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Jüdische Schulzeitung · 1933-02-15 · 2 (15.2.1933) · page 4

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
9 (1933)
Issue
2 (15.2.1933)
Date
1933-02-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Jüdische Schulzeitung Stummer ■* voll nimmt, über die Kläglichkeit des Augenblicks hinweg die Möglichkeiten seiner Zukunft sieht. (Das ist das Allerwichtigste!) Ein persönlicher Vertrauensbeweis mutz auf dem Fuß folgen, ' ein besonderer Auftrag, ihn seine Verstandes- oder sozialen Kräfte erfahren lassen, unter Umständen kann sogar ein Klassenamt, aber zunächst ein ganz harmloses, gut tun. Der Lehrer wird sehr bald, wenn der Junge nicht geradezu neurotisch ist, dessen leidenschaftliche Liebe und Dankbarkeit gewinnen und damit in der Regel die Zuneigung der ganzen Klasse. Der Junge gewinnt natürlich viel mehr. Er hat einen Menschen gefunden, sein Jch-Jdeal, dem er unbedingt folgt und im Allgemeinen auch folgen darf. Er lernt die Süßigkeit des Erfolges ohne die störende Beigabe des Schuldbewutztfeins kennen: das größte Glück eines Mannes. Sein Gemüt wird erweicht, feine Bitterkeit gelöst. Die Eltern werden die Wandlung bald bemerken, der Vater wird anfangen, ihn gelten zu lassen, weil seine Erfolge zugleich — gewisiermaßen — Erfolge des Vaters sind. Der Sohn ist ja der pater rockivivn-,, der Vater in einer neuen Auflage, und die durch ihn befriedigte väterliche Eitelkeit verzeiht viel. Es kann schließlich nicht ausbleiben, daß die Eltern eine Aussprache mit dem Lehrer, der solches „Wunder" gewirkt hat, herbeifllhren oder eine Gelegenheit dazu ergreifen, und nun wird es in den allermeisten Fällen — die Gemüter sind -auf beiden Seiten vorbereitet, das Vertrauen auf den Lehrer stark — gelingen, die häusliche Situation erheblich zu entspannen und die wichtigsten Erziehungsfehler abzuftellen. Alan darf in den Unterhaltungen ganz ruhig auf gewisse psychoanalytische Grundbegriffe und Erfahrungen eingehen. Die Eltern zeigen meistens erfreuliches Verständnis für sie und sind eher geneigt, bei etwaigen neuen Konflikten sich schnellstens an den Lehrer zu wenden. Der aber hat seine Arbeit an einem scheinbar mißratenen Kind durch Herstellung einheitlich gesunder Lebens- und Erziehungsbedingungen gekrönt. Je begabter solche Jungeck sind, desto wichtiger sind aber solche Erfolge an ihnen; denn aus den Begabten solchen Schlages werden oft Führer und Verführer, Freiheitskämpfer und Usurpatoren, Gerechtigkeitsfanatiker und Verbrecher. Der Lehrer kann Wegbereiter und Wegweiser am Scheidewege des einzelnen fein, kann mittelbar ein , unbekannter und ungenannter Wohltäter der Menschheit werden. In aller Kürze soll noch auf eine Sonderart des ungezogenen Kindes, auf den Zerstörer und Zerbrecher, hingewiesen werden. Wichtig ist, daran zu denken, daß zurückgewiesenes Liebesbedürfnis die Lebens-, d. s. die auf Leistung drängenden, Triebe schwächt, die destruktiven, d. s. die auf Vernichtung zielenden, stärkt. Man soll auch nicht glauben, daß Zerstörung gar häufig auf Neu- oder Wißbegier beruht. Es ist in den meisten Fällen dumpfe Wut, Rachebedürfnis, toten und lebendigen Dingen gegenüber, aber unbewußt. Auch hier muß Güte und Gelegenheit zu positiver erfolgreicher Arbeit, z. V. Basteln, Bauen und Zeichnen, neben steter persönlicher Fühlung mit dem Kinde, - schließlich wieder Beeinflussung der häuslichen Verhältnisse ähnlich wie im vorigen Fall helfen. In einem Fall von arger Zer- , störungssucht hat der betr. Knabe seinen in starker beruflicher Abhängigkeit lebenden Vater gehaßt, weil er ihm die Schuld zumaß, daß er, der Knabe, von seinen Alters- und Schulkameraden für voll genommen wurde. Diesen offen zugegebenen Haß hat er an wehrlosen (!) Dingen betätigt'. Offene Aussprache, achtungsvolle Behandlung, Aenderung