Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 2 (15.2.1933)
- Date
- 1933-02-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Mummet 2 Seite 7 IüdifcheSchulzeitung eingeschlichen haben, wie etwa die Meinung, es gäbe ein jüdisches Beichtwesen (Seite 31). Wir wollen wenn wir das Ganze überbauen. auch über eine abwertende Bemerkung hinwegsehen, die sich mit dem „Pazifisten und Zionisten Einstein" besagt, „dessen politische Extraturen viel böses Blut gemacht haben" (Seite 50). Derartige Urteile zeigen nur. wie schwer es selbst bei bestem Willen ist, gerecht zu bleiben, sie sollen uns aber nicht hindern, zu bekennen, dag der Autor im wesentlichen richtig gesehen hat. und dag es besser um Deutschland stünde, wenn es viele seinesgleichen gäbe. S. B r a u n - Köln. Verweyen, Pros. I. M.: Der Edelmensch und seine Werte. 3. Auslage. 313 S. 8". 1933. Verlag: Ernst Reinhardt in München. Broschiert 5 Leinen 0.80 Ml. Die Schrift des Bonner Philosophen, die soeben in völlig umgearbeiteter neuer Auslage erschienen ist, stellt eine Charakterologie dar. die ganz neue Wege beschreitet. Es ist Verweyen vorzüglich gelungen, den „Edelmenschen", der in geistig-sittlicher Beziehung zur Vollendung sich hindurchzuringen bemüht ist. uns in große Lebensnahe zu rücken, die Grundwerte, um deren Verwirklichung er sich bemüht, wie Wahrheitsdienst. Sachlichkeit, Ehrfurcht, Demut. Mut, Redlichkeit. Treue, Gerechtigkeit u. a. ins Licht zu stellen. Daher verdienen diese Darlegungen, deren innerer Zusammenhang immer ausgezeigt wird, aufmerksame Beachtung, zumal sie grundlegende und aktuelle Fragen mit philosophischer Tiefe und unter Bezugnahme aus Geschichte und Erfahrung erörtern. Immer wieder werden auch Probleme der modernen Erziehungswissenschaft wie der Psychoanalyse und der Heilpädagogik eingehend und originell behandelt. Schmerzlich berührt uns, dag ein so hellsichtiger und immer in die Tiefe dringender Denker wie Verweyen. von jenen Vorurteilen dem Judentum gegenüber sich nicht frei machen kann, in denen nichtjüdische Forscher so oft besangen sind. Nur zuweilen vermag Verweyen dem Judentum gerecht zu werden, besonders dem jüdischen Prophetismus. Bezirksrabb. Dr. E r n st S t e ck e l m a ch e r, Bad Dürkheim. Dr. M a x Kollenscher '.Aktive und passive Iudenpolitik. Rubin Matz. Berlin 1932, 32 Seiten. Die inhaltreiche Schrift ruft zur treuen Pflege des väterlichen Erbguts altjüdischen Kulturbesitzes auf. Er allein verbürgt die entschlußfreudkge Initiative unserer geistigen Führer und die traditionelle Gefolgstreue unserer jüdischen Massen, die durch den einheitlich entscheidenden Ideengehalt ihrer seelischen Einstellung und ihr gemeinsames kulturelles Schaffen im Dienst der Verwirklichung der Gottesherrschast bis zur Erneuerung der menschlichen Gemeinschaft miteinander verbunden sind. — Um die Substanz unserer jüdischen Gesamtheit auch inmitten der Anfechtungen und Nöte unserer ernsten Tage unversehrt zu erhalten, fordert der Verfasser Schutzgesetze zur Begründung der st a a t s r e ch t l i ch e n A u t o n o m i e u n f e r e r M i n d e r h e i t. Die dadurch herbeigeführte nationale Scheidung würde jedoch statt aller auf die Emanzipation folgenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Errungenschaften die durch sie abgebauten Schranken von neuem ausrichten und durch ihre Gesetzeskraft so stärken, daß sie den Haß und die Feindschaft der Gegner zur Folge haben mühten. Auch würden die vorwiegend wirtschaftlichen oder nationalitisch eingeschränkten Bestrebungen das Judentum der Vergänglichkeit ausliefern, der ihre zeitgebundene Beschränkung sie selber unterwirft. Nur eine tonstruktive Begriffsjurisprudenz vermag die praktische Durchführung der jüdischen Autonomie abzulehnen, ihren staatspolitischcn Sinn aber festzuhalten, auf dem Boden der praktischen Interessen ist solch subtile Unterscheidung nicht durchführbar. — Die hierfür vorausgesetzte Autarkie der jüdischen G e i st e s k u l t u r widerspricht den kosmisch umfassenden Lehren der altbiblischen Sozialethik, die den Gegensatz zwischen der idealen Unabhängigkeit der gottentstammten Seele und der tatsächlichen Abhängigkeit des Lebens von seinem technisch entseelten Betriebe ausgleicht, dadurch die Einheit von Geist und Welt und die wabre Freiheit in Gott verwirklicht. Sie srebr aber auch im Widerspruch zur Natur