Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 4 (13.4.1933)
- Date
- 1933-04-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 4 Seile 5 Jüdische Schulzeitung die unseren jüdischen Anschauungen konform sind. z. B. wenn Allers darauf hinweist. „das; alle Problematik einer Tharakterologiezutiefst dem Religiösen verhaftet bleiben m ü s s e. Eine naturalistische Charakterologie ist in sich unmöglich." S. 51. Aus der Fülle der Darlegungen. welche die wichtigsten pädagogischen Fragen und Probleme der Gegenwart wie die Wandelbarkeit des Charakters. Charakter, Ilmwelt und Vererbung, das Seelenleben des Kleinkindes, das Minderwertigkeitserlebnis auf Grund körperlicher Beschaffenheit, Erziehung zur Gemeinschaft, die Angst der Kinder, die Entwertung eingehend erörtern, können wir nur einiges anführen. Seinen methodischen Grundsatz — eine individualpsychologische Erkenntnis — nennt er das Prinzip der möglichsten Erstreckung des reaktiven Momentes. Der Verzicht auf diesen Grundsatz bedeutet nach Allers pädagogischen und psychotherapeutischen Pessimismus. „Immer wieder mutz daher darauf hingewiesen werden, datz wir uns mit der Annahme konstitutiv und in der personalen Struktur festgelegter Wesenszüge erst dann und nur dann zufrieden gehen dürfen, wenn uns eine Deutung aus Reaktion (auf Umweltseinflüsse und Schicksal) durchaus nicht mehr gelingen will." S. 123. Allers erkennt das grotze Verdienst der F r e u d s ch e n Psychoanalyse an, „zwar nicht überhaupt erstmalig, aber doch zum ersten Male mit Nachdruck und auf Grund umfänglicher Einzeluntcrsuchung die Bedeutung der Kindheitserlebnisse für die spätere Eharakterentwicklung herausgestellt zu haben." S. 262. Das Kapitel Abwegige und neurotische Charaktere sei besonders hcrvorgehoben. Allers geht hier auf die Schwererziehbarkeit und Neurose ein. Die reaktiven Momente, die nach Allers ernsteste Beachtung verdienen, werden auch in einem sehr wichtigen Aufsatz von E. Benjamin mit grotzem Nachdruck betont: Klinik des seelisch und g c i st i g abnormen Kindes und die Möglichkeiten für eine Prophylaxe ll. Die Bedeutung der exogenen Faktoren (Milieu und Erziehung) in der Monatsschrift für Kinderheim künde, 53. Band, 1. und 2. Heft (Verlag F. C. W. Vogel in Berlin) 1932. (Vergleiche auch E. Benjamins Schrift: „Grundlagen und Entwicklungsgeschichte der kindlichen Neurose (Verlag Eg. Thieme in Leipzig. 1930.), Milieu und Erziehung schreibt Benjamin einen autzerordentlich grotzen Eknflutz auf die Entwicklung der Persönlichkeit zu. Benjamin beschreibt sehr anschaulich die grundlegenden Wandlungen, die beim Kinde festgestellt werden können, „sobald des Kindes Individualität sich zu entfalten beginnt und sobald das neugeborene „Ich" sich den Regeln und Gesehen unseres Kulturlebens einordnen mutz, um ein Teil der neuen Gemeinschaft zu werden.. Das Kind dieser Lebensphase ist im wahren Sinne ein Wanderer zwischen zwei Welten." S. 94. Da das Kind im Laufe weniger Iahre diese Wandlungen durchmachen mutz, sind Krisen nicht zu vermeiden. Benjamin nennt diese Periode des Kindes die Trotzperiode, „die als erste grotze Auseinandersetzung nicht nnr des abnormen, sondern auch des normalen Kindes mit den neuen Lebensformen anzusehen ist." S. 94. Die geschichtlichen Hinweise Benjamins sind besonders beachtenswert. Die pädagogischen Bemühungen im Römischen Reiche schildert er sehr anschaulich und bringt sie uns in Lebensnähe. Auch auf Erich Werbergs neueste Schrift: Arbeit und Gemeinschaft (Verlag I. Hirzel in Leipzig, erschienen im Iuli 1932) sei hingewiesen. Sie ist individualpsychologisch*) orientiert und geht von der Tatsache aus. datz sich die *) 26 exberg hat auch das Buch geschrieben: Individualpsychologie, Eine systematische Darstellung, 2. Auslage 1931. Verlag 2. Hirzel in Leipzig. Persönlichkeit u. a. auch an den Aufgaben der Arbeit bewährt. In dem Kapitel Entwicklungsgeschichte der Arbeit geht Wexberg, um die ontogenetische Entwicklungsgeschichte der Arbeit in das Licht zu stellen, auf die beim Kleinkind gegebenen Voraussetzungen ein und zeigt, wie von der rhythmischen Motorik, die ein wesentlicher Bestandteil des Spieles bei Kindern ist. eine Verbindungslinie zu gewissen Arbeitsformen läuft. Sehr beachtenswert sind in diesem Kapitel auch die Bemerkungen über das sogenannte Rollenbewutztsein, zu dem eine Form des Spielens bei Kindern führt. Die Darlegungen über die Bedeutung der Eewifsensfunktion seien auch hervorzuheben. Hinweisen möchten wir besonders auf das Kapitel, das die Arbeitsfreude erörtert. Werberg äutzert sich hier über Entmutigung und Pessimismus und zeigt, wie mit dieser Grundstimmung in engem Zusammenhänge eine Haltung steht, die er als Surrogat der Bejahung bezeichnet; es ist „der Lusthunger. ideologisch durch eine hedonistische Lebensanschauung vertreten." S. 35. Die Psychopathologie der Arbeit behandelt Werbers besonders ausführlich, indem er immer wieder auf Fälle der psychotherapeutischen Sprechstunde hinweist. Auch die didaktisch-pädagogischen Schlutzfolgerungen geben viel Anregung. Der Glaube des Schülers an das eigene Können ist das wichtigste Ziel jeder Arbeitspädagogik. Sticht können wir Werberg zustimmen, wenn er das Religiös- Normative nicht zu seinem Rechte kommen lützt. Ein paar Kapitel der hebräischen Grammatik Von M. Abraham (Berlin) (Sch lud) III. Klasse: pc-jod gleich pc-nun Beispiel: jo/ank ausgietzen Es sind Verba, deren zweiter Stnmmkonsonant ein zadc sein mutz. Wenn das zade die Silbe schlietzen sollte, verwandelt es sich in den zweiten Stammkonsonanten, und dieser wird verdoppelt (entsprechend dem nun bei den Verben pe-nun: ans ejzauk wird ezzauk, aus Imjzik wird hazzik. Andere Verben dieser Art: jozauw stehen, jozaug (hin)stellen, ’jozami hinbreiten, jozaur bilden, jozaus verbrennen. Anmerkung: .jozauw tft ohne Kal, joznug hat nur Hiphil und Hophal, ezzorcho ich werde dich bilden (von ezzaur) wajjizer (von jizar), er bildete. C. Aus der Satzlehre I. Gebrauch des Perfektums (S’man owor) 1. Das Perfektum bezeichnet das wirkliche oder vergleichsweise Beendetsein einer Handlung. 2. Es steht in bezug auf die Vergangenheit: a) zur Feststellung einer Tatsache: I. Mose 1,1 Am Anfang hat Gott.den Himmel und die Erde geschaffen (boro): b) im Sinne des Plusquamperfektums: l. Mose 2,2: Er ruhte von seinem ganzen Werke, das er gemacht hatte (osso). 3. Es steht im Sinne der Gegenwart: a) bei Handlungen, die vollendet vorliegen und deren Wirkung bis in die Gegenwart reicht: jodati ich habe erkannt — ich weitz, ssowati iri) habe mich gesättigt — ich bin satt. b) in allgemeinen Erfahrungssützen: Ps. 14,1: Es spricht (omar) der Tor in seinem Herzen. 4. Es steht in bezug auf die Zukunft a) bei Versprechungen und Weissagungen, die — weil sicher — als bereits vollendet vorgestellt werden: I. Mos. 15.18: Deinen Nachkommen werde ich geben (nossatti) dieses Land, b) als Futurum il in Bedingungssätzen: l.Mos. 28,15: Ich