Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 5 (1.5.1934)
- Date
- 1934-05-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2825247-2825342-2825347--0822-2826462- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 2 Jüdische Schulzeitung Nummer 5 und äußer.!! Ausbau der Schule. In diesem Zusammenhange darf auch ein Wort zu unserm Verbandsorgan gesagt werden. Die Schriftleitung hat es schon einmal zum Ausdruck gebracht, daß sie der tätigen Mithilfe all derer bedürfe, die Wesentliches zu Fragen der jüdischen Schule zu sagen wüßten. Sie ist aber auch auf Nachrichten über bedeutsame Vorgänge im Schulleben der Gemeinden des gesamten Reichsgebietes angewiesen, wenn sie ihrer Aufgabe, eine zuverlässige Nachrichtuttquolle für die Lehrgrschuft und darüber hinaus für die gesamte jüdische Oeffentlichkeit zu sein, gerecht werden soll. First dann, wenn sich alle Kollegen entschließen, regelmäßig über wichtige Ereignisse in ihren Gemeinden zu berichten, wird" unsere Schulzeitungi ein getreues Spiegelbild jüdisch-pädagogischer und schulpolitischer Bewegungen unserer Zeit sein können. Die Arbeit in unsern Vereinen hat aus begreiflichen . Gründen eine Zeit lang gestockt. Und auch heute wird , sie kaum in der altgewohnten Intenlsität wieder aufgenommen werden können, weil die finanzielle Kraft nicht mehr zur Verfügung steht. Immerhin bestellt der Eindruck, als ob mehr geleistet werden könnte. In einer Reihe von Bezirken wird fleißig gearbeitet; in andern dagegen scheint es am erforderlichen Mut zu neuem Beginnen zu fehlen. Und dennoch ist nicht einzusehen., warum nicht ans Werk gegangen wird. An Stoff zu Vorträgen und Aussprachen ist doch wahrhaftig kein Mangel. Im Gegenteil: zu keiner Zeit drängte die Fülle der Probleme so sehr wie gerade in unsern Tagen. War es der jüdischen Lehrerschaft früher möglich, über Fragen der allgemeinen Pädagogik, über die Methodik der sogenannten Profanfächer in don allgemeinen Lehrervereinen Rat zu holen, so ist sie heute auf den Gedankenaustausch im eigenen Lager angewiesen. Und so darf jenen Kollegen zugestimmt werden, die jüngst in Bezirkskonferenzen der Meinung Ausdruck gaben, im jüdischen Lelirerverein müßten heute alle Fragen, die Schule und Stand angehen, durchgesprochen werden. Fügt man all das hinzu, was in Arbeitsgemeinschaften und Fortbildungskursen geleistet werden soll, so ergibt sich eine Vielfalt von Aufgaben, wie sie früher nie an den jüdischen Lehrer und seine Standesorganisation heranlgetreten ist. Und ganz von selbst erhebt sich die Frage, ob es nicht an der Zeit wäre, den Kreis der vom Verband zu um spannenden Lehrenden zu e r w e i t.e r n.*) In dieser Hinsicht gewinnt eine Zuschrift Interesse, die die Schriftleitung dieses Blattes jüngst erhielt und aus der das Wichtigste hierhergesetzt sei. Es heißt darin: „Die Zeiten, da die verschiedenen Lehrerkategorien, als da sind Volkssehullehrer, Religionslehrer, Studienräte, Rabbiner^ getrennt und zuweilen in feindseliicer Haltung nebeneinander hergingen, sind vorüber. In der nichtjüdischen Umwelt hat die Entwicklung der Dinge die Sonderorganisationen zum großen Teil hinweggefegt, und es hat ein Prozeß eingesetzt, der eine großartige Einheit aller Lehrenden herbeiführen wird. Die deutsche Judenheit kann sich den Luxus einer Kräftezersplitterung nicht mehr leisten: die Aufgabe, die auf dem Gebiet der Erziehuwg und des Unterrichtes zu leisten ist, verlangt den Einsatz aller Energien, und sämtliche Lehrenden, gleich welcher Vorbildung sie sein mögen, sind aufgerufen, demselben Ziel zu dienen. Liegt es da nicht nahe, einen allumfassenden Verband zu schaffen? eine Organisation, in die hinein wir Lehrer unsere pädagogischen Erfahrungen, die Rabbiner aber ihr reiches jüdisches Wissen mitbringen? Es naht die Zeit, da das jüdische Schulbuch geschaffen werden muß. Darunter soll nicht etwa das Buch für den Religionsunterricht im weitesten Sinne verstanden sein, sondern die Lern- und Lehrmittel für den Unterricht an jüdischen Schulen schlechthin. Es wird eine Unsumme von erzieherischen Erfahrungen, aber auch von jüdischem Wissen aufgewandt werden müssen, um hier Gelegenes zuwege zu bringen. Wir glauben, Stümperarbeit auf d'esem Gebiet am wenigsten fürchten