Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 12 (15.12.1932)
- Date
- 1932-12-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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u u > ru) t sojutäct 1 u r. s -,-7 soweit es das Zivilrechtliche angeht." Daneben aber, neben dieser jüdischen Souveränität — ad) es ist nur ein kümmerlicher Rest — ein abruptes, unmotiviertes Hineinspringen ins Europäertum, ein Aufgeben des Jüdisch-Eigentümlichen, ein Synkretismus, der. empören müßte/käme er nicht auf so komisch-unbewußte Art zustande. In Tripolis regiert Mussolini, d. % bei den Juden immer noch Rabbi Meir bal Haneß, obwohl auch Mohammed, der Prophet des Islam, nicht ganz ohne Einfluß ist, aber ohne das bei allen fremden Beimischungen selbstverständliche Judentum dort zu Lande erschüttern zu können oder zu wollen. Denn diese Wüstenjuden sind noch imstande. Fremdes an sich zu assimilieren, in sich aufzunehmen und jüdisch zu verarbeiten, sie sind noch ein volklich und kulturell jüdischer Organismus, nicht eine — Organisation. Organismus sind auch die Saharajuden und lebensvoll die Jemeniten, über deren Beschreibung man kaum referieren kann, ohne selbst ein Buchkapitel zu schreiben, denn olles jüdische Leben ist dort so einfach und so randvoll zugleich. Der zweite Teil der Beschreibungen ist den Noch juden gewidmet, den Donmehs, den Karäern. den Marranen. Bei diesen Nandtypen des Judentums, die selbst theorieerfüllt sind, gehts ohne Theorien nicht ab, aber Carlebach weiß dennoch zu fesseln, selbst die Aufreihung an sich bekannter Tatsachen vollzieht er so geschickt, daß sich immer abgerundete Geschichtsbilder ergeben. Die Dichte des Buches macht es direkt gefahrvoll in Details herumzustöbern. Aber sich mit der berühmten Gesamtempsehlung aus der Affäre zu ziehen, wäre hier ein Mißbrauch der Rezensentenpflicht. Denn nicht umsonst wird hier, in einer pädagogischen Zeitschrift einer Reisebeschreibung so viel Raum gewidmet. Krieg und Nachkriegszeit Haben das Judentum in Bewegung gebracht. Die Lebensgehalte und Jdeengänge haben sich gewandelt, sind erschüttert, im Umbau begriffen. Aus ist es mit den ewig gleichen Definitionen vom Wesen und Sollen des Judentums, denn das Leben selbst hat sich verändert. Aber noch immer arbeitet die Schule, die doch für das Leben vorbereiten soll, die sogar mit eine der lebensformenden Kräfte selbst sein soll, von der Theorie her und will oftmals diktieren, was Judentum ewig>zu fein habe. Noch immer treiben wir nur Religionsunterricht statt Jüdischunterricht. Dieser Frage sei einmal eine besondere Untersuchung gewidmet, sie kann hier nur angedeutet werden.. Aber — und deswegen widmen wir dem Buche einen Aufsatz — hier schenkt uns ein lebendiger, blutvoller, souveräner Jude ein Buch fürdenkommendenJüdischunterricht, wie wir ihn ersehnen: unvoreingenommen, dennoch kritisch, aber unbelastet von Schreibtischtheorien. Vergleichen wir einmal dieses Buch — und Vergleiche sind immer beste Erkenntnisquellen — mit dem bekannten Werke „Von Ghetto zu Ghetto". Dort der Untertitel: „Reisen und Beobachtungen"; hier: „Berichte und Studien". Die Unterschiede sind mehr als nur die des literarischen Stilwandels von damals zu.heute.' Dort betrachtet ein Europäer den jüdischen Orient, wie man ein Museum betrachtet — wenn auch nicht ohne inneren Anteil — hier läßt ein Jude seine jüdischen Brüder — anderer Sitten, aber gleichen Blutes — zu uns sprechen. Dort gibt es sozusagen Sehenswürdigkeiten, hier gibt es Leben. Dabei ist jenes Werk des berühmten und hochachtbaren E. N. Adler, keinesfalls schlecht. Aber nicht nur. daß es nur „photographiert", es siebt eben im jüdischen Orientalen den „Eingeborenen". Carlebach aber fühlt das Bruderblut und bandelt aus selbstverständliches 'ttiüikL 1.Keinesfalls aus Raffest mmel.) Genug5c?::;rran;; Lnnr: ssr.;? Aber lucie*. Buch, mag es auch nu: wre eine Sleueveimrelvung ausgemacht sein, ist ein Lichtblick, eine Oase in . der Wüste der Judenbücher. Der Jude ist dort weder gur noch schlecht, weder Prophet