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Jüdische Schulzeitung · 1934-05-01 · 5 (1.5.1934) · page 3

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
10 (1934)
Issue
5 (1.5.1934)
Date
1934-05-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nummer 5 Jüdische Sbhulzeitutig Seite 3 meldet. Da es nur in einigen Großstädten derartige jüdische Schulen gibt, so wird von der Maßnahme des Preußischen Ministeriums auch'.nur ein Teil der jüdischen Kinder betroffen; eine erhebliche Anzahl dürfte auch in diesem Jahre in die allgemeinen Anstalten übergegangen sein. Immerhin: als der Erlaß bekannt wurde, waren wohl Im .gnusten Releh die Ferien beendet und das neue Schuljahr begonnen, so daß sich sowohl die Eltern als auch die Schulleiter heute vor eine besoTdere Situation gestellt sehen. In den kommenden Wochen wird sich übersehen lassen, wie man aus ihr herausgekommen ist. Nichts wäre unangebrachter als ein unbesonnenes Verhalten der Eltern. Sie mögen daran denken, daß ein örund zur Panikstimmung nicht vorliegt. Einmal ist zu beachten, daß weiter nichts geschehen ist, als daß die Behörde gesetzliche Bestimmungen auch auf / die jüdischen Schulen anwendet; sodann aber läßt der Wortlaut hoffen, daß der Erlaß nur für dieses Jahr Gültigkeit hat. Bemerkungen zur Umstellung des jüdischen Lehrers von der höheren Schule auf die Volksschule Von Lehrer Hammersteln-Berlin Die gegenwärtigen Verhältnisse haben es mit sich gebracht, daß eine große Anzahl jüdischer Lehrer von höheren Schulen darauf angewiesen ist, Beschäftigung an den jüdischen Volksschulen zu finden. Erfreulicherweise ist diesen Kollegen zunächst wenigstens die Möglichkeit gegeben worden, der Volksschule innerlich näher zu kommen: ein Schulungskurs führt sie in das Wesen der Volksschularbeit ein, und durch Hospitationen und Unterrichtsversuche in den Schulen der Berliner jüdischen Gemeinde können sie ihre Eignung erproben und die Eigenart der Volksschulkinder kennen lernen. Bei dieser Gelegenheit haben sie auch eine erste Begegnung mit der Volksschullehrerschaft gehabt, und diese Begegnung müßte für beide Gruppen fruchtbar und anregend sein. Es sei nun einem der beteiligten Volksschullehrer gestattet, seinen Gedanken über die neue Situation Ausdruck zu geben. I. Zunächst muß. gesagt werden, daß wir Volksschullehrer <liesen unsern künftigen Kollegen keinerlei Mißtrauen, Ablehnung. Minderwertigkeits- oder Ueberwertigkeitsgefühle irgendwelcher Art entgegenbringen. Wir hegen auch keine wirtschaftlichen Besorgnisse, denn wir halten es für selbstverständlich, daß, solange Volksschullehrer zu haben sind, man für die Volksschule zunächst sie heranziehen wird. Die immer wachsenden Bedürfnisse werden aber gewiß auch jenen Kollegen Tätigkeit bieten.. Wenn wir aber Bedenken haben und äußern, so gelten diese der inneren Entwicklung der Schule und ihrer Zukunft. II. Unser Stand hat einen langen — und nicht leichten — Kampf geführt, um die Volksschule aus einem geringgeachteten Dasein zu dem zu machen, was sie heute ist. Unsre Kinder können sich in ihr frei entfalten und dürfen sagen, daß sie eine Bildung eigener, aber nicht geringerer Art empfangen. Und nun hörten wir in vielen Unterhaltungen die Auffassung, daß es wohl hauptsächlich in dem Umstelluntssprozeß darauf ankomme, „sich herunterzuschrauben", üebe Kollegen, das ist ein Irrtum. Längst beseitigt und überholt ist jene alte Pädagogik, die, von Philosophie und Theorie ausgehend, alle Schulen im gleichen Lichte sah und der Volksschule dadurch gerecht werden wollte, daß sie Bildung und Methoden der höheren Schule — nur etwas verdünnt oder vergröbert — auch auf sie konsequent anwenden wollte. Die Volksschule unterliegt ihren eigenen Gesetzen und kann iwir aus sich selbst heraus verstanden