Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 12 (1.12.1933)
- Date
- 1933-12-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Rümmer 12 ' 'Die Forderung, milde auch gegen Sünder zu sein, kann al'feidmgs aus dieser Auslegung nicht gefolgert werden Doch wozu, wie es bisher in der Religionsschule üblich, diese For derung aus der so mannigfache Deutungen ertragenden liorebsVision erst folgern, wenn sie a u s d r ü c k 1 i c h irnd-'in einer nicht mißzuverstehenden Weise im Buche des. Propheten Jona gelehrt wird? Ich bin mir dessen bewußt, daß die hier gegebene Deutung der grandiosen Konzeption der Theophanie nicht .ganz gerecht wird und ich möchte mich daher aufrichtig freuen, wenn mein Aufsatz ein Ansporn sein würde zu glücklichern Versuchen, den Sinn der dunklen Schriftstelle aufzuhelfen. Schule und Oeffentliehkeit Unter dieser Rubrik sollen die Presseäußerungen gesammelt werden, die sich mit Schul- und Unterrichtsfragen beschäftigen. In ihrer Vielfalt und Farbigkeit wer- ■ :den sie zu Vergleichen und Ueberlegurcgen mannigfacher Art anregen und so den Lesern dieses Blattes den Anreiz zur Auseiniandersetzung mit der Problematik zeitverhafteter Sachverhalte geben. Die Schriftleitung. * In der vorigen Ausgabe der Jüdischen Schulzeitung berichteten wir über Beratungen im Erziehungsausschuß der Reichsvertretung. Er empfahl die Gründung von Einheitsschulen und, soweit es zweckdienlich erscheine, die Einführung einer Teilung des Religionsunterrichtes. Dazu schreibt der Israelit vom 16. November u. a,: „Schon diese Unterstreichung des Vereinheitlichungs- Strebens auf einem Gebiete, das für ehrlich religiöse Menschen aufs innigste von den Grundfragen der Weltanschauung bedingt ist, mußte einiges Mißtrauen' erwecken. Einige Vorkommnisse, die inzwischen zu unsrer Kenntnis gelangt sind, bestätigen leider die Berechtigung dieses Mißtrauens in hohem Grade. Man versucht unter Berufung auf Ersparnisrücksichten — deren Berechtigung an sich wir gewiß-nicht bestreiten wollen-— die Siibventionierung bestehender oder zu 'gründender orthodoxer Volksschulen abhängig zu machen von ihrer Vereinigung mit liberalen Schulen gleicher Gattung, wobei die Gewiss e n s f r e i h e hfi und Ueberzeugungstreue durch das fadenscheinige Auskunftsmittel getrennten liberalen und orthodoxen — R e 1 i g i o n s Unterrichts gewahrt werden sollen! Als ob sich der religiös erzieherische Einfluß einer jüdischen Schule auf die paar Stunden , Religion" beschränkte und nicht vielmehr der gesamte Lehrstoff und seine Gestaltung, die Persönlichkeiten der Lehrer, das bestimmte Fluidum weltanschaulicher Geschlossenheit und religiöser Begeisterung, das von ihnen ausstrahlt, von weit größerem Einfluß auf die seelische Entwicklung der Kinder wären als der begrenzte Inhalt des spezifisch religiösen Unterrichts. Das gilt doppelt und dreifach, wenn. wie.es -irf der offiziösen Ankündigung des Unterrichtsausschusses heißt, »möglichst in allen Fächern die besonderen jüdischen Anknüpfungspunkte und Querverbindungen herausgearbeitet werden sollen." In einer jüdische n Schule, soll sie den Namen verdienen, ist j e d e s Fach Gesinnungsunterricht und muß es Tfeute um so mehr .sein, da die ganze Tendenz des staatlichen Unterrichtswesens auf die gesinnungsmäßige Untermauerunig des gesamten Unterrichtsstoffes und die stärkste Betonung der Wertgeltungen gegenüber allem objektiver; Wissenschaftsbetrieb gerichtet ist." * Der Leitung der Berliner Religionsschulen sind eine stoße Anzahl Anträge zugegangen, in denen um Einführung eines intensiven Unterrichtes in „Neuhebräisch" ersucht wird. Die- Seitfti ses Verlangen liegt im Zuge der Zeit; es fügt sich in die weithin bemerkbare Strömung ein, die hebräische Sprache zu