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Jüdische Schulzeitung · 1933-05-15 · 5 (15.5.1933) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
9 (1933)
Issue
5 (15.5.1933)
Date
1933-05-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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@ciis4 ZjldlsHkZHrrrzkktüng ... . ..vmmt uiidjtcrnc ist, bleibt es phantasieärmer als das Stadtkind. Da es meist mit den Erwachsenen zusammenarbeitet, wird ihm stets der Unterschied zwischen deren Leistungen und seinen eigenen bewußt; dazu kommt noch, daß der Bauer meist wenig Nachsicht mit den Kindern und deren schwächeren Leistungen kennt. So wird das Kind leicht eingeschüchtert -und verliert das Selbstbewußtsein. Die Welt des Landkindes ist klein hinsichtlich der Zahl der Vorstellungen; denn das. Bauernkind kommt ja fast niemals aus seinem Dörfchen hinaus und seine Phantasie wird nicht sehr stark befruchtet. Trotzdem ist seine Welt nicht arm. Es kennt viele Dinge und diese seine Kenntnisse sind gründlich, denn obgleich seine Vorstellungen an Zahl geringer sind als die des Stadtkindes, so sind sie doch gründlicher, denn sie sind nicht nur mit dem Auge und mit dem Ohr erfaßt, sondern auch mit der Hand. Es weiß nicht nur etwas über die Dinge, sondern es kennt die Dinge selbst und weiß mit ihnen umzugehen. Dadurch, daß das Landkind von den Dingen selbst lernt, Vorstellungen also nicht sprachlich übermittelt bekommt, ist es sprachlich ärmer als das Stadtkind, von Natur aus meist verschlossener und schweigsamer. Die einseitige, konservative Umgebung zeitigt auch ' a Bauernkinde schon jenes Mißtrauen allen Neuerungen gegenüber, jene geistige Passivität, die dem Bauernstand im allgemeinen eigen ist. >y» Dem Landlehrer ist eine große erzieherische Aufgabe beschieden. Das Kind mit Kulturwerten bekannt zu machen, die. wenn sie auch anfänglich nicht in seiner Interessensphäre gelegen sind, doch sehr geeignet sind, das nüchterne Leben des Landkindes zu bereichern und zu vertiefen. Schülerchöre und Aufführungen können den Geschmack des Bauernkindes verfeinern, gute künstlerische Darbietungen der Städte können ihm durch Nadioübertragung zugänglich gemacht werden. Allmählich wird auch ein Teil der Landkinder zum Lesen gebracht werden können und zu spielerischer oder Handfcrtigkeitsbeschüstigung. Der Landlehrer muß mit den Kindern auch spielen und Feste feiern können, er muß sie erst ihrer eigenen Kindesnatur erschließen. Elternabende werden ihm Gelegenheit geben, das anfängliche Mißtrauen der Elternschaft seinen Neuerungen gegenüber zu überwinden und sie für seine Erziehungsarbeit zu gewinnen. (Fortsetzung folgt.) Neuerscheinungen aus dem Gebiet der Psychologie und ihrer Ereuzwissenschasteu Von Studienrat M. Simon (Tilsit) Anja Mendelssohn: „Schrift und Seele", Wege in das Unbewußte. Verlag von S. A. Seemann, Leipzig, gebunden 5 001. Die verstehende Graphologie, die ihre Gesetze aus der Raumsymbolik ableiten will, hat neben Pulver und Klages in Anja Mendelssohn einen ihrer besten Vorkämpfer gefunden. M. fußt im allgemeinen auf der analytischen Psychologie Jungs, rückt damit von der Ueberbewertung des Sexuellen ab, ohne aber in das andere Extrem der Klagesfchen Schule zu fallen, d. h. völlige Nichtbeachtung dieser Komponente. Bei dem Studium des Werkes ist man erstaunt über die Fülle der Erfahrungen auf psychologischem Gebiet, die sich auf die Graphologie übertragen lassen. So fiydct sich auch hier die ganze Symbolik des Raumes, die übrigens schon Gemeingut der ältesten graphologischen Wissenschaft war. Aber es scheint doch viel intuitive Begabung erforderlich zu sein. — A. Mendelssohn gibt es in gewissem Grade zu — um die unbewußten Bilder in der Handschrift zu deuten. Vergl. die .Erfolge des Graphologen Schermann! Vollständiges Neuland ist die Anwendung der Kretschmerschen Konstitutionstypen für die Bewegungsphystologte, d. h. die Graphologie. Die große Zahl der beigefügten Schriftbilder zeigt dem Geübten. welchem Typ er jeweils die Handschrift zuzuschreiben hat. Für die klinische Diagnose kommt dieser Methode nur die Rolle einer Hilfswissenschaft zu. Wie sich die Technik der Deutung im einzelnen vollzieht, wird in einem ausführlichen Kapitel dargelegt. Nach der Lektüre dieses lebendig geschriebenen Werkes gewinnt man den Eindruck, daß die Graphologie über das Stadium der Spielerei längst hinausgewachsen ist, man lernt aber auch anderseits, daß ihr auch als Wissenschaft nur ein Teil der Psyche zugewiesen werden kann. In der angefügten Tabelle der Schrifteigentümlichkeiten wäre noch mancher torumuis tedmiciis zu erläutern, z. B. trait eoatraii-e, trait suspetulu. Die Verfasserin möge bedenken, daß die Graphologie noch nicht allgemeines Bildungsgut geworden ist. Hans Künkel: Das Gesetz deines Lebens, Urformen im Menschenleben, Eugen Dieterichs Verlag in Jena. Gebunden 5 00C. Künkels neue Arbeit zeigt uns den unabhängig von Zeit, Kultur und Rasse fchicksalsmnßig gebundenen Menschen. Der große Film der Menschheit bleibt immer derselbe, auch wenn er einen Zeitraum von Jahrtausenden ablaufen würde. Die fünf Erlebnisformen des Menschen werden bedingt durch Perioden des Wachstums, die die Grundlage für das seelische Geschehen schaffen. Aus den nicht geglückten Uebergängen in eine neue Periode (Regression) ergeben sich die Hauptschwierigkeiten im Fortkommen des Menschen. Wie die Urformen das dichterische und künstlerische Schaffen unbewußt beeinflussen, das hat Künkel an einer Reihe von Liedern und Gedichten nachgewiesen. Auch in diesem Buche hat der Verfasser scheinbar Alltägliches in die höhere Sphäre des Weltgeschehens gerückt und unserem Wesen und Werden eine sinnvolle Deutung gegeben. P e r s ö n l i ch k e i t s p s y ch o l o g i e. Entwurf einer biozentrischen Wirklichkeitslehre vom Menschen. Von Dr. Hans Prinzhorn. In Sammlung Wissenschaft und Bildung. 119 Seiten. Gebunden 1,80 olU-. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. Prinzhorn ist einer der Vvrkämpfer der biozentrischen Eharakterlehre, die in ihren wesentlichen Zügen bereits von Kluges vorgezeichnet wurde. Der Verfasser sieht in der Ueberbewertung des rein Geistigen eine hohe Gefahr. Die Ideale — die Hauptnährmittel der Seele — müssen nach Prinzhorn wieder mehr zur Geltung kommen. Diese Tatgesinnung und Persönlichkeitspflege verfügt zwar über hohe ethische Werte, steht aber oft im Gegensatz zu dem jüdifch-christlichen Gesetzesglauben durch tieferes Vertrauen auf die außermenschlichen, kosmischen Mächte. Auch hier finden wir wieder wie bei Künkel die Erkenntnis, daß alle Religionen, alle Kulturen und Schicksale von einzelnen Gruppen geschichtliche Phasen eines Menschentums sind. Das Verständnis des Prinzhornschen Weltbildes erfordert Vertrautheit mit biologischen Fragen und eine genaue Kenntnis von Schopenhauer und Nietzsche. E r z i e h u n g s p r o b l e m e im L i ch t e von Erblehre und Eugenik. Von Prof. Dr. G. Just. Heft 1. 2,50 01IL Ferd. Dümmlers Verlag, Berlin SW 08 und Bonn. ' Eine ausführliche Würdigung dieser empfehlenswerten Abhandlung des Greifswalder Vererbungsforschers findet sich im Zentralblatt für die gesamte Unterrichtsverwaltung in Preußen. Heft 2t, vom 20. Dezember 1002.'Ich hebe daher nur einige Gesichtspunkte hervor. Für den Oberbau der höheren Schulen schwebt dem Verfasser ein spezialisierterer Oberbau vor. etwa in der Form der neuen Frankfurter Wilhelm-Meistec-Schule. Die tatsächliche Entwicklung geht aber bei dem gegenwärtigen Schrumpfungsprozeß in der höheren Schule dahin, die Typisierung der Oberklassen wenigstens nicht zu erweitern. Hier wird es also vorläufig bei einem frommen Wunsche des Verfassers bleiben müssen. Daß die Eugenik unsere ganze Volksbildung durchdrlngen muß, ist wohl Gemeingut aller Menschen geworden, die erbbiologisch zu denken vermögen. Die von dem Verfasser

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