Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 12 (1.12.1933)
- Date
- 1933-12-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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yfeeite ^4- Jüdisjcfre Schulzeituhg' Nummer 12^1; ^Propheten unmittelbar darauf den Auftrag geben: Geh', kehre ^deines Weges zurück nach der Wüste gegen Damaskus, und £gehe hin und salbe Hasael zum König über Syrien, und Jehu, den ^j/Sohn Nimsi, zum König über Israel und Elisa,'den Sohn Saphats %Tm Abe? Mehola salbe zum Propheten an deiner Statt. Und es "iso-II geschehen, wer dem Schwert Hasaels entrinnt, den soll Jehu ■töten, und wer dem Schwert Jehus entrinnt, den soll Elisa ijitöten. Und ich lasse übrig in Israel Siebentausend, die sich *rnicht gebeugt haben vor Baal, und jeglichen Mund, der ihn-!' nicht geküßt hat. (V. 15—18.) j: Daß diese. Worte nicht anders denn als Billigung der Tat | des Elia am Karmel aufgefaßt werden können, ist vielfach auch » d e n Bibelkritikern nicht entgangen, die — wie wir sagen irVolüen — Anhänger der Tadeltheorie sind. Sie helfen sich auf leine Weise, die uns nicht unbekannt ist. Sie sprechen von Jeinem Mißverstehen der „Mythe" und weisen V. 15—18 dem *i „Redaktor" zu. Warum? Ein Grund wird nicht genannt, weil < es einen solchen nicht gibt, es sei denn, daß man den Umstand, h daß die als Einschiebsel bezeichneten Stellen nicht in den Kram £ bzw. in die Theorie passen.'als Grund gelten läßt . u Der Auffassung der Theophanie, wonach durch sie Elia belehrt werden soll, daß Gtt mild ist, während er von rück- I sichtsloser Strenge war, kann auch noch entgegengehalten ^werden, daß, wenn in den V. 11—12 über das Wesen Gttes y überhaupt etwas ausgesagt Werden soll, etwa, wie angenomv" men wird, daß es in Mi'Jde_ (gleich leises Wehen) besteht, dann f müsstees analog dem 'nwo' vfn 'n trjna vh «nnra vh auch heissen ^7T_npT nacn ^ipa im leisen Wehen ist Gtt. Dies wüiden, wenn jpn npn rasen hnp über die Wesenheit Gtles auch nur das Geringste stünde, Logik, Symmetrie und Rhythmus der Sprache (i verlangt haben. An diesem fehlenden Zusatz scheitert, auch die Erklärung von David Kimchi. Er meint, Gtt erscheine dem Elia, um ihn ( wegen seines am Berge JCarmel betätigten Eifers zu belohnen. . Die Einzelheiten in der Beschreibung der Vision hätten keine l Tendenz, wären rein informativen Charakters und würden tj bloß besagen, daß Gttes Stimme aus den Tönen« leisen Wehens [i sprach. Im Text findet diese Deutung keine Stütze. Es sprechen gegen sie dieselben Gründe, welche gegen die Annahme, daß Gtt im leisen Säuseln seine Wesenheit manifestiere, arige- 5' führt wurden. Uebrigens glaubt Kimchi selbst nicht, daß seine;; Erklärung ausreichend ist, denn er schließt seine Bemerj' kungen mit den Worten: npn nom Sipai twei ,»jt*ü ,rmz pnnnS -p^un j!H Wellhausen, dem Kittel, Gunkel und andere folgen, geht [/auch hier eigene Wegte. Der Gruii'd weswegen Gtt sich dem .(Elia offenbart, liegt in des Propheten bis zum Lebensüberdruß! gesteigerten Mißmut. Seiner kleingläubigen Verzagtheit stellt | Ott das Bild seiner eigenen Größe gegenüber. Liegt also ein l- Tadel in Gttes Erscheinen, so trifft er nicht Elias Eifer, sondern umgekehrt das Geigenteil davon, seine Niedergeschlagen- C heit und Deprimiertheit, die augenblickliche Mißstimmung, in i: der der Prophet den Schauplatz seines Wirkens aufgeben will. ['(Wellhausen: Israelitische und jüdische Geschichte, 5. Ausg. IjS. 79.) Das Alphabiet, das sich Wellhausen zurechtgelegt hat;-und mit dessen Hilfe er die im Königsbuch abrollenden Biljj der liest ist selbst für einen Propheten eine unbekannte Schrift. Die Größe Gttes, an der Elias darniederliegender Lebensmut sich aufrichten soll, bringt dem Menschen nicht seine 'eigene Größe (deren Vergegenwärtigung geeignet wäre, ihn jaus dumpfer Verzweiflung emporzureißen), zum Bewußtsein, ^sondern im Gegenteil seine Schwäche und seine Olmmächt, f' Was kann beispielsweise der Mensch gegen Sturm und Erdbeben unternehmen? Nichts- Die in Sturm, Erdbeben 'sich äußernde Wücht und Gewalt gttlicher Kraftentfaltung ( wecken in uns die demutsvolle Erkenntnis von der Begrenzt- |. heit menschlicher Kraft und menschlichen Könnens gegenüber tder Allmacht Gttes und so'können Sturm, Erdbeben usw. nicht f als die Mittel angesehen werden, mit welchem man Verzagtheit! heilt. Die Art wie Wellhausen biblische Bilder Uesen will, wäre i daher auch dann abzulehnen, wenn sich Gtt almi Horeb tatsächlich in seiner ganzen Größe hätte zeigen wollen. Dies scheint laber gar nicht in seiner Absicht gelegen zu haben. Man könnte. die übliche Auslegimg als richtig angenommen, eher noch sa-; '. gen, :daß der im leisen Wehen sich offenbarende Gtt seine. :' von R.i Jochanan sogenannte,.