Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 8 (15.8.1933)
- Date
- 1933-08-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Nummer 8 'Jüdische Schulzeitung Werten ani und anaw vorkommt. Das geschieht im UI. Kapitel. Verfasser behändest besonders ausführlich die Klage- und die Dautpfaimen. Zunächst' 88. 22, 102, Ö9, 25, 34, 70, lu9, 9 bis 10, 35, 140, 3/, 18. Der knappe Raum verbietet nur, un einzelnen darauf einzugehen. Resultat der Exegese: die Wärter sind keine P a r t e i b.e z e i ch n u n g e n, wenn sie auch eine religiöse Bedeutung haben können. Zum selben Ergebnis kommt Verfasser bei der. etwas weniger ausführlichen Bebandlung der übrigen Psalmenarten. Er behandelt 08. 74. 78. 149. 12. 14. 147. 72 und 82. Jedesmal schließt sich eine Uebersicht über den Gebrauch der Wörter und über den Gebrauch von Synonymen an. Das iV. Kapitel gibt eine knappe tlebersicht über die Stellen, wo ani und anaw s o n st noch in der Heiligen Schrift vorkoinmt. ''Auch hier konstatiert Verfasser ebendasselbe bezüglich der Parteibezeichnungen. Die tlntersuchungen basieren auf den Forschungen - seines Leln'ers Professor Mowinckel in Oslo, der in seinen „V s a l m st u d i e n" die P a r 1 e i g e g e n s a h h y p o t h e s e. verficht. Somit tritt diese Schrift in (5 e g e n s a tz zu der von Mowinckel. Durch Initiative des F r i 1 h j o f - R a n s e n - F o n d s konnte das Werk dem Druck übergeben werden, Relativ wenige orthograpliische und stilistische Fehler konnte ich finden. Wie es im Vorwort heisst, hatte Verfasser keine Gelegenheit, einen Deutschen die Korrekturen lesen zü lassen. ' Ich wünsche dem Werk w e i t e st e Vervreitung sowohl in deutschen Wissenschaftlerwie auch i ü dischen Dehre r k r e i s e n l Ernst Lewy. Rank, D r. Otto, Erziehung und Weltanschauung. Eine Kritik der psychologischen Erziehungsideologie. 18:; S. 8". Verlag Ernst Neinhardt in München. Broschiert 8,80 Ml, Leinen 5,SU Ml. Die sehr geistvolle und anregende Schrift Ranks setzt sich in origineller und scharfsinniger Weise mit den Erziehungsmethoden auseinander, deckt die dem Erziehungswesen anhaftenden Wiedersprüche auf und versucht auch Lösungen zu finden. Aus der Fülle oer Darlegungen fei nur einiges hervorgehoben. Sehr beachtenswert find z. B. in dem pädagogisch außerordentlich aufhellendcn Kapitel „Willenserziehung und GefühlsbUdnng", die Kritik an Freud und Adler, die Bemerkungen zur Eesühlserziehuug. Rank hebt in diesem Zusammenhang auch die oft erhobene Forderung hervor, das; der Erzieher konsequent sein soll. „Allerdings darf diese Konsequenz nicht eine künstlich angelernte sein — auch nicht auf Grund noch so guter Erziehungsgrundsätze — soll sie nicht viel von ihrer pädagogischen Wirkung verlieren. Sie soll vielmehr einem unmittelbaren Ausdruck der eigenen Persönlichkeit entsprechen, die eben darin konsequent ist. Wenn Eltern und Erzieher auch dem Kinde gegenüber möglichst frei in ihren 'stefühlsäugerungen sind, so wird dies auch am ehesten dem Kind ermöglichen, sein eigenes Selbst zu entwickeln, zu entfalten uikd auszudrücken, wie es dies bei den Eltern sieht." S. Ul. Aus dem Kapitel „Gemeinschafts-Ideologie und Individual-Entwicklung" feien einige Bemerkungen angeführt, welche zwar nicht dogmatisch orientiert, aber doch die Erziehung des Kindes zur Gläubigkeit ausdrücklich hervorheben. „Das Kind ist, so sonderbar das uns Heutigen klingen mag, im Grunde ein Kollektivwesen, und zwar in weit größerem Ausmaße, als dies beim Erwachsenen der Fall -ist. Das trotz aller sozialen Bindungen seine Persönlichkeit im Laufe der Reife verstärkt und auch den sozialen Einflüssen gegenüber bewahrt. Die Individualität entwickelt sich im Kinde erst allmählich, teils auf Grund seines natürlichen Wachstums, teils als Reaktion gegen den gleichmachenden Druck der Gemeinschaft, wobei das Kollektive im Kind oder besser gesagt das Kind als Kollektivum verkümmern würde, wenn ihm nicht von außen allgemeine Ideologien zugeführt würden. Diese kollektive Nahrung ist zum Aufbau und zur Entwicklung des kindlichen Gemeinschaftsgeistes genau so nötig wie die körperliche Ernährung für Wachstum und Gesundheit. Dies und nicht religiöser Dogmatismus oder Fanatismus ist der Grund, warum selbst in höheren Kulturen die Erziehung des Kindes zur Gläubigkeit schon so früh beginnt; ihr Wert liegt in dem