Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 7 (14.7.1933)
- Date
- 1933-07-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer,7 Seite 5 I ud i sch e Schulzeitung stehen in Volksgesundheit, Anpassung der Vevölkerungsschichten aneinander und an die Lebensformen der geistig und sittlich Starken und Volksbildung. Und noch eines: Die Erziehung muß dem Menschen wieder eine Heimat geben, eine Heimat im Sinne Huths. der der Heimatidee folgendermaßen Ausdruck verleiht: „Heimat ist eine wundersame Verschmelzung von Land und Leuten. Heimatmenfchen sind so wie die Erde, die sie geboren hat. Heimat ist ein Born der Schönheit; aber nur einer, dem Heimatliebe im Herzen brennt, vermag den Born zu finden. Heimat ist ein Born der Sittlichkeit. Sie gibt dem einzelnen sein Recht und hält doch das Volksganze umschlungen. Heimat ist ein religiöser Gedanke; denn Religion hat der, dessen Seele heimfand zu sich selbst und zu Gott. So ist die Heimat die große Einheit, in die Wissenschaft, Kunst, Sittlichkeit und Religion zusammenfließen." (Dr. Albert Huth:' Die Heimatschule als Erziehungsstätte. S. 4.) Heimaterziehung kann nur derjenige Erzieher dem Zögling. geben, dessen Seele hcimfand zu sich selbst und zu den heimatlichen Werten. Nur diejenige Lehrerpersönlichkeit wird erfolgreiche Erziehungsarbeit leisten, die sich mit ganzer Seele dem Kinde widmet, die mit unablässiger Liebe zu ihm erfüllt ist und mit ganzer Hingabe an seinem Wohl und an seiner Seele arbeitet, die im Schüler den Menschenbruder sieht, dem zu helfen sie als heilige Aufgabe betrachtet. Literaturangabe: Hans Eürlis: „Jugendliche und F i l m". („Das junge - Deutschland"). > Ernst Heywang: „Das L a nd k i nd". ° Weimer: „H a u s und Leben als Erzieh ungsm ä ch t e". , Dr. H. Getzeny: „Das Proterarierkind und die Aufgabe seiner B i l d u n g". (Scholle: April 4929.) Tews: „Die Erziehung des Großstadtkindes". (Scholle, Okt. 1925.) Streicher: „Vom Ausbau der Großstadtschulen auf Grund der Landeslehrerordnung". (Scholle, Juni 1929.) ' ' . Busemann: „Das familiale Milieu des Kind es. Argelander: „Der Ei n fluß de r U m w e l t ^a u f die g e i st i g e E n t w i ck l u n g". Huth: „Die H e i m a t s ch u l e als E r z i e h u n g s - statt c". ‘ . Braun: „Begegnungen mit E r o ß st a d t k i n d e r n". (Scholle. Febr. 1928.) Springenschmied: „Die Erziehung des Baue.rnkind e s". (Scholle. Febr. 1928.) Walter / Von Termine Salomon. Vor einiger Zeit wurde in einer Tageszeitung die leider nicht unberechtigte Frage aufgeworfen: „Soll Walter Cale vergessen werden?" Wenn das geschähe, wenn wir diesen allzu früh Dahingeschiedenen vergäßen, würden wir uns selbst berauben, uns eines köstlichen Kronschatzes selbst begeben. Calö wurde 1881 in Berlin geboren. Sein Bild zeigt ihn als einen jener tiefernsten, verträumten, vornehmen jungen Juden, die einen bestimmten jüdischen Adelstyp repräsentieren, dein auch Hugo von Hofmanns.thal seelisch angehörte. Walter Calos Geist war überreich und sein Herz überweich. Am 4. November 1991 erschoß er sich. „Freitod" ist ein stolzes Wort. Wie selten aber ist der Selbst» mord ein souverän gewählter, freier Tod! Selbstmörder sind die ärmsten der Menschen; im