zu müssen, wenn Schuln;iinner aller Art auf der Ebene eines Verbandes zusammen- *) Siehe hierzu den Bericht aus Frankfurt a. M. an anderer Stelle. ■ . . wirken. Wie der Zusammenschluß zu bewirken wäre, das zu bestimmen ist Aufgabe der Männer, die an der Spitze der verschiedenen Organisationen stehen. Mögen sie die Zeichen der Zeit verstehen! Mögen sie beizeiten dafür besorgt .sein, die Wege zu ebnen, die zur Einheitslehrerschaft hinführen!" Soweit die Zuschrift. Wir geben ihr an dieser Stelle Raum, ohne schon heute irgendwie zu den darin geäußerten Ansichten Stellung zu nehmen. Vielleicht wird die hier angeschnittene Frage einmal durch die Formgebung' der kommenden Lehrerbildung ihre Klärung finden. Es ist in den letzten Wochen still geworden um die Pläne, die bei den maßgebenden Instanzen nach dieser Richtung bestehen. Man darf annehmen, daß die erforderlichen Verhandlungen mit den Behörden noch in der Schwebe sind, und daß in absehbarer Zeit geeignete Wege gefunden sein werden. — Nicht alle Schulfra«en unserer Zeit sind in dieser Umschau herangezogen worden. Es fehlen namentlich die der Umgestaltung der Lehrpläne und der Lehrmittel sowie eine Betrachtung der geistigen Kämpfe, die sich gegenwärtig im Umkreis der jüdischen Erziehung abspielen. Hierüber sei ein andermal gesprochen. Ueberblicken wir das Gesamt dessen, was heute auf dem weiten Gebiet der Schule sich abspielt, so gewinnen» wir den Eindruck, daß rege Bewegung allüberall herrscht, und daß die Notzeit, die wir durchleben, in sich die Keime trägt zu einer durchaus förderlichen Stärkung der seelischen Haltung unserer Jugend, deren Los es sein wird, einer viel Opfermut und viel Heroismus fordernden Zukunft entgegenzugehen. * Diese Betrachtung war bereits gesetzt, als die Oeffentlichkeit von wichtigen Ereignissen auf dem Gebiet der jüdischen Schule hörte. Einige Bemerkungen des Aufsatzes bedürfen deshalb der Berichtigung und Ergänzung. Die Frage der künftigen Lehrerbildung hat eine bedeutungsvolle Förderung erfahren. Der Preußische Landesverband übergab untenn 18. April der jüdischen Presse die Mitteilung über die Einrichtung von Kursen für Anwärter der geplanten Lehrerbildungsanstalt. Am gleichen Tage erhieltdie Reichs Vertretung der deutschen Juden die staatliche Konzession zur Errichtung dieser A n. s t a 11. (Beide Meldungen finden die Leser an andrer Stelle dieses Blattes.) Uns fällt auf, daß hier zwei jüdische Organisationen mit der gleichen Angelegenheit befaßt sind. Inhaberin der Konzession ist offenbar die Reichsvertretung, während der Landesverband Träger der Anstalt ist. Es wäre wünschenswert, wenn die Oeffentlichkeit bald übersehen könnte^ wie die Kompetenzen hier verteilt s nd.Es ist begrüßenswert daß dieAkademie in der Reichshauptstadt errichtet wurde, sind doch dort für alle Disziplinen erstrangige Kräfte vorhanden, die, so ergibt es sich aus der Meldung, in der rechten Weise ausgewählt wurden. Ein Fehler scheint allerdings begangen worden zu sein, auf den hinzuweisen wir uns für verpflichtet halten. Man hat das Fach'„Einführung in die Volksschulpädagogik44 einem Studienassessor übertragen, einem Manne, der, wie uns mitgeteilt wird, noch iniemals an einer Volksschule gewirkt hat. Wir können nicht glauben, daß die maßgeblichen Instanzen in Berlin nicht wissen, daß es dort ganz hervorragende Praktiker des Volksschuldienstes gibt, die in besonderem Maße geeignet wären, junge Menschen in das Gefüge der Pädagogik einzuführen. Warum hat man sie nicht mit der Vertretung dieses ihres ureigenen Gebietes betraut? Die Lehrerschaft hat ein Recht nicht nur zu dieser Frage, sondern auch zu der Forderung, diesen Fehler wieder gut zu machen. Daß hier gegen die Fähigkeiten und gegen die Persönlichkeit des Studienassessors nichts ausgesagt werden soll, bedarf kaum der Erwähnung; hier gilt nur die Sache. — Eine zweite Meldung, die ebenfalls in dieser Ausgabe unseres Blattes erscheint, betrifft die behördliche U n t e r s a - gungvon Neuaufnahmen an höheren und mittleren jüdischen Schulen. Die Anordnung ist nur im Zusammenhang mit den andern Abschnitten des Erlasses zu verstehen. Aus verständlichen Gründen haben viele Eltern ihre Kinder zu Ostern in die Sexten der jüdischen Schulen ange-