Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 10-11 (15.11.1933)
- Date
- 1933-11-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 10/1 r ■> j U ■ - _ " - Jüdische von. heute ist. Die Rückkehr von damals war. Opfer; die von hettte*-ist *die ^Abzahlung * einer-, Schuld* an unsere^ eigene .Geschichte. ,- - Aber - wir - wollen~ diese -Heimzahlung -einer -Schuld nicht - entwerten. Es steht bei uns, sie zu gestalten. Es genügt nicht, zu sagen: naiiA rt-'tu Es muß daran gedacht werden, daß selbst ein Cyrus ein "i rw» ein Gesalbter Gottes genannt wurde. Das heißt: Man sah in ihm, einem Fremden und nicht zu uns gehörigen, den Vollstrecker eines göttlichen Auftrags. Es kann nämlich dem innerlich wahrhaft freien Menschen alles zum schöpferischen Anlaß werden. Es darf für den Juden keine unschppferischen Kräfte geben. Wenn sie seinem Wesen nichts hinzufügen können, so können sie doch sein Wesen im schöpferischen Widerstand stählen. Daß solches heute geschehe, ist in weitestem Maße in die Hand des jüdischen Lehrers gelegt. Eine ungewöhnliche Verantwortung ruht auf ihm. Er steht mitten im Strome der heimkehrenden Marranen und muß die Kinder zu.sich rufen, die in diesem Strome mitgehen. Er muß die Zukunft, die mancher erwachsene Marrane schon für sich verspielt hat, für das Kind retten oder neu begründen. Er muß an ihm wieder gut machen, was eine historische Fehlentwicklung an ihm verschuldet hat. Er muß-ihm wieder eine eigene Welt geben, von der her es der Umwelt begegnen kann. Was der einzelne Lehrer da unter eigener Welt und Umwelt versteht,'kann ihm kein Lehrplan vermitteln. Das muß er in dieser schwer mit Schicksal beladenen Zeit mit seinem Gewissen abmachen, so wahr, wie er das einst vor seinem Volke und vor seinem Gotte wird verantworten müssen. Er wird bestehen können, wenn er eines nicht vergißt: im Sinne unseres Glaubens bleibt Galut immer Gäfut. Man kann ihr nur begegnen aus der Tiefe des Eigenen und aus der Hoffnung auf das Eigene. Nur wenn man mit diesem Wissen lebt, kann man sie mit Würde und gestaltender Kraft leben. — Bildungsprobleme der Jüdischen Schule von Mittelschul-Rektor Dr. Stern-Berlin Dieser Aufsatz unseres Verbandsvorsitzenden erschien in den ,-Bl. f. E. u. U." vom 7. September als Antwort auf eine programmatische Darlegung Martin Bubers in der „Jüdischen Rundschau" vom 7. Juli 1933 und eine kurze Auseinandersetzung mit ihr, die von mir geschrieben war (Bl. f. E. u. U. vom 3. August). Wenn ich Sterns Aufsatz auch in der Schulzeiturngl zum Abdruck bringe, so geschieht es, um allen Verbandsmitgliedern Gelegenheit zu geben, die ausgezeichnete Betrachtung auf sich wirken zu lassen; weiterhin aber auch darum, weil ich einiges zum Grundsätzlichen' des Aufsatzes erwidern möchte. Braun. Ueber die künftige und endgültige Organisation des jüdischen;: Schulwesens in Deutschland sind wir heute noch genau so im unklaren wie vor Wochen, als ich die Kollegen zur Geduld mahnte. Nur. so viel läßt sich heute mit einer gewissen Sicherheit sagen, daß der Schwerpunkt unserer künftigen Schularbeit in der Volksschule liegen wird. Freier und zuverlässiger können wir über die innere Gestaltung unserer Schule sprechen, weil sie wohl im wesentlichen in unsere Hand gegeben sein wird. Dieser Fra genkomiplex beschäftigt naturgemäß unsere Gemeinschaft in allen ihren Kreisen und Organisationen in der öffentlichen Diskussion wie in privaten Unterhaltungen aufs angelegentlichste. Nicht nur. weil die geistige Aktivität atif ein enges Gebiet eingeschränkt ist, sondern weil man die entscheidende Bedeutung der Schul- und Erziehungsfrage für die Existenz und den Neubau des deutschen Judentums erkannt hat. Dabei hat sich schon heute manches^ herauskristallisiert, was einer Klärung der Probleme dient und der künftigen Gestaltung der Dinge den:\Weg<weist: Anderseits aber Jäßt sich nicht verkennen, daß •Seife Ii;—-1 die Diskussion in der Presse hier und dort eine Leidenschaft^ Hchkeit angenommen hau die sachlich, nicht. begründet erf| scheint. Es werden gewissermaßen