Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 8 (15.8.1933)
- Date
- 1933-08-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 8 Jüdische Schulzeitung Seite 5 6. Die Bilder müssen übersichtlich gruppiert und nicht überladen sein. Wir müssen hier ein paar Bemerkungen über die zahlreichen Bildersammlungen einstigen, die eigens für den biblischen Geschichtsunterricht geschaffen wurden und weite Verbreitung gefunden. haben. Wenn für die Jugend das Beste eben gut genug ist, so darf man fragen, warum in diesem Falle sich die Schüler mit einer Kunst zweiten Ranges begnügen sollen. Als Gründe werden angeführt: das; keine ausreichende Zahl biblischer'Bilder von der Hand erster Meister zur Verfügung stehe,- das; das jüngere Kind für viele grof;e Kunitschöpfungen noch nicht die rechte Aufnahmefähigkeit besitze; daß die Kinder verwirrt würden, wollte man ihnen die gleichen biblischen Gestalten bald in dieser, bald in jener künstlerischen Auffassung nahebringen, und endlich, daß Künstler der Gegenwart, welche die Sprache unserer Zeit reden, eher den Kontakt mit unserer Jugend fänden als die älteren Meister, bei denen es -den Schülern oft schwer falle, durch die Schale befremdender Aeußerlichkeiten zu dem löstlichen Kern zu gelangen. — Unserem jüdischen Religionsunterricht kommt zunächst der Umstand zugute, daß der Keschichtsstojf des Alten Testaments sich um eine Vielzahl von Persönlichkeiten gruppiert. Einen erheblichen Teil der hier in Frage kommenden künstlerischen Massenproduktion ist das Urteil gesprochen durch das Eoethewort, daß nur von den höchsten künstlerischen Schöpfungen bildende Kraft nusgeht. Und besonders sollen Bilder, die religiös farblos sind, kalt lassen, höchstens klüger, aber nicht frommer machen, kulturgeschichtlichen, aber keinen religionsunterrichtlichen Wert besitzen, ausgeschlossen bleiben. „Will die Kunstbetrachtung Anspruch auf religiöse Bildungskrnst erheben, will sie dazu Mitwirken, den Menschen bereit zu machen, sich unter den Anspruch Gottes zu stellen, so muß der Schüler unter der Führung und Deutung des Lehrers die lebendige Kraft, den eigentlichen Anstoß zur Gestaltung des Bildes, ahnen." — Run hat der Expressionismus in unserer Zeit unter lebhafter Beteiligung auch jüdischer Künstler eine Erneuerung der religiösen Kunst herbeigeführt. Aber bei aller Würdigung seines Verdienstes, den Zeitgenossen wieder deutlich gezeigt zu haben, daß der Künstler etwas aus seinem Innern zu sagen, gewissermaßen etwas zu offenbaren haben müsse, bei aller Anerkennung auch, daß statt anekdotenhafter Darstellung jüdischen Lebens und Leidens uns endlich Kunstwerke aus jüdischem Erlebnis geschenkt wurden, ist die Ausbeute für unseren Religionsunterricht doch verhältnismäßig gering. Schwerlich kann bestritten werden, was Kalliner in einem lichtvollen Essay darüber sagt: „Es fehlt diesen religiösen Kunstwerken nicht an äußerer Leidenschaft — Passion und Ekstase sind zumeist in ihnen zu finden — weniger aber jene beseligende, läuternde, heiligende Welt, erhaben und erhebend ... jene beseligende Glut, wie sie Rembrandts Schöpfungen eignet. An diesen gemessen, wirken sie zuweilen gewaltsam, roh und barbarisch, wie eine Vorstufe zu wahrer religiöser Kunst."") Uns erscheint nach alledem wünschenswert, daß einmal jüdische Schulmänner und Kunstfachmänner sich zusammentun, um einen Bildcratlas von wertvollen religiösen Kunstwerken für unfern Religionsunterricht zufammenzustellen und dessen Anschaffung der Schule und dem jüdischen Hause im In- und Auslande für einen erschwinglichen Preis zu ermöglichen. Wir geben nachstehend eine kleine Auslese solcher Kunstwerke, Lütgen, Religion und Kunstbetrachtung in der Zeitschrift für den evang. Religionsunterricht, Iahrg. 1982, S. 548. -1) Galliner, Das Religiöse in der bildenden Kunst in „Mitteilungen der Iüd. Reformgemeinde zu Berlin", 1. 