Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 9 (15.9.1933)
- Date
- 1933-09-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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pierung der Charaktereigenschaften begreifen wir unter seiner Tektonik. 5. Aspe k t (Haltungsanlagen). Wie sich nun der Mensch auf Grund des Stoffes, des Gefüges, der Art und des Ausbaues seines Charakters dauernd verhalten wird, nennen wir seinen Aspekt. Demnach versteht man unter Aspekt die Reagenz einer Individualität, die sich beinahe mathematisch vorausbestimmen läßt. Diesen Zustand nennt die Philosophie die theoretisch-objektive Persönlichkeit (Kant). Die heutige Struktur-Psychologie faßt die menschliche Seele als das organische Zusammenwirken aller elementaren leiblichgeistigen Funktionen auf, und kann sich daher niemals mit gesonderten Abhandlungen über Gefühle, Willen, oder mit der Untersuchung des Charakters einverstanden erklären, im schärfsten Gegensatz zur Elementar-Psychologie. Die Philosophie ist ebensosehr der geisteswissenschaftliche Ausdruck der Zeit, als die Psychologie ihre Folgewissenschaft ist. Die bis zur Entartung überzüchtete Sezierphilosophie mußte endlich der organischen, umfassenden Philosophie weichen, wie auch die kranke Zeit nach ihrer übertriebenen Differenzierung und Stückarbeit als Heilmittel das organische, aus einem Guß geformte Werk ersehnte und durchsetzte. Die Sprangerschen Typen (Lebensformen) Die Grundhypothese der Sprangerschen Struktur-Psychologie liegt den folgenden Untersuchungen zugrunde: In jedem sinngebenden Gesamtakt sind alle Grundformen sinngebender Akte zugleich enthalten; in jedem geistigen Akt waltet die Totalität des Geistes., 1. DerökonomischeSinn. Wenn sich meinem Auge ein beliebiges Etwas zeigt, erfahre ich als psychophysisches Subjekt von ihm eine Einwirkung, in der es mir als eine fremde Kraft gegenübersteht. Sein Druck kann so stark, seine chemische Wirkung so, intensiv werden, daß ich mit meinem Krästesystem ihm nicht gewachsen bin; es kann aber auch auf meine Organe lebenfördernd und bedürfnisbefriedigend einwirken. Jedenfalls steht es zu meiner psychophysischen Konstitution in einer Beziehung, die sich schon dunkel in Gefühlsqualitäten angenehm oder unangenehm ankündigt, sich aber mit fortschreitender Erfahrung als genaueres Werterlebnis des Nützlichseins oder Schädlichseins entfaltet. Was in solcher Weise bewertet wird, hat einen, wenn auch noch so primitiven, ökonomischen Sinn. Der ökonomische. Sinn liegt in dem Erlebnis des psychophysischen Kraftverhältnisses zwischen Subjekt und Gegenstand (Kraftmaß). 2. Der theoretische Sinn. Das Gegebene wird in einen Gegenstand verwandelt. Dieser Gegenstand wird von seiner Umgebung geistig abgetrennt, gleichsam reliesartig herausgehoben und für sich identiert. In diesem Akte geistiger Zuwendung wird er zu einem identischen Wesen, das in jedem künftigen gleichsinnigen Akt wieder gemeint sein kann. Der Gegenstand ist damit in die Sphäre des Jdentifizierbaren erhoben. . Der theoretische. Sinn wurzelt in der allgemeinen Identität des identierten Gegenstandes (Wesen). 3. Der ästhetische Sinn. Durch das Sinnliche und Konkrete der Erscheinung eines Gegenstandes allein ist sein Gehalt noch nicht ausgeschöpft. Sein' eigentümlicher Formenumriß, seine eigentümliche Farbengebung, seine Klangwirkung, sein Tasteindruck, sind Momente, die noch anders auf das Subjekt wirken. Ich fühle mich hinein, d. h. ich bewege mich in fchauend-genießender Haltung um feine Linien, mit einem gewissen seelischen! Rhythmus herum, empfinde in seiner Farbigkeit oder in seinen wirkt in meinen Gemütskräften eine solche Bewegung, daß er zugleich als Ausdruck bezeichnet werden kann. Der ästhetische Sinn liegt in dem Eindruck-Ausdruck-Charakter seiner sinnlich-konkreten Erscheinung (Bild). 