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Jüdische Schulzeitung · 1933-06-15 · 6 (15.6.1933) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
9 (1933)
Issue
6 (15.6.1933)
Date
1933-06-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nummer 6 Jüdische Schulzeituno^ struiert anstatt zu intuieren. Ueberdies sollen die Ergebnisse dieses Verfahrens, wie G. mcintj gar keine objektiven wissenschaftlichen Kriterien bieten. Aber wozu dann das ganze Bemühen? Ich lasse nur eine Analyse gelten, die objektive Werte aufdeckt und enthüllt und habe in meinem Büchlein, wie ich glaube, gute Wege zu einer solchen gewiesen. Vielleicht kommt auch G. zu solchen Wertanalysen, die ihn und uns allein befriedigen könnten, selbst wenn das, wie er mit Dedain anmerkt, zu demokratisch wäre. Auch was in diesem Zusammenhang gegen die Aesthetik der Illusion, des Scheins gesagt wird, überzeugt mich nicht. Ich sehe nicht ein, warum ein Gemälde als Phänomen nicht Realität besitzen sollte, selbst -wenn wir uns klar wären — und wir sind es doch immer —, daß es uns nur die Illusion einer Landschaft biete, nicht die Landschaft selbst. Die künstlerische, ästhetische Phänomenologie ist eben aus einer anderen Ebene zu suchen wie die mathematische oder alltägliche. — Genug! Immerhin ein anregendes, zu vielen Gedanken anspornendes Büchlein! Und als solche sollen die oben geäußerten Bedenken auch nur betrachtet und gewertet werden! — -- Literarisches Das Buch Esra, übersetzt und erläutert von Dr. Raphael Breuer, s. A., 193:.', I. Kausfmann, Verlag, Frankfurt a. M. Roch zu seinen Lebzeiten hat Dr. R. Breuer seinen Kommentar zu den Büchern Esra und Rehemia dem Drucke übergeben; die Einleitung schrieb er erst nachträglich,- sie blieb unvollständig. Der Verfasser benutzt ausschließlich jüdische Kommentare uiP Abhandlungen, verwendet in sehr weitem Umfange die Talmudstellen. bei denen Verse aus dem Buche Esra ° herangezogen werden und richtet seine Chronologie, von der in der Einleitung — vielleicht, weil sie unvollständig blieb — gar nicht gesprochen wird, danach ein. Die Uebersetzung wird man zumeist billigen (4,17 ist rnni d1?^ wohl kein Ortsname),- die Anmerkungen besagen, so weit sie nicht die genannten Stellen aus dem Talmud behandeln, wenig; die Heräusarbeitung der Führergestalt Esra ist, wiewohl sie ergreifend und packend dargestellt ist, nicht vollends gelungen. Hiebe werden öfter erteilt, so S. 53 Anm. gegen die Zionisten, Hirsch' Pentateuch-Kommentar vielfach benutzt. Sprachliches gern und auch meist erläutert. Wenn es auch nicht der Kommentar ist, den wir wünschten, wir können ihn gern empfehlen und sehen dem zweiten Teile (Nehemia) mit Spannung entgegen. Rabbiner Dr. A. Posncr (Kiel). Pentuteuelc mul Ilaltornhs edited by tbe Cief Rabbi (Dr. J. I I. Hertz) Leviticus, Oxford University Prell J liunphrey Milford, London: Amen House E. C. 4. Der dritte Band reiht sich den früher erschienenen würdig an. . Die erste Bewunderung zollt man der Anlage: Ueberschristen der Kapitel und der Gruppen innerhalb derselben, vorzügliche Einleitungen und Schlußbetrachtungen (z. B. über Opfer, Reinheitsgesetzc, verbotene Ehen, Ethik, Nächstenliebe, Sklaverei u. a. m.), Zeittafel, auch Tafel S. 180 f. und Landkarte, znzweit bewundert man die Fülle der inhaltsreichen Anmerkungen, die die Kenntnis jüdischer und nichtjüdischer Konlinentatoreu in Menge zeigen, die vielfach auch Namen nennen und bisweilen mit wenigen Worten beste Apologie und schönste Belehrung treiben; selten wird man hier gern mehr gesehen haben (wie z. B. ja bei den Tiernamen in Kap. 11 oder bei der Erklärung der Form -p-m zu 5,15), zudritt wird man für die Erklärung der Aufeinanderfolge und der traditionellen Deutung von Moses' Autorschaft dankbar sein. Bei den Haftorahs wird man gern den inneren Zusammenhang mit dem Wochenabschnitt lesen und auch hier die Eingruppierung der Verse und die Hinzufügung neuer Verse begründet sehen (z. B. zu is nach 8,4 noch 9,22f. aus Ieremia). Dann und wann würde man geläufigere Erklärungen, öfter auch Quellenangaben u. ü. gern sehen. Aber, kurz gesagt: es ist ein vorzügliches Werk, das in der wirklichen Benutzung — es verfolgt ja sehr praktische Ziele — dem Judentum und seiner Erhaltung gewaltige Dienste leisten wird. Möge die Vollendung des Werkes bald gelingen! «Rabbiner Dr. A. Posner (Kiel). Oswald Kroh, Psychologie der Oberstufe. Beitrag zur Reform der Bildungsarbeit. 3. und -l. verbesserte und erweiterte Auflage. Preis 6,00 ylJL Langensalza 1933, H. Beyer & Söhne. Das Werk soll dem ausdrücklichen Wunsche des Verfassers zufolge nicht als Fortsetzung seiner „Psychologie des Grundschulkindes" aufgefaßt werden, weil die Aufgaben beider Darstellungen zu verschieden seien und die Selbständigkeit des neuen Werkes gewahrt bleiben solle. Auch wenn der Verfasser nicht schon im nächsten Satze sich selber halb und halb deiuentierte, würde diese Begründung hinreichen, die Möglichkeit und Notwendigkeit der gewünschten scharfen Trennung zweier in einander verlaufenden Entwicklungsstufen in Zweifel zu ziehen. Die Oberstufe umfaßt das 10. bis 1-1. Lebensjahr, und diese Zeitspanne wird psychologisch in zwei Entwicklungsphasen, die vor der geistigen Reifung und das Stadium der Reifung, geteilt. Dabei ist sich der Verfasser der Problematik einer solchen Einteilung, die durch einen äußeren Umstand — den Abschluß der Volksschulbildung innerhalb einer seelischen Entwicklungsperiode — erzwungen wird, wohl bewußt. In der Darstellung des seelischen Habitus des Schülers verarbeitet der Verfasser das weitschichtige Material der Iugendkunde unter Bevorzugung der zahlreichen Arbeiten seiner — der Tübinger — Schule. Kritisch wäre hier anznmerken, daß Untersuchungsergebnisse, deren Materialumsang nicht bekanntgegeben wird, als Beweismittel nicht ohne weiteres anerkannt werden können. Was aber dem Buch seinen eigentlichen Wert verleiht, und was es accs den: Nahmen heraushebt, den der Titel ihm zieht, das ist die kluge, scharfsichtige pädagogische Auswertung der psychologischen Erkenntnisse und Voraussetzungen in der Kritik des Bestehenden und im Aufbau des Neuen. Hier erweist sich der Universitätsprofessor als ein ausgezeichneter Kenner der Volksschule und des Volksschulkindes, der dem nur-erfahrenen Lehrer die Erklärung und Begründung seiner Erfahrungen gibt und dem noch unerfahrenen die Gefahrenpünkte einer ideologisch gerichteten Schlagwortpädagogik ins Blickfeld stellt. Diese Leistung an der Darstellung der einzelnen Probleme nachzuweisen und gegebenenfalls auch kritisch zu beleuchten, würde über den engen Nahmen dieser Besprechung hinausgehen: bedeutet doch ein solcher Versuch nicht weniger als die Ausrollung aller ktuterrichtsprobleme. Aber es sei wenigstens hiugewiesen auf die Abgrenzung des Bildungswertes des Volksschiilunterrichts für das Leben, wie des Bildungswertes des Unterrichts überhaupt, ferner auf das Verhältnis der Ausdrucksfähigkeit des Schülers zu seiner Eindrucksfähigkeit und damit auf das Problem der Arbeitsschule, aus die psychologischen Voraussetzungen des schriftlichen Ausdrucks und die Schwierigkeiten der geschichtlichen Auffassung und damit des GeschichtsunterrichLs. Besonders hervorgehoben sei noch der außerordentlich instruktive Abriß der Entwicklung der Erziehungsideologie von Pestalozzi bis zur Gegenwart. Glicht auf der Höhe der übrigen Teile steht dagegen m. E. die Darstellung des Werterlebens und Wertbewußtseins des Sch. Hier vermißt man die exakte Grundlage, auf die der Verfasser sonst ausbaut. Das Werk greift mit energischer Hand in die Dinge hinein und zwingt den Leser zur inneren Auseinandersetzung mit den Fragen der pädagogischen Theorie und Praxis. Stern-Bln. Das Ermittlungsverfahren gegen eine des Ehebruchs Verdächtigte. Von Dr. N. Wahr mann. Breslau 1933. Die Monographie ist, wie man aus dem Vorwort erfährt, eine umgearbeitete und erweiterte Promotionsfchrift. Von einem harmonischen Wachstum kann man bei Arbeiten ähnlicher Genesis nur selten sprechen. Ihr Korpus nimmt au llmfang zu, mit- und gleichgewnchsene Reife lassen sie hingegen in den meisten Füllen vermissen. Die Dissertation zur Erlangung der hohen Würde des Doktors ist in der Regel auch im R'euguß und trotz vermehrter Seitenzahl jeder hinzngekommene Zoll eine Doktordissertation mit allen Merkmalen des Erstlingswerkes. Es ist ein Vorzug der Wahrmannschen Schrift, daß sie diese Merkmale nur in Aeußerlichkeiten zeigt, wie etwa in der lleberfiille der als Fußnoten angebrachten Bemerkungen des Buches), die eine routiniertere Darstellung teils unterdrückt, teils in den' Text hätte einfließen lassen. Was hingegen die Beherrschung und richtige Anwendung wissenschaftlicher Forschungsmethoden anbetrifft. kann dein Verfasser das beste Zeugnis ausgestellt werden. Das mit großem Fleiß zusammengetragene Material verwendet er geschickt, um Thesen und Ansichten zu belegen, mit welchen er — bemerkenswerten Tiefblick und Scharfsinn verratend — auch anerkannten Autoritäten gegenüber recht behalten dürfte. In der Darstellung läßt der Verfasser zumeist die Quellen allein sprechen. Ans diesen letzteren lernen wir'iin Lichte tanna-

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