1l. Aehnlich urteilt auch Schuster in seinem Aufsaß „Das geistige Bild der Gegenwart", Zeitschrift für den ev. Reltgtonsunterricht 1982. S. 199. von denen wir uns eine besondere Förderung des biblischen Ge schichtsunterrichts versprechen. Da besitzt die Berliner Rationalgalerie von dem Düsseldorfer Schirmer das schöne Bild „Abrahams Einzug in das gelobte Land". Es zeigt uns die drei Personen Abraham, Sara, Loth, die nach monatelanger Reise soeben erwartungsvoll die neue Heimat betreten. Auf munteren Eseln reitend, find sie im Begriff. aus einer üppigen Palmenlandschaft in eine von einem Fluß bewässerte Ebene hinabzusteigen. Ihnen folgen die von Hirten geleiteten Herden. Bedeutsam hat der Künstler die Charakterunterschiede der beiden blutsverwandten Männer hervorgehoben. Der Patriarch, ein rüstiger Greis, hat kein Auge für die naturprächtige Umgebung. Er scheint, feierlich bewegt, inneren Stimmen zu lauschen. Wieder mögen in diesem bedeutungsvollen Augenblick die Worte in ihm lebendig, werden, die sein Gott in Haran zu ihm gesprochen: „Ziehe aus deinem Vaterlände! — Werde ein Segen!" Mit dem Einzug in Kanaan hat Abraham die erste göttliche Forderung er. füllt. Feierlich scheint er nunmehr sich zu geloben, auch die zweite wahr zu machen. Altäre wird er errichten und an ihnen den Bewohnern dieses Landes von dem allmächtigen Weltenschöpfer und allgerechten Weltenrichter künden; eine Stätte der Menschenliebe soll seine Wohnung fein, die niemand ungelabt und ungctröstet verlassen soll. — Anders das Weltkind Loth! Er hält die Hand vor der Stirn, um die Beschaffenheit und den Nutzungswert der vor seinen Blicken ausgebreiteten Weideflächen abzuschätzen. Der Befund kann nur günstig sein. Aber leider verringert sich der Stutzen durch die Beteiligung des anderen Partners! Doch der kühle und verschlagene Rechner wird schon Mittel finden, um den friedfertigen Onkel zu bestimmen, in eine Gegend zu ziehen, wo dieser ungestört seinem frommen Werke leben kann! — Hie Idealismus — hie Materialismus! Die Schrecken des über Sodom verhängten Strafgerichts kündet grausig-erhaben eine Kunstschöpfung des französischen Malers Corot. Ein unheimlicher von grellen Streifen durchzogener Himmel und eine vor diesem sich erhebende düstere Stadtmauer erfüllen den Hintergrund. Einen großen Teil der Mitte füllt eine mächtige Brunnenanlage aus, die der Feuerregen und eine sich dem Vordergründe nähernde Flamme erhellen. Diesseits des Brunnens gewahren wir drei flüchtende Personen, die eine hoheitsvolle Engelsgestalt führt. Der Engel, der Loths Hand ergriffen hat, weist ermunternd in die rettende Ferne. An den weitausholenden Schrittendieser vier Gestalten ersehen wir. mit welcher Eile diese dem Chaos zu entfliehen suchen. Die neben dem Vater einherschreitende Tochter beweint Verlust: an teuren Menschen und wertvoller Habe. Ihre Schwester trägt einige im letzten Augenblick zusammengerassto Kleider unter dem Arm. Mit Absicht hat der Maler den Brunnen so weilräuinig in das Bild gestellt. Hier mögen täglich die Töchte Loths mit den Hirten ihres Vaters die vielköpfigen Herden getränkt, an diesem geselligen Orte manche Stunde auch mit Plaudern, Spiel und Tanz verbracht haben. Nun sieht diese Stätte froher Erinnerungen sie als heimatlose Bettler! — Eine düstere, abgewandte Franengestalt trauert der Vergangenheit und verlorenem Glücke nach und findet mit der untergehenden Stadt selbst den Untergang. Von den Iosefsbildern der nazarenischen Künstler in der Berliner Nationalgalerie war bereits die Rede. Es ist immer ein Wagnis, wenn Künstler die Iofefsgeschichte, über die der biblische Erzähler schon so viel Duft, Schönheit und Religiosität ausgebreitet hat,, uns in der Sprache des Bildes noch vertrauter machen wollen. Um so mehr bewundern wir die Kunst des jugendlichen Cornelius in der Darstellung des sich in gualvoller Ungewißheit verzehrenden, jammervollen mächtigen Herrschers, der von Joses die Deutung der Träume begehrt. — Roch Be-