Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 1 (1.1.1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2825247-2825342-2825343--0789-2826425- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Kummer 1 Jüdische Schulzeitung Seite 5 . Sparen Sie ZeitI Verwenden Sie Gummistempel 1 Wenn Sie Oumml-Stcmpcl irgendwelcher Art brauchen, dann denken Sie daran, daß Sie dieselben beim Verlag der „Judischen .Schulzeitung', billig und prompt beziehen können. Geben Sie uns den gewünschten Text und die ungefähre Größe an und wir nennen Ihnen postwendend unseren Preis bei Franko - Lieferung Verlag der „Jüdischen Schulzeitung" Mannheim, Postfach 472 ser und privater Vereine für Familienforschung. Herstellung geeigneter Lehr- und Anschauungsmittel hieraus und aus den Objekten jüdischer Sammlungen und Museen (Lichtbilder, Bildertäfeln). ,3. Herstellung eines den jüdischen Schulen angepaßten Lehrbuches. Lelirplan und Lehrbuch sind 'bei aller Betonung der besonderen jüdischen Interessen in voller Uebereinstimmung mit den amtlichen Lehrplänen zu halten, die bis dahin wohl erschienen sein werden. * * Verf. ist reiner Naturwissenschaftler, Biologe. Er bittet daher die verehrten Kollegen der anderen Fächer, den Abschnitt II B 1 nur als Stichwort zu betrachten, als erste Anregung, der hoffentlich von recht vielen Seiten Ergänzungen und Lrweiterungen zufließen werden. Von der Arbeit zu II B 2 erwartet er eine Ausbeute an Material, die über den reinen Unterrichtsbedarf hinaus selbständige Bedeutung gewinnen könnte. . , Gebet des Verfolgten (Psalm 13) von Dr. M. Spanier-Berlin „Wie lang noch, o Gott, vergißt du mich ganz? Wie lang noch verbirgst du dein Antlitz vor m«r? Wie lang soll ich Pläne hegen in der Seele-.., Kummer im Herzen am Tage? . Wie lang noch erhebt sich mein Feind über mich? Schaue doch! Erhöre mich, Herr, mein Gott! Erleuchte meime Augen, daß ich nicht schlafe zum Tode; Daß nicht spreche mein Feind: ich hab ihn bezwungem, Meine Dränger nicht jubeln, wenn ich wanke. — Aber ich — auf deine Liebe vertrau ich! Es juble mein Herz über deine Hilfe!. Ich will singen dem Herrn, da er wohl mir getan!" Dieses schlichte, schöne Gebet ist der Herzensaufschrei eines lang und schwer Leidenden. Das Gewoge der Gefühle ist in wenige Worte gebannt, und gerade diese Kürze ergreift. Die ersten Verse erhalten ihre Färbung durch das Klagewort aller Gepeinigten, das hier viermal wiederkehrende: wie lang roch! Aber doch leuchtet, wenn auch nur ganz zaghaft, die Morgenröte eines helleren Tages aus der Grundstimmung des ersten Satzes mit jenem scheinbar sich widersprechenden Anfangs- und Endwort (ad onoh — nezach!) hervor. Es ist nach i Luthers schönem Wort "der Gemütszustand, da „die Hoffnung I «elbst verzweifelt und die Verzweifelung dennoch hofft." Am chwersten leidet der Fromme unter dem Gefühl der Gottes- •erne; es ist ihm, als sei er vergessen, ja, als ob der gütige Bück seines Gottes sich ihm verhülle. Nun grübelt er in ' v:hIafIosen Nächten, spinnt Pläne, wie er wohl sich aufhelfen söge; aber der Tag läßt seine Ratlosigkeit nur kummervol- *r erscheinen. '— und der Feind triumphiert. Es wird nicht ausdrücklich gesagt, wodurch seine Todesnot begründet ist. Ouält ihn schwere Krankheit? Fehlt Nahrung ihm? Verbittert" -er Feind sein Leben? Dies ist wohl am ehesten zu vermu- •*n. Denn wie er nun bittet, daß der Gnadenblick Gottes sich i'm wieder zuwende, damit seine eigenen Augen wieder aufwehten in siegender Kraft und nicht matter und matter wer- -fli, als ob sie ganz verlöschen wollten — da nennt er wie- 1 -r den Feind. Ihm gönnt er nicht den schadenfrohen Jubel. 