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Jüdische Schulzeitung · 1933-11-15 · 10-11 (15.11.1933) · page 2

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
9 (1933)
Issue
10-11 (15.11.1933)
Date
1933-11-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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\eheS2- " " Feiner ist" "mlOähireichen Aufsätzen und Schriften, so . a. über Gabriel Rießer, Ludwig Philippson, Anton Ree an ie Oeffentlichkeit getreten und hat im jüdischen Leben sowie uch sonst in der Oeffentlichkeit zahlreiche Ehrenämter beleidet, in denen, er seine Fähigkeit zum Führertum entfaltete. Was war Feiner uns, seinen Kollegen? Nach der Gründung es Lehrerverbandes im Dezember 1895 begründete er den .ehrerverein „Moses Mendelssohn" in Hamburg, der ihn zu einem Vorsitzenden wählte und ihn zum ersten Lehrerverandstage 0898 in Berlin) delegierte. Auf dieser Tagung wurde r als 2, Schriftführer in den Vorstand gewählt, welches Amt r einige Jahre später mit dem des Schatzmeisters vertauschte, i kurzer Zeit wurde er auch im Lehrer verbände eine f übende Persönlichkeit, so daß er schon1 1907 nach dem Rück- -itts Prof- Fiegels zum Vorsitzenden gewählt wurde. Er hat ieses Amt bis zum Jahre 1922 bekleidet. In seine Amtszeit elen die harten Kämpfe zwischen dem- Lehrerverband und em Deutsch-israelitischen Gemeindebund (wegen der Frage Ser jüdischen Volksschule), und in seine Amtszeit fielen auch [ie für unser Vaterland so verhängnisvollen Kriegs- und Injationsjahre. Sie haben wiederholt den Fortbestand unseres Verbandes bedroht aber Fehlers Initiative und seine angebogene Führeniatur haben ihn glücklich über alle Fährnisse hinjreggeleitet. Als im Jahre 1922 durch die beabsichtigte Grünlüng der „Gesamtorganisation des deutschen Judentums" und '.ie erfolgte des „Preuß. Landesverbands jüd. Gemeinden" die Erlegung des Sitzes des Verbandes nach Berlin sich als unerläßlich erwies, legte Feiner den Vorsitz nieder, und einstim- Inig wählte ihn der Verband anstelle des verewigtem Dir. Dr. idler zum Ehrenvorsitzenden. f Feiners 70. Geburtstag fällt in eine für uns deutsche Juten trübe Zeit, die von ihm, der während seines ganzen Levens eine glückliche Mischung van treuem Bekennen zum Deutschtum und Judentum miit sich trug, ganz besonders schmerzlich empfunden wird. Feiner erfreut sich Iis . Siebziger noch einer außergewöhnlichen körperlichen md geistigem Frische,und Regsamkeit; möge es ihm vergönnt ein, in gleicher Rüstigkeit die Zeit zu erleben, in der im Erllühendes deutschen Vaterlandes auch der deutschen Julenheit wieder bessere Tage -erstehen. M. Steinhardt. Nummer IQ/IL "-. Marranentum der Seele .von Josef Kästeln Josef Kastein hat der zweiten Ausgabe' seiner; Ge-._ _ schichte der Juden (erschienen im Rowohlt-Verlag, Berlin) ein Nachwort angefügt, in dem sich 'folgende Sätze finden: „Unter den vielen zustimmenden oder kritisierenden persönlichen Zuschriften sind mir als die wertvollsten diejenigen erschienen, die aus dem Bezirk der L e h - rerschäft kamen. Haben sie mir auf der einen Seite wesentliche Erkenntnisse .vermittelt, so haben sie mir auf der andern Seite eine beglückende - Einsicht in die lebendig© Teilnahme der Lehrerschaft am wirkenden und wirklichen Geschehen unserer Gegenwart vermittelt. Das bedeutet imdr eine Verheißung und ein Versprechen für das Schicksal unserer Jugend/' Die Schriftleitung. 't ' Als gegen das Ende des 14. Jahrhunderts das christliche Spanien daran ging, in seinem Lande die Einheit von Volk und Bekenntnis herzustellen, und als es zu diesem Zwecke den „heiligen Haß" predigte, machte es das nächstliegende Fremde, den Mauren und den Juden, zum Gegenstand seines Angriffes. In Wiederholung westgotiseher Methoden lautete die Parole: Taufe oder Tod. Viele Keßen sich taufen; viele wurden mit Gewalt getauft. Während der Maure ein geschlossenes Volk mit eigenem Landraum hinter sich hatte, zu dem hin er ausweichen konnte, hatte der Jude keinen Raum, der nur ihm gehörte. Eine Stütze in der Verlassenheit seiner neue« Glaubenswelt konnte er nur bei den Juden finden, die noch nicht getauft waren. Er fand diese Stütze so sehr, daß daran die Hoffnung" von Staat und Kirche auf Gewinnung treuer und gläubiger Christen scheiterte. Die Mehrzahl der Marranen — nicht alle; ein Teil fand sich mit seinem Schicksal ab — ,.judaisierte." Das heißt: sie blieben heimlich Juden. Es war eine Barbarei, aber zugleich auch ein Stück konsequenter Politik, daß ein Jahrhundert später alte noch nicht getauften Juden aus Spanien verjagt wurden. Sie gefährdeten die Erziehung und Einordnung der Getauften. Und für diese Getauften, diese Marranen, war erst in diesem, Augenblick das Schicksal endgültig besiegelt: sie hatten keinen Halt mehr am lebendigen Dasein der jüdischen Welt. Da erst .enthüllt sich der . letzte Sinn des Marranentums: es ist die Auseinandersetzung mit der Umwelt unter den Bedingunigen der Fremde. Immer, wenn Menschen oder Menschengruppen versuchen, sei es freiwillig, sei es gezwungen, sich mit der Umwelt auseinanderzusetzen, nicht aus dien Bedingungen ihrer Art uind ihres Seins und nicht unter Einsetzung ihres Nur-Eigenen, sondern, wenn sie es tun unter Verleugnung des Eigenen oder von aufgedrungenen Gesichtspunkten her — immer dann entstehen Fehlentwicklungen und Fehlresultate. "Kulturen sind gewiß —wenn sie wahrhaft Kultur sind und nicht nur die träge Selbstbindung an Lebensformen —■ dazu bestimmt, einander zu durchdringen. Aber wenn die Träger einer Kultur sich im Behagen ,der Angleichung ihrer eigenen Werte entäußern, der Werte des nationalen Herkommens, des Glaubens, der sittlichen Potenz — wenn sie nichts mehr gestalten wollen, sondern sich nur noch vom Nicht-Eigenen gestalten lassen wollen: dann.entsteht aus der Freiwilligkeit der Selbstaufgabe dieselbe Situation, die unter der Unfreiwilligkeit des Zwanges entsteht: es findet eine Auseinandersetzung mit der Umwelt statt unter den Bedingungen der Fremde. Es wird Marranentum begründet. Das Marranentum gehört zu jenen Problemen, die nur gelöst werden können durch ihre Ueberspitzung .oder durch ihre Vernichtung. Das bedeutet: der Marrane verliert sich**endgültig und ohne Spur im Fremden, oder er tötet das Fremde in sich durch bewußte und entschiedene Rückkehr zum Eigenen. Wir haben solche Rückkehr damals wie heute erlebt; damals, aus der nie erloschenen Bindekraft des jüdischen Geistes, heute aus der Nothaltung gegenüber der Umwelt. Es ist kein Zweifel, daß die.Rückkehr von damals heroischer war, als es die J ü d jsehe Schulzeitung

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