Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 12 (15.12.1932)
- Date
- 1932-12-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 12 i Jüdische Schulzektung Seite 7 klang zu bringen, so daß er nirgends gewaltsame Eingriffe in die ihm heilige Schrift vorzunehmen braucht. Was er über Mose sagt, wie er die Berichte über den Aufenthalt der Israeliten in Kodes verwertet, wie er das Eindringen des Volkes in das Land in drei Teilen darstellt, zeugt von tiefer Sachkenntnis und von. bewußte,n Abwägen der Quellen. Die große Quellenschrift, die zur Zeit Davids entstanden ist, und die die besten Traditionen ' aus dem Haufe Moses benutzt, geht nach Auerbach auf Ebjatar, den Priester Davids, zurück.' Die Persönlichkeiten Sauls, Davids und Salomos werden mit objektiver Gründlichkeit dargestellt und von einer liebevollen Kritik umgeben. Dabei soll nicht vergessen werden, daraus hinzuweisen, daß auch die Richtergeschichte in Auerbach einen neuartigen Darsteller gefunden hat. Nicht jede Einzelheit in der Meinung des Verfassers wird allgemeine Zustimmung finden, aber sehr vieles wird grundlegend werden für die Betrachtung der biblischen Geschichte. Ein reiches Vilderinaterial ist für das Buch zusammengetragen und wird besonders dem Lehrer ausgezeichnete Dienste leisten, wobei auf die Faustskizzen zu einzelnen Schlachten besonders hingewiesen werden soll. Die äußere Ausstattung des Buches ist ganz hervorragend, man könnte vielleicht mit Rücksicht auf den Preis des'Buches sagen, daß sie beinah zu schön ist. Auerbachs Buch „Wüste und gelobtes Land" soll der erste Band sein von einer großen Geschichte der Juden. Im Herbst nächsten Jahres soll der zweite Band erscheinen, der bis zum Ausgang der biblischen Zeit führen soll. Wünschen wir dem Verlag und dem Verfasser, daß sie ihr Versprechen halten können, dann können wir alle, die an einer neuen Geschichte der Juden interessiert sind, uns beglückwünschen. Robert Hirschfeld, Berlin. L. Wiesner, Ansprachen an die Jugend beim fabbathlichen Gottesdienst. Gehalten in den Hauptsynagogen in Wien. Im Selbstverläge des Verfassers. Wien II. Remorandtstraße 22. Die Herausgabe von Predigten ist im allgemeinen ein ziemlich unfruchtbares Beginnen. Wenn es sich nicht gerade um von Gott begnadete Redner, etwa vom Schlage des verewigten Jellinek handelt, kann man ruhig, sagen; daß jede gedruckte Predigt wirkungslos bleibt. Bei der Predigt wirkt nur das gesprochene Wort, das die seelische Beziehung zwischen Redner und Hörer herstellt. Insofern stehe ich jeder Predigtsammlung sleptisch gegenüber. Sie zeugt zumeist nur davon, daß der Redner selbst mit sich zufrieden war und der Ueberzeugung ' ist, daß es schade wäre, wenn seine Eeistesprodukte der Nachwelt verloren gingen. Doch eine gute Wirkung zeigen Predigtensammlungen zuweilen: sie geben anderen Predigern Anregung. Diesem Zweck soll wohl auch hauptsächlich vorliegendes Heftchen dienen. Es ist eine bekannte Tatsache, daß „Jugendpredigten" ein .besonders . schwieriges Kapitel bilden. Eine gute Jugendpredigt zu halten setzt eine besondere Begabung voraus. Und darum dürfte das - Büchlein manchem Redner, der häufig Jugendpredigten halten muß, eine willkommene Gabe sein, aus der er recht viele Anregungen schöpfen kann. Zweifellos besitzt nämlich der Herausgeber dieses Büchleins die Eignung zum Jugendprediger in hohem Maße. Auch ist die Verbreitung des Büchleins bei derjenigen jüdischen Jugend, die außer an den hohen Feiertagen nur selten oder überhaupt niemals einem Gottesdienst beiwohnt, recht erwünscht; es wird dieser Jugend viel Anregung zu religiösem Denken bieten „ M. Steinhardt. Kastein. Josef: Uriel da Costa oder Die Tragödie der Gesinnung. Berlin: Rowohlt. IÜ32. 337 S. ". Preis 8,30 E. „In dem großen erregenden Kampfe, in dem die geistigen Kräfte der einbrcchenden Neuzeit um die Gestaltung des Weltbildes ringen, in dieser Kontroverse, die wir unzulänglich durch die Begriffe Reformation und Gegenreformation abgrenzen, spielt sich ein Sonderschicksal ab, ein unauffälliges, an den Rand gedrängtes, kaum über den eigenen Kreis hinaus beachtetes: das Schicksal des Uriel da Costa. Wenn wir aber dieses Einzelschicksal seiner privaten Sphäre entheben und die Quellen aufsuchen, wo sie aus dem Gestein des Lebens hervorbrechen, offenbart sich unvermutet eine beklemmende Allgemeingültigkeit. In ihr liegt eine bis an die Gegenwart reichende Schicksalsfrage des jüdischen Volkes beschlossen. Ist cs gleich ein Sondcrschicksal. so ist es dennoch ein allgemeines, denn es gibt lein Schicksal, zu dem nicht jedes Volk und jede Gemeinschaft berufen wären. Alle Lebewesen sind dem aus geliefert, dem Menschen ist das Dasein an vertraut. Er hat die Wahl, es anzunehmen oder zu verwerfen. Es annehmen heißt: formend aus den Erkenntnissen des Geistes und den Bedürfnissen des Herzens in das Dasein yineinzuwirken. Es verwerfen heißt: sich zum Nutznießer der Lebensäußerungen machen. Jener lebt aus der Gesinnung, dieser aus dem Interesse. Zwischen beiden besteht Unvereinbarkeit. Opfer der Gesinnung waren die zahllosen Märtyrer des ' jüdischen Volkes. Die Welt um die Juden mochte tun und denken, was sie wollte, sie klammerten sich an die Tradition als das Endgültige und Unerschütterliche. Sie gaben nicht ein Iota davon her. Sie - verteidigten sie gegen jeden Verneiner und Zweifler, denn sie war das Gebälk ihrer Wohnung in der fremden Umwelt. Gegen jede andere Gesinnung stemmten sie das Interesse an der Erhaltung ihrer Lebenssicherungen. Sie sündigten wider die Sünder, sie waren im Recht gegenüber dem, der im Recht war. Für jeden Widerstrebenden in solcher seelischen Zwangslage gab es nur zwei Möglichkeiten: die Flucht aus der Gemeinschaft oder das Zerbrechen in der tragischen Vereinzelung. Jenen Weg ging Baruch de Spinoza, diesen Weg wurde Uriel da Costa getrieben." Ich habe in großen Umrissen das Eingangskapitel fast wörtlich angeführt, weil in seinem Eedankengang der Gedankengang und Aufbau des ganzen Werkes restlos enthalten ist. Ein groß angelegtes, aufwühlendes, tiefschürfendes Werk, das da Costa in seine Zeit hineinstellt, seine