Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 10-11 (15.11.1933)
- Date
- 1933-11-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nummer 10/11 Jüdi sche SchuIzeitung eiririchtungen bestanden; haben, wegen Gründung jüdischer Vöiksschuteh-;urid>an^etwa-40\Clem^ Volksschulen haben, wegen des Ausbaus dieser Schulen und der Ausgestaltung des Unterrichts in der den besonderen Bedürfnissen der jüdischen Jugend entsprechenden Weise herangetreten-ist^Einegroß^^ 'grundsätzlich zustimmendem Sinne geantwortet. Der Ausschuß wird die Verhandlungen mit den einzelnen Gemeinden mit größtem Nachdruck weiter führen, insbesondere wird bereits für die nächste Zeit eine Anzahl von Vorträgen und Versammlungen in den einzelnen Gemeinden geplant, ira denen die Elternschaft auf die Notwendigkeit der Schaffung jüdischer Schulen hingewiesen und in denen die den jeweiligen lokalen Verhältnissen entsprechende Form für,4ie Neugründung beraten werden soll. Schon auf Grund der bisherigen Verhandlungen dürfte die Schaffung von 8—10 neuen j ü d i s c he n Volks schulen zu erwarten sein. Dabei soll die Gründung von Zwergschulen aus pädagogischen und finanziellen Gründen vermieden werden. Vielmehr soll eine Anzahl von Schulen zu Bezirksschu-1 e n für größere Landesgebiete ausgestaltet werden. Die hierbei sich ergebenden Fragen der geeigneten Unterbringung auswärtiger Schulkinder wird der Frauenbund in Verbindung mit den zum Teil bestehenden jüdischen Jugenderziehungseinrichtunigen behandeln. Der Ausschuß empfahl grundsätzlich die Schaffung von E ifriheitsschulen für alle Richtungen, wobei entsprechend den lokalen Verhältnissen gegebenenfalls eine Teilung des Religionsunterrichts eintreten soll. Er sprach sich ferner dafür aus, daß in der Regel die jüdische Gemeinde Träger der Schulen werden soll. Im übrigen wird der Ausschuß sowohl hinsichtlich der Fi- " nanzierung als auch der Durchführung einer großzügigen Propaganda für das jüdische Schulwerk in ständiger enger Zusammenarbeit mit dem ElternhilfsWerk der deutschen Juden vorgehen. Schließlich wurde in der Sitzung über die Unterstützung einiger zu jüdischen Landschu'lheimen ausgestatteten Schulheime beraten. Ausbau des Schulwesens der Berliner Gemeinde Am 17. Oktober fand in den Räumen der Synagoge Fasanenstraße zu Berlin die feierliche Eröffnung von sieben Parallelklassen zu den Volksschulen der Jüdischen Gemeinde statt. Tm Mittelpunkt des eindrucksvollen Festaktes standen Ansprachen des Gemeindevorsitzenden Direktor Heinrich Stahl und Rabb. Dr. G a 11 i n e r s, in denen die Aufgaben des Genieindeschulwesens mit dessen großzügigem Ausbau jetzt begonnen wird, dargelegt und seine durch Pflege deutscher und allgemein menschlicher Kultur ebenso wie durch die dler jüdischen Kulturwerte anzustrebenden Erziehungsziele umrissen würden. Die Feier wurde durch Orgelspiel eingeleitet, worauf Johanna Meyer Psalmen vortrug. Rabbiner Dr. G a'H i n e r legte in seiner Ansprache an die Eltern und Kinder dar, daß das Judentum stets van dem Drang nach Dauer erfüllt gewesen sei. Im Judentum seien Zukunftsfragen immer Erziehungsfragen gewesen. An den Wendepunkten unserer Geschichte haben unsere Väter Schulen gegründet, die der Erziehung der Jagend und der Erhaltung der Religion dienen sollten. Die Schulgemeinschaften, die jetzt gegründet werden, haben die Aufgabe, unsere Kinder mit stolzem Selbstbewußtsein zu erfüllen, sie zu guten Juden und zu guten Deutschen zu erziehen. Die neuen Schulen sollen der jüdischen Jugend die ewigen Werte deutscher und allgemein menschlicher Kultur vermitteln und unser jüdisches Kulturguts die ewigen Wahrheiten unserer Religion, in die Herzen der Kinder einprägen. Dadurch allein werde eine Jugend heranreifen, die ebenso stark mit Vaterland und Heimatland wie mit Juden und Judentum verbanden ist. Das Neue, das sich gestaltet, werde in den einzelnen.Uhferrichtskiassen zum Ausdruck kommen. Was