Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 5 (15.5.1933)
- Date
- 1933-05-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 5 Jüdische Schulzeitung . Serie 7 Dcrlxiltcn dieser Gebiete in Beziehung stehen, in ihren gesellschaftlichen Zusammenhängen. Eine solche soziologische Einheit ist die Familie, deren Bestand zur Zeit ideologisch und praktisch stellenweise stark erschüttert ist. „Familie und Fürsorge" war darum auch der Lerhandlungsgegenstand der Zweiten Jnteruationalen Konferenz" für soziale Arbeit km Sommer 1932 iu Frankfurt am Alain. Der Deutsche Landesausschub der Konferenz hat zu dem ganzen Lerhandlungsgegenstand eine Bibliographie der deutschen Literatur („Familie- und Fürsorge, Bibliographie"; Berlin-Charlottenburg 5. 1932) zusammengestellt, die in ihrer Systematik und Reichhaltigkeit dem Interessenten das gesamte Studienmaterial nachweist. Zu dem gleichen Anlaß legt die Deutsche Gesundheitsfürsorgeschule eine Sonderausgabe ihrer Zeitschrift vor: „Gesundheitsfürsorge für die Familie" (Berlin-Charlottenburg 5, 1932.) „Gesundheitsfürsorge ist in allen ihren Gestalten nie etwas anderes gewesen als Familienschuh." Dieser Einführungssah des Herausgebers (Professor Frih Rott) wird nach dem neuesten Stande medizinischer Spezialforschnngen angewandt in Einzelabhandlungen namhafter Fachleute (Bevölkerungspolitik. Siedlungswesen. Eesundheitserziehung. Familienhygiene: Fürsorge für geistig und seelisch Abnorme, Krüppel. Seuchenkranke). Als Haupterzieher der ihm anvertrauten Binder beansprucht die Familie heute ein wesentliches Interesse des Lehrers, will er der Eigenart seiner Binder auch nur im Geringsten im Unterricht Rechnung tragen. Dazu bedarf er auch sozialhygienischer Kenntnisse. Wieweit er sich auch in. diese Spezialforschnngen hineinvertiefcn will, in diesen beiden Heften findet er Wegweiser (als jüdischer Lehrer auch zur Stellungnahme der Konfessionen). HansLÖwenberg. Georg Glaser: Schluckebier. Berlin. Agis-Verlag. Georg Glaser schreibt die Geschichte eines armen kleinen Jungen. Früh schon muh er leiden, er hungert im Krieg, hofft auf Befreiung davon durch — Friedenszeiten — ein magisches Wort für ihn. Was bringen sie ihm? Einen Fremden, den er Later nennt, der ihn grausam zu seinen ehrgeizigen Plänen zwingen will. Er besucht das Gymnasium, jede kleinste Verfehlung straft der Later fürchterlich. Um sich zu schützen, muh er lügen, verschleiern, immer wieder verstrickt er sich. Er muh die Schule verlassen — zu Hause erwartet ihn der Later, grausame Gewalt — er flieht. Run beginnt ein Kampf, den er nicht bestehen kann. Er mich betteln, stehlen, um leben, d. h. um essen 311 können. Schliehlich kommt er in die Fürsorge. Dort findet er viele Kameraden, alle Leidensgenossen, die dauernd um winzige' Zipfelchen von Glück kämpfen, das. für sie nur in einem bißchen jungenhafter Fröhlichkeit, einem bihchen liebevollen Verständnisses für sie bestünde. Die Zeit geht dahin in aufreibender Abwechslung zwischen Abwehr gegen Quälereien der Erzieher und Rache dafür... Es ist ein Kampf der Ohnmacht und endet im vorliegenden Buch in einer Revolte. Sie ist der Versuch einer Befreiung aus den Fesseln einer Ordnung, die diese Jungen nicht ertragen können. Er wird-zu sinnloser Zerstörungswut, hinter der die Angst steht. Was wird nun? Wieder Gewalt? Das Retz der Zwangsmahnahmen ist fest — wird es nun noch härter schnüren? Bewaffnete Polizei überwindet die Jungen, die Tapfersten fallen. Gewalt vermag viel — wird sie für dauernd den Protest gegen eine gesellschaftliche „Unordnung" ersticken können? Glaser glanbt an erfolgreiche Wege dagegen. „Wollt Ihr uns nicht leben lassen? Die Revolte lebt in uns. gesund wie unser Herz." „Wir stehen. Fäuste an der Hosennaht" sind die letzten Worte. Der Leser kann nicht kalten Herzens bleiben, er muh spüren, dah hier ein Mensch mitseinem Herzblut geschrieben hat. muh Unausgeglichenheiten in der Sprache, in der Einseitigkeit der Behandlung der Charaktere übersehen. Es gibt hier nur Schwarz- und Weihmalerei. Der Leser muh miteinstimmen in den Ruf nach Gerechtigkeit — resignierend oder hoffend, je nach Temperament. Georg Glaser — ein Junger hat Glauben und Hoffnung! * W. St. Märchen, seien sie nun aus natürliche Weise entstanden und überliefert, und dichterisch verwertet, oder seien sie erdichtet, müssen, wenn sie wertvoll sein sollen, dem kindlichen Gemüt und Verständnis angepaht sein, ohne die Phantasie zu sehr aufzur,— Di, gart. neuer Märchen herausgebracht hat. legt einen neuen