Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 5 (1.5.1934)
- Date
- 1934-05-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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io. Jahrgang Nummer 5 Monatsschrift für Erziehung, Unterricht und Schulpolitik Organ des Reichsverbandes der jüdischen Lehrervereine (Geschäftsstelle des Verbandes: Berlin C 25, Kaiserstraße 29) Die „jüdische Schulleitung" erscheint am 1. eines jeden Monals Postbezugspreis: i.— pro Quartal. Mannheim, den 1. Mai 1934 Druck und Verlag: Gebrüder Neubauer, Ludwigshafen a. Rh. Verantwortlicher Schriftleiter: Dr. S. Braun, Köln, Lii^owstr. 39 Aus dem Inhalt dieser Nummer: Umschau — Hammerstein-Berlin, Bemerkungen zur Umstellung des jüdischen Lehrers von der höheren Schule auf die Volksschule. — Dr. AI. Spanier, Berlin, Vom Zitieren. — flus der Welt der Schule. — Die Lehrerbildungsanstalt ist da. — Um die Zulassung jüdischer Schüler. — Erneute Aenderung des Berufsbeamtengesetzes. — Aus dem Lehrerverband. Umschau Abr.au. Umbau und Aufbau des jüdischen Schulwerkes in Deutschland nehmen seit geraumer Zeit ein gut Teil der Kraft tinsei er Gemeindeverwaltungen und der übrigen führenden Kreise der deutschen .luden in Anspruch. Mine grölte Anzahl e.nst blühender - Volksschulen ist wegen zu 'geringer Schülerzahl aufgelöst worden. Die Lehrer wurden entweder in den Ruhestand versetzt oder einer andern Stelle zugewiesen. In einer Reihe von Gemeinden wirken die abgebauten Lehrkräfte als Kantoren, Prediger und Religionslehrer weiter, n cht selten gegen eine sehr magere Honorierung, deren Höhe, oder richtiger gesagt Tiefe, nicht durchweg1 der finanziellen Kraft entspricht, die hier und dort noch trotz des wirtschaftlichen Niedergangs vorhanden ist. Das ist ein trauriges Kapitel, über das zu gegebener. Zeit ein Wort gesprochen werden soll. Manch ein Kollege, der nicht das Glück hat, eine bescheidenen Ansprüchen genügende Pension zu beziehen, namentlich solche, d e im Privatdienst standen, haben den Wanderstab ergriffen und sind in fremde Länder oder nach Erez .lisrael gegangen, um dort eine neue Existenz zu suchen. Sie teilen das Los vieler, ihrer Glaubensbrüder, mnd niemand vermag zu übersehen, wie weit es ihnen gelingen wird, irgendwo in der Welt erneut festen Fuß zu fassen, zumal es sich vielfach um Menschen handelt, die wegen des Alters nicht mehr hinreichend Kraft zum Neuaufbau einer Existenz besitzen. — Vor Beginn des neuen Schuljahres mußte eine Reihe von Gemeinden dazu übergehen, den Religionsunterricht an hohem Lehranstalten einzuschränken, weil die Zahl der jüdischen' Schüler aus den bekannten Gründen zusammengeschrumpft ist. So meldet das Berliner Gemeindeblatt, daß in etwa zwei Dutzend Schulen hinfort kein Religionsunterricht mehr erteilt werde, wenigstens nicht in allen Klassen. Zweifellos stehen wir noch nicht am Ende derartig tief in altgewohnte Einrichtungen eingreifender Maßnahmen, wie denn überhaupt noch nicht zu übersehen möglich ist, wie stark der Schrumpfungsprozeß sein wird, dem in den kommenden Jahren alle Schulen ausgesetzt sein werden. Es ist nur zu natürlich, daß sich unsere Gemeindeverwaltungen Sorgen machen' um die zukünftige Betreuung der Jugend, aber auch um die Weiterbeschäftigitng der Lehrkräfte, die durch den Abbau frei werden. Diese selbst schweben in Hangen und Bangen, daß sie eines Tages ohne