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Jüdische Schulzeitung · 1933-12-01 · 12 (1.12.1933) · page 3

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
9 (1933)
Issue
12 (1.12.1933)
Date
1933-12-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Seite 3l . . ■ ■ D." ■ ' . •■■ ■ Ueberschaut man alles, was sich zur Schulfrage mit einigem Recht sagen ließ, so ergibt sich ein Ausblick auf die zukünftige kulturelle Höhe der deutschen Juden, der durchaus erfreulich ist." Was ein ganzes Jahrhundert nicht erreicht hat, ein Netz bullender Unterrichts- und Erziehungsstätten, das wird die Not unsrer Tage reifen lassen, wenn.— und hier sind wir in unserer Betrachtung an einem wunden Punkt angelangt — hinreichend viele L.e h r e r vorhanden sein werden. ' Wie sieht es da aus? Es gibt eine größere Anzahl jüngerer Kräfte, die bisher vergeblich auf Anstellung haben' warten müssen. Es gibt ferner ältere Lehrer, die jüngst , von der Behörde in den Ruhestand versetzt wurden, weil die Schulen aufgelöst worden sind. Nicht aber gibt es so wie gegenwärtig die Dinge liegen, die Möglichkeit, auf dem vorgeschriebenen T-Wege für Nachwuchs zu sorgen, da Gymnasien und Pädagogische Akademien nur in seltenen Fällen jungen jüdischen Menschen, die Lehrer werden möchten, offenstehen'. Die Kandidaten, die vorhandensind, tragen sich mit dem Gedanken des Berufswechsels und der Auswanderung; sie werden verschwinden, wenn sie nicht in absehbarer Zeit mit der Anstellung rechnen dürfen Die pensionierten Lehrer wünschen, ihre Gemeinden in denen sie oft ein Menschenalter tätig gewesen sind, wenigstens als Kultusbeamte und Seelsorger weiter zu betreuen. Und so dürfte sich, wenn die Pläne zur Schulgründung sich verwirklichen, bald ein empfindlicher Mangel an Lehrern ergeben, von dem niemand weiß, wie er behoben werden könnte. Dieser Mangel muß sich schließlich auch für die öffentlichen jüdischen Schulen bemerkbar machen, wenn nicht — mit Zustimmung des Staates — Wege zur Ausbildung von Lehrkräften beschritten werden, die unserer Situation angemessen sind. In früheren Zeiten haben wir Lehrer in aller Leidenschaft und aus Gilten Gründen für eine der Ausbildung christlicher Lehrer gleichartigen Ausbildung der jüdischen Lehrer gekämpft; heute .ist ein solcher Kampf sinnlos geworden, weil es . eine" Gleichartigkeit auf diesem Felde gar nicht mehr geben kann. Wir müssen andre Maßstäbe anlegen. Wir müssen unsere Bemühungen darauf abstellen, — es mag das ketzerisch und reaktionär klingen ^— das alte Seminar in einem modernen Zuschnitt wiederzugewinnen. Können unsere begabten Knaben nicht mehr durch Gymnasium und Akademie hindurch zur Lehramtsprüfung gelangen nun gut, dann sol'en sie wie wir Alten die Volksschule absolvieren und dann in der Präparande und im Seminar arbeiten. Noch sind jüdische Lehrkräfte vorhanden, die befähigt sind, wissenschaftlich und methodisch junge Menschen zu führen (z. B. durch abgebaute Studienräte); noch also haben wir eint1 Chance, und unsere Reichsvertretüng sollte sie nutzen und die Initiative ergreifen zur Wiederherstellung eines oder mehrerer Seminare. Wir zweifein nicht daran, daß der Staat, sofern er nicht selber die Ordnung der Dinge in die Hand zu nehmen gedenkt, seine Zustimmung geben wird. Elia am Horeb - Ein Deutungsversuch zu Kön. I, Kap. 19 von. Rabb. Dr. He'nrich Gescheit, Berlin Wohl ist die Schule kein Forschungsinstitut, aber sie vermittelt in allen lehrplanmäßigen Fächern Erkenntnisse, welche an andern Stätten betriebene Forschertätigkeit gefunden und ans Tageslicht gefördert hat. Die Schule muß die „Rohstoffe" für ihren Betrieb von auswärts beziehen, ihr verbleibt nur die Aufgabe der Verarbeitung. Dieser Satz gilt auch für die "Religionsschule. So sind wir beispielsweise zu der Auffassung, in der die bekannte Theopbanie des Elia am Horeb dem Verständnis der Schüler näher gebracht wird, nicht auf dem) Weg über den Religionsunterricht gelangt, sie fußt vielmehr auf den Ergebnissen wissenschaftlicher Bibelexegese und gelehrter Schriftdeutung. Zur Beachtung? Ich bitte die Mitarbeiter: , f Manuskripte fesbar zu schreiben; die Blattrückseite unbeschrieben zu lassen; keine Besprechung von Büchern herzusenden* die nicht vom der Schriftleitung angefordert sind; stets Rückporto beizulegen. Braun. 