Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 8 (15.8.1933)
- Date
- 1933-08-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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ftuntmct 8 Jüdische Schulzeitung inmitten des Grauens und der Starre. An der Seite Sauls sitzt die jugendliche Tochter. Ihr gegenüber der Hirtenjüugling. schlank, jung und spielend im Licht. Er spielt, das Gesicht abgemandt, hinaus in die weite Welt: die Jugend, die Hoffnung, die Liebe. Dem Könige klingt das nicht, aber der Tochter. Schweigend zieht es sie hinüber, dahin zu dem Sang, zu dem Jüngling. Und sie wird sich erheben, hinüber zu ihm, und draußen ist die Welt, und er wird ein König sein und sie seine Königin."-") Statt über die methodische Behandlung biblischer Bilder die Unzahl von Meinungen und Gegenmeinungen gegeneinander abzuwägen, verweise ich auf eine Lektion über ein biblisches Bild, die der bekannte Würzburger Lehrer Heinrich Schreiber in dem Sammelbaud „Arbeitfchulgemätzer Neligionsunterricht" höchst lebendig beschreibt.-») Wertvoll ist zunächst, was dieser gesund denkende und warm empfindende Jugendbildner über seine Methode dem eigentlichen Thema voranschickt. „Im Nahmen der einzelnen Unterrichtseinheit greife ich nicht nach der Angabe oder nach dem Suchen des Zieles zum Bilde; meine Schüler lernen erst die Geschichte vielseitig-selbsttätig kennen, schöpfen daraus eine Frucht für das Einzel- und Gemeinschaftsleben, freuen sich an der Formung derselben durch einen Propheten oder Sänger, und dann erst erinnern sie sich, daß auch die Maler und Erzähler sich gerne mit den Geschichten unterhalten, die zu Gott hinführen wollen. Diesen Weg empfehle ich gegenüber dem vorhin erwähnten, weil er die Jugend erst recht leistungsfähig macht, weil sie die Kraft ihrer Einfühlung und Einbildung in voller und eigenartiger Selbsttätigkeit versuchen und erproben kann, wenn der Neligionslehrer ein paar Erzählungen freudig ausschöpfen lehrte." Sehr hübsch, zeigt Schreiber, wie sich die Schüler am Schlüsse der Geschichte ausdenken, welchen Zeitpunkt der Handlung der Künstler wohl als Gegenstand der Darstellung wählen könnte. Ist so der wahrscheinliche Stoff für die Gestaltung des Künstlers gefunden, dann haben die Schüler erst noch das entsprechende Bild mit Worten zu malen. Nun erst wird das künstlerische Bild vorgezeigt; eine Pause tritt ein, während welcher die Kinder das Bild still in allen Einzelheiten betrachten, und nun erst beginnt die gesprächsweise Bildbehaudlung. — Wirksam für ein eindringendes Verständnis in den Stoff der biblischen Geschichten erweist sich bei reiferen Schülern auch eine Vergleichung zweier künstlerischer Behandlungen des gleichen Themas, z. B. „David und Saul" in der verschiedenartigen Darstellung bei Nembrandt und Israels. Dabei ist zu berücksichtigen, daß ein psychologisches Verständnis, wie es eine vertiefte Kunstbetrachtung erfordert, erst im Neifealter beginnt, wenn mit der nach Innen gerichteten Betrachtung des eigenen Ichs und der daraus sich ergebenden Betrachtung der anderen sich der Blick für das Geistige geschärft hat. (Schluß folgt.) -7) Kutna: „Josef Israels" in Ost und West. Jahrs. 1922. S. 303. '-'») Arbeitfchulgemäßer Neligionsunterricht, gesammelte Stundenbilder ans pädag. Werkstatt, herausgegeben von Otto Eberhard. 2. Aufl. 1924. S. 59. Literarisches. „I^vrit L’olim, Neuhebräisch schnell gelernt", von Rabbiner Dr. Emil Cohn, Verlag Siegfried Schalem, Berlin-Schöne-- berg. 2,55 &JC. Dieses Buch vereinigt in sich eine hebräische Lesefibel, einen Abriß der gesamten hebräischen Grammatik unter besonderer Heraushebuna. des nur Wesentlichen, Redewendungen und Gcsvrächsübungen nach den Interessengruppen des Alltagslebens geordnet und ein dentsch-neuhebkcMches Wörtenwrzeichnis mit 2000 Begriffen der täglichen Verkehrssprache. Der Verfasser begründet die Herausgabe des neuen Werkes mit der Bemerkung, daß die bisherigen Lehrbücher für das Ziel, „dem Anfänger über die ersten Schwierigkeiten des Nerihebräifchm hiuwegzuhelfen und ihn soweit zu fördern, daß er sich hörend und sprechend einigermaßen verständigen kann", zu umfangreich und zu wenig instruktiv