kollettivgeistlichen Gegengewicht gegen den späteren Einfluß der mehr individualistischen Berufserziehung. In einfachen Worten, der Jude oder der Christ müßte zunächst Jude bzw. Christ werden und auch bleiben, bevor er Handwerker, Bauer, Beamter oder was fousl iiyiIN'k in seknmn MkNföK'hM wtikhS-" Z- 7* f« Dies» Hinweise werden wohl schon erkennen lassen, wie Ranks Schrift, die auch in sehr origineller Weise auf andere Probleme der Erziehungswissenschaft wie z. B. auf Sexualansklärung und, Sexualtrieb, Beruf und Begabung, Selbsterziehung und Selbstführuug eingeht und immer in die Tiefe der oft sehr schwierigen Fragen hineinleuchtet, dem pädagogisch Interessierten viel Anregung und Belehrung zu geben imstande ist. Bezirksrabbiner Dr. Ernst Stecket macher in Bad Dürkheim. D r. Rudolf D r e r k u r s, Einführung in die Individunlpfychologie. 102 S., 8". Verlag S. Hirzel, Leipzig IMM. 2 Di. Die neue Schrift von Dreikurs — der Autor hat bereits l!M ein Buch über „Seelische Impotenz" (Verlag S. Hirzel) geschrieben — entstand, wie der ''Autor in der Einleitung andeutet, um jedem, der für individualpsychologische Fragen sich interessiert, die Möglichkeit zu geben, sich über diese Fragen kurz ins Bild zu setzen. Der tragende Gedanke der Individnalpsychologie Alfred Adlers, „Die Erkenntnis von der Bedeutung der menschlichen Gemeinschaft für die Entwicklung des individuellen Charakters, aber auch für jede einzelne Handlung und Gefühlsregung des Menschen" (Seite 1), wird sehr klar ins Licht gestellt und in diesem Zusammenhänge dargelegt, was das Gemeinschaftsgefühl uacl) Adler bedeutet.' Das' Gemeinschaftsgefühl hat zum Inhalt, die Stellungnahme^ zum Leben, die Notwendigkeit, rrgendwo mitznspielen. die Situationen zu bewältigen, in die man hineingestellt wird." (Seite 11.) Sehr anschaulich umreißt auch Dreiknrs die Adlerfche Lehre von der Zielstrebigkeit menschlichen Lebens. Hervorgehoben seien auch die sehr ausschlußreichen Darlegungen über Verwöhnung, Unterdrückung, Minderwertigkeit, Vererbung und Veranlagung, Familienkonstellation, Lebensplan und Lebensstil, die fiktiven Ziele, Bewußtsein und Gewissen, die Einheit -der Persönlichkeit, die Reurose. (Der Neurotiker ist ein entmutigter Ehrgeiziger, der von der Front des Lebens davouläuft.) Sehr wertvoll' sind besonders für den im Lehrberuf Stehenden in dem Kapitel „Die Erziehung" die dort ausgesprochenen Leitsätze über das Erziehungsziel: Die Kinder müssen zum Mitspiele'n im Leben, zur Einordnung in die Gesellschaft befähigt werden, die Kinder müssen die Konse'gnenzc' ihres ordnungswidrigen Verhaltens erleben. Hinweisen möchC. wir auch auf die Darlegungen über die Psychotherapie. Der Autor kann im Nahmen feiner Einführnnasschrist die hier in Betracht konunendeil Probleme nur andeuten. Im Streben »ach Mitmenschlichkeit und Kooperation liegt allein die Heilnng der Neurose. Bezirksrabbiuer Dr. Ernst Steck e lm a che r in Bad Dürkheim. Bei der Schristleitung emgegangene Bücher: Zum »jährigen Bestehen des Ordens Bne Briß. Frankfurt a. M. I. Kauffmann. Geb. .'! Ml. Neuhebräifch schnell gelernt von Rabbiner Dr. Emil Cohn. Verlin-Schöneberg. Hauptstraße 8. Preis 2.8.'» Ml. Notizen „In die Spuk- und Zanberfphäre" internationalen Volksglaubens führt ein Aufsatz des gelehrten Rabbiners Max Gruuwald, eines vorzüglichen Kenners der allgemeinen Volkskunde, im letzten Heft der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Indentttms". Er weist an der Hand neuerer Focfthikngcn und einer unveröffentlichten Handschrift nach, wie indischer Zauberglnube zunächst auf den Islam, dann, zum Teil durch defsen Vermittlung, auf das christliche Mittelalter wirkte. Im gleichen Heft setzt Samuel Klein, Professor an der Jerusalemer Universität, seine vielbeachteten Untersuchungen zur jüdischen Altertumskunde fort. Bernhard Heller bespricht die bizarre Spiegelung des Lebens Jesu in einer volkstümlich jüdischen Schrift. Eisensteinwidmet der ältesten Geschichte der Juden in Polen eine besondere gediegene Untersuchung. So wird denn auch dies Heft durch seine Reichhaltigkeit Gelehrte wie Laien stark anziehen. Man abonniert die Monatsschrift, indem man Mitglied der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums m Berlin wird nutz Sxm iä brücken Mindestbeitrag von 10 Ml an die Gesellschaft (Postscheckkonto-. Berlin Rr. TO'.üi) sendet.