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Jüdische Schulzeitung · 1933-07-14 · 7 (14.7.1933) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
9 (1933)
Issue
7 (14.7.1933)
Date
1933-07-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Utummcr 7 Jüdische Schulz ei t u n g Seite 7 Es schildert die Stellung des Geistlichen in der Gemeinde, deren Bedeutung gerade im jetzigen Moment, in dem die Erschütterung aller Verhältnisse die tiefsten seelischen Konflikte herausbeschwört, gar nicht hoch genug geschätzt werden kann. Drei Rabbiner haben das Problem von den verschiedenen Seiten her betrachtet: Mar Dienenrann vom Prinzipiellen und Historischen her, der Vertreter des traditionellen Judentums, Oberrabbiner Dr. Joseph Carleb ach schreibt über „Das Ewige und das Zeitliche im Wirken des Rabbiners", nnd Mar W i e n e r über den Rabbiner als geistigen Führer. Dann folgen sehr instruktive Darlegungen über „Den Priester in der katholischen Kirche" von dem Berliner Studentenseelsorger Dr. Johannes Pinsk. Die Darstellung des protestantischen Geistlichen mutzte aus technischen Gründen auf eine der folgenden s)\nmiueru vertagt werden. Daneben werden auch allgemeine wissenschaftliche Probleme in zwei tiefgründigen Arbeiten behandelt. Jsaac Heinem a n n schreibt in der ihm eigenen wissenschaftlichen Durchdringung mit allgemein verständlicher Darstellungskunst über „Palästinensische und alerandrinische Schriftforschung". Ernst Eassirer beschlietzt das wertvolle Heft mit dem zweiten Teil seines Aufsatzes „Henri Bergsons Ethik und Religions- Philosophie". „Indische Klänge" ausgewählt von L. Kornitzer. (Bd. I der «Schriftenreihe des „Israelitischen Familienblattes", Verlag All. Letzmcmn, Hamburg.) Die seit einigen Jahren periodisch erscheinenden Mnsikbeilagen zum „Israelitischen Familienblatt" hat der Verlag nunmehr zrc einem handlichen und übersichtlich geordneten Bande von zirka 80 Nummern zusammengefatzt. Die zweckmätzige ''Auswahl und der geeignete musiktcchnische Zuschnitt der Sammlung von Oberkantor Kornitzer-Hambnrg entsprechen' den bekannten Tendenzen des Letzmannschen Blattes. Demnach soll damit der jüdischen Familie gutes Material a n j ü bischer M u s i k zugänglich gemacht werden. — Dem freilich noch wissenschaftlich u m st r i t t e n e n Begriff einer „jüdischen" Musik glaubte der Auswühlcnde d'adurch nahezukommen, datz er den Blick auf solche Produkte lenkte, die. wie es im Vorwort heitzt, „d e m j ü dischen M e n - scheu in jüdischer Art, in jüdischem Gefühlsaus druck etwas zu sagen haben." — Datz er - dabei spnagogale Klänge an die erste Stelle setzt, dürfte auch beut nichtfachmännischeu Freunde synngogaler Rkusik verständlich erscheinen. Die getroffene ''Auswahl macht ihn (neben Sulzer und Lewandowfki) mit einer Reihe anderer längst zu Bedeutung gelangter Komponistennamen (wie Deutsch. Kirschuer, Kvrnitzer, Lowenstamm u. a.) bekannt. Sie hilft dadurch seinen Gesichtskreis erweitern, hinaus über die vielfach m i f; - verständlich - einfeitige Auffassung vor allein des -Begriffs „traditioneller" Gesang. Das; im zweiten Teile, den „h ä u s l i ch e n" Klängen (Schir hamaa'lans, S'miraus. Sedergesängen u. a.), Ost und lWest mit ihrer verschieden musikalischen Einfühliliigsart zu Worte kommen, dürfte gar manchem praktisch willkommen sein. Der dritte Teil „V o l k s l i e d e r" folgt allerdings ausschlietzlich östlichem Gefühlsausdricck, da auf westlichein Boden eine Pflege jüdischen Volksliedes mit entsprechend folkloristischem Einflntz bisher nicht vorhanden ist. Einige Versuche uaef; dieser Richtung im IV., der freien Komposition gewidmeten Teile, werden zum „Kunstliede" mit zum Teil harnconisch modernem Einschlag. Alles in allem: eine interessante, durch nrelodische Sangbarkeit und Leichtfatzlichkeit der Klavierbegleitung ihren Zweck erfüllende Sammlung, die, wie . Verlag und Herausgeber hoffen, auch im jüdischen S ch il l l e b e n unb event. im Gottesdienste kleiner Gemeinden ihre Nützlichkeit erweisen könnte. Eine gefällige nutzere ''Ausstattung lützt dabei den Preis von 4.