Gegensätzlichkeiten her'$ ausgearbeitet, die in der-Wirklichkeit gar nicht bestehen, un<| Anschauungen verteidigt, die gar nicht angegriffen werden^ Sollten diesen Auseinandersetzungen die alten Parteigegenf sätze zugrunde liegen dann werden wir Lehrer ihnen das Ein*1 dringen in die Schule und die entstehende jüdische PädagogjuYmit aller Deutlichkeit und Entschiedenheit wehren müssen*; Nicht als ob wir, als die zünftigen Pädagogen, uns anmaßten;* Form und Inhalt der Erziehung oder auch nur der Schule au-- * toritär zu bestimmen. Wir wissen und fühlen uns als Beaufr tragte der Gemeinschaft, deren Denken und Wollen in de?t; Richtung auf Prägung ihres seelischen Seins wir zu erkenne« und zu gestalten haben. Anderseits aber entnehmen wir die*, ser hohen Berufung das Recht und die Pflicht, alle Einflüsse abzuweisen, welche die Schule und ihre Arbeit stören une hemmen würden. i> i. Die Möglichkeit einer gesunden Entwicklung des jüdischer*! Schulwerks erscheint uns deswegen gegeben, weil sich in der» Hauptfrage, nämlich in der Erziehung;sutsd Bi 1 *« dungsauf gäbe, eine grundsätzliche Ueheremstimmunj;. erwiesen hat: Jeder will den jüdisch-bewußten Menschen, unc. niemand, will das deutsche Kulturgut, und damit doch den deut-ij sehen Zug im jüdischen Menschen, ausschalten. Jeder will di^| Ertüchtigung der jüdischen Jugend für den erbarmungsloser; Kampf um ihre Existenz, und niemand verschließt sich darun den Notwendigkeiten, die das Leben auch außerhalb Deutschlands, urM vor al?em in Palästina, von einer jüdischer; Erziehung verlangt. Damit ist der d e u t s ch-j ü d i -{ sehe Charakter der Erziehungs- und Bil~ dungsaufgabe festgelegt. Aber glauben wir nur nicht, daß mit diesem Wollen und dieser Erkenntnis die. Schwierigkeit unserer Aufgabe überwunden sei. Sie beginn . erst. Denn aus der doppelten Zweigesichtigkeit unserer Auf, gäbe müssen sich Spannungen ergeben, die genau denen erotsprechen, unter denen unser Leben irrt, künftigen Deutschland verlaufen wird. In diesem Parallel'ismus der Dynamik von LeV ben und Schule erweist sich gerade die Lebensnähe der jüdischen Schule, die wir aufbauen wollen, und die Unmöglichkeit, jene Spannungen von ihr und ihren Schülern fernzuhal-. ten. Und weil wir uns den Luxus der Illusion in keiner Gestalt leisten können müssen wir uns auch sagen, daß in der neuer-, jüdischen Schule der absolute jüdische Mensch ebensowenig denkbar ist wie in der ällten. Dieser jüdische Mensch, von dern heute nicht wenige träumen, ist eben nur im absoluten/ jüdi-; sehen Milieu möglich, nirgends sonst. Daran können auch noch, so glückliche Formulierungen eines Erziehungs- oder Bildungst Zieles etwas ändern. Will diese Formel lebensgemäß sein^ dann muß sie die Mannigfaltigkeit der Wirklichkeits- und See-f lenstruktur enthalten; verschließt sie sich dieser Tatsache^ dann ist sie theoretisch inhaltslos und praktisch gegenstands-i los. Solche Bedenkeri erweckt auch das Bildungsziel (es ist eigentlich ein Erziehungsziel), das Martin B u b e r aufget stellt (,.Jüd. Rundschau" Nr. 54) und mit denn sich schon Siegt,1 fried Braun an anderer Stelle beschäftigt hat. „Es ist der der' Situation an dem exponiertesten Punkt gewachsen 4; Mensch. Es ist der überwindende Jude." Unleugbar isi? dies eine überaus geschickte Formulierung; denn nie-f mand wird etwas gegen die alles beherrschende Notwendig^ keit einwenden können, den deutschen! Juden der Gegenwart' um jeden Preis aus der Gefahr der buchstäblichen VerV nichtung zu retten. Darum soll! auch nicht davon gesprochen; werden, daß dieses Bildumsilsziel — .und ein Bildungsziel is|' doch immerhin so etwas wie ein Ideal — an der äußerlichster! und veränderlichsten Gegebenheit orientiert ist, die sich den^ ken läßt, nämlich an einer von außen aufgezwungenen! SU tuation. — Aber welches ist nun die konkrete Prägung des überwindenden Juden? Welches sind die positiven Kräfte, die^ den Geburtsjuden "zum überwindenden' machen? Das müssen wir nämlich wissen, wehr* wir an die praktische Erziehungs* . ____ ' jV ii.'U. '••JV. Schillzeitung