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Jüdische Schulzeitung · 1933-08-15 · 8 (15.8.1933) · page 3

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
9 (1933)
Issue
8 (15.8.1933)
Date
1933-08-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nummer 8 Seite 3 Jüdische Schulzeitung herzige Empfehlung, die der feinsinnige Berliner Kunstpädagoge Dr. M. Spanier") dem künstlerischen Wandschmuck ausstellt, dürfen wir nicht zum wenigsten auf Werke der religiösen Kunst anwenden. Ist auch der Wert des Religionsunterrichts zu allererst und wesentlich von dem Lehrstoff und der rechten Lehrerpersönlichkeit abhängig, so kann doch eine stimmungsvolle Umgebung sehr rbohl dazu beitragen, dag sich der Schüler williger den Eindrücken dieses Unterrichts erschließt. Und es verdient Beachtung, daß der gewiß nicht überschwengliche Niebergall dem Neligionslehrcr empfiehlt, einen Raum, in dem vorher profane Gegenstände behandelt wurden, für die Religionsstunde durch ein Bild oder einen gerahmten Spruch stimmungsvoller zu gestalten'"). Wir erwarten ferner, daß unsere biblischen Geschichtsbücher künftig mit Bildern ausgcftattet sind, um sie den Kindern besonders lieb und vertraut zu machen. Doch da überrascht uns Bergers Widerspruch. Von den vier Gründen, die er gegen Bilder im biblischen Geschichtsbuch ins Feld führt, feien als für die Gegenwart noch bedeutsam angeführt: die Bilder verteuern den Preis des Buches, und sie erschweren durch vorzeitige Veranschaulichung des äußeren Vorganges die innere Veranschaulichung. — Nun sind allerdings die Preise für jüdische Lehrmittel recht hoch. Dennoch aber wird ein tüchtiger Verleger unseres Erachtens die Mehrkosten nicht scheuen, weil ihn die Erfahrung lehrt, daß ein Lehrbuch sich durch innere und äußere Vorzüge schnell Freunde gewinnt und rückständige Lehrmittel gleicher Art nach kurzer Zeit verdrängt. — Wenn Berger dann behauptet, daß Bilder im biblischen Geschichtsbuche durch vorzeitige Veranschaulichung des äußeren Vorgangs die innere Veranschaulichung erschweren, so ist das gerade Gegenteil der Fall. Was Berger anscheinend im Auge hat, drückt klar und deutlich sein Gewährsmann, der Verfasser des Artikels „Religionsunterricht" im Pädagogischen Handbuch von K. A. Schmid'7), also aus: „Indem die Bilder den Vorgang der äußeren Anschauung nahebringen, ersparen sie dem Schüler die Mühe, sich eine innere Anschauung von demselben zu bilden, hindern also die Entwicklung der Einbildungskrast statt sie, wie man gewöhnlich meint, zu fördern." So bestechend uns im Zeichen der Arbeitsschule dieser Einwurf auf den ersten Blick heute wieder erscheint, so wenig kann er doch unsere am Eingang dieses Abschnitts aufgestellte Forderung aufheben. Einmal verbleibt neben einer mäßigen Zahl von Bildern der kindlichen Phantasie noch ein überreiches Betätigungsfeld; zum andern beweist das Beispiel von Freiligrath und Kabisch, die ungezählte Stunden über ihrer Bilderbibel verbrachten, daß die befürchtete Schädigung der kindlichen Einbildungskraft uns keine große Besorgnis einzuflößen braucht. Es ist ja auch keineswegs so, daß die Einfühlung in ein Kunstwerk eine nur passive Haltung bedingt: die ruhige Sammlung, die Konzentrierung auf das Schöne, die energische Abwehr anderer Gedankenmassen, die Versuche der Vertiefung in das-vor uns stehende Objekt bedeuten eine gar nicht so geringe Summe psychischer und organischer Akte. Und endlich behauptet selbst ein so energischer Verfechter des Arbeitsschulprinzips wie Professor Scheibner: „Es wäre ein verhängnisvoller Irrtum, vollkommen mit der Erziehung zum .Arbeiten' sich der Verpflichtung enthoben zu wissen, auch andere allerwertvollste Tätigkeitsweisen zu pflegen.".— So soll bei der Betrachtung des Bildes dem Kinde eine Ahnung aufgehen, daß jenseits des mit dem Worte zu deckenden sachlichen Inhalts noch etwas anderes im Kunstwerk steckt, das man nur fühlen kann und das eigentlich die Hauptsache ist. — Nicht nur, daß sich des- ") Spanier: Künstlerischer Wandschmuck, für Schulen; sowie ferner: Die praktischen Ergebnisse der kunstpädagogischen Bewegung in „Kind und Kunst", Bd. 1, Jahrg. 