Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 4 (13.4.1933)
- Date
- 1933-04-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 IüdifcheSchulzeitung Nummer 4 werde dich nicht verlassen, bis ich getan haben werde (ossissi). II. Gebrauch des Imperfektums, gewöhnlich Futurum genannt Das Imperfekt wird gebraucht 1. bei Handlungen, die erst geschehen sollen (Zukunst): II. Mos. 9, Morgen wird der Ewige die tun Obusse): 2. bei Handlungen, a) die bis in die Gegenwart andauern (Gegenwart): Richter 19,17, Wohin gehst du und woher kommst du? Ono sseleth umeajiu towai», b) die sich immer wiederholen (allgemeine Wahrheiten): Sprüche 1.9, Ein kluger Sohn erfreut den Vater (j’ssam- 3. bei Handlungen, die sich in der Vergangenheit zu wiederholen pflegten (Vergangenheit): I.Sam. 1,7, Und so tat er Jahr für Jahr (ja-asse), 4. zum Ausdruck der Redeweisen (Modi), die im Deutschen mit: dürfen, können, mögen, sollen, wollen wiedergegeben werden: I. Mos. 44.16, Was sollen wir sagen? —ma nanrnar, Hiob 9,12, Wer wollte sagen? — mi jaumar; II. Mos. 20,15, Du sollst nicht stehlen! — lau tignauw; I.Mos. 43,7, Konnten wir denn wissen? — ITajoduua neda? I. Mos. 2,16, Du darsst essen — Oduuil tauduil; 5. nach den Wörtern: os damals, terem bevor, ehe, noch nicht, pen daß nicht, 1’ina-an damit: II. Mos. 15,1, Damals sang Mose — os joschir mausdie, I. Mos. 18,4, Bevor sie sich niederlegten — terem jisdikowu — sie hatten sich noch nicht niedergelcgt; IV. Mos. 15,40, Damit ihr eingedenk seit I'maan tisk’ru. Literarisches Ernst Haffner: Jugend auf der Landstraße Berlin. Bruno Cassirer Verlag, Berlin. Albert Lamm: Betrogene -Jugend. Bruno Cassirer Verlag, Berlin. ‘ Rot in dem Ausmaße, wie wir sie heute erleben, birgt die Gefahr des Abstumpfens gegen ihre Erscheinungen in sich. Das individuelle Schicksal, das eingebettet ist in das der Massen, verliert für den. „Nurbeobachter" leicht seine Härten und Schrecken. Bücher wie die von Lamm und Haffner haben in solchen Zeiten ihren besonderen Wert. Sie wirken ausrüttelnd, zeigen die ganze Problematik der Situation auf. in der sich Tausende und Abertausende befinden, und stellen den C zieher — da es sich ja hier um jugendliche Menschen handelt — vor wichtige pädagogische Fragen. Haffner schildert in seinem Buche. „Jugend auf der Landstraße Berlin" die Wirkungen dieser Epoche auf eine bestimmte Gruppe jugendlicher erwerbsloser Proletarier. Ohne familiäre Bindung, ohne Obdach, zum größten Teile der „Fürsorge" entlaufen, sind diese Jugendlichen tagaus tagein, Sommer und Winter, bei Regen und Frost auf der „Walze", auf der „Landstraße Berlin". Sie geraten zwangsläufig den „Freiern" in die Arme, verdienen sich als „Strichjungen" einige Mark, schließen sich zu Cliguen zusammen, jenen eigenartigen Gemeinschaften asozialer Jugendlicher, die unter der Herrschaft ihres „Bullen" stehen und diesem restlos gehorchen; sie begehen in dieser Gemeinschaft Eigentumsdelikte, um sich zu erhalten. Gerade wenn man weiß, wie groß die Zahl der Jugendlichen ist, die durch diese Cliguen erfaßt werden — nach einer Schätzung bestanden 1930 zirka 600 solcher Cliguen — wird die Bedeutung dieses Problems deutlich. Wie bekannt ist, fehlt es nicht an Versuchen, jugendliche Erwerbslose in der Zeit ihrer Arbeitslosigkeit den mit dieser verbundenen (befahren zu. entreißen. Albert Lamm berichtet in seinem Buch „Betrogene Jugend" von einer solchen Arbeit, die er an jugendlichen Erwerbslosen in einem Berliner städtischen Erwerbslosenheim geleistet hat. Lamm zeigt hier in voller Offenheit all die Schwierigkeiten, die sich ihm anfangs entgegenftellten. Wie er, aus einer anderen Umgebung kommend, erst durch Kenntnis des Milieus, aus dem die Jugendlichen stammen, Verständnis für ihr Verhalten und Wesen bekam. Das Lammfche Bncy bildet eine lebendige Ergänzung zu dem von Haffner. Die von den Cliguen einmal Erfaßten sind nur sehr schwer für ein geordnetes Leben wieder zu gewinnen und bilden im Heimleben stets einen störenden Faktor. Andererseits geht aus dem Bericht von L. lehr deutlich hervor, welch ungeheuer starke Wirkung Regelmäßigkeit und Beschäftigung fürdie Jugendlichen hak. Man erkennt, wie sich eine ganze Anzahl von Jugendlichen so lange es irgend möglich ist, gegen das Hinabgleiten in die „Unterwelt" wehrt und welche schwere Verantwortung die Geselljchas: trifft, die große Teile ihrer Jugend verkommen läßt, ohne ihr ernsthaft zu helfen. Für jeden Pädagogen bieten beide Bücher eine Fülle von Anregungen und Material, jedem Erzieher wird hier die Problematik der ganzen „Fürsorge" unter den augenblicklichen Umständen klar. Die Ergebnisse, die sich nach der Lektüre ansdrängen, lassen sich nicht restlos auf jüdische Verhältnisse übertragen. Die soziologische Schicht, aus der diese Jugendlichen stammen, gibt es bis jetzt nur in kleinem Umfange in der jüdischen Gesellschaft, ähnliche Beobachtungen werden aber sicher alle die' Menschen, die in der jüdischen Erwerbslosensürsorge stehen, auch schon gemacht haben. I. S. L. L e w i s o h n : Der römische Sommer. Hamburg, Albatros-- Verlag. Preis 1,80 Ml. Der deutsch - amerikanische Jude Ludwig Lewisohn ist den Lesern unseres Blattes vertraut geworden durch die Besprechung des Romans „Das Erbe im Blut". Wie in mehreren seinen Werken, so rührt der Dichter auch im vorliegenden an das Problem der jüdischen Familie und ihrer Auflösung durch die Mischehe. Er sucht die Erfüllung seiner Ideale, die ihm die Reue Welt versagt hat, in dem Lande der Sehnsucht, in Italien. Die Liebe des jungen unerfahreren Jünglings zur gereiiten, in Schönheit und Anmut erstrahlenden Jüdin ist ein'in den romanischen Literaturen häufig verwandtes Romanmotiv, doch nie hat ein Dichter eine psychologisch glaubhafte Lösung gefunden. Hier aber hat ein Dichter mit meisterhafter Hand weltanschauliche Fragen in die anmutigste Form gegossen und so dem schwierigen Problem eine Gestaltung gegeben, die sich gleichwertig an die früheren künstlerischen Leistungen des' Dichters anreiht. „Schrift und Schreiben." Jahrgang 4, Heft 1. Verlag: F. Soennecken, Vonn/Leipzig. An Hand von schönen Beispielen zeigt Reble die Behandlung illustrierter Briese bei den Kleinen, während Dr. Höke nichts weniger für diese Kleinsten fordert, als daß der Schreibunterricht mit der Erlernung der Stenographie beginne. Dr. Hecke polemisiert überzeugend gegen die Forderungen betreffend Abschaffung der Großbuchstaben und Vereinfachung der Rechtschreibung. Eine originelle Anleitung, das Klassentürschild durch Beigabe von Wort und Bild einfach und geschmackvoll zu schmücken, und ihm dadurch die bürokratische Trockenheit zu nehmen, gibt Karuth; schöne Beispiele überzeugen. Otto Geismar. ErichJaensch: Pestalozzi. DerGeistunddasErbe seines Wirkens in: Lichte der Gegenivartsa u f g a b e n von Kultur, Philosophie u n d Psychol o g i e. 1927. Der Reue Geist-Verlag. Leipzig. 77 S. Die Schrift ist der ursprüngliche Entwurf und die Erweiterung einer Festrede, die der Marburger Professor Jaensch im Aufträge der Stadt gehalten hat. Sie zeigt, was in Pestalozzis Wirken zeitüberlegen dauert und segenvoll weiterleben muß. Der geborene Pädagoge, der in seiner kindhaften Art intuitiv erkannte, was wahre Menschenbildung fordert, wird hier in seinen bestimmenden Urgednnken ersaßt und als „Idealist der Röhe" charakterisiert, an dessen Geiste, „wenn er allenthalben festen Fuß faßte, die Menschheit genesen könnte". - Daß der Autor vom Standpunkt der philosophischen Anthropologie und seiner Typenpsychologie manche Einzelheiten beurteilt, macht die Schrift nur um so wertvoller, die anregend und geistvoll die wichtigsten Vildungsprobleme in pestalozzischem Sinne von der hohen Warte der eigenen Anschauung des Verfassers durchleuchtet. S p.. V. Nofinkeß mit Mandlen. Aus der Volksliteratur der Ostjuden. Schwänke, Erzählungen, Sprichwörter und Rätsel, gesammelt von Dr. Immanuel Olsvanger. 2. völlig veränderte und vermehrte Auflage. Basel. Verlag der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde. 1931. (Berlin, Kedem - Bnchhandlukkg.) Diese nun in bereicherter Neuauflage erschienene Sammlung Dr. Olsvangers ans der erzählenden Bolksliteratnr der Ostjuden