deutsche Dichter gesungen haben, sagte Dr. Galliner, wird unsere Kinder ebenso stark beseelen, wie das, was unser Schrifttum, unsere Propheten und >unsere *großen jüdischen; Männer tief Ire unsere Seele gesenkt haben. Die Kinder, die in den neuen' Schulen unterrichtet werden, sollen nicht vergessen, daß sie jü- 'dische Kinder sind, daß man von ihnen mehr verlangt,., und deshalb sollen sie bescheiden sein^ in Ehrfurcht vor rQott stehen und die Augen offenhalten für alles, was" das Leben zu bieten hat. Zum Schluß betonte Dr. Galliner, daß die Lehrer, die an diesen Schulen zu unterrichten haben, eine große und schwere Aufgabe übernehmen. Der Vorsitzende des Gemeindevorstandes Direktor Heinrich Stahl stellte an die Spitze seiner Ausführungen die Mitteilung, daß die Gemeinde in kurzer Zeit etwa 1000 Kinder neu einschulen mußte, von denen allein 250 Kinder in der Schule Fasanenstraße untergebracht wurden. Damit sei die erste Etappe auf dem Wege zum Ausbau des V o i k s s c h u 1■ w e s & n s zurückgelegt und die Grundlage für die weiteren Schuleinrichtungen der Gemeinde geschaffen. Die neue Schule solle die Vorbereitung für ein neues praktisches Leben sein. Das neue Schulwerk der Gemeinde set erst im Entstehen begriffen. Es sei zu hoffen, daß nach erfolgter Genehmigung durch die zuständigen Behörden eine große Volksschule der Gemeinde für den Westen Berlins aus diesen Anfängen entstehen werde. Der Gemeindevorstand hoffe, daß die Lehrerschaft den Kindern mit offenem Herzen entgegenkommen werde, daß die Erziehung und Ausbildung der Kinder in den Schulen der Berliner Jüdischen Gemeinde nicht nur in jüdisch-religiösem, sondern auch in deutsch-vaterländischem Geist erfolgen werde. Die Schule solle die Kinder 'Behren, sich mit der jüdischen Gemeinschaft verbunden zu fühlen, und die Kinder sollen die Lehrer durch Bescheidenheit und Freude amr Unterricht unterstützen. Nach einer Ansprache des Direktors Dr- Gutmann an die Lehrer schloß die Feier mit Gesang und Orgelspiel. Die Reichsvertretung der Deutschen Juden teilt mit: '.. Vor kurzem fand unter Vorsitz von Professor Dr. E1 - bogen die Sitzung desjenigen Unterausschusses des Er-i ziehungsausschusses der Reichsvertretung statt, der sich insbesondere mit der Gestaltung des Lehrplans der jüdischen Schulen und den damit zusammenhängenden Fragen (Lehrbücher, Lehrerforfcfciildung usw.) zu befassen hat. In sehr eingehenden Beratungen wurde ein dem Ausschuß vorliegender Entwurf für Richtlinien zur Aufstet-: hing von Lehrplänen an jüdischen Volksschulen durchberaten. Es wurde der Wunsch zum Ausdruck gebracht, möglichst in allen Fächern die besonderen jüdischen, Anknüpfungspunkte und Querverbindungen herauszuarbeiten.. Dies soll in organischer, aus dem allgemeinen Unterrichtsstoff! sich ergebender Weise durchgeführt werden. Der Ausschuß sprach sich einmütig dafür aus, daß einheitliche Richtlinien ausgearbeitet werden. Es soll ein Rahmengeschaffen werden, der entsprechend den jeweiligen besonderen Bedürfnissen ausgefüllt werden kann. Um die in der Sitzung gegebenen zahlreichen Anregungen zu verarbeiten, ist eine Kommission eingesetzt worden, diei« schnellstens das Ergebnis ihrer Beratungen vorlegen soll. f Der Ausschuß befaßte sich daran mit der Frage der Erfassung und jüdischen Fortbildung der schulentlassenen Jugend, insbesondere soweit sie nicht in Bünden organisiert ist. Als besondere Aufgabe auf diesem Gebiet wurde die Heraus-? gäbe kurzer instruktiver Schriften über bestimmte jüdische! Themfen bezeichnet, die den jungen Menschen als Grundlage* für Ausspracheabende und gemeinsame Weiterarbeit dienenj können. Die weiteren Maßnahmen auf diesem Gebietsoltemirc Zusammenarbeit mit dem Retehsausschuß der jüdischen Ju gendverbände getroffen werden. Die- Synagogengemeinde sind auf die Wichtigkeit der vorliegenden Aufgabe Jiingewiesen und um möglichste Förderung der Jugendverbände1 er* sucht worden.