außerreligiösen Zwecken zu erlernen und sie in einem be< stimmten Ausmaß dem Bereich des Heiligen zu entziehen. Dr Sachs wendet sich in der J ü d i s c h - <M b e r a I e n Z e i t uns vom 14. November gegen diese Neigunigen: .,Aber ohne das Hebräische als Gebetsprache isoHeren zt wollen, schätzen wir die Kenntnis des Psalters und anderer biblischer Texte in ihrer Ursprache als ein wesent; liches Bildungsmittel. Und wir wollen den Philologen darin freie Hand lassen, wenn sie die Sprechmethode als Einführung in die Sprachkunde bevorzugen. Aber, und da* soll deutlich gesagt sein, der hebräische SprechunterricW gehört nicht als obligatorisches Hauptfach in unsere Religionsschulen. Es ist offenbar an sich schon schwierig Großstadtkinder für den regelmäßigen Besuch von Re ligionsschulen zu gewinnen. Und für die hohe Aufgabe Lehrstoff zum religiösen Erlebnis zu formen, dazu sind mu wenige berufen. Wenn jetzt nun gar, — und dies auf K(* sten der anderen Disziplinen — die Kinder hebräischt Brocken, wie die Kenntnis der Gebrauchsgegenstände de? Al'tags oder noch anderes aus dem „Religionsunterricht* . heimbringen, so werden kritische Eltern mit - der Mißj billigung nicht zurückhalten, — dies zum Schaden de< ohnedies nicht immer angesehenen Religionslehrers. Ei geht also keineswegs an, heute aktuelle, rein p.raktlj sehe Gesichtspunkte in den Lehrplan der R e 1 i gi oits \\ schule hineintragen zu wollen. Hebräisch-Spfechen hamit Religion gar nichts zu tun. . . . Für die überwiegend große Zahl unserer Gerrneinde; mitglieder, die ja wohl in Deutschland bleiben werden. \t tiem sie geboren und erzogen sind, und auch für alle Ju gendlichen die ihre Heimat verlassen, aber nicht nacl Palästina auswandern, sehen wir im Hebräischsprechen lernen einen zwecklosen Kraftaufwand. Der hebräisch* Sprech itniterricht gehört nicht in die R e 1 i g i o n s ' schule, aber auch nicht als obligatorisches Lehrfach in unf sere jüdische Volksschule, und wir halten den Vor*: schlag, sogar Profanfächer in hebräischer Sprache zc lehren, für abwegig und unzulässig." Infolge der Neuordnung! im Höhern Schulwesen und au< innerjüdischen Wandlungen heraus ist die Geneigtheit, jüdisch^ Schulen zu begründen, stark gewachsen. Wir werden, sofen die materielle Grundlage irgendwie erhalten bleibt, in nach' ster Zeit einer; Aufschwung des jüdischen Schulwesens er1 leben. Die völlige Trennung jüdischer und christlicher Schüfewird nicht ohne Einfluß auf die innre Haltung des heranwachi senden Geschlechtes bleiben. Das macht manche Mensche^ besorgt. Aus dieser Besorgnis heraus schreibt in den C,V,| Blättern vom 16. November ein Leser: -,In letzter Zeit mehren sich die Stimmen die eine Unter bringung der jüdischen Kinder in jüdischen Schulen for dem. Es wird damit begründet, daß das jüdische Kind voi dem Minderwertigkeits-Kompfex geschützt werden soll den es in den staatlichen Schulen seiner Pa*se und Rej ligion wegen eingeimpft bekommt. Es soll sich in der jü| dischen Schule ohne Anfechtungen der Lehrer und Schul ler als Jude fühlen können, es soll nicht der Gefahr aus! gesetzt sein, immerfort die eigene Schlechtigkeit vorj gehalten zu bekommen. Hat aber diese Ueberführung in jüdische Schulen nichj auch ihre Schattenseiten? Wir wissen al'e, daß der Judl es nun einmal schwerer im Leben hat als Menschen ans derer Religion; wir wissen, daß er bei seinem Broterwerl Schimpf und Verachtung oft mit in Kauf nehmen muß Kurzum, daß er Verhältnissen gegenübersteht, die er rnx. überwinden kann, wenn er sie von Jugend auf kennenlern und weiß wie sie zu bezwingen sind. Wenn nun gefordert wird, daß die Jugend des jüdischen Kindes von, solche! Eindrücken frei bleiben soll, so ist das für die. Jugend de; Jüdische S c h ü',1 z e i tu n g: