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Jüdische Schulzeitung · 1933-04-13 · 4 (13.4.1933) · page 2

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
9 (1933)
Issue
4 (13.4.1933)
Date
1933-04-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Jüdische Schulzeitung Nummer! der Torte erzogen worden ist. Das Auffinden des hebräischen Wurzelwortes, seine wichtigsten grammatischen Veränderungen müssen geläufig geworden sein. Der erste Wortschatz des Schülers ist in einem selbstangelegtem Wörterheft alphabetisch geordnet. Er ist an die Benutzung eines Wörterbuches gewöhnt worden. Der unvokalisierte Tert ist vom Anfangsunterricht her ein guter Bekannter, der sich immer wieder dort gemeldet hat. wo man seine Enträtselung von den Kindern erwarten durfte. — Leider hat die Ausbildung auf den Seminaren es unterlassen, den angehenden Lehrer mit der neuhebräischen Literatur der Gegenwart bekannt zu machen. Hier eröffnet sich für die Fortbildungskonferenzen ein neues», reiches Gebiet, dessen Erarbeitung Stolz und Freude auslösen wird. Die Darstellung der Eegenwartsperiode im jüdischen Geschichtsunterricht erhält eine Fülle von lebendigen Anregungen. Wer sich in das Bialiksche Hebräisch eingearbeitet hat, wird in seinen hebräischen Essays über das Wesen der Sprache belehrt. Er wird den Aufsatz Bialiks über halachah und agadah in feinen Hauptgedanken in den Mittelpunkt einer Aussprache stellen. Die gewaltigen Schöpfungen des Dichters: hamatmid, mete midbar, neben chazir Imam, beir-halmrcgali, megillat-lui-esch lassen ihn erschütternde Illustrationen zum Schicksal des Juden erleben. Es wird ihm deutlich werden, das; die Erweiterung seines hebräischen Wissens eine Vertiefung seines Bewußtseins als Jude zur Folge hat. das; die Lebenskraft der hebräischen Sprache zugleich die Widerstaudsfähigkeil und den Eristenzwillen des jüdischen Volkes offensichtlich beweist. Anmerkimg: Hebräische Schriften, von Vialik zusammengefaßt in: X i t w c b i a 1 i k umiwdiar targumnw Jubiläumsausgabe in vier Bänden. Berlin 1923. Verlag: Freunde der hebräischen Dichtung. Von Bialiks Werken sind ins Deutsche überseht: Ausgewählte Gedichte. Deutsche Uebertragung von Ernst Müller. 2. Auslage. Wien: N. Löwit, 1922. 182 Seiten, ein Titelbild. 4. 1. Auflage erschien Berlin: Jüdischer Verlag 1911. Gedichte. Aus dem Hebräischen übertragen von Louis Weinberg. 1. 2. Berlin: Weltoerlag, 1920/21. (= Die Weltbüchcr. 10. November 1922.) Nach den; Pogrom. Aus dem Hebräischen von Abraham Schwadron. Wien: N. Löwit. 1919. 30 Seiten, 8. Essays. Autorisierte Uebcrsetzung von Viktor Kellner. Berlin: Jüdischer Verlag. 1925. Darin für Jugend, Seite 82 bis 107: Halacha und Agada, übertragen von Gerhard Schale m. Sützkrnd von Trimberg Von Dr. M. Spanier. Berlin. lieber Sikßkind von Trimberg ist noch in letzter Zeit so viel Mißverständliches und Irreführendes geäußert worden. - daß es sich lohnt, einmal deutlich zu sagen, was. wir eigentlich ' von diesem „Minnesänger" oder gar „Troubadour" (Jüdisches Lerikon) wirklich wissen. Man muß das Wort Minnesänger schon in einem sehr weiten Sinne gebrauchen, um es überhaupt auf Süßkind anzuwenden. Die-eigentliche Liebespoesie. wie sie in den höfischen Minneliedern sich äußerte, war ausschließliches Besitztum und Vorrecht des ritterlichen Standes (siehe Konrad Burdach. Neinmar der Alte und Walther von der Vogelweide. 