Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 7 (14.7.1933)
- Date
- 1933-07-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Numme Jüdische Schulzeitung Und als du sprachst: ich Will dir Schwester sein! da sagt' ich nicht: sei du Geliebte mir, da sagt' ich nur: wenn dann die Nächte kommen, ° so tritt du mit der Leuchte in das Zimmer und lege deine Hand mir auf die Stirn, daß ich mich deiner kühlen Hand erfreue, und daß die Ruhe strömt von -dir zu mir. (gekürzt) S. 128. Ein schweres Dunkel sank herab, o Schwester, auf allen Wegen liegen große Schatten,' so gib mir deine Hand doch, liebe Schwester, ich sehe keine Wege in den Schatten. O reiche mir die Hand: ich werde finden, - im ganzen Dunkel find' ich deine Hände, weil deine frommen Hände immer leuchten, ' sie leuchten wie ein weißes Licht, o Schwester. So gib mir deine Hand doch, wo ich rufe, mir ist nicht froh im Herzen, liebe Schwester. Mein ganzes Herz ist mir nicht froh, o Schwester, du redest nicht? Und bist du denn gegangen? Du bist doch nicht gegangen, liebe Schwester? (S. 99.) O winkte dein Gruß, o rührte dein Finger den meinen, o sänke des lächelnden Blickes ein Tropfen und segnend hernieder dem, der gebeugt und in Demut seufzt, o wie klänge mein Leben auf! (S. 158.) Es wäre wohl sehr zu wünschen, daß, wenn auch in diesen trüben Zeiten eine Neuauflage von Cales Werken wohl nicht leicht zu ermöglichen fein wird, ein jüdischer Verlag sich fände, der eine Auswahl von zirka dreißig der schönsten Gedichte, versehen mit einer passenden biographischen Einleitung, in einem netten, billigen schmalen Bündchen herausbrächte, das sich als .Geburtstags- und Einsegnungsgeschenk für die Jugend aller Konfessionen gut eignen würde. Literarisches Prof. 0. G e o r g Beer (Heidelberg): Kurze Uebersicht über den Inhalt der Alttestamentlichen Schriften. 2. Auflage VII und 177 S. Tübingen 1982. I. C. B. Mohr (Paul Siebeck). Preis broschiert 4,2» Die vorliegende Arbeit des bekannten Heidelberger Alttestamentlers ist nach dem Vorwort zur ersten Auflage (1920) vor allem für (protestantische) Theologiestudierende bestimmt, als Hilfsmittel für die Exegese und bei der Besprechung alttestamentlicher Bibelabschnitte. Es ist daher selbstverständlich, daß literargeschichtlich das Alte Testament so dargestellt ist, wie es im Lichte der modern-kritischen Bibelwissenschaft erscheint. Das macht sich in den kurzen literarischen Einleitungen bemerkbar, die den einzelnen Teilen jeweils vorangestellt sind. Wer die Quellenscheidung für den Pentateuch vollständig ablehnen und auch in den anderen Büchern sehr vieles anders anseßen muß, wird diese Einleitungen trotzdem nicht übergehen. Denn sie sind in ihrer exakten Kürze ein bequemes Mittel, sich über die Durchschnittsmeinung der wissenschaftlichen Kritik zu orientieren, „soweit von einer solchen Meinung bereits — oder zur Zeit noch — die Nede ist" (Vorwort zur 1. Auflage). Und wer möchte bezweifeln. daß eine solche Orientierung unter allen Umständen nottut?! Unter diesem Gesichtspunkt mag man dann auch die Beigabe der üblichen Quellenzeichen sowie manches Urteil im Text ansehen. . •''! Dies in Betracht gezogen, ist das Buch aber weit mehr als eine trockene Inhaltsübersicht. Man kann es als eine meisterhaft durchgeführte Gliederung des gesamten alttestamentlichenSchrifttums nach beu wichtigsten Gesichtspunkten ansprechen. Mit der dem Verfasser eigenen Prägnanz und Klarheit ist das oft so schwer übersichtliche Material geordnet und zusammengestellt. Als Beispiele seien hier die Behandlung der Gesetzgebung Exodus 19—40 (S. 18 f.) genannt sowie die synchronistische Darstellung, der Königsgeschichte von Israel und Juda (S. 55 ff.). Die möglichst nach der Lutherbibel gegebenen Zitate erfassen glücklich dn- Wesentliche der betreffenden Stellen. Charakteristisch ist die {teu Hinwendung zum praktischen Gebrauch, so wenn Exodus 25 die Masse der Bundeslade gleich in Metern angegeben sind, oder wenn bei der Zerschmetterung der Bundestaseln (Kap. 82) aus Michelangelos „Mose" hingewieren ist. Vortrefflich auch