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Jüdische Schulzeitung · 1933-05-15 · 5 (15.5.1933) · page 5

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
9 (1933)
Issue
5 (15.5.1933)
Date
1933-05-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nummer 5 JCltC 5 Jüdische Schulzeitun überschätzte Leistuugs- und Urteilsfähigkeit,, die an die Stelle des Sachwissens treten, soll, hat bereits wieder zu einer rückläufigen Bewegung geführt. Mitunter erlebt man. daß Abiturienten über weltanschauliche Fragen und über modernste Literaturströmungen zu reden in der Lage sind, sobald aber positive Kenntnisse nachgewiesen lyerden sollen, tritt oft ein klägliches Versagen ein. Also zurück zu einem gründlichen Sachwissen! Deshalb braucht die Urteilsfähigkeit des Schülers nicht ausgeschaltet zu werden. Just ersaßt den Kern der Persönlichkeit im Sinne Kretzschmers,, d. h. der Körperbautypus findet seine Entsprechung im Psychischen, und als Typus einer solchen Charakterbestimmung werden die verwandten Lebensbilder von N. M. Rilke und Ruth Schaumann analysiert. Mit der Feststellung gemeinsamer psychologischer und körperlicher Bautypen steht der Verfasser mitten im Biologischen, welches für seine Erziehungsprobleme richtunggebend wird. Seelische Störungen und Schwererziehbarkeit bei Kindern und Jugendlichen von Dr. Erich Stern, Professor am Pädagogischen Institut Mainz, 1932. Etwa 150 Seiten. Preis 2,85 MIL Jedermanns Bücherei, Ferdinand Hirt, Breslau. Stern ist in pädagogischen Kreisen kein Unbekannter mehr. Seine Jugendpsychologie liegt bereits in 3. Auflage vor. Auch das vorliegende Büchlein richtet sich an alle, die sich mit Erziehung befassen. Im Gegensatz zu anderen Werken dieser Art hat sich Stern nicht einer bestimmten Schule angeschlossen, sondern läßt alle Vertreter neuerer Richtung zu Wort kommen. Ob es richtig war. den zweiten und dritten Typus der frühreifen Entwicklung rillt der Definition von Cymbal (Neurosen des Kindesalters) zu übernehmen, möchte ich bezweifeln. Wer sich mit offenen Augen in der Großstadt umgeschaut hat, wird wohl behaupten können, daß die geschilderten Typen sich nicht vornehmlich aus dem Schülerkreis der höheren Lehranstalten rekrutieren. Daß Dr. Stern die Schrift als unbewußter Ausdruck seelischer Störung völlig übergeht, finde ich. nicht berechtigt. In gleichem Verlage erschien kürzlich ein Bändchen über „Pädagogische Psychologie von Fr. Otto Klemm, Professor an der Universität Leipzig. Preis 2,85 'JUL. Auch hier bildet Kretzschmers Lehre vom Körperbau und Temperainent die Grundlage für eine Typologie des Schulkindes. Die Verhaltungsweise.der verschiedenen Typen werden in ihrer ganzen Reichweite geschildert. Die dynamische Begabungslehre des Verfassers wendet sich gegen die einseitige Uebertreibung derJndividualpsychologie. die in der Kompensation von Minderwertigkeiten den eigentlichen Hebel für die Höhe der Leistungsfähigkeit sieht. Die von Klemm gestellten pädagogischen Forderungen fügen sich in das Gesamtbild von den Eigenarten des seelischen Geschehens. Hier liegen die Wurzeln einer pädagogischen Psychologie, wie sie dem Verfasser vorschweben. H. Würtz, Goethes Wesen und Umwelt im Spiegel der Krilppelpsychologie^ Verlag L. Voß, Leipzig. Preis 1 MIL. Goethes Eigenart, feine eigenen Schwächen und Bedingtheiten im Spiegel anderer Schicksale aufzufangen, wird durch zahlreiche Belege verdeutlicht. Es ist wohl kein Zufall, wenn auf seinem Lebenswege verschiedene Krüppelschicksale bestimmend auf sein Schaffen einwirkten. Gebrechliche Maler, Musiker, Denker und Dichter sind ihm Anreger und Lichtbringer. Daß Goethe unter seinem Gebrechen (Kurzbeinigkeit) seelisch gelitten hat, wird durch Aeußerungen von Zeitgenossen in überzeugender Weise nachgewieseu. Eine eigenartige, aber interessante Arbeit? Legen wir uns die Frage vor, weshalb die Probleme des Unbewußten, in erzählende Form