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Jüdische Schulzeitung · 1933-02-15 · 2 (15.2.1933) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
9 (1933)
Issue
2 (15.2.1933)
Date
1933-02-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JüdischeSchulzeitung Nummer 2 N. A. Coudenhove-Kalergi: „Revolution durch Technik". Wien. Paneuropa-Derlag. Das Positive: ein schöpferischer Geist formuliert packend, tnapp und eindringlich seine Gedanken. Das Ziel: die Menschheitsnot M lindern, die Wirtschaftslage, die Wirtschaftsform bis an ihre Fehlerguellen zu verfolgen und zu verändern. Der Eedankengang des Buches auf die knappste Form gebracht: nicht die Bersklavung der Kolonialoölker, nicht der. Sozialismus, bringen die Erlösung des Menschen aus Frondienst und Zwangsarbeit, sondern die Armee der Technik mit dem Erfinder an der Spitze befreit die Welt. Die technische Revolution, der vollkommene Sieg über ungebändigte Raturkräfte schafft das zweite Paradies, in dem Jedem Mutze bleibt ein geistiges Leben zu führen. Der Denkfehler des Buches liegt in der Auffassung, datz Kapitalismus und Kommunismus sich wechselseitig befruchten könnten, und datz ein Konklomerat entstehe, das Eoudenhooe so formuliert: ..Planwirtschaftliche Grundsätze des Staatskapitalismus werden sich verbinden mit der Freiheit privatwirtschaftlicher Initiative." Hierin liegt m. E. eine Verkennung der politischen Weltsituation. Kapitalismus und Kommunismus sind unversöhnliche ewige Gegensätze. Der Klassenkampf lätzt sich nicht aus der Welt diskutieren. Wir erleben ihn täglich in «llen Ländern der Welt. und mit der Technisierung der Welt ist er nicht verschwunden. sondern er tritt in ein neues Stadium. Die Frage lautet nicht: Revolution durch Technik oder nicht, sondern: Weltrevolution zur Schaffung menschenwürdigerer Zustände oder mittelalterliche Reaktion. (Vergl. hierzu: Dr. Kurt Hilter „Der Sprung ins Helle", Seite 203.) Anselm Bing. Rabbiner D r. Raphael Breuer s. A.: „Das Schlagwort vom zersetzenden jüdischen Geist." Philoverlag. Berlin, und Her mann Klein: „Judenhaß", im gleichen Heft. 0.2;', %)l. Zwei sehr aufschlußreiche Aussätze! Der erste prüft die Fragen, was eigentlich der oielgelästerte „jüdische Geist" sei, und was es mit der „zersetzenden" Tendenz dieses Geistes auf sich habe. Jüdischer Geist sei,- so legt der Autor dar, Thorageist und es sei fast unmöglich, ihn dem Außenstehenden einsichtig zu machen. Daß seine Trägerin, die Judenheit, da ist, beweist, wie wenig er die Neigung zum Zersetzen in sich trägt. Wo es dennoch scheine, als ob der Jude zersetzend wirke, da sei es gerade die Frontstellung zum jüdischen Geist, die eine derartige Haltung Hervorrufe. wie Breuer überzeugend -am Beispiel Heinrich Heine nachweist. Im übrigen weist der Autor trefflich nach, wie wenig tief die Auffassung sei, die in dem Prozeß des „Zersetzens" nicht das vorwärtstreibende Element in der Entwicklung der Menschheit sehe. Rabbiner Dr. Klein unternimmt es mit vielem Erfolg, dem Phänomen „Judenhaß" eine neue Seite abzugewinnen. Er erinnert an die Bestrebungen der Völkischen, dem Christentum den Garaus zu machen und an seine Stelle ein modernes Germanentum zu setzen. Er erblickt darin die Wiederaufnahme eines uralten Kampfes der Menschen gegen Gott, der entthront werden soll zugunsten vergöttlichter Menschen. Inmitten . dieses grandiosen Kampfes steht Israel, dem sich am Sinai die Gottheit offenbart hat, das sich gegen die Vermenschlichung Gottes sträubt und das deshalb Objekt des Hasses werden mußte. Die tiefen Gedankengänge Kleins sollten nicht ausschließlich als Waffen im Abwehrkamps gewertet werden, sie verdienen Beachtung auch innerhalb der innerjüdischen Auseinandersetzungen. S. B r a u n - Köln. Purimspiel „Haman" von Moritz Scherbe!. Neuauflage zum 