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Jüdische Schulzeitung · 1933-08-15 · 8 (15.8.1933) · page 1

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
9 (1933)
Issue
8 (15.8.1933)
Date
1933-08-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nummer 8 S. Jahrgang Monalsschrifk für Pädagogik und SchulpoMik Heransgegebcn vom „Neichsverband der jüdischen Lehrervereine" Monalsschrifk für Pädagogik und SchulpoMik Die „Jäd.Schulzeilung" erscheint um den 15. eines sedettMonats uttd wird allen Mitgliedern der dem „Neichsverband der jüdischen'Lehrer. vereine" angeschlossenen Vereine kostenlos zugestellt. - Post-Bezugspreis für Nichtmitglieder: Mk. 1.20 pro Quartal. Hamburg, 15. August 1933 Druck, Verrag und Geschäftsstelle: M. Letz mann, Hamburg, ABC-Stratze 57. Fernruf: Sammelnummer Hamburg 340737 Verantwortlich für den redaktionellen Teil: M. Steinhardt. Magdeburg, für den Inseratenteil: L.K n u d se n, Hamburg. Anzeigenpreis,40 e} für die 6gefpaltene Nonpareille-Zeile. Inhalt dieser .Nu mm er: Jüdischer Neligionsunterricht und bildende Kunst von Dr. Adolf Löwenberg. Literarisches. Bei der Schriftlcitung eingegangene Bücher. Notizen. Jüdischer Neligionsunterricht und bildende Kunst. Von Dr. Adolf Löwenberg Zweck? Das Kunstwerk hat nur einen. Still im eignen Glanz zu ruh'n; Aber durch ihr bloß Erscheinen Wird die Schönheit Wunder tun. (Schiller.) Keine höhere Schätzung der bildenden Kunst kann es geben als die der Bibel. Dieses Buch der Bücher, das so unerbittlich gegen jede bildliche Darstellung der Gottheit eifert, erklärt gleichwohl in Exodus 31.3 ff.: „Ich habe Bezalel, den Sohn Uris, namerrtlich berufen und ihn erfüllt mit göttlichem Geiste, mit Kunstsinn. Einsicht, Wissen und allerlei Fertigkeiten, um Kunstwerke zu ersinnen. und in allen Gattungen auszuführen." In der Tat, der wahre Künstler ist wie der Prophet von der Vorsehung berufen, eine erhabene Sendung zu vollsühren; er ist wie der Prophet von heiligem Feuer erfüllt, das ihn zu verzehren droht: auch er mutz sich von den ihn erfüllenden Gesichten in Offenbarungen befreien; auch er ist oft genug Märtyrer seines göttlichen Berufes, wenn die Menge ihn nicht — oder noch nicht — begreift. Wer Kunst besitzt, hat darum noch nicht Religion; aber die Kunst ist die Vorschule der Religion. Gleich dieser ihrer Schwester dem Urgrund des Gefühls entstammend, zeigt sie uns Welt und Leben in seiner Tiefe, lätzt uns hinter der Erscheinungswelt und in ihr überzeitliche Werte ahnen und sucht die Widersprüche des . Daseins in Harmonie zu lösen. In der religiösen Kunst vereinigen sich diese beiden Feuerströme, um sich gegenseitig zu durchdringen und in ihren Wirkungen zu steigern. Keine lebendige Volksreligion, die sich nicht der Ausdrucksmittel der Kunst bedient hätte, um ihr unaussprechliches Geheimnis zu offenbaren. Wohl hat die Verbindung von Religion und Kunst auch ihre Gefahren, wenn nämlich der rein geistig erkannte unendliche Gott in die Sphäre irdischer Begrenztheit herabgezogen oder gar das Bild, das ursprünglich nur Symbol des Göttlichen fein sollte, wichtiger als das Dargestellte wird; wohl gibt es zahlreiche Werke der religiösen Kunst, die höchsten formalen Kunstanforderungen entsprechen und dennoch . tieferer Wirkung verlustig gehen, weil bei ihrer Entstehung nicht die Saiten eines