Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 8 (15.8.1933)
- Date
- 1933-08-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Sch ul zeitung Nummer Seite 4 “ “ V mon Bartholdy, der Schwager Abraham Mendelssohns und Onkel Felix Mendelssohn-Bartholdys, - hatte trotz beschränkter Geldmittel, diese Fresken in den Jahren 1816 und 1817 von den vier nazarenischen Künstlern Overbeck, Veit, Schadow und Cornelius ausfiihren lassen. Die sechs großen Bilder behandeln die Josefsgeschichte vom Verkauf bis' zur Erkennungsszene; dazu kommen in kleinerem Format die symbolischen Darstellungen der sieben fetten und der sieben mageren Jahre. Von Vorteil für unsere Jugend ist, daß diese acht Bilder in innerem Zusammenhang stehen, daß die Aufmerksamkeit hier nicht durch andere Schaustücke abgelenkt wird, daß sechs dieser Kunstwerke von größtem Format sind, und nicht zuletzt, daß nach Einfachheit und Volkstümlichkeit strebende, in der Gedankenwelt der Bibel lebende schlichte Malersleute sie geschaffen haben. Wir wollen jedoch nicht verschweigen, daß außer den beiden Lorneliusbildern — Josef deutet die Träume Pharaos und Josef gibt sich zu erkennen — und etwa noch Overbecks sieben mageren Jahren mir es mit Kunst aus zweiter Hand zu tun haben. Die Wirkung auf unsere Kleinen aber ist, wie ich wiederholt feststellen konnte, unbestreitbar groß. Eo war ich Zeuge, wie 38 neunjährige Jungen einer jüdischen Volksschule noch unter dem frischen Eindruck der in der Klasse behandelten Josefsgeschichten sich anderthalb Stunden mit nicht ermüdender Lebendigkeit und Freude der Betrachtung dieser biblischen Szenen Hingaben.. Ein Wort noch über das Berliner Jüdische Museum, das in .seinen neuen Räumen eine Fülle des Sehenswerten und Köstlichen vereinigt. In dem Sammelband „Museum und Schule" (Berlin 1930), welcher Vorträge der vom Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht veranstalteten Tagung gleichen Namens enthält, finden sich Anregungen, die eine lebendige Verbindung von Kunstmuseum und Jugendlichen herbeiführen wollen. Im Einklang mit dort ausgesprochenen Wünschen würden wir begrüßen, wenn die Leitung des Jüdischen Museums, dem Beispiel des Pergamonmuseums folgend, einen Studiensaal mit. Sitzgelegenheiten einrichten wollte. Hier müßte eine angemeldetc Klasse, ungestört durch die sonstigen Besucher und durch die Fülle der Sehenswürdigkeiten, die gewünschten Schaustücke gesondert betrachten können. Da das Jüdische Museum über reiche Depotbestände verfügt, können diesen die für Schulzwecke geeigneten Kunstgegenstände entnommen werden. Auch müßten, um das Interesse für diese Kunststätte lebendig zu erhalten, abwechselnd Sonderausstellungen veranstaltet werden. Wünschenswert ist auch, daß möglichst viele kunstfreudige Religionslehrer sich in besonderen Kursen die Fähigkeit verschaffen, ein liebevolles Verständnis für Kunstgegenstände dieser Art zu erwecken. Mit der Jugend muß man beginnen, wenn diese einzig dastehende Sammlung für weite Kreise unserer Glaubensgenossen zu einer Quelle der Bildung und Erhebung werden soll. Als ein wertvolles Mittel, um die Welt des Religiösen unserer Jugend sichtbar nahezuführen, muß auch der Lichtbildapparat genannt werden. Wer könnte ohne tiefste Ergriffenheit den Jeremias der Sixtinischen Kapelle vor dem beleuchteten Schirm des Skioptikons auftauchen sehen! Der um die Förderung des Religionsunterrichts erfolgreich bemühte Schulrat Otto Eberhard'') rühmt, wie die Kindesseele ganz besonders von Eindrücken dieser Art ergriffen, erhoben und überwältigt wird: „Das Dunkel des Raumes, das 'Schweigen der Erwartung, die Konzentration der Gedanken Helsen bei einer Lichtbildervorführung. die dem Alltag entrückte, für das Unsagbare und Unfaßbare aufgeschlosiene Feiertagsstimmung noch