des Milieus, später sportliche Erfolge und entsprechende Beliebtheit, machten ihn völlig gesund. Ueberhaupt ist eine Erziehungsarbeit, die ohne Kenntnis oder Berücksichtigung der häuslichen Verhältnisse vorgenommen wird, nur von sehr bedingtem Wert. (Das ist die Schwäche der Grotzstadtschule!) (Schluß folgt.) Aus dem Bericht über die Vorstands- und A u s s ch u ß s i tz u n g bes Neichsverbandes der j ü d. Lehrervereine (am 3. Januar 1033 zu Berlin). Ueber die Höxter-Stiftung und die Pädagogische Kommission. (Der Bericht über die übrigen Verhandlungen wird in Nr. 125 der Blätter für Erziehung und Unterricht wiedergegebeu.) a) D i e Höxter-Stiftung. Abraham berichtet über den finanziellen Stand, lleber die ideelle Seite spricht (an Stelle des durch Krankheit am Erscheinen verhinderten Dr. Gutmann) Dr. Höxter: Er hoffe, daß mit dieser Stiftung etwa;? Bleibendes und Wertvolles für den Verband geschaffen sei. Sie; soll dazu beitragen, den jüdischen Religionsunterricht auf die! Höhe der Zeit zu bringen. Die beiden Körperschaften der Stiftung haben vollständig getrennte Funktionen; die Vermögensverwaltung hat mit der Beurteilung der wissenjchaftlichen Arbeiten nichts zu tun. Die Prüfung und Beurteilung derselben hat nur durch die wissenschaftliche Kommission zu erfolgen. Durch die Stiftung werden hoffentlich weitere wertvolle Arbeiten für die Schulzeitung gewonnen werden. Bei den Sonderhonoraren für diese darf nicht auf soziale Momente geachtet werden. Dr. Bam beiger: Aus Dr. Höxters Worten spricht' vorbildlicher Idealismus. Die Stiftung möge sich als ein neues Mittel für den Zusammenhalt der Verbandsvereine erweisen. D r. S t e r n hätte es gern gesehen, wenn die Satzungen freier gestaltet wären, damit Möglichkeiten, die sich ergeben können, osfengchalten werden. Dr. Höxter erwidert, er habe sich den Entwurf der Satzungen sorgsam überlegt und sei für die pädagogisch-wissenschaftliche Kommission aus eigenen unerfreulichen Erfahrungen und Beobachtungen heraus eingetreten.. Der ausgesprochen jüdisch-pädagogische Zweck der Stiftung soll nicht mit finanziellen Ausgaben des Verbandes verquickt werden. Gebessert soll durch sie der Unterricht werden, da auf diesem Gebiete noch lange nicht genug geleistet werde. Abraham schließt sich ganz diesen Ausführungen an. Dem Redakteur, wer immer es auch sei, dürfe nicht das Recht eingeräumt werden, selbständig und allein über die Zuteilung der für Sonderhonorare vorhandenen Mittel zu verfügen. Zur Verhütung der vorzeitigen Verausgabung und des Umstandes, dag spätere leer ausgehen, sollte die Verteilung von Sonderhonoraren nach Art bekannter literarischer Stiftungen erst am Ende des Jahres erfolgen, wo man alle Leistungen überblicken und die besten herausfinden könne. Feiner ist dafür, die ja nicht hohen Zinsbeträge evtl, ein paar Jahre aufzusparen, um dann einem größeren Werke zum Drucke zu verhelfen. Dr. Varnberger betont, die Aussprache abschließend, dag sie manche Anregung für die pädagogisch-wissenschaftliche Kommission geboten habe, und daß die Stiftungsgelder in erster Reihe für solche Arbeiten verwendet werden müssen, die der Förderung des Unterrichtes dienen. b) D i e p ä d a g 0 g i s ch e K 0 m m i s s i 0 n. Hierüber berichtet Stoll-Würzburg. Die Kommission hat die in München an ihre Begründung geknüpften Hoffnungen nicht erfüllen können; denn gearbeitet könne in Wirklichkeit nur in kleinen pädagogischen Sektionen werden. Das sei auch hier und da geschehen. Er selbst habe die Lehrplanfrage in Angriff genommen. Der Lehreroerein in Bayern hat einen Lehrplan angenommen, der die Zustimmung der dortigen Lehrerschaft gefunden hat. Aber zu entscheiden haben die Rabbiner; die Verhandlungen mit ihnen waren jedoch sehr deprimierend. Auch von anderer Seite sind

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