werden. III. Wer von der höheren Schule kommt, der muß sich zunächst anstrengen, fast alles zu vergessen, was dort richtig und wichtig war. Dort herrscht mit Recht das „Fachlehrersystem". Dort sind Männer der Wissenschaft nötig, dort können zwar der freien Entfaltung des Kindes Konzessionen gemacht werden, aber dominieren muß wissenschaftliche Bildung. Und wer nicht ein Mindestmaß an Intelligenz und Arbeitskraft besitzt, muß ausscheiden. Wie anders die Volksschule! Sie ist ganz und gar ein Erziehungswerk, und noch dazu meist an den armen Kindern, deren Privatleben oder Elternhaus mehr oder weniger defekt ist. Lernen ist da ein Teil des Ganzen, nie so groß, daß das übrige in seinem Schatten* steht. Wir müssen ja so manchen Jungen am Ende seiner Schulzeit mit recht geringem Wissen entlassen, wir haben auch alle Unbegabten! Aber niemals können wir auf die Bemühung verzichten, aus ihm ein recht brauchbares Glied der Gemeinschaft zu machen. Die höhere Schule gibt oft eine Klasse von Jahr zu Jahr weiter an den nächsten Lehrer, er tut seine Arbeit an den Schülern, fördert sie und gibt sie dann wieder dem nächsten. So objektive Bildung existiert in der Volksschule nicht. Unsern Kindern ist der Lehrer alles, auf ihn ist ihr Blick gerichtet, ihm möchten sie es recht machen. Jeder Lehrerwechsel bedeutet für sie eine starke Erschütterung und forden größte Umstellung. Diese Kinder brauchen uns, brauchen unsere Liebe und Freundschaft. Der Volksschullehrer muß mehr als jeder andere sich bemühen, im wahrhaft Pestalozzischen Sinne den Kindern zu dienen. Da kann von „Herunterschrauben" keine Rede sein, ganz andere Erfordernisse sind es< diü im Gegenteil nur durch höchste menschliche Bereitschaft und Aufbietung aller guten Kräfte erfüllt werden können. IV. Immer wieder drückten uns auch diejenigen Kollegen, die den besten Willen zur Umstellung mitbrachten, den Wunsch aus, die „Methoden" der Volksschule kennen zu lernen. Diesen müssen wir aber antworten: an den Methoden ist sehr wenig gelegen. Ja, vielleicht kommt es uns gar nicht zu, Kollegen, die schon alle eine mehr oder weniger lange Praxis besitzen, in Methodik zu schulen oder zu beurteilen. Das einzig wesentliche ist, ihnen das Verständnis für den Sinn der ganzen Volks- . schule zu erleichtern. V. Die gegenwärtige Volksschule hat ihren Charakter durch eine Anzahl von Reformen erhalten, wie sie auch in den letzten Richtlinien ausgedrückt sind. Nun hörten wir oft die Meinung, daß diese Reformen vor dem neuen Geiste, der in Deutschland herrscht, wieder schwinden würden. Nichts ist irriger als das. Eine gewisse Straffung und Mannhaftigkeit werden zweifellos kommen. Aber man» glaube ja nicht, daß das im Sinne eines pädagogischen Rückschritts sein wird, daß das eine Rückkehr zum alten Lernbetriebe bedeuten, könne. Gerade das neue Deutschland wird das Erzieherische vor das Lernerische, wird die Pflege der Seele, die Pflege der Gemein * schaft über alles stellen. VI. Am deutlichsten ist die Eigenart der Volksschule in der Unterstufe, besonders im ersten Schuljahr, bemerkbar. Und wer hier, wie es geschehen ist, glaubt, „das Spielerische" werde in Zukunft schwinden, der beweist, daß er den Sinn der Sache überhaupt nicht erfaßt hat. Dieses Spielerische ist sar kein Beiwerk, sondern der stärkste Ausdruck der Ganzheit, mit der wir das Kind übernehmen, um auch in Ganzheit ,den Menschen zu bilden. Das Spiel, eine der stärksten Lebens- und Entwicklungsfunktionen bei Tier und Mensch, wer könnte es wagen, anstelle dieses ursprünglichsten kraftvollen Triebes kurzerhand unsere dürftige Intellektbildung zu setzen! VII. Es ist hier unmöglich und auch nicht beabsichtigt, das Wesen der' Volksschule zu schildern. Mögen die einzelnen Bei-

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