verstärken." Leider läßt sich nicht verhehlen, daß unsere heutige Jugend durch den häufigen Besuch des Kinos eine solche Stim-^ *') Eberhard, „Arbeitsschule und Religionsunterricht". Berlin 1921. S. 119. mung nur noch in stark abgeschwächtem Maße empfindet. — Wir erwähnen noch, daß vor einiger Zeit.der städtische Gemeindelehrer Josef Wachsmann in Verbindung mit einem Kunstverlag eine Sammlung von Lichtbildern für den biblischen und jüdischen Geschichtsunterricht zusammengeftellt hat. Daß selbst in unserer fast ausschließlich von politischen und wirtschaftlichen Interessen beherrschten Zeit dennoch auch Bestrebungen zur Verbreitung religiöser Kunst möglich und wirksam sein können, bewies die um das vorletzte Chanukkafest im Trausaal einer Berliner Synagoge veranstaltete Ausstellung „Kunst. Buch und Spiel für das jüdische Kind". Eine Reihe jüdischer Künstler war mit Originalwerken vertreten; mehrere angesehene Kunsthandlungen hatten nach Anweisung eines bekannten jüdischen Kunstpädagogen zahlreiche Reproduktionen von religiösen Kunstwerken ausgestellt. Eine geschickte Regie sorgte, daß durch abwechslungsreiche Darbietungen unterhaltender und belehrender Art die Ausstellung von zahlreichen Erwachsenen und Schülern besucht wurde. Der religiösen Kirnst wurden durch diese Veranstaltung viele Freunde und etliche Förderer gewonnen. Endlich kann auch der Saimneleifer von Lehrern und Schülern in den Dienst des jüdischen Religionsunterrichts gestellt werden. In Zeitschriften und auf Ansichtskarten finden sich ost bildliche Darstellungen, die der Betrachtung im Religionsunterricht verlohnen und der Aufbewahrung wert sind. Mit farbigen Kartenbildchen von Rembrandts Segen Jakobs, von Rahels Grab, von der Klagemauer usw. habe ich oft Schüler und Schülerinnen beschenkt. Die Erfahrung bewerft, daß sich an solch bescheidene Blättchen fruchtbare Erinnerungen knüpfen können. Für die Auswahl der Bilder, die der Belebung und Vertiefung des biblischen Geschichtsunterrichts dienen sollen, kann ein allgemeingültiger Kanon nicht aufgestellt werden, weil mehr noch als dem Verstände dem persönlichen Geschmack ein größerer Spielraum verbleiben muß. Dennoch werden hoffentlich folgende Leitsätze keinem ernsten Widerspruch begegnen. 1. Für die Auswahl der künstlerischen Bilder für den Religionsunterricht müssen in erster Linie religionspädagogische. nicht ästhetische Gesichtspunkte entscheidend sein. Die Wertung der künstlerischen Faktoren bleibt anderen unterrichtlichen Veranstaltungen überlassen.-"-) 2. Die auszuwählenden Bilder müssen jüdischem Empfinden entsprechen. Eine bildliche Darstellung der Gottheit, auch wenn sie sich auf noch so hervorragenden Kunstwerken befindet, hat im jüdischen Religionsunterricht keine Daseinsberechtigung. 3. Die Bilder sollen die Vorgänge möglichst im Einklang mit dem biblischen Bericht und den entsprechenden Zeit- und Kulturverhältnissen zur Anschauung bringen. Dennoch werden wir ein Kunstwerk, das nicht gar zu sehr gegen diese Forderung verstößt, verwerten, wenn seine inneren Qualitäten — in religiöser und künstlerischer Hinsicht — es für den Unterricht besonders geeignet machen. 4. Es sind solche Bilder auszuschließen, die — wie Kains Brudermord, Simfons Liebesleben und Blendung — eine nachteilige Wirkung auf das Kindesgemüt haben können. 5. Farbige Bilder sind zu bevorzugen, weil sie der Wirklichkeit näher kommen, mehr die Phantasie anregen und den Kindern mehr Freude machen. -"-') Während die kulturkundlichen Fächer das Kunstwerk mehr in seiner geschichtlichen und inhaltlichen Bedingtheit verständlich machen, leitet der Zeichenlehrer die Schüler an. sich mehr in die formale Anydrnckswelse de? Künstlers zu Verliesen. Richtlinien für die Lehrpläne der höheren Schulen Preußens 1925». Amtl. Ausg. S. -12.