-nay Bescheidenheit betätigt, * < die seiner Größe zwar, nach dem Worte desselben Weisen, korrelativ ist, aber selbst nicht die Größe ist, an welche WeOl- " hausen denkt. - Es kommt noch ein zweites hinzu. Elia soll nach Wellhausen aus seiner tatenlosen Lethargie zur schaffensfreudigen ' Betätigung seiner Prophetensendung geweckt werden. Zu welchem Zweck? Gibt nicht Gtt dem Elia den Auftrag, Elisa ' an seiner Statt zu bestellen? Heißt das nicht, daß Elia den Schauplatz seines Wirkens verlassen kann, daß er seine Sendung vollbracht hat und durch einen anderen abgelöst werden soll. Die letzten Aufgaben, die ihm Gtt erteilt, nämlich Hasael, Jehu und Elisa zu salben, kann er auch als ^abtretender", „amtsmlüder" Prophet noch ausführen, seine angeblich erschlaffte Energie und Arbeitsfreude bedürfen hierzu nicht einer jso feierlich in Szene ge-" setzten Aufrüttelung, wie die im Sturm. Erdbeben und Feuer , sich offenbarende Gttesmacht Wellhausen liefert mit seiner Erklärung das Schulbeispiel für die willkürliche Verbindung eines gegebenen Textes mit einem nicht adäquaten Inhalt, für das sogenannte Unterlegen. Es liegen wohl noch eine Reihe anderer Deutungsversuche vor, doch verdienen sie nicht, einer Widerlegung gewürdigt zu werden, ich kann daher nun selbst versuchen zu . zeigen, wie es möglich ist, der Theophanie einen rechten Sinn abzugewinnen, ohne daß die Einheitlichkeit von Kapitel 19 geopfert oder die in der Beschreibung der Gtteserscheinung ge gebenen Bilder mißdeutet werden. — Es bedarf wohl keines räheren Nachweises, daß Sturm, Erdbeben und Feuer im Bilde Zorn Grimm bedeuten. Die Frage ist, wessen Zorn sie in dem in Frag© stehenden Kapitel darstellen. M. E. den Zorn Isebels. Als sie durch Ahab von dem Tode der Diener des von ihr eingeführten fremden Kultes erfährt, droht sie, Elia töten zu lassen. Vor Isebels Todesdrohung flieht der Prophet nach Beerseba, von da nach der Wüste und von dort weiter zum Horeb. Da vernimmt er die Stimme Gttes: Was suchst du hier. Elia? Der Prophet antwortet: Geeifert, geeifert usw. .'. deine Propheten habere sie mit dem Schwert getötet, ich bin allein zurückgeblieben und nun trachtet man auch mir nach dem Lebein (V. 3—10). Sein von Mörderhand bedrohtes Leben ist es, weswegen der Prophet klagt, weil Isebel ihre . Schergen gegen ihn ausgesandt, ist er zu Tode betrübt- Wohl liegt ihm nichts am Leben, fleht er doch Gtt an, daß er ihn zu sich nehme. Doch der Tod durch Isebels Hand jagt ihm Schrecken und Grauen ein", dem sucht er zu entrinnen. Gar nicht seinetwegen;, wie wir mit Bestimmtheit annehmen können, sondern wei] der Tod durch Isebel ein Triumph des Baals'über den Mann, dessem' ganzes Leben dem Kampf gegen den Baal geweiht war, bedeuten würde und so einen unermeßlichen Schaden für den wahren Gttesglauben. „Nimm du doch selbst meine Seele". (V. 4) . . . als daß "ich in die Hand der Isebel falle, so muß der Schmerzensschrei des Propheten ergänzt werden. Gtt erscheint und antwortet dem verzweifelten, beängstigten Elia: „Fürchte nicht Elia ... Gtt ist nicht im Sturm, Gtt ist nicht im Erdbeben, er ist auch nicht im Feuer" (V. 19). D. h.: Er ist nicht mit dem Grimme der IsebeL ihre Bosheit wird den Propheten nicht erreichen, ihn nicht verderben. Gtt vereitelt ihren Mordplan. „Und nach dem Feuer war ein Tönen leisen Wehens" (V. 19). D. h., mit Elia ist Frieden, Ruhe und Sicherheit (Für diesen Gedanken bedarf . es eines Zusatzes wie: „und Gott ist im leisen Wehen" nicht) „Gehe den Weg der Wüste gegen Damaskus usw." . . . Und es soll geschehen, wer dem Schwert Hasaels entrinnt usw. Und ich lasse übrig in Israel Siebentausend, alle Knie, die sich, nicht gebeugt haben vor Baal und jeglichen Mund, der1 ihn nicht geküßt hat (V. 15—18). D. h„ Isebel triumphiert nicht; scheidet auch Elia aus dieser Welt, sein Werk wird fortgesetzt Der BaaTdienst wird ausgerottet, am Leben bleiben', die dem lebend?gen Gotte Elias anhangen . . . '