1 Darum dürfte vorliegender, in der Hauptsache exegeti-4 sehe Aufsatz für die Praxis der Religionsschule von Wert und* Nutzen und sein Abdruck in einer jüdischen Schulzeitung umj so mehr gerechtfertigt sein, weil die grandiose, mit Kraft und| eindrucksvollster Gewalt geschilderte Horebvision vvegent der stark ethischen Färbung, die die Erzählung der Bibel in? der Deutung, die ihr gedruckte und gesprochene Erläuterungen* geben, aufweist ein Kernum nicht zu sagen Paradestück desj biblischen Geschichtsunterrichts bildet. Eine hohe Bedeutung im biblischen Geschichtsunterricht! — wenn auch mit einer anderen als mit der bisher üblichen^ Nutzanwendung — wird das 19. Kapitel des -ersten Königsbuches auch dann noch behalten, wenn in Folgendem deri Nachweis gelingen sollte, daß die Auslegung, die in der RegeK der Abschnitt in der Schule erfährt, nicht haltbar ist.? Die überwiegend große Mehrzahl der älteren und jüngeren^ Exegeten — und diesen schließt sich die jüdische Religionsschule an — nimmt zwischen der Theophanie am Horeb undj dem gewaltsamen Tode der 450 Baalpropheten einem engeren Zusammenhang an und sieht im npn naai ^p-- . leisen Wehen" (V. 12), darin sich als Wesen Gottes läng-; mütig nulde Güte offenbart, einen Gegensatz ausgedrückt zu, dem heiligen, aber zornerfüllten Eifer, der das Opfermesser; in Elias Hand gegen die Feinde des wahren Gottesgläubensjj führen läßt. In der Hervorkehrung und Betonung dieses Gegensatzes soll aber die Mißbilligung von Elias rascher Tat liegen. Unwesentlich nur unterscheidet sich von dieser Auffas-j sung die des Ihr* Esra. Dem Propheten, der Israels strenges Bestrafung verlangt, wird, meint Ibn Esra, die Antwort, daßi Gttes Wege nicht über Sturm, Erdbeben und verzehrendes? Feuer führen, sondern charakterisiert sind durch die ver-1 zeihende Langmut, deren Bi'd das leise Wehen ist. Ehe wirdas Hauptargument gegen die hier skizzierten zwei Erklä rungsversuche anführen, möchten wir auf zwei zumindest der^ Ueberlegung werte Momente aufmerksam machen. Daß Ott das Tun eines Propheten tadelt, ist an sich so seltsam, um' nicht zu sagen sensationell, daß man die Tatsache nur hinnimmt, wenn sie wie im Falle des Mosis und des Jona expressis verbis, mit Worten, die nicht anders gedeutet werden können, berichtet wird. Durch die bloße Auslegung einer soi' dunkeln und schwierigen Stelle wie 1. Köm. 19, 11—12, ist die; Annahme einer an einen Propheten erteilten Rüge nicht ge-j nug gestützt. Weiter sei daran erinnert, daß Gtt deni Elia* noch ehe er an ihm in Sturm, Erdbeben usw. vorüberzieht, fragt: Was suchst du hier Elia? (V. 9.) Elia ant-, wortet- Geeifert, geeifert habe ich für den Ewigen usw. (V. 10.) Nach der Gtteserscheinung fragt Gtt mit den gleichen Worten und erhäft Antwort mit den gleichen Worten wie das erste; Mal. Ist es glaubhaft, daß Elia, nachdem ihm im leisen Wehen? angedeutet wurde, daß Gtt seinen Eifer nicht gutheißt, sich) dieses Eifers rühmen wird? Dies wäre eine Ungebühr, die man; einem Propheten nicht zumuten darf. Elia kann aber auch schon aus einem anderen Grunde, keinen Tadel entgegengenommen haben. Denn wie wird ein Gtt, der seinem Propheten wegen einer im , Uebereifer" begangenen „Bluttat" seine Mißbilligung ausspricht, demselben;

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