Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 4 (1.4.1934)
- Date
- 1934-04-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 J ü d i s c h e S c h u 1 z e i tti n g Nummer 4 gut von hohem Ethos und eine der Grund kräfte des Judentums ist, .führt den. jüdischen Menschen von selbst zu lebendiger Verbundenheit mit den sinnvollen Bräuchen und Gebeten, die ihm die Väter als geheiligtes Gut hinterlassen haben. Die treue Pflege solcher jüdischer Kulturelemente, die so viel Eigenes und Hohes in sich bergen und die in keinerlei Widerspruch mit. den allgemein bürgerlichen Pflichten stehen, ist nicht nur ein beglückendes Gefühl für uns selbst, sondern letztlich ein Gewinn für die Kultur der Gesamtheit und das Gemeinwohl. „Balak und Bilam" Die folgenden Zeilen dienen der Absicht, Musikneuschöpfungen angelegentlich einer näheren Beachtung zu empfehlen, noch mehr. Kollegen aufzurufen, sich liebevoll mit Werken zu beschäftigen, die beispielsweise Hugo Adler in Mannheim geschrieben hat. Eine Rechtfertigung dafür, daß auch Musik Gegenstand eines Hinweises in unseren Blättern sein darf, braucht wohl nur nach solcher Seite hin zu erfolgen, die kleinliche Maßstäbe an die Aufgaben unseres Organs anlegt. Wo aber die Aufgabe des Lehrers irTweiterem Sinne aufgefaßt wird, wenn durch seine Anregung!, Mitwirkung oder. Leitung ein der Bibel entnommener Stoff der Gemeinde als tiefes, religiös-künstlerisches Erlebnis übermittelt wird, da dürfte die Aufforderung hierzu auch durch diese Blätter als zu recht erfolgt betrachtet werden. Ein Werk, das jetzt auf unsere Bemühung wartet und das allein schon einen Appell an die Kollegen rechtfertigt, ist Adlers „Balak und Bilam". Zugrunde gelegt wurde die Bibelübersetzung von Buber und Rosenzweigi. Der häufige Szenenwechsel innerhalb der Handlung gestattet dem Komponisten eine ganz natürliche und übersichtliche Gliederung im musikalischen Aufbau. Die Steigerung der Segnungen Bilams wiederum geben ihm Gelegenheit, sein Können auf Höhepunkte zu führen und zu bewähren. Solch ein Höhepunkt ist die dritte Schau, das zum Ehrenschild -des Judentums gewordene: „Wie schön sind Deine Zelte, o Jakob", an dem schon mancher Meister seine Kräfte entfaltet hat. Adler hat es für richtig gehalten, an die Vertonung der Balak-Bilam-Handlung den 44. Psalm anzuschließen. Die inhaltliche Anreihung eines Psalmes, der das Judenschicksal wie eine Anklage gegen Gott erhebt und mit dem Anruf um Hilfe schließt, wird besonders verständlich, wenn man die Entstehungszeit berücksichtigt. Welcher Art sind die Kräfte, die zur Aufführung benötigt werden? ~Ein Dirigent. Erste und zweite Geiger, Bratschisten und Cellisten. Ein Klavierspieler. Eine Sopran-, eine Tenor-, eine Baritonstimme. Ein Chor. Ein Sprecher. Es gibt in Deutschland noch genügend Gemeinden, welche die zu einer Aufführung! benötigten Kräfte besitzen. Hier wäre es Pflicht interessierter Kollegen dafür einzutreten, daß das zeitgenössische Schaffen zum Leben erweckt wird. Man darf ohne Uebertreibung sagen, daß das Niveau mancher musikalischer Gemeindeabende, von denen man durch die Presse. erfährt, eine Auffrischung ruhig vertragen kann. Wird aber ein Werk der Gegenwart, wie das erwähnte, als Aufgabe gewählt, so wird damit nicht nur eine Ehrenschuld an dem Komponisten teilweise abgetragen, sondern es werden bei der Bewältigungsolcher Aufgaben die betätigungve, langenden Kräfte der Gemeinde" von' jung bis alt im besten Sinne des Wortes aktiviert, die Gemeinde, selbst aber .um