100. Geburtstag des Dichters. Gerade rechtzeitig vor dem diesjährigen Purimfest erscheint eine Neuausgabe des beliebten Purimspiels in drei Akten „H a m a n" - des Dichters Moritz Scherbel. Der aus dem Lehrerberuf hervorgegangene Prediger Moritz Scherbel. dessen 100. Geburtstag vor wenigen Atonalen in allen jüdischen Zeitungen gefeiert wurde, ist in unseren Kreisen durch seine zahlreichen pädagogischen Beiträge bekannt, die um die Jahrhundertwende häufig in den „Blättern für Erziehung und Unterricht" veröffentlicht wurden. Moritz Scherbel ist aber «lief, sonst ein Dichter der jüdischen Jugend gewesen. Seine entzückenden Kindergedichte, die unter dem Sammeltitel „Wünsche" erschienen, wurden im jüdischen Hause und in der Schule bei den verschiedensten festlichen Gelegenheiten gern aufgesagt. Als Begründer der „Israelitischen Iugendbibliothek" schrieb Moritz Scherbel zahlreiche Novellen für die jüdische Jugend. Sie wurden zum großen Teil in den Gründungs- Jahrgängen des „Israelitischen Familienblattes" veröffentlicht. Die Neuausgabe des Purimspiels „Haman" ist im Verlage seines Enkels (Scherbel-Verlag, Berlin-Eharlottenburg 4) erschienen. hübsch ausgestattet und kostet nur iRM 1.—. Zum 100. Geburtstag des Dichters ist das Purimspiel zur Aufführung frei gegeben worden: es wird sicherlich gerade im Iubiläumsjahr in vielen Schulen und Vereinen aufgeführt werden. Dr. Sch. Die Schrift. Zu verdeutschen unternommen von Martin B u b e r gemeinsam mit Franz R o s e n z w e i g. Band XII. Das Buch Jecheskel. Verdeutscht von Martin Buber. Berlin. Schocken Verlag. Das Standard-Werk schreitet rüstig weiter: unter den vielen hundert Bibel-Uebersetzungen. die im Zeitraum von mehr als zweitausend Jahren entstanden sind, ist die Bubersche wohl diejenige, die der Sprache, dem Rhythmus und vor allem dem Geiste des Originals am nächsten kommt. Wir geben nachfolgend eine Probe aus dem berühmten Kapitel 37 des Buches Jecheskel wieder: Ich kündete wie mir wargeboten. Als ich gekündet hatte, geschah ein Rauschen. und da. ein Schlittern. und die Beine rückten zusammen. Bein zu seinem Bein. Ich sah. da waren über ihnen Sehnen. Fleisch überzog sie. Haut überspannte sie obendrauf, doch kein Geistbraus war in ihnen. Und er sprach zu mir: Künde auf den Geistbraus zu. künde Menschensohn, sprich zum Geistbraus: So spricht mein Herr, ER: Von den vier Brausewinden. Geistbraus, komm, wehe diese Erwürgten an, daß sie leben! , Ich kündete, wie er mir geboten hatte. Der Geistbraus kam in sie ein und sie lebten. Sie standen auf ihren Füßen, ein sehr großes Heer. Und er sprach zu mir: Menschensohn, diese Gebeine, die sind alles Haus Iissrael. Da sprachen sie: Verdorrt sind unsere Gebeine, geschwunden unsere Hoffnung, losgeschnitten sind wir! Darum künde, sprich zu ihnen: So spricht mein Herr, ER: Da, ich öffne euere Gräber, ich ziehe euch aus euren Gräbern. mein Volk, und lasse euch kommen zu dem Boden Iissraels. Dann werdet ihr erkennen. daß ICH es bin. — -- M. St. D r. *h. o. Friedrich von Oppeln-Bronikowsti: „Gerechtigkeit. Zur Losung der Judenfrage." Nationaler Verlag Joseph Garibaldi Huch, Berlin. In diesem Büchlein versucht in vornehm sachlicher Art ein deutscher Edelmann des nach seiner Meinung brennendsten innerdeutschen Problems, der Judenfrage, Herr zu werden. Mit dem Rüstzeug des Historikers wohlausgestattet, betrachtet der Autor die mannigfachen Bezüge, die dem umfangreichen Fragenkomplex zu eigen sind. Dabei bemüht er sich, »ine iru <>t studio den 'Dingen bis auf den Grund zu sehen, Licht und Schatten gerecht zu verteilen und so den Weg aufzuweisen, der aus der unglückseligen Verwirrung unserer Tage herausführt. Es mindert den Wert der Untersuchung nicht, wenn sich hin und wieder Jrrliimer

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