noch Schurke, sondern einfach Jude, mit dom Recht auf eigne Artung. Wem es übel geworden ist von den Theorien wurzelloser jüdischer Intellektuellen, wer heraus will aus kleinlichem Parteigezänk. wer genug hat von den Rezepten, nach denen Judentum so und nicht anders zu sein hat, der greife nach . diesem Buche. Alle graue Theorie wird von ihm abgleiten, denn er wird einmal sehen, wie jüdisches Leben, jüdisches Gruppenleben wirklich ist. Er wird dann sehen — ohne Orientromantik — wie rückständig, wie verzerrt wir Europajuden doch sind. Vielleicht kann er mithelfen, dies Zerrbild zu korrigieren. Und muß die Schule nicht an dieser Arbeit führend mithelfen? Literarisches Unser Recht auf Arbeit. Zur gegebenen Zeit erläßt die „Vereinigte Zentrale für jüdische Arbeitsnachweise in Deutschland" (Berlin-Charlottenburg. Kantstraße 12») diesen Notschrei und Appell. Zwar könnte die Oeffentlichkeit fragen, welches besondere Recht auf Arbeit angesichts einer allgemeinen Arbeitslosigkeit von katastrophalem Ausmaß denn gerade die Juden geltend zu machen haben. Wer die vorliegende, nur 15 Seiten umfassenda,Schrift gelesen hat, hat eine erschütternde Aufklärung über Grund und Berechtigung des Aufrufs, der zugleich eine Anklage ist, erhalten. Zwar die absoluten Zahlen.können den Vergleich mit den gigantischen Ziffern der allgemeinen Arbeitslosen-Statistik nicht aushalten. Aber was hier über den Boykott der Juden in allen Berufen,- vom Handel über das Handwerk und die freien Berufe bis zur Literatur und zum Theater mitgeteilt wird, über die Methoden der Verdrängung der Inden von allen Möglichkeiten des Broterwerbs, ist schlimmer als eine hohe Arbeitslosenziffer. Ein Trost in diesem Jammer ist es. daß die berufenen Stellen die Hand nicht in den Schoß legen und gelegt haben. Alle erdenkbaren Möglichkeiten der Gegenwehr sind ergriffen worden, und es handelt sich jetzt noch darum, die Hilfsmaßnahmen zum Höchstmaß der praktischen Wirksamkeit zu entwickeln. Mögen darum alle, die dazu berufen und benötigt sind, den Ruf hören und beachten. Am ihre, um unsere Sache geht es! St. Wüste und gelobtes Land. Geschichte Israels von den Anfängen bis zum Tode Salomos, von Elias Auerbach. Mit 1» Bildtafeln und 8 Abbildungen im Text. Kurt Wolfs Verlag AG.. Berlin 1932. Preis 14 Mt, gebunden 16 Ml, in Halbleder 18 ML Eine neue Geschichte der Anfänge des Volkes Israel erfordert jedenfalls eine Rechtfertigung. Es ist beinah ein Wagnis, nach Kittel und Eduard Meyer an ein solches Werk heranzugehen. Aber Auerbach hat zwei besondere Vorzüge: außer seinen ausgezeichneten Kenntnissen im Hebräischen besitzt er eine Kenntnis des Landes wie kaum ein anderer. Er hat sich seit Jahren mit Untersuchungen über die geschichtlichen Vorgänge in der biblischen Zeit beschäftigt und beherrscht das archäologische Material bis in jede Einzelheit. Dazu kommt noch, daß er mit warmem Herzen die religiösen Vorgänge erfühlt, ohne daß er von theologischen Vorurteilen beschwert ist. So steht er über der Sache und den Sachen, läßt sich nicht beirren durch vorgefaßte Meinungen einer bestimmten Schule und sieht in der Bibel vor allem das jüdische Buch. Aus etwa dreihundert Seiten Lexikonformat behandelt er die Anfänge des Volkes Israel vom Auszug aus Aegypten, über das Eindringen in das gelobte Land bis zur Einigung des Volkes unter den drei ersten Königen. In einfacher Sprache, die sich oft zu poetischem Schwünge hebt, lägt er die Geschichte vor uns sich abrollen. Aber er gibt nicht nur eine Folge von Ereignissen, sondern führt sie bis zur Entstehung zurück und bis zu ihrer endlichen Auswirkung. Dabei ist die Darstellung, trotz der Fülle der neu vorgetragenen Meinungen so klar und einleuchtend, daß man die Schlußfolgerungen als selbstverständliche Ergebnisse anneümen muß. 'Laerbach 'te-'.r auf dem Baoen wiffenichaiilicher Erkenntnisse, d. r. d-a SS-a i\. rjr iri an •Ikri. a.arrch.::. ::: Auer r. xr.rti: Scrmuprungcr. de: ..Bu»LÜkr::::er" :r. Sarnr.lea ~,i:rhc versucht die didlische Tradition mit dem divlischen Wort in Ein-