Beschäftigung, ohne Eirkommen sein könnten, und so drängt die Entwicklung der Dinge, auch wenn nicht andre im Geistigen ruhende Gründe vorlägen, ganz von selbst dahin, Hand anzulegen an den Um- und Aufbau eines jüdischen Schulwerkes. Der Umbau vollzieht sich vielerorts in der Weise, daß der Lehr plan der Schuien erweitert und im Sinne einer stärkereu Betonun.g der spezifisch jüdischen Disziplinen umgestaltet wrrd. Die Leitungen der Schulen stellen die Arbeitspläne auf praktische Erfoidernisse der Zukunft ab; sie fügen den Lehrfächern namentlich den Unterricht in fremden Sprachen hinzu: sie richten ein neuntes Schuljahr ein, dessen Stoü'plan aus dem der Handelsschule entnommen ist; sie berücksichtigen inslmsondere die Forderungen, die Palästina an die kommende Generation stellen wird, und so ergibt sich allmählich eine ganz stark vom Zeilgeschehen her bestimmte .Neuform der jüdischen Schule, ein Organismus, der aus einem geistigen Boden herauswachsen wird, wie ihn die Reichsvertretung mit ihren Richtlinien zu hereiten versucht hat. Wie stark auch die Auffassungen über ihren Wert auseinandergehen mögen, das eine dürfte sicher sein, daß die praktische Schularbeit ihnen im großen und ganzen wird entsprechen müssen: das liegt in der Linie der Entwicklung unserer jüdischen Situation. Sie hat es schon erreicht, daß unser jüdisches Schulwesen eine beträchtliche Stärkung und Ver«r ö ß e r u n g erfahren hat. E;ne Anzahl von Gemeinden sind dazu übergegangen. Volkse h u- I e 11 ins Leben zu rufen. In Berlin hat die Gemeindeverwaltung vor wenigen Wochen ein größeres System unter der Leitung eines Stildienrats eröffnet. In Breslau körnte der jüdisch-liberale Schulzwei'.? des Jüdischen Schulvereins eine eigene Schule begründen, in der die Kinder in religiös-liberalem Geiste erzogen werden sollen. Von der Begründung jüdischer Schulen in andern Geineinden wurde hier bereits früher berichtet. Soweit bekannt ist, tragen die Gemeinden die Unterhaltungskosten selber. Nur aus München wird gemeldet, daß der jüdischen Volksschule f ii n f s t a a 11 i c h besoldet e Lehrkräfte zugeteilt werden, eine Mitteilung, die erfreulich und bedeutungsvoll ist. Zu den für die Lehrerschaft wichtigen Ereignissen der letzten Zeit g'diört auch die erneute A e n d e r u n g d e s B e - r u f s b e a m t e n g e s e t z e s , die vom 8. April ab in Anwendung gekommen ist. Die Hauptbestimmimg dieser Gesetzeser- •ränzung lautet: „Verfügungen nach S§ 2, 2a 4 können zugunsten der davon betroffenen Beamten bis M). September l°v*4 durch die im Absatz 1. Satz I. (genannten Behörden zurückgenommen oder geändert werden.4' Eine Erläuterung finden die Leser an andrer Stelle dieses Blattes. Fügt man d'e Einzelheiten aus der Weit der jüdischen Schule zu einem Gesamtbild zusammen, so ergibt sich ein ül>eraus reges Leben, ein Wachsturn im Aeußern, das die Lehrerschaft vor neue Aufgaben stellt. Mehr denn je bedarf es der A 11 s spräche und des A u s t a u s c h s v o n Erfahrungen, mehr denn je auch des Zusammenschlusses. Der Aussprache dienen die Konferenzen und die P r e sse. Es darf mit Genugtuung festgestellt werden, daß alle jüdischen Zeitungen, insbesondere die führenden, Schul- und Erziehungsfragen das regste Interesse entgegenbringen Sie berichten nicht nur laufend über wichtige Vorgänge, sondern sie bringen auch beachtenswerte Anregungen zum innern