Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 4 (13.4.1933)
- Date
- 1933-04-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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?i um Hier -t Jüdische Schulzertung Seite 3 nicht ausreichendem Lohn .der kargen Herren erklärte, die kirnst nicht mehr üben zu wollen, wie z. B. Regenbogen droht. das; er wieder zu der Esse Glut kehren will, da er sich als Schmied besser ernähren könnte. Sühkind erwähnt als choraltcristisch in dieser Strophe den Hut (nicht den besonders gesorlttten Judeuhut), da dis Juden nach alter Sitte den 5vopt zu bedecken pflegen, den langen Bart aus ähnlichem (gründe und den langen deutschen Mantel. Er erwähnt nicht das Abzeichen, das „indisch Ringlein". Danach darf man aber nicht die Datierung feststellen wollen, denn bekanntlich hat es noch lange gedauert, bis die Bestimmungen der Lateransynode von 1215 wirklich allgemein und streng durchgeführt wurden. Die Nichtkcnner der jüdischen Geschichte erwarten, dah man aus Sühkinds Sprachformung den Juden erkenne. Aber es gab damals noch kein besonderes Iudendeutsch. Nicht nur seine Sprache, sondern seine künstlerische Technik überhaupt entspricht völlig dem Stande des durchschnittlichen Könnens der zeitgenössischen literarischen Spruchdichter. Ein besonders in diesem Falle so strenger Beurteiler wie Gustav Noethe, der sich — zum groben Teile mit Recht — gegen die übertreibende Wertschätzung Sühkinds durch jüdische Beurteiler wendet, muh in dieser Hinsicht die „gute Schulung" anerkennen. Er behandelt auch ähnliche Themen wie seine Sang'esgefährten. Wenn sein erster Spruch mit den Worten beginnt: Wer adellidien tuot, deh wil ich. hau'für edel, so sagt Bruder Wernher: ^lan silit, da/ nioman edel si, niwan der cdellidien (not, und Neinmar von Zweier widmet diesem sonst besonders von bürgerlichen Fahrenden gern behandelten Thema mehrere Sprüche, aus denen wiederholt die Tendenz heraus- Ningt: nieinan ist edel, era tuo dan cdellidien. Auch der Winsbccke (Anfang des 13. Jahrhunderts) hatte schon diese Allerweltsweisheit gelehrt. In derselben Weise lassen sich zu den anderen Stücken, die von der Gedankenfreiheit, der Verehrung Gottes, dem Lobe der guten Frau und von Todesbctrachtungen handeln. Parallelen aus den zeitgenössischen Dichtern zusammenstellcn. Ilebrigens wird das Thema der Gedankenfreiheit hier nicht in der Art behandelt, dah man Sühkind, wie man versucht hat, als einen Vorläufer des Marguis Posa charakterisieren dürfte. Es ist hier nämlich nicht von der Gedankenfreiheit als Forderung in religiöser oder politischer Hinsicht die Rede, sondern die psychologische Tatsache der Freiheit im Spiel der Gedanken wird bewundernd betrachtet. Jüdische Gelehrte haben der besonderen Neigung gefrönt. Reminiszenzen aus der Bibel und der rabbinifchen Literatur in den paar Gedichten Sühkinds aufzustöbern. Dabei ist folgendes zu bedenken: Die Bibel gehörte damals zum Pflichtwissen der gebildeten Fahrenden. Es war „eine Zeit, in der die Bibel der Quell alles Wissens, in der selbst die Volksweisheit durchtränkt war vom didaktischen Spruchgehalt der Bibel" (Noethe, Neinmar von Zweier, S. 193). Ferner: Erfahrungen und Gedanken alltäglicher Art. wie etwa, dah der Tod uns allen droht und der Körper später verwest, dah Gott Tag und Nacht wechseln läht usw., sollten, besonders wenn eine charakteristische Formung nicht , vorliegt, vor der Neminiszenzenjagd geschützt sein. Ferner: Selbst wenn Sühkind ein reiches rabbinisches Wissen gehabt haben sollte.— man kann mit mehr Recht das Gegen-' teil annehmen —, so hatte er doch keinen Anlah, es gerade vor der ritterlichen Gesellschaft auszubreiten. Es ist denn auch nicht gelungen, nur eine einzige Stelle nachzuweisen, von der man annehmen mühte, dah sie aus dem Gebetbuch öder der rabbinifchen Literatur stamme. Kann man nun den Juden in diesen zwölf Sprüchen überhaupt nicht erkennen? Auch wenn man von jenem bereits angeführten Abschiedsgedicht absieht, das Roethe aus Gründen, die nicht stichhaltig sind, Sühkind absprechen möchte, ist diese Frage zu bejahen. Ich ziehe'besonders drei Sprüche zum Beweise heran. Zunächst die einzige religiöse Strophe, ein Gebet: Xiinik herre, hoch gclopter got, waz du vermähl, du Hülltest mit dem tage unt vlnsterst mit de? mihi, da von diu werlt vil vröude unt ruowc hat. Kiinig, aller eren dir nodi nie gebrast, wie den tnk du zierest mit der stinnen glast, und oudi die naht dins manen lieht wol stat. Du bernest liimel mit den stern, din Schönheit iemer mak gewern, du hast zc geben gäbe vil, der niht zergnt. Der vierte Vers dieser Strophe: „König, dir hat es noch nie an allen Ehren gefehlt" (Dr. Berta Badt überträgt freier: „König, alle Ehre gebühret dir allein") steht etwas unvermittelt in diesem Preis der Allmacht Gottes. „König" ohne Attribute erscheint als Anrede kahl. Die Interpunktion, die Friedrich von der Hagen in seiner Ausgabe der „Minnesinger" hinzugefügt hat. halte ich fük unrichtig. Ich sehe das Komma nach eren. Das entspricht dem „König der Ehren" nach Psalm 24.7 ff. Der Sinn ist alsdann: König aller Ehren, dir hat's noch nie gefehlt, wie du (-- du hast noch stets) den Tag mit Sonnenglanz geziert hast. Dadurch werden auch Vers 4 und 5 rhythmisch gleichmähiger und ähnlich dem Vers 4 und 5 des im gleichen Ton gedichteten (im folgenden zitierten). Lobpreises der Frau. Man braucht auf Einzelheiten keinen besonderen Wert zu legen. Man kann darauf verzichten, an Aehnlichkeiten zu erinnern, z. B. beim zweiten Vers an das umaawir iaum des Gebetbuches oder an Jesaja 45.7, Amos 5,8 — für den Juden ist die ganze Art des Gebetes charakteristisch. Man vergleiche die religiösen Strophen bei den übrigen Fahrenden, biblische Reminiszenzen wird man auch dort finden, aber das besondere christliche Gepräge tritt in der Anrufung der Trinität oder in anderer Berücksichtigung des Dogmas bald zutage. Deshalb nennt denn auch Noethe in seinem knappen, aber vielsagenden Artikel*) in der Allgemeinen deutschen Biographie. Band 37, 334/36. dieses Gedicht „deistisch". Der Druckfehlerteufel. Feind alles Göttlichen, macht aus diesem Wort, das Richard M. Meyer in einem Artikel der A. Z. d. I. 1696 zitiert, „atheistisch". Dieser Artikel, das sei nebenbei bemerkt, in dem der geist- und wissensreiche Verfasser eine „Erbsage" im Orte Trimberg aufstöbern wollte, ist völlig ergebnislos. Mag, wenn ein Alter im Orte durch „Erbsage" von einem Juden Sühkind etwas gehört haben will. Beeinflussung durch Literatenfragen vorliegen oder nicht, unser Sühkind kann nicht gemeint sein. So gewaltig war seine Leistung nicht, dah sie eine solch lang dauernde Tradition hätte bewirken können. Selbst der literarhistorisch interessierte Landsmann Sühkinds. der Bamberger Schulmeister Hugo von Trimberg (um 1300) erwähnt ihn nicht unter der großen Zahl von Fahrenden, die er in seinem Lehrgedicht „Renner" aufführt. Der in gleichem Ton wie das Gebet gedichtete Spruch von der Frauenverehrung hat auch einen Klang religiöser Innigkeit. Irs mannes krön ist daz vil reine wip, ic mer in wol crct ir wol werder lip; er saelik man, dem diu guote si beschert! Der mak sunder zwivel mit ir siniu jar willeklidi vertriben, stille und offenbar er sich mit ir siinden unt schänden wert. *) Um mich nicht zu wiederholen, verweise ich auf meinen Artikel „Süßkind von Trimberg" in der Sondernummer der CV.- Zeitung vom 5. August 1927.