die osr sehr originellen Stichworte zur Charakterisierung mancher Stellen. Allerdings liegt in solcher Kürze wie immer auch eine gewisse Gefahr des Mißverstehens. Wenn z. B. die Verse Deuteronomium 0,20—25 unter die Formel „Religion lernbar!" gebracht werden, so ist damit natürlich die religionspädagogische Bedeutung dieser Stelle für das Judentum bei weitem nicht erschöpft. Allzu leicht wird durch diese Formulierung auf jene einseitige nomistische Betrachtungsweise geführt, die bei der Beurteilung des jüdischen Gesetzes in der christlichen religionswissenschaftlichen Literatur schön so viel Unheil angerichtet hat. Dieser kleine Einwand darf wohl gerade dem Herausgeber der „Gießener Mischna" gegenüber gewagt werden. Er soll, wie manche nicht angeführte Kleinigkeit, den Wert des Buches nicht beeinträchtigen. Jeder, der sich mit dem Alten Testament befaßt, wird es als willkommenes, äußerst praktisches Hilfsmittel dankbar begrüßen. Das wird ganz besonders auch bei all denen der Fall sein, die Religionsunterricht zu erteilen haben. Die leider so spärlich fließende Produktion aus dem Gebiet der jüdischen Bibelwissenschaft hat bis jetzt ähnliches nicht zu schaffen vermocht. Max Kapustin (Ladenburg). Leo B a e cf, Wege im Judentum, Schockenverlag Berlin. Kartoniert ifiM 7.—, Leinen '.RM 8.50. Dieser stattliche und schöne Band Aufsätze und Reden erschien just in den Tagen, da Leo.Baeck 60 Jahre alt geworden ist. Die Lektüre des Buches ist ein wahres Labsal in den schweren Zeiten, die uns deutsche Juden gegenwärtig heimsuchen. Ein Weiser seltener Art spricht zu uns in einer wunderbaren Klarheit und Abgeklärtheit. Die Sprache ist von feinster Prägung: die Gedankenfügung zeugt von höchster Geistigleit und edelster Kultur. Im Rahmen von sechs Haiiptthemei'. betrachtet der Autor einen weiten Kreis menschlichen Denkens und Strebens und in vorbildlicher Sachlichkeit, die aber eietragen wird von leidenschaftlicher Liebe zur eigenen ''Art. mißt er das Allgemeine kulturellen Werdens am Judentum undseinen vielfältigen Erscheinungsformen, Unnötig zu sagen, daß Leo Baecks Gedankenwelt nicht in der Ebene mittelmäßiger Apologetik liegt. In-seiner Person hat sich das theologische Element mit dem philosophischen aufs glücklichste vermählt, und so ist er zu dem Manne geworden. der wie wenig andere edles Maß zu halten weiß, und dessen Art zu denken und zu sprechen an die antiker Weltweiser gemahnt. Keine Buch anzeige sollte daran vorübergehen, auch des Mannes zu gedenken, der uns die Reden und Aufsätze zugängig gemacht hat: Salman Schockens. -Wir danken ihm für die Ovferwilligkeit und Großzügigkeit, mit denen er uns neues jüdisches Schrift tum geschenkt hat: wir rechnen es ihm hoch an. daß er gerade jetzt, da die Menschen von wirtschaftlichen Röten schier erdrückt werden, das geistige Erbe jüdischer Männer bewahrt .und es hinaussendet, auf daß es aufrichte itub stärke wie einst, als die Propheten ihr gewaltig Wort an die Riedergebeugten richteten. Möchte ein gütiges Schicksal beide Männer der Jicdenheit noch lange gesund erhalten. Möchte es ihnen beschieden sein, auch weiterhin reich zu geben, jeder in der ihm zugewieseneu Art: dann werden wir seelisch nicht verarmen. S. Braun-Köln. * Der Morgen, Jahrgang 9. Rr. 2. Philo-Verlag. Berlin. Preis f/tM 2.25. Vorbemerkung: Wenn jemals, so ist es jetzt not wendig, gerade den geistig höherstehenden Schichten der' deutschen Kultnrwelt. sowohl der jüdischen wie der nichtjüdischen. ein Bild dessen vor Augen zu stellen, was Juden und Judentum für den Aufbau der deutschen Geisteskultur bedeuten und geleistet haben und weiter bedeuten müssen, wenn diese Kultur ihren Rang innerhalb der Weltkultur behaupten will. Wenn das deutsche Judentum nicht eine Zeitschrift vom Range des „Morgen" besäße, so märe jetzt der Moment, sie ins Leben zu rufen. Das vorliegende Heft erfüllt diese Aufgabe wiederum aufs beste. Die Schriftleitung bringt dieses Mal wieder ein Sonderheft heraus, das Leo Baeck deni eifrigen Mitarbeiter und verständnisvollen Förderer des „Morgen" gewidmet ist.