—.JLii nicht zu hoch erscheinen. S. E u t t m a n n, Potsdam. Theodor Siegfried, Das Wort und die Cristen,;. Eine ''Auseinandersetzung mit der dialektischen Theologie l „D i e Theologie des Worts bei Karl Barth". Eine Prüfung von Kar! Barths Prolegomma zur Dogmatik. Leopold Klotz. Verlag. Gotha 1930, VI. und 301 S. Preis 9 JL\l broschiert. Die Schrift Siegfrieds bildet den ersten Teil einer Auseinandersetzung mit der dialektischen Theologie. Dieser erste Teil befatzt sich mit Karl Barths Prolegomma zur Dogmatik und stellt die erste eingehende und gründliche Kritik der dialektischen Theologie dar. Schon in seinen einleitenden Darlegungen weist Siegfried darauf hin, datz er nicht etwa beabsichtigt, eine Gegendogmatik zu schreiben, sondern Gesichtspunkte zur dogncatischen Arbeit zu umreitzeu. Jnuner in polemischen und beweiskräftigen Auseinandersetzungen mit Barth behandelt Siegfried im ersten Teil unter der Aufschrift: „Kritische Analysen" die dogmatische Aufgabe, das Dogina. den Begriff der Religion, die Kirche, im zweiten Teil mit der Aufschrift „Das dialektische Grundproblem" den Begriff der Offenbarung, das Problem der Christologie, das theologische Denken. Karl Barths Kritik der Bewutztfeinstheologie. In welch eindringlicher Weise Siegfried seine Beweisführungen zu formulieren imstande ist. sei an einer Darlegung aus jenein Kapitel aufgezeigt, das sich mit der Kritik Barths der Bewutztseinstheolvgie befatzt, der sich gegen die religionsphilosophische Begründungsweise und das Ariom der Immanenz des Göttlichen im Menschlichen wendet. „Aber wo ist denn die Glaubensweise, in die nicht die Denkweise ihrer Zeit eingänge, und die nicht d i e Auseinandersetzung mit der Umwelt in sich trüge, die einst gerade diesen Typus des Glaubens und gerade diese Symbolik und gerade diese Verinhaltlichung heroorbrachte? Schleiermachers Protest gegen die spekulative Intellektualisierung und damit auch Aristokratisiernng der Religion hat das auch niemals leugnen wollen. Aber wenn einmal die Einschmelzung der Glaubensgedanken in das Denken der Zeit zngestanden ist. so ist auch prinzipiell ihre Verflochtenheit in das Denken überhaupt zugestanden. und das Denken zieht notwendig das Problem der Begründung nach sich." S. 275. In der jüdischen Religionsphilosophie treffen wir immer wieder, wie jeder Kundige weis;, aus ähnliche Formulierungen. Die Schrift Siegfrieds besitzt grotzen aktuellen Wert auch für den jüdischen Leserkreis, weil heute auch im Judentum Bemühungen festgestellt werden können, die sich an der dialektischen Theologie und besonders an der Terminologie Kart Barths orientieren. Ihre Fragwürdigkeit zum ersten Male in sehr gründlicher Weise aufgezeigt zu haben, ist das Verdienst der Schrift Siegfrieds. Bezirksrabbiner Dr. Ernst Steckelmacher in Bad Dürkheim. A. Leoy-Lenz: Sexual-Katastrophen, Bilder aus dem modernen Eesellschafts- und Eheleben. Payne, Leipzig. Zu dem Buch haben Beiträge geliefert: Magnus Hirschfeld: „Schuldig geboren"' Leo Klauber: „Die Abtreibung"; Gotthold Lehnerdt: „Die Prostitution"; L. Levy-Lenz: „Die Geächteten"; 1. Wertheimer: „Eheketten". Schon die Tatsache allein, datz im Laufe des vergangenen Jahrzehnts eine Fülle von Büchern sexnalmissenschaftlichen Charakters erschienen sind, möchte Veranlassung geben, Grundsätzliches zu bemerken; allein dadurch würde der Nahmen einer Einzelvorstellung gesprengt werden. — So verschiedenartig die Beiträge sind, so verschiedenmertig sind sie; wollen wir einen literarischen Matzstab an legen, verdient die Arbeit von Lehnerdt Beachtung. Auch der Beitrag von Wert- Hauer vermittelt Interessantes in angenehmer Form. —Das Bestreben des Herausgebers, wie er es am Ende des Borworts selbst ausdrückt, „durch buntes Aneinandereihen den verschiedensten Problemen aus dem Gebiete der sexuellen Psychologie und Soziologie auch bei den Fernstehenden das Interesse für alle diese Fragen zu erwecken, deren Verständnis ein unbedingtes, menschlich-soziales Erfordernis ist", verdient Zustimmung und Anerkennung. — Doch warum diesen Umschlag zu dem geschmackvoll gebundenen Buch'? Was hat er mit den „Kämpfern des Geistes" im Sinne des Vorwortes zu tun? H. L. Arno Gürtler, „Das Zeichnen im Erdkundlichen Unterricht". 2. Heft Europa. Verlag: Ernst Wunderlich. Leipzig. Fauftikizzcn für den naturkundlichen Unterricht. Arno Gürtler. 3. Heft. Verlag: Ernst Wunderlich, Leipzig. lieber die Bedeutung des Zeichnens im erdkundlichen und naturkundlichen Unterricht ist wohl heute kein Wort mehr zu verlieren. Wertvoller als die vom Schüler zu Haufe mit grotzer Sorgfalt angefertigten genauen Zeichnungen sind die in der Schule während des Unterrichts an der Wandtafel von der Hand des Lehrers entworfenen Faustskizzen, an denen der Schüler in seinem Heft mitarbeitet. Hier kommt es darauf an, mit wenigen Strichen das Charakteristische des darzustettenden Gegenstandes hervorzuheben. Viel Zeit darf es nicht kosten, und das Wort darf dabei nicht zu kurz kommen. Die oben genannten Bücher wollen nun den im Zeichnen ungeübten Lehrer zur Hand gehen. Der Verfasser meint, es sei ein Vorurteil zu glauben, die Fälligkeit, einfache Dinge zu zeichnen, müsse angeboren sein. Uebung macht auch hier den Meister. —

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