sind. Er betrachtet es als einen Vorzug. daß die von ihm gewühlten Uebungsgesprüche ein:n methodischen Ausbau zeigen und sich durch diesen von andere:: Sprachfül-rern, „die mehr eine Sammlung von' Redewendungen" darstellen, unterscheiden. Das Cohnfche Buch ist seiner Anlage, seiner Einteilung und seiner Ausgestaltung nach eine sehr wertvolle Ergänzung der bereits vorhandenen hebräischen Unterrichtsliteratnr. Allerdings wird es nicht zum Selbstunterricht zu benutzen sein. Gerade die Verwendung dieses Buches macht den gut hebraistisch vorgebildeten Lehrer zur Voraussetzung. Dieser Lehrer muß in der Lage sein, ans eigenein Können die vielseitigen Uebungsbeispiele zu schaffen, welche dem Eohnschen Buche fehlen und welche zur Illustration des rein Sprachlich-Grammatischen unentbehrlich sind. Ein guter Hebraist als Lehrer oder Anlehnung an eines, der bereits vorhandenen guten hebräischen Lehrbücher, das find die mit der erfolgreichen Benutzung des Cohnfchen Buches verbundenen Forderungen. 2m übrigen ist es immer sinnvoller, nicht „schnell", sondern gründlich zll lernen. 2ede dem Umfange nach noch so begrenzte, dem inneren Zusammenhänge, nach aber gut gefügte Grundlage bereitet das hebräische Sprechen weit besser vor, als ein im Eiiiempo durchgehetztes lückenloses grammatisches System. — Damit ist der Ort dieses Buches auf dem Wege des Lernens bestimmt: es ist eine sehr willkommene Ergänzung zu vorhandenen guten Lehrbüchern, und es soll hierdurch angelegentlichst empfohlen sein. Bacher, Kassel. Dr. Heinz Ritter: Vom Wolf und den siebe», jrmge» Geißleir». Ein Spie! für 5 bis 10 jährige Kinder. Malsch bei Ettlingen. Heilerziehungs- und Erholungsheim Waldbaus. 60 Pfennig. Der Leiter des Waldhauses Malsch in Baden hat das bekannte Märchen vom Wolf und den sieben Geißlein für Kinderaufführungen dramatisiert. Die Bearbeitung ist vorzüglich gelungen, und sie wird sicher bei etwaigen Ausführungen bei Darstellern und Zuhörern hellste Freude auslösen. M. St. * Ani und Anaw in den Psalmen von Harris B i r k e l a u b, ans dem norwegischen Manuskript ins Deutsche übertragen von Eugen Ludwig Rapp in Pirmasens. 2m Nahmen Veröffentlichungen der Norwegischen Akademie der Wissenschaften in O s l o. 2acob Dybwad-Verlag in Oslo. Februar 1933. Preis: norweg. Kr. 10,—. Verfasser gibt uns zunächst einen plastischen Ileberblick über ben Stamm anal). Er teilt ein: l.inden Gebrauch von Le bewesen 1. im Zustand während des Fastens, z. B. Lev. 10. '29. 31 — 2 3. 27. 29, 32; 2. im Zustand des Hungers 2es. 5 8, 10: 3. im Zustand während der Krankheit 2es. 5 3, 4: 4. wenn es notzüchtigen bedeutet z. B. Gen. 3 4, 2 und 5. dort, wo es schwer ist, eine bestimmte Situation anzugeben, wo es etwa überseht werden muß mit mißhandelt. geplagt, gepeinigt, gebändigt, überwunden s'in oder werden z. B. Een. 16. 6. 9 — 31. 50 — E.r. 1. 1'. 12, 22 — 21. 22: 6. Er. 10, 3 vom rechten Verhalte»', gegenüber der Gottheit. Dann: in den Gebrauch von Rationen, z. B. Gen. 15. 13 und von Tieren 2es. 31, 4 und Sach. 10, 7. H. von abstrakten Dingen 2es. 25. 5 und 2ob 3 7. 29. Tatsächlich gibt es außer anal) mir wenige Wörter im Hebräischen, die für die verschiedenartigsten Situationen verwendet werden können. Verfasser findet das ihnen allen Gemeinsame heraus: anah bezeichnet einen Zustand von verminderter Kraft, Fähigkeit, verminderten» Wert. Rach einer sorgfältigen Untersuchung von ani gibt er eine etymologische Erklärung zu anal), bei der er sich auf Gesenius-Bllhls. Wahrmunds, Delitzschs. Muß-Arnolds »t'ib Jacob Levys Lerika stützt. Hieran schließt sich eine Untersuchung des Verhältnisses von ani und anaw an. Anaw l\i vielleicht nicht hebräisch, wenn doch, bedeutet es genau dasselbe wie ani. Von den Synomimen beha»»delt er ausführlich aebjon und dal. Ein eigentlicher Unterschied in der Bedeutung zwischen ani und dal kann nicht erwiesen werden. Dainit ist die sprachliche Untersuchung — Kap. I: — beendet. Das II. Kapitel behandelt die Problemstellung. Ist an» bezw. anaw in den Psalmen als eine Parteibezekchmmg zu betrachten oder nicht? Das einzige Verfahren, das Klarheit erhoffen.läßt, sei eine eingehende Eregese der Psalmstellen, in