gekleidet, auf den Leser so ziiudend wirken, ohne daß der Anspruch auf volles Verständnis erhoben wird, so wird man diese unbestreitbare Tatsache nur dadurch deuten können, daß hier Vorgänge des kollektiven Unbewußten ins Helle oder wenigstens in die Dämmerung gerückt werden. Daher der Erfolg der in letzter Zeit erschienenen M ä r - chen aus dem Unbewußten von Oskar H. Schmitz, mit einem Vorwort von C. I. Jung und 12 Zeichnungen von Alfred Kubin, gebunden 4,50 MIL Karl-Haufer-Verlag, München. Schmitz hat hier den absichtsvollen Verstand völlig ausgeschaltet und der inneren Stimme des Herzens gelauscht. So sind diese drei Märchen entstanden, scheinbar sinnlos, und dollversteckt sich hinter ihnen mehr Weisheit als hinter manchem philosophischen System. Das Fischottermärchen erzählt der Nachwelt, wie es dem Dichter ergangen ist und welche Laufbahn seine Seele erfüllt hat, bis ihr Lebensexperiment beendet war. Es entsprach der Grundeigenschaft des Dichters, im Märchen den einfachsten und unmittelbarsten Zugang zum Verständnis, des Herzens zu finden, der sich auch in anderer Form (Allegorie) hätte offenbaren können. C. E. Jung: Die Beziehungen der Psychologie z u r S e e l s o r g e, Nascher & Co. A.-G. Verlag Zürich. Preis. 1 MIL Verfasser fußt auf seiner Theorie des kollektiven Unbewußt n und seinen Archetypen, die schon in grauer Vorzeit eine große Rolle spielen. Die seelische Geschichte der Menschheit wird hier in großen Zügen aufgerollt. Jung fordert von der Seite der Theologie ein sympathisches Verständnis für die Bemühungen des Seelenarztes. Der protestantische Seelsorger ist nach seiner Ansicht nicht genügend ausgerüstet, um dem gewaltigen Anspruch unserer Zeit zu. genügen. An der Feststellung, daß mit dem Niedergang des religiösen Lebens die Neurosen sickbeträchtlich vermehrt haben, kann keine Glaubensgemeinschast vorübergehen. Max Picard: D.a s M e n s ch e n g e s i ch t, mit 30 Lichtdrucküildern, broschiert 12 Mit, Leinen 15 Mit. Ein ganz neuzeitliches Buch, und doch so zeitlos durch die ewigen Wahrheiten unserer Religion, die der Verfasser seinem Werke zugrunde legt. Picard sieht in jedem Menschengesicht eine Offenbarung Gottes. Weil Gottes Wesen unendlich ist, muß auch das Menschengesicht ewig dauern, um Gottes Wesen ganz zu offenbaren. Daß sich im menschlichen Gesicht ohne unser Zutun die Erlebnisse der Seele ausprägen, ist keine neue Erkenntnis, hier aber mit unendlicher Sachkenntnis und tiefer Scheu vor dem Unendlichen ans Tageslicht gezogen. Besonders lehrreich ist das Kapitel über Rassenlehre. Hier zeigt uns der Verfasser, daß die Rasse keinen größeren Einfluß auf die Gestalt des Menschen hat als die Landschaft, das Klima, die Familie, der Beruf, die Kultur. Die völkische Rassentheorie wird an zahlreichen Beispielen ad absurdum geführt." Das Rafsenhafte ist nicht nur abgelöst, es ist in seiner Abgelöstheit so verloren und hilflos, daß es nicht weiß: Wohin! Und darum ist es oft bei den Unrichtigen." Auch die Bestimmung der Nassen wird bei Picard unter höherem Gesichtswinkel sinnvoll gedeutet. Er erblickt in ihnen ein Zeichen für die Unerschöpflichkeit Gottes, die auf der Erde als Mannigfaltigkeit sichtbar wird. Es dürste sich empfehlen, das Kapitel über Rassenkunde weitesten Kreisen zugänglich zu machen. Literarisches Megillath Esther. Kaplan. Leipzig. Die schöne Sitte, die für den Privatgebrauch bestimmten Megilloth zu illustrieren, stamnrt schon aus dem 15. Jahrhundert. Sonderbarerweise ist man im vorigen Jahrhundert wieder ganz davon abgekommen, und erst jetzt beginnt man wieder, sich damit hervorzuwagen. Josef Kaplan, Leipzig, ist einer der ersten, der damit auf den Plan tritt, und man muß ihm dankbar dafür sein. Von den drei Illustratoren versucht der eine. Mohr, die Art Liliens nachzunhureii. ohne daß er jedoch den Meister erreicht. Fast

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