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Jüdische Schulzeitung · 1933-08-15 · 8 (15.8.1933) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
9 (1933)
Issue
8 (15.8.1933)
Date
1933-08-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Jüdische Schulzeitung Nummer 8 für den christlichen Neligionsunterricht. So ist beispielsweise das weitverbreitete Arbeitsbuch für. den evangelischen Neligionsunterricht an' höheren Schulen von Kesseler, Oppermann und Schremmer mit 37 — darunter 2 farbigen — Bildern ausgestattet. Davon entfallen 6 auf Dürer, 8 auf'Gebhard, 4 auf Nembrandt, 4 auf Uhde, 3 auf Nethel, 2 auf Thoma und je eins auf Cranach, Cornelius und Schnorr von Carolsfeld. Die künstlerische Ausführung ist mustergültig. Die Bearbeiter sagen in der Vorrede, die Bilder sollen den Kindern Freude machen und Anregungen zu religiösen und sittlichen Fragen geben. Um so befremdlicher ist, daß im jüdischen Religionsunterricht sich die bildende Kunst weit geringerer Schätzung erfreut. Rosenberg^) spricht überhaupt nicht von ihr. — €>tott5) lehnt bildliche Darstellungen biblischer Personen „schon deshalb ab, weil uns erfundene, also unhistorische Darstellungen immer bedenklich erscheinen". Er findet es begreiflich, daß der jüdische Religionsunterricht sich bisher gegenüber bildlichen Darstellungen biblischer Personen und biblisch-geschichtlicher Vorgänge wohl aus einem gewissen religiösen Empfinden heraus ablehnend verhalten habe, wie ja im allgemeinen die jüdische Religion nicht ein Unterrichtsgebiet sei, in dem der Anschauung der sinnlichen Außenwelt eine unmittelbare Bedeutung zukomme'). — Maybaum') spricht von biblischen Geschichtsbildern nur in einer Fußnote. Er hebt zwar rühmend hervor, daß biblische Wandbilder den Vortrag des Lehrers aufs wirksamste unterstützen 'können, aber er sieht — intellektualistisch — den Wert der Bilder nur darin, daß durch sie die Erzählung an Klarheit und Deutlichkeit gewinnt und daß das Kind weniger ermüdet, wenn nicht unablässig das Gehör, sondern das Auge die geistige Rezeption vermittelt. — Berger") würdigt zwar eingehend und gründlich unter Anführung heute längst veralteter pädagogischer Werke die Bedeutung biblischer Bilder, aber wir vermissen auch bei ihm ein tieferes Kunstverständnis und' ebenso wie bei Maybaum den Hinweis darauf, daß die bildenden Künste auch anderen Zweigen des Religionsunterrichts wertvolle Dienste") zu leisten vermögen. — GottfchalZ") erst wird der Bedeutung der bildenden Kunst für den jüdischen Neligionsunterricht in weitem Maße gerecht. Er begrenzt scharf die „Nebenrolle", die das biblische Bild zu spielen habe, mit dem wir weder Anschauungsnoch Kunstunterricht treiben sollen, sondern das allein dem Zwecke dienen soll, das Interesse an ganz bestimmten Personen aus einer ganz bestimmten Zeit zu erhöhen und zu stärken. Sein 13 Jahre später erschienener Aufsatz „Religion und Kunst"") hat zum Leitmotiv: „durch Religion zur Kunst und durch.Kunst zur Religion." Hier fordert ein kunstbegeisterter religiöser Jugend- und Volkserzieher Pflege der religiös-künstlerischen Seele vor allem durch jüdisch-künstlerische Mittel jeder Art, dann aber auch durch religiös-künstlerische überhaupt, „weil Kunst auch diesen gewaltigen Antrieb zur Ethik . * *) Rosenberg: Methodik des jüdischen Religionsunterrichts, Berlin 1924. *) Stoll: Die Methodik des jüdischen Religionsunterrichts, Frankfurt a. M. 1916. S. 19 und 69. ") Es verlohnt sich nicht, gegen eine solche kunstfremde Auffassung zu polemisieren. Wie sich Stoll selbst zu seinen hier wiedergegebenen Anschauungen in Widerspruch setzt, darüber wolle man S. 69 und 71 seiner Schrift Nachlesen. ') Maybaum: Methodik des jüdischen Religionsunterrichts, Breslau. 1896. S. 75. 8) Berger: Methodik des jüdischen Religionsunterrichts, Leipzig. 