ein tiefes Bibelerlebnis bereichert. .; ~. Samuel -Liebermensch,. Mannheim, VerdienteEhrung eines führenden jüd.Gelehrten Am 20. Januar beging Herr Oberrabbiner Dr. Immanuel Low in Szeged seinen :80:- Geburtstag. Herr Dr. Low ist gleich ausgezeichnet als Theologe, als Orientalist und — als Naturforscher; von der seltenen Vielseitigkeit seiner Ausbildung legt insbesondere sein, vierbändiges Werk „Die Flora der Juden" beredtes Zeugnis ab, dessen Schlußband soeben herausgegeben werden konnte..Der unermüdlich schaffende Gelehrte, der zugleich zu den religiösen' Führern der ungarischen Judenheit zählt, hat sich jede Ehrung verbeten und nur in das Erscheinen einer Festschrift gewilligt. Diese Festschrift erscheint als ein Heft der „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums", zu deren Mitarbeiterin der Jubilar seit Jahrzehnten zählt. Angesehene Gelehrte dreier Erdteile. Juden und Nichtjuden, haben sich hier zur. Ehrung Löws verbunden; neben fachgelehrten Beiträgen finden sich auch solche, aus denen der Laie Förderung und Belehrung ziehen kann. So behandelt Bernhard Heller die Stellung des Judentums zum Tierschutz unter neuen Gesichtspunkten. Ueberhaupt enthält jedes Heft der — sechsmal im Jahre erscheinenden — „Monatsschrift" neben gelehrten Abhandlungen solche, die für einen weiten Leserkreis bestimmt sind. Sie darf daher auf das Interesse aller derer rechnen, die an dem Judentum, seiner geistigen Entwicklung un'd seiner Vergangenheit Anteil nehmen/Obwohl das erste Heft diesmal bereits über 250 Seiten stark ist, beträgt der Bezugspreis des ganzen Jahrgangs nur 10 RM; er ist an die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums (Postscheckkonto: Berlin Nr. 7030) einzuzahlen. Regelung des Schulbesuches jüdischer Kinder am Sabbat und an Feiertagen für das Reich Das Reichsministerium hat für das gesamte Reich die Frage des Schulbesuchs jüdischer und adventistischer Kinder am Sabbat und Feiertagen nunmehr durch folgende Verordnung geregelt: „Die jüdischenS chüler können am Neujahr 2 Tage, am Versöhnungsfest 1 Tag, am Laubhüttenfest 2 Tage, am Beschlußfest 2 Tage, am Passahfest die 2 ersten und die 2 letzten Tage und am Pfingstfest 2 Tage dem Unterricht fernbleiben. An den gewöhnlichen Samstagen könne in die jüdischen und a d, v e ri t i s t i s c h e n Schüler auf Ansuchen der Erziehungsberechtigten ganz oder für die Stunde des Gottesdienstes vom Schulbesuch befreit werden. Wer hiervon keinen Gebrauch macht, muß am gesamten lehrplanmäßigen Unterricht, auch im Zeichnen, Schreiben, Handarbeit und Werkunterricht teilnehmen. Für die aus derartigen Versäumnissen entstehenden Folgen kann die Schule keine Verantwortung übernehmen." ' Aus dem Lehrer-Verband Von der Wissenschaftlichen Vereinigung jüdischer Lehrer und Lehrerinnen zu Berlin ist an Stelle des Kollegen Robert Hirschfeld Kollege Salo K ü c h 1 e r in den Ausschuß des Reichsverbandes gewählt worden. Persönliches Am 22. März ist das Mitglied des Verbandsvorstandes, Kollege Dr. B a m b e r g e r -Nürnberg, 60 Jahre alt .geworden. Wir wünschen"diesem hervorragenden Mannendem über die Lehrerschaft hinaus die jüdische Gesamtheit vieles verdankt, von Herzen „ad meah weessrim schanah!" * Mit dem 1. März d. J. ist Fräulein Paula-Lob, Konrektorin an der städtischen israelitischen Volksschule in Köln, in den Ruhestand getreten/Ihre Pensionierung erfolgte aus gesundheitlichen Gründen auf eigenen Wunsch. 35 Jahre hat Fräulein Löb als Lehrerin gewirkt und vielen Generationen