Band vor, der strengen Anforderungen an ein kindliches Märchenbuch : Union Deutsche Ve rlag sg e se l l sch af 1 Stutt- Berlin. Leipzig, die schon mehrere Serien älterer und entspricht: „Vom Löwen. Pferd und Fuchs, und andere Tiermärchen". Kinder und andere natürlich gebliebene Menschen lesen besonders gern Tiermärchen, und hier sind solche, die nicht nur Kinder mit Vergnügen, sondern auch Erwachsene mit Genus; lesen, weil sie auch zum Nachdenken anregen. Die Ausstattung ist geschmackvoll, die Illustrationen sind zwar konventionell naturalistisch, doch von meisterlicher Hand. Derselbe Verlag bringt „Das Märchen vom Karfunkelstein" in 18. Auflage neu heraus. Dieses Märchen. so richtig aus dem Geiste des Berglandes heraus entstanden, personifiziert prächtig die Naturgewalten. Wenn man beobachtet, wie der Illustrator Arpad Schmidhammer den Niesen Naturiwus darstellt. dann begreift man. wieer sich in den Geist und die Ideen des köstlichen Märchens völlig eingelebt hat. Otto Geismar. Josef Schräteler, unter Mitarbeit von Joseph Beck, Joses Dolch, L. Kleyheeg, I. M i r t s ch u k, I. T. F. W i l l i a m s, W. Z e n k o w s k i j, Die Pädagogik der Gegenwart in den grohen Kulturländern. Handbuch der Erziehungswissenschaft. 5. Teil: Geschichte der pädagogischen Ideen und Einrichtungen in den großen Kulturländern, Band ch Erster Teil. Er. 8. XVIII. und 348 Seiten. Kanzleinenband 13 Ml-. V e rl a g I o s e f K ö s e l u. Friedrich P u st e t, M ü n ch e n.' Dieser Band des Handbuches hat die Entwicklung der pädagogischen Probleme in den Mittelpunkt gestellt. Es liegt uns also hier, wie die Herausgeber im Vorwort ausdrücklich bemerken, nicht etwa eine Geschichte der Pädagogen oder der pädagogischen Institutionen vor, „sondern eine Geschichte der Arbeit an den großen Fragekreisen, die Erziehung ausgibt und zur theoretischen und praktischen Lösung stellt". (2. V.) Der Zusammenhang mit den kulturellen und geistigen Strömungen der Zeit wird immer wieder ins Licht gestellt. Der katholische Standpunkt des Handbuches tritt auch in diesem Bande deutlich hervor. Als eine Lücke des Handbuches in der sonst sehr erschöpfenden und vollständigen Darstellung empfinden wir, daß die jüdische Erziehungsbewegüng keine Würdigung erfährt, obwohl sich oft dazu Gelegenheit geboten hätte. Sehr zu wünschen wäre daher, besonders weil wir die wissenschaftliche Bedeutung dieses Bandes des Handbuches in allen Beiträgen erkennen, daß die Redaktion veranlassen würde, daß diese Hinweise in einer Neuauflage nachgetragen werden, daß im zweiten Teile, sofern es nicht geplant ist, auch auf das jüdische Schulwesen in Palästina eingegangen wird. Bezirksrabbiner Dr. Ernst Stecke! m a ch e r, Bad Dürkheim. Dr. Ludwig Ferdinand C l a u ß : Als Beduine unter Beduinen. Mit 21! Bildern nach eigenen Aufnahmen des Verfassers und einem Titelbild gr. 8" (VIII und 114 S.; 15 Tafeln). Freiburg im Vreisgau 1033, Herder. Kartoniert 3,80 OUl\ in Leinwand 4.00 :jU(. Die Erfahrungen einer mehrjährigen psychologischen Forschungsarbeit im arabischen Morgenlande werden uns in sehr anschaulicher Weise nahegebracht. Der Aufenthalt des Verfassers bei den Beduinen Arabiens war, worauf er ausdrücklich hinweist, „ein richtiges Mitleben, nicht eine Reise zum Hamstern von Beobachtungen, Messungen oder ethnologischen Belegstücken, sondern ein Versuch, am Leben leibhaftiger Menschen gleichsam von der Innenseite teilzunehmen". (S. 1.) Der Wert der Schrift besteht besonders darin, daß sie die für eine seelenkundlirhe Erforschung fremder Nassen ausschließlich iu Betracht kommenden Quellen sehr eindringlich hinweist. Als Standort und Ausgangspunkt seiner Forschungsexpeditionen wählte Claus; ein arabisches Bauernhaus bei Jerusalem, er erzählt uns von den durch die jüdische Bibel bekannten Oertlichkeiten wie Hebron, Schiloah n. a.. wir hören von der Brücke bei Jericho über den Jordan, von der Iordanfurt, einer seichten Stelle, die nur den Anwohnern bekannt ist. Die photographischen Aufnahmen vervollständigen vorzüglich den Text. Auf das Kapitel Arabisches Frauenschickjal sei besonders hingewiesen. Einige Typen beduinischer Ehefrauen werden hier nachgezeichnet. Bezirksrabbiner Dr. Ernst S t e ck e l m a ch e r, Bad Dürkheim. 0u/. 24 Lithographies de 0. Z i I /. e r. Avant-propos (Vorwort) de Romain Rolland. Editions du Phare, Grande UlmtirU* Univowll,' Pari»,, Boulevard Snint-Mu-liel 84. Heute wissen wir alle, das; ein Zukunftskrieg ein Krieg sein würde, in dem das Giftgas eine sehr bedeutende Rolle