4. Der religiöse Sinn. Das Einzelerlebnis ist ein bloßer Ausschnitt aus dem Unendlichen. Sofern dieses Einzelerlebnis zu meinem ganzen Leben in eine Sinnbeziehung gesetzt wird, empfängt es eine religiöse Betonung. Nichts, auch nicht die kleinste Erregung, ist für den Totalsinn oder Totalwert meines Lebens ohne Bedeutung. Der religiöse Sinn liegt in der Beziehung des Einzelerlebnisses auf den Totalsinn des individuellen Lebens (Totalsinn). In jeder Individualität stehen die Einzelakte in Wechselbeziehung zueinander. Der bedeutsamste und ausschlaggebendste Erlebnischarakter bestimmt die übrigen. Danach unterscheidet Spranger: 1. den theoretischen Menschen, 2. den ökonomischen Menschen, 3. den ästhetischen Menschen, 4. den sozialen Menschen, 5. den Machtmenfchen, 6. den religiösen Menschen. 1. Der theoretische Mensch. Die theoretische Einstellung ist eigentlich nur eine Tendenz, die im lebendigen Menschen niemals völlig isoliert und in vollendeter Idealität auftreten kanm Der rein theoretische Mensch ist nur eine Konstruktion. In der wirklichen Welt wird es ihn nie geben, wohl aber hat er seine innere Folgerichtigkeit, der sich ein lebendiges Wesen annühern kann, wenn in ihm die erkenntnismäßige Einstellung mit entschiedener Einseitigkeit vorherrscht. Der Charakter des Erkenntnisaktes beruht a) darauf, daß sie etwas meinen'oder identieren (transsubjektive Leistung); b) darauf, daß sie dieses Gemeinte als ein für alle gleichsinnigen Akte Identisches setzen und es damit von allen anderen Gegenständen wesenhaft unterscheiden. Diese Einstellung auf das Gegenständliche: das Identifizieren und Unterscheiden, das Generalisieren und Individualisieren, das Verknüpfen und Trennen, das Begründen und Systematisieren, bringt es aber auch mit sich, daß Gefühl und Begehren, Zuneigung und Abneigung, Furcht und Hoffnung, durchaus zurücktreten müssen. Affektlosigkeit ist der Zustand des Forschers, sofern er erkennen will; allgemeine gegenständliche Gesetzlichkeit sein einziges Ziel. 2. Der ökonomische Mensch. Die ökonomische Einstellung ist das Fragen nach dem Nützlichkeitswert aller Lebensbeziehungen. Alles wird für den ökonomischen Menschen zu Mitteln der Lebenserhaltung, des naturhaften Kampfes ums Dasein und der angenehmen Lebensgestaltung. Er verfährt sparsam mit dem Stoff, mit der Kraft, mit dem Raum, mit der Zeit, um ihnen ein Höchstmaß nützlicher Wirkungen für sich abzugewinnen. Man könnte ihn auch als den praktischen' Menschen bezeichnen, weil das ganze Gebiet der Technik unter dem Gesichtspunkt des Oekonomischen steht. Der Sinn seines Tuns liegt nicht in einer wertentscheidenden Gesinnung, sondern in dem ganz äußerlichen Nutzeffekt. 3. Der ästhetische Mensch. Den.Aesthetiker bestimmen nicht allgemeine Grundsätze und nicht Nützlichkeitserwägungen, sondern der Willezur Form. Oft ist es freilich ein irregeleiteter Wille, der sein Ziel nicht erreicht. Aber auch hinter diesen mißglückten Versuchen steckt die Tendenz, die eigene phantasieumkränzte Individualität reizvoll herauszuarbeiten. Selbstverwirklichung, Selbstvollendung, Selbstgenutz ist das Ziel des Menschen von ästhetischer Struktur. Eine solche innere Formgebung erfolgt aber nicht in rationalen Erwägungen; sie ist Sache einer unbewußten Genialität. In allen Handlungen leitet diese Menschen ein Sinn für Schönheit und Maß, aber mit dieser Kultur der Individualität verbindet sich organisch das Bildungsstreben als Nummer.9 ' Jüdische Schulzeitung 4.-Te.ktonik (Aufbau). Wir nennen jemanden einheitlich Tönen seelische Stimmungen; die in meiner psychischen Struktur oder harmonisch, wenn seine verschiedenen Eigenschaften sinnvoll an diese sinnlichen Nuancen gebunden sind.. Hierin liegt ein Eins¬ und glücklich ineinandergreifen; uneinheitlich oder gar zerrissen, ^werden mit dem Gegenstand. Der sinnlich-konkrete Eindruck bekenn sie einander stören. Die mehr oder minder-glückliche Erup