1 v«nn er „wankt", wenn er-ruhe- und hilflos bleiben müßte j " der Gefahr des Sturzes. Kein Wort des Hasses oder der * 'tche spricht er gegen diese Feinde und Dränger. Aber so I;üt geht seine Selbstlosigkeit nicht, daß er sich seinen Hasf *ni demütig fügt. Mit diesem wa'ani (aber ich), mit dem) sich J? unsern Psalmen so oft die einzelne Menschenseele, die sich I -sres Wertes in der Masse bewußt bleibt, ja, sich oft stolz und 1 gegen , sie stellt, bekennt sich der Betende zu seinem unerschütterlichen Glauben, zu seinem Vertrauen auf Gottes Güte. Wie in jedem hingebungsvollen Gebete der Keim des Erhörtwerdens sich regt, so fühlt sein Herz auch schon den Heilsjubel voraus und den dankbaren Gesang für Gottes Gnadentat. Es ist von rührender Schönheit, wie das erregte Gefühl, das zuerst in leidenschaftlich hinströmenden Sätzen ausbricht, allmählich sich ebbt zu sanfterem Ausdruck bis zum stillen Sichschmiegen unter die göttliche Güte. Alle neueren Erklärer sind der Meinung, der main zustimmen kann, daß hier ein „Klagelied des einzelnen" vorliege. Wer des Glaubens ist, daß David diesen Psalm gedichtet habe, wie die Ueberschrift meldet, mag ihn in die Zeit der Verfolgung durch Saul ansetzen. Aber schon sehr früh hat man als den Helden des Leidens in diesem Gedicht Israel - selbst finden wollen. Wie nahe liegt es auch, Verfolgung, Leid und Rettung auf das Schicksal des Gesamtvolkes, das seine . Ehre sich immer wieder erkämpfen mußte, zu beziehen! Dem Midrasch, der das viermalige „wie lange noch" auf die vier nacheinander Israel anfeindenden Herrschermächte bezieht, folgen Raschi und David Kimchi. Und Samson Raphael Hirsch schreibt in seinem Kommentar: „Der Psalm zeigt uns Israel in völliger Verlassenheit in Mitte einer ihm feindlichen Völkerumgebung. Es drohen ihm seine Kräfte zur Ausdauer zu schwinden, es fürchtet sein volksgeschichtliches Ende, weil ihm die geistige Kraft gebricht, in dem Jammer seiner Zustände Gott zu sehen, weil, auf sich selbst hingewiesen, es in seinem Herzen nur Kummer und nicht Kraft zum Aufschwung findet. Es fürchtet, zum Triumph seiner Feiinde, wankend in seinem Berufe zu werden, und bittet daher nur um einen Lichtblick, damit es sich geistig ermanne, auszudauern und einst noch besinge, wie Gott alles, was es zu tragen hatte, zu heiterer Blüte hat reifen lassen." Man braucht bei der Erklärung des einzelnen S, R. Hirsch in seiner mehr homiletischen Exegese nicht zü folgen; aber wer wird nicht mit innerer Bewegung diese Worte lesen, die der große Führer des orthodoxen Judentums vor "mehr als fünfzig Jahren geschrieben hat! Sorgen um jüdische Jugend Eine der schwierigsten Aufgaben unserer Zeit ist die berufliche Eingliederung der jetzt schulentlassenen 14—17jährigen jungen Menschen. Wohl in jeder jüdischen Familie in Deutschland, die Jugendliche dieser Altersstufen hat, steht die Sorge um das berufliche Schicksal dieser Jugend im Vordergrund des Interesses. Die Schulentlassung erfolgte meist früher, als beabsichtigt war, und die Eltern der jungen Menschen stehen nun vor der Frage, wie sie ihre Kinder am besten versorgen können. Allgemein durchgesetzt hat sich die Ueberzeugung, daß der Versuch, auf den bisherigen Wegen fortzukommen, nicht mehr gemacht werden kann. Man weiß, in der Zukunft wird der jüdische Junge und das jüdische Mädchen aus Deutschrand nicht mehr Akademiker, kaum auch kaufmännischer Angestellter sein. Es müssen neue Wege gefunden werden, und daß es