1905. ") Niebergall: Praktische Theologie, Bd. 2, S. 273._ ,7) Bruck im „Pädagogischen Handbuch", 1884. halb gegenwärtig kaum noch eine Stimme gegen die Berechtigung der Bilder im biblischen Geschichtsbuch wendet, der Verfasser der neuesten Methodik des evangelischen Religionsunterrichts an höheren Lehranstalten'") erklärt geradezu, daß die Ausstattung der Bücher mit künstlerisch wertvollen Bildern ein geeigneterer Weg sei als die früher beliebte Methode, religiöse Wandbilder zu zeigen und zu erklären. — Wir mögen auch bedenken, daß für den jüdischen Religionsunterricht nur selten die Geldmittel zur Anschaffung der teuren Wandbilder zur Verfügung stehen, so daß. wenn wir gleichzeitig auch auf Bilder im biblischen Geschichtsbuch verzichten müßten, unsere Schüler zumeist ein wertvolles Element der Freude, Vertiefung und Erhebung entbehren würden, was kein Freund der Jugend wird verantworten wollen. Wo die Verhältnisse es gestatten, sollen — trotz Gdjuftcrs Abraten — auch künstlerische Wandbilder, die zur rechten Erfassung des äußeren sachlichen Inhaltes und des psychologischen Gehaltes der biblischen Erzählung wesentlich beitragen, Verwendung finden. Der Künstler, der nicht im Sinne eines photographischen Apparates nur Wirklichkeitsausschnitte geben will, bringt einen biblischen Vorgang dadurch klarer und schärfer zum Ausdruck, daß er das Wesentliche heraushebr, das Nebensächliche wegläßt oder es als untergeordnet behandelt. Wir unterschreiben, was Berger von den biblischen Wandbildern rühmt: „Sie erhöhen die Aufmerksamkeit der Kinder, regen die Phantasie derselben nicht bloß an, sondern lenken sie in die richtige Bahn, befreien sie von irrigen Zügen und rufen eine fröhliche, für das Leben förderliche Stimmung hervor^»)." Er hätte noch hinzufügen können: durch ihre auf Phantasie und Gefühl wirkenden Eindrücke unterstützen sie das Gedächtnis und leisten bei der Wiederholung gute Dienste. Und doch ist das Veste noch nicht gesagt. Das Kunstwerk darf nicht geschichtliches Dokument bleiben; größer und herrlicher wird uns die Bibel, wenn wir sie mit den Augen eines Künstlers sehen, der uns in seinen Werken Bruchstücke einer -großen Konfession, Zeugnisse seiner Begegnung mit Gott schenkt"). — Und der große Künstler ist immer auch ein Schatzgräber. Er weiß mehr als wir Durchschnittsmenschen von dem Wesen und dem geheimnisvollen Zusammenhang der Dinge. Das Wort des 119. Psalms: „Enthülle meine Augen, daß ich erschaue die Wunder aus deiner Lehre", war für manche fromme Künstlerseele keine Fehlbitte. Was ein also Begnadeter „enthüllten Auges" erschaute, werde auch unseren Schülern zu beglückender neuer Offenbarung. Eine bei weitem geringere Förderung des Religionsunterrichts gewähren Museumsbesuche der Schulklasse. Die große Zahl der Kunstwerke in einem Raume ist der geistigen Konzentration nicht zuträglich. Meist hängen die Bilder für kleinere Kinder zu hoch, so daß diesen viele Einzelheiten entgehen. Und schließlich ist die Zahl der für unfern Religionsunterricht geeigneten Kunstwerke verschwindend gering.— Mit um so größerer Freude begrüßen wir, daß wir in unserer Berliner Nationalgalerie einen Vilderfaal besitzen, wo unsere Kleinen sich in einen ihnen vertrauten lebensvollen Abschnitt der biblischen Geschichte nach Herzenslust versenken können. Es sind die acht Bilder der Iosefsgeschichte, die bis zum Jahre 1836 einen Saal der Eafa Vartholdy in Nom schmückten und die, da mit ihnen ein neuer Abschnitt der deutschen Kunstgeschichte beginnt, von der preußischen Negierung angekauft und der staatlichen Kunstsammlung einverleibt wurden. Der preußische Generalkonsul Jakob Salo- ") Schuster, „Methodik des evangelischen Religionsunterrichts an höheren Lehranstalten". Frft. a. M. 1933. S. 314. ") Berger, „Methodik des jüdischen Religionsunterrichts". Seite 73. ") Vgl. Lütgen, Religionsunterricht und Kunstbetrachtung in der „Zeitschr. für den eo.- Religionsunterricht". 1932. S. 347.

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