1911. S. 72. ") Durch diese Bezeichnung soll keineswegs die Selbständigkeit der Kunst in Frage gestellt, die Kunst nicht zur Magd der Religion erniedrigt werden. Siehe auch das dieser Arbeit vorangestellte Motto! ") Eottschalk: Methodische Fragen für den jüdischen Religionsunterricht, Berlin 1917. ") Jüdisch-liberale Zeitung vom 26. März 1939. in sich birgt, den die. Religion der Worte, der Gesetze in ihrer Weise vermittelt". Wie wenig zutrifft, daß, wie Stoll behauptet, der jüdische Religionsunterricht sich bisher ablehnend gegen bildliche Darstellungen biblischer Personen und biblisch-geschichtlicher Vorgänge verhalten habe, beweisen die zahlreichen illuminierten Haggadahandschriften und an 200 verschiedene illustrierte Haggadadrucke. Der.Seder ist auch ein Stück Neligionsunterricht: „Wenn dein Sohn dich dereinst fragen wird..." (2.Mof. 13,14); die Haggada, die Erzählung vom Auszug aus Aegypten, soll in erster Linie der Jugendunterweisung dienen. Darum zeugte es von pädagogischer Einsicht, daß man den Text dieses Büchleins mit Bildern versah, um — ähnlich wie es in dem obengenannten Arbeitsbuch für den evangelischen Neligionsunterricht heißt — den Kindern und Erwachsenen Freude zu machen und Anregungen zu religiösen und sittlichen Fragen zu geben. Uebrigens ist diese Produktion, die zum Teil einen nicht unerheblichen-kunstgeschichtlichen und künstlerischen Wert besitzt, auch ein Beweis dafür, daß der jüdische Mensch zu allen Zeiten einen bildnerischen Ausdruck für seine Gedankenwelt suchte, wenngleich der Talmud dieser Betätigung enge Grenzen gezogen hatte und dem gehetzten jüdischen Volke nur selten die objektiven Voraussetzungen für die Entwicklung der bildenden Künste vergönnt waren. Inzwischen hat das Bibelwort „Gott breite Japhet aus, daß er wohne in den Zelten Sems"'") im Sinne einer alten Deutung feine Erfüllung gefunden, denn längst wird in jüdischen Häusern griechische Schönheit geschätzt und gepflegt. Aber mehr noch bedeutet uns nordischen Menschen eine Kunst, die nach restloser Verdeutlichung innerer Vorgänge in der äußeren Erscheinung strebt. So soll denn auch adlige Kunst die Tätigkeit' des Lehrers auf dem Eesamtgebiete des jüdischen Religionsunterrichts unterstützen. Diese Unterstützung müssen wir vor allem von denjenigen Künstlern erwarten, die gleich uns das Religiöse in der Sphäre und in der geistigen Eigenart des.Judentums erleben. Aber leider weist der Kreis der bildenden Künstler, denen ihr Judentum zum künstlerischen Erlebnis geworden ist, eine verhältnismäßig geringe Zahl von Namen auf. Arthur Galliner") möchte als Grund für diese auffallende Erscheinung ansehen, daß den jüdischen Künstlern die biblischen Gestalten wohl zu groß und gewaltig erschienen seien, als daß sie gewagt hätten, ein solches Erlebnis im Bilde zu formen. Nüchterner und zutreffender urteilt Schwarz"), daß die Ueberfülle von neuen Eindrücken, welche früher auf die jüdischen Künstler einströmte, oft die Stimme des eigenen Jchs übertonte und daß deshalb erst in der jüngsten Generation, welche bereits in die andere Umgebung hineingeboren ist und sie bereits als selbstverständlich empfindet, die Kunst dem Künstler zum Mittel wird, um die tiefsten Aeußerungen seiner jüdischen Seele auszudrücken. Aber wie dem auch sei: erhalten wir die Unterstützung, die mir für unfern Neligionsunterricht brauchen, nicht in ausreichendem Maße von jüdischen Meistern, dann sind uns auch nichtjüdische recht. Hat man doch auch bei dem Vau und der Einrichtung des Tempels nicht lange nach Herkunft und Religion der Künstler gefragt, wenn nur ihre Leistung dem , Heiligtume zur Ehre und Zierde gereichte. Daß wir auch bei nichtjüdischen Meistern Seelenverwandtes finden, das unserm Neligionsunterricht eine Bereicherung an Freude und Erhebung verspricht, dürste schon unsere Einleitung gezeigt haben. Welche Möglichkeiten sind denn überhaupt vorhanden, um unsere Schüler mit religiösen Schöpfungen der bildenden Kunst bekatrnt zu machen? Wir denken zuerst an die stille und doch so beredte Wirkung, die von dem künstlerischen Wandschmuck ausgeht. Die warm- '") I.Mof. 9,27. ") Ealliner: Bilder zur Bibel. Frankfurt a. M. 1928. S. 27. ") Schwarz: Die Juden in der Kunst. Berlin 1928. S. 151.

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