religiösen Innenlebens mitgefchwungen haben — sobold wir uns dagegen in die Magie des steinernen religiösen Heros versenken, dem Michelangelos Schöpfergenie ewiges Leben eingehoucht hat; wenn wir die überragende Grötze dieser von Tatkraft durchglühten, über menschliche Niedrigkeit erhabenen und vom Abglanz der Schechina verklärten Heldengestalt empfinden: dann begreifen wir die Wahrheit des Heine-Wortes: „Wie klein erscheint der Sinai, wenn der Moses darauf steht!" Und wer hat so frei von dogmatischen Bindungen, frei von aller Tendenz,- ja unter Antzernchtlafsung aller körperlichen Schönheit den biblischen Personen ins Herz geschaut wie Neinbrandt, den manche für einen Juden gehalten haben in der Meinung, datz nur ein Mensch jüdischen Blutes so tief und ganz jüdische Geistes- und Gemütsart erfassen könne! Und wie verstand auch mancher Erbauer eines Kvtteshaufes — „er gotz auch Lieb' und Treue mit in die Form hinein" — uns aus dumpfer Alltäglichkeit in die Welt des Erhabenen und Schönen emporzutragen, darin die Brust freier atmet und die Seele sich williger dem Heiligen erschließt! Darum soll auch der Religionsunterricht sich mit der bildenden Kunst verbünden, um mit ihrer Hilfe feine Eindrücke tiefer, vielseitiger und lustvoller in das Kindesgemüt zu versenken. Zahlreiche Selbstbeknndungen bedeutender Persönlichkeiten beweisen, wie freudig das Kind solche Kunsteindrücke ausnimmt und wie dankbar sich ihrer noch der Mann im späteren Leben erinnert. So besingt in gefühlvollen Versen der Dichter Ferdinand Freiligrath seine „Bilderbibel", den „braunen Folianten", den „Freund aus Kindertagen". Und ähnlich berichtet der Mnrburger Theologe und Religionspädagoge Friedrich Niebergall, aus feiner Jugend . leuchte ihm, während er sehr viel vergessen habe, der rote Mantel des gen Himmel fahrenden Elia noch hell aus einem Bildchen entgegen, das. ihm der Pfarrer für einen Gang geschenkt habe. „So Kinderart zu berücksichtigen", fügt der treffliche Schulmann hinzu, „und ihr das Heilige anschaulich nahe zu bringen, wie es ihre geistigen Kräfte erfordern, ist -bester als die schönste Katechese')." Christlich-religiöse Erziehung hat deshalb oft und gern die bildende Kunst in den Dienst ihrer Vildungsaufgaben gestellt. Sö sollten die Bilder der Heiligen in den Kirchen und Domen des Mittelalters den leseunkundigen Massen einen religiösen Anschauungsunterricht vermitteln. Im Gegensatz zu den Begründern -der reformierten Kirche haben Luther und Melanchthon den 'Wert biblischer Bilder hoch eingeschätzt. So hat Luther eine Bibelausgabe mit Zeichnungen von Lncas Crannch hernusgegeben „um der Kinder und Einfältigen willen, die durch Bilder und Gleichniste bester bewegt werden, die göttliche Geschichte zu behalten denn durch bloße Worte und Lehre""). Aus jüngster Zeit ° verzeichnen wir, datz die Richtlinien für die Lehrpläne der höheren Schulen Preußens vom Jahre 1035 einer beständigen engen Fühlung zwischen dem (evangelischen) Religionsunterricht und dem Kunstunterricht das Wort reden'). Dieser kunstfreundlichen Gesinnung begegnen wir deshalb auch in den Lehrbüchern ') Niebergall: Der neue Religionsunterricht, o. I. S. 05. '•) Rein Enzyklopädisches Handbuch der Pädagogik 1003, l.Bd. Seite 032. *) Aiytliche Ausgabe S. 0.

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