Kesseltreiben des Lebens umstellt, eingekreist, unentrinnbar gefangen, erliegen sie der Verzweiflung. Heinrich von Kleist warf das Leben von sich, weil er nichts mehr zu essen hatte. Die Zweifel an seinem Talent waren nicht das ausschlaggebende Motiv; jeder große Dichter zweifelt an sich, und ni!r die Mittelmäßigkeit ist stets selbstzufrieden. Heute bezahlen Liebhaber Hunderte für ein einziges Kleist-Autogramm. Eine ernste Anfrage an Autographenliebhaber, besonders an jüdische: wäre es nicht besser, anstatt Schristzüge toter Dichter mit Gold aufzuwiegen, lieber lebenden zur Drucklegung ihrer Werke zu verhelfen? — Es ist nicht wahr, daß das echte Talent sich immer durchsetzt; die zugrundegegangenen kennt man nur nicht. Wäre Kleist mit seinem schmalen Geldvorrat schon einige Jahre früher am Rande gewesen, würden wir heute nicht einmal seinen' Namen wissen. Für den dreiundzwanzigjährigen Walter Cale waren nicht Nahrungssorgen der Grund zum Selbstmord. Cale studierte erst Jurisprudenz, dann Philosophie. Gleichzeitig schrieb er, schrieb und schuf in Sturmeseile zur Verwunderung seiner Freunde eine Fülle philosophischer Werke. Plötzlich warf er alles hin, vernichtete von seinen schriftstellerischen Arbeiten, was ihm zur Hand war, und ging aus der Welt. Zweifel an seinem Talent, — just mitten in einer Zeit, da ihm die Ideen flutweise zuströmten. — hatte er wohl zu überwinden vermocht, wie auch Kleist sie sicherlich überwunden haben würde. Ging Cale in den Tod einfach aus Degout vor dem Leben? Leiden. Lebenswidrigkeiten und Kummer mancherlei Art bedrückten ihn. War er des Treibens müde und wußte nichts mehr anzufangen mit Schmerz und Lust? Das letzte Geheimnis seiner armen, ' melancholischen, widerstnndsunfähigen Seete nahm er mit sich in die Gruft. - Von seinen Schriften blieben nur die wenigen erhalten, die zur Zeit der Verzweiflungstat nicht in seinen Händen, sondern in denen einiger Freunde waren, denen er sie geliehen hatte. Einer der Freunde, Dr. Arthur Brückmann, sammelte, was sich noch auftreiben ließ, in Gemeinschaft mit der Familie Cale und veröffentlichte die Gedichte sowie die novellistischen, dramatischen und philosophischen Fragmente unter dem Titel „^Nachgelassene Schriften von Walter Cale" im Verlag von F. Fischer. Fritz Mauthner schrieb dem seltenen Werk ein schönes Vorwort. Einige Proben, die geeignet sind, eine Ahnung von dem zu geben, was mit Cale ins Grab sank, mögen hier folgen. . Heut' Nacht muß es von allen Sternen rieseln, an blassen Fäden muß es niedergleiten, und alle Bäulne schütteln schweren Tau ab. Am finstern Himmel blinkt noch eine Seele, ein falsches Licht, verstohlen wie ein Vogel, und schwimmt ins Leere ab und ist verdorben. Und da: ein kalter Wind hat mich getroffen; sei auf der Hut, sieh' dich nicht um, o Seele, da steht der Tc»d und probt die langen Finger. (S. 74.) Ich habe, lieben Brüder, ein gutes Haus bewohnt, darinnen Lichter spielen, darüber stand der Mond. Und vorne sprang ein Bronnen als wie ein dünner Hauch; und jeden lieben Abend, da kam die Schwester auch. Die Schwester sang am Bronnen, ich habe nichts begehrt; ich bin nach einem Stündlein ..ins Haus zuriickgekehrt. (gekürzt) S. .87.