alles Geisteslebens überhaupt, dessen Wellengang in unaufhaltsamer Strömung über alle Grenzen von Raum und Zeit hinwegflutet. Allein die Kleinarbeit und Kleinkunst des Nebeneinander- und Zusammenwirkens im Wettstreben der verschiedenen Kultur- und Gesellschastsschichten kann die trennenden Schranken durch persönliche Ueberwölbung ganz allmählich etappenweise ausgleichen. Hierbei hat jeder einzelne sich dafür einzusetzen, daß seine persönlich sittlichen Bestrebungen immer mehr züm Gesamtziel der Gemeinschaft werden, bis daß die unvergängliche Ewigkeitsaufgabe Israels von Jesaja bis auf Karl Marx herab erfüllt sei. Dieses durch keine schutzgesetzlichen Maßnahmen gesicherte zielsichere Streben des einzelnen hat sich je nach der geistigen Formkraft seiner sittlich gerichteten Persönlichkeit im freien Spiel des geistig wirtschaftlichen Kampfes auch vv" der Gesamtheit nuszuweisen. die ihm aus dem nährenden Boden ihrer gemeinsamen Heimat seine besten Kräfte zuführt. Aber die in seinen Sumpfgebieten aufgespeicherten Giftstoffe der Klassen- und Nassenscheidung würden auch den jüdischen Geist zersetzen und gar bald dem Untergange zuführen. — So mahnen die vielseitig fesselnden Ausführungen der Schrift zur Selbstb e s i n n u n g und klar entscheidenden Selbstbestimmung. Daher ist sie zu besonnener Lektüre sehr zu empfehlen. D r. M a x Golde. Ueber Schreibdruckmessungen, von Dr. A l f r. S o e n n e ck e n. Verlag: Moritz Diesterweg, Frankfurt a. M. Die Schristkünstler sind sich über den notwendigen Grad der Elastizität der Schreibfedern noch nicht einig. S. hat experimentiert und das Ergebnis dieser Experimente, die er sowohl auf den Spreizwiderstand der Feder als auch auf Schreibdruckmefsungen ausdehnte, die er an Schulkindern vornahm, der Oeffentlichkeit seinerzeit vorgelegt. In dieser Schrift bringt S. nun die Entgegnung auf die Angriffe, die seine Thesen erfahren haben. O. G. „Die zeitgemäße Schrift." Heft 23. Oktober 1932. Verlag: Heintze & Blanckertz, Berlin/Leipzig. Zur Feier des 70. Geburtstages des Gründers der Zeitschrift, Nud. Blanckertz. ist das vorliegende Heft besonders reich ausgefallen. so durch Wiedergabe der verschiedensten prachtvollen Klückwunschadressen. Dr. Schubert würdigt die Arbeit der Schriftkünstlerin. Wilma Frank. Dr. Gollob die von Otto Hurm. Die Beispiele zeigen Arbeiten des letzteren in verschiedensten Schriftarten, denen die geschlossenen Formen der Illustrationen jeweils gut angepaßt erscheinen. Ettel behandelt eine Klassenaufgabe im Linolschneiden, Walter, Ulm spricht über den Wert des künstlerischen Silhouettenschnitts. In eigenen Beispielen zeigt er. wie die Auflockerung der schwarzen Masse durch weiße Stellen harmonisch durchgeführt werden muß. Weder die Biedermeierzeit. noch die erste Wiedererstehungszeit des Papierschnitts (Konewka) kannten diese Art der Schwarzweißkunst, und daher ist dieser moderne Scherenschnitt etwas Neues. O. G. Bei der Schriftleitung eingegangene Bücher: Aus dem Verlag „Der Neue Geist-Verlag", Leipzig: 1. F. I. I. Buytendijk: Erziehung zur Demut. Brosch. 2,30 Ml. ■ 2. Erich Iaensch, Pros, an der Universität Marburg: Pestalozzi. Der Gei st und das Erbe seinesWirkens i m L i ch t e d e r E e g e n w a r t s a u f g a b e n von K u l t u r, Philosophie und Psychologie. Brosch. 3,80 Ml. 3. E u st a v Wy n e k e n : Der Europäische Geist. 4. F. I. I. Buytendijk: Bildung der Jugend durch lebendiges Tun. 5. H a n s H a r t m a n n : Die junge Generation in Europa. 112 S. Kart. 2,80 Ml. . 0. Moritz Geiger: Zugänge zur Aesthetik. 158 S. Geh. 4,50 Ml. 7. Max Scheler: Die Idee des Friedens und der Pazifismus. (Aus dem Nachlaß herausgegeben.) 03 S. Geh. 2,00 Ml. 8. Alfred Peters: Psychologie des Sports. (Eine Konfrontierung mit Spiel und Kampf. Mit einem Geleitwort von Prof. Dr. Max Schelgr.) Brosch. 3,80 Ml. Dr.-Ing. Alfred Soennecken: Ueber Schreibdruckmeffungen. Frankfurt a. M. Verlag: Moritz Diesterweg. Moritz Scberbel: Haman. Ein Purimspiel. (Zum 10a. Geburlsrag des Dichrers neu erschienen.) Charlsrrenburg. Verlag: Scherbe! & Co. Preis 1 Ml. Gesundheitsfürsorge für die Familie. (Sonderausgabe der Fortschritte der Gesundheitsfürsorge.) Selbstverlag der Arbeitsgemeinschaft sozialhygienischer Reichsfachverbände. Berlin-Charlottenburg 5, Frankstraße 3. Im gleichen Verlag erschien: Familie und Fürsorge. Bibliographie.