2. Auflage. S. 417). Die Hebung dieser adligen Kunst darf man vom Juden Süßkind nicht erwarten. Wir kennen von ihn; nur zwölf Strophen, zwölf Sprüche zumeist lehrhaften Inhalts. Dieser Spruchdichter Süßkind war ein Fahrender. Er trug seine Sprüche in ihrer Melodie. an den verstreut liegenden' Herrenhöfen vor. Ob er weit in deutschen Landen herumgekommen ist. wissen wir nicht. In der Nähe von Trimberg. im Würzburgischen, waren. Herrschaften, die den Sängern günstig waren. Sie zierte Milde, d. h. Freigebigkeit. Denn natürlich waren die Fahrenden aus die Gaben der begüterten Hörer zu ihrem Lebensunterhalt . angewiesen. Auch bei den Fahrten moderner Dichter, die ans ihren Werken vortragen, ist die Honorarfrage meist nicht nebensächlich. Wahrscheinlich lebte Süßkind, wie man aus Sprachformen und Stil seiner Sprüche schließen kann, in der zweiten Hülste des dreizehnten Jahrhunderts. Vielleicht stand er als Jude damals nicht allein unter den Fahrenden. Wir wissen allerdings nur von diesem einen, und auch diesen würden wir nicht kennen, wenn nicht 'zufällig die Verse in .der sogenannten Manessischen Liedersammlung (in Heidelberg) von einer späteren Hand eingeschrieben wären. Das hinzugefügte Bild ist natürlich nur der Phantasie des nicht zeitgenössischen Zeichners zu verdanken und hat keinen die Persönlichkeit Süßkinds wirklich charakterisierenden Wert. In der Zeit, da Süßkind, der Jude von Trimberg. — so die alte Ileberschrift — lebte, wirkte wohl noch der Toleranzgedanke nach, wie er auf der Höhe der ritterlich höfischen Kultur von den großen Meistern Walther und Wolfram vertreten wurde. Das war die Zeit, in der ein Künstler, der für das Südportal des Straßburger Münsters die Eegenbilder von Kirche und Synagoge darstellte, die Eestalt der Synagoge mit solcher Schönheit und Würde ausstattete. daß sie das Bild der Kirche vielleicht noch überstrahlte. Nur durch ihre Haltung und durch symbolisierende Attribute wird die Ecclesia als Siegerin.charakterisiert. Von dieser bewundernswerten Höhe einer edeln Polemik sinkt mit dein Bildungsniedergang auch die Form des Kampfes herab. Jin 14. Jahrhundert äußert sich bei einige» Fahrenden der Judenhaß schon in einer Art, die fast an den gegenwärtigen Tiefstand politischer Verhetzung erinnert. Plan braucht nicht auzunehmen. daß Süßkind seiner Zeit dem künstlerischen Berufe entsagte, weil inan von dem Juden nichts mehr wissen wollte. Wenn man es behauptet, denkt man an den folgenden Spruch: feil var uf der toren vart') mit miner kiinste z’waro, daz mir die Herren niht weint geben, duz ich ir hof wil vlielien, unt wil mir einen langen bart lan walisen griser lmre, ich wil in alter juden leben mich hinnan viirwert ziehen. Min mantel der sol wesen lank tief ander einem hnote, demiiteclich sol sin min gank, unt selten me gesingen hovelichen sank, sit mich die Herren scheide nt von ir guote. Moderne Erfahrungen regen dazu an, bei diesen Versen an eine innere Umkehr des „Assimilierten" zu denken, der durch bittere Erlebnisse gedrängt, sich dem Kreise derer wieder zuwendet. denen er nun doch eigentlich angehört. Aber wir brauchen eine solch zeitweilige Entfremdung nicht anzunehmen bei einem Manne, der mit keinem Wort verrät, daß er etwas anderes scheinen möchte, als er ist, und der, wie wir sehen werden, die ungerechte Beurteilung seiner Glaubensgenossen in höfischen Kreisen mannhaft zurückweist. Es gehörte zur Heischetechnik der Fahrenden, daß man bei ') Uebertragungcn der „Lieder des Süßkind von Trimberg" findet man im 9. Band der Jüdischen Bücherei, Verlag Gurlitr. Berlin, von Dr. B. Badt.

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