische Philologinnen an nichtjüdischen staatlichen und städtischen Anstalten errechnen lassen, so ergibt sich folgendes: Unter Hinzurechnung der 3 jüdischen Philologinnen in Oberschlesien sind heute noch an christlichen Anstalten zusammen 6 jüdische Philologinnen tätig und zwar: (0 Oberstudienrätinnen, 5 Studienrätinnen, 1 Assessorin), das sind von insgesamt 3437 preußischen Philologinnen 2 vom Tausend, Dr. Weil. Franz Rosenzweigs Anmerkungen zu Jehuda Halevi Von Dr. Esther Frank, Studienrätin an der Jawne in Köln Franz Rosenzweigs Werk ist der Quantität nach betrachtet leicht zu überschauen, der Qualität nach schwer zu durchdringen. Als Hauptwerk finden wir den „Stern der Erlösung", das viel gerühmte, aber leider kaum gelesene Werk, dessen dritter Teil auch allen denen zugänglich ist, die bei den ersten beiden Teilen zurückgeschreckt werden durch eine philosophische Fachsprache. Ein zweites Werk, das besonders geeignet ist, die Rosenzweigsche Gedankenwelt zu erschließen, ist „Zweistromland". Das ist eine Sammlung von Essays, die dem Leser gute Hilfe leisten, wenn er sich an die Eigenartigkeit und EigenwilMgkeit Rosenzweigscher Denkweise gewöhnen Will. Als drittes größeres Werk nenne ich die Uebersetzung der Gedichte des mittelalterlich spanisch-jüdischen Dichters Jehuda Halevi. Die Gedichte sind in hebräischer Sprache gedichtet. Die Uebersetzung der" Gedichte ist anders, als wir sie sonst gewohnt, sind. Sie ist getragen von einer peinlich getreuen Verantwortung gegenüber dem Urtext. Rosenzweig ist der Erste, der über das Uebersetzungsproblem grundsätzlich Neues gesagt hat. Um es in ganz knapper Art anzudeuten: er unterscheidet zwei Möglichkeiten des Uebersetzens: das Fremde wird eingedeutscht, oder , das Deutsche wird urngefremdet. Er selbst hält für die einzig mögliche Art des Ueberr setzens das Umfremden des Deutschen, das heißt, die Uebersetzung muß der Sprache des Originals angenähert werden» sie muß sich zum Text hinbewegen, also die Besonderheit der f reim den Sprache annehmen: „Der Uebersetzer macht sich zum Sprachrohr der .fremden Stimme, die er über den Ab-' grund des Raums und der Zeit vernehmbar macht. Wenn die fremde Stimme etwas zu sagen hat, dann muß die Sprache nachher anders aussehen als vorher. Dieser Erfolg ist das Kriterium für die pflichtgemäß ausgeführte Leistung des Uebersetzers." . ' Die Uebersetzung versucht, den hebräischen Text nicht nur nach seinem Inhalt und Gehalt, sondern auch nach seiner Form und seiner Gestalt, der hebräischen Sprach- und Sprechmelodie nach hinüber zu transponieren ins Deutsche. Solch eine Uebersetzung kann allerdings nur geleistet werden von einejm Uebersetzer, der über eine ungewöhnliche sprachschöpferische Begabung verfügt und selbst dichterische Qualitäten besitzt. Die Uebersetzung der Gedichte mutet auf den ersten: Blick herb und streng an und erschließt sich wie jedes große und echte Kunstwerk nur bei gelassenem Verweilen: das Kunstwerk spricht nicht uns an, es will von uns angesprochen werden. ■ . ' Die Uebersetzung der Gedichte ist begleitet von einem Anhang, den Franz Rosenzweig „Anmerkungen" nennt. Diese Benennung ist viel zu schmal und zu bescheiden für das, was in den Anmerkungen sich birgt. Sie enthalten solch eine Fülle von Bemerkungen zum Inhalt der Gedichte, daß man ohne jede Uebertreibung sagen kann, sie enthalten eine ganze Sprach- und Religionsphilosophie. Dabei sind sie von einer unerhörten Dichtigkeit und Geladenheit, so daß man sich zum Verständnis schon bemühen muß, die Gedanken gewissermaßen auseinanderzufalten, um ihrem Gehalt gerecht zu werden. Die Sprache in den Anmerkungen ist von einer intensiven Bündigkeit und Knappheit, einer Zucht und Herbheit, die durch eine geschmeidige Biegsamkeit und Anmut der Form ausgeglichen wird. Die theoretischen und praktischen Themen einer Religionsphilosophie werden angeschlagen und trotz der kurzen Form, so paradox es auf den ersten Blick erscheint, erschöpfend behandelt. Wenn einmal jemand gesagt hat, ein Aphorismus ist das letzte Glied einer langen Gedankenkette, so kann man das ohne Einschränkung auf Rosenzweigs Anmerkungen übertragen. Die Entwicklung der Gedanken wird uns erspart, nur das Ergebnis der Ueberlegungen mitgeteilt; wer also die Anmerkungen in ihrer einzigartigen Besonderheit erfassen will, muß sich schon die Mühe machen, den Weg, der zum gegebenen Ziel führt, sich selbst zu konstruieren, uim1 das Endergebniss in seinem So- und Nichtanderssein zu erfassen. Die Anmerkungen wollen nicht für sich allein 'gewertet werden; ihr Ausgangspunkt ist immer das Gedicht von Jehuda Halevi; bei Jehuda Halevi wird in intuitiver Schau das Motiv angeschlagen, bei Rosenzweig wird es aufgenommen, variiert, fortgeführt und zu letzter begrifflicher Klarheit ausgehämmert. Ich greife aus dem Ideenkreis Rosenzweigs folgende Themen heraus: 1. das religiöse Erlebnis, 2. das Problem der Willensfreiheit, 3. die Frage der Umkehr oder wie Rosenzweig es bezeichnender nennt Heimkehr, 4. der Begriff Feindesliebe und 5. die „Einzigartigkeit" des jüdischen Volkes. Das religiöse Erlebnis Rosenzweig stellt die Frage: Was ist ein religiöses Erlebnis, und welches ist der Sinn des religiösen Erlebnisses? Wir stellen die Frage: Was heißt in diesem Sinn erleben? Erleben in diesem Sinn heißt Erfahren einer Tat des Absoluten, eines Geschehens aus der Transzendenz her, das den Menschen anspricht, und dem er zu antworten hat. Rosenzweig beschreibt so: „Das Ersehnte ist geschehen. Ein Nachtgesicht hat deim Dichter das Erlebnis der Gottesschau gebracht. In dem Zustand zwischen Traum und Wachsein, der von jenem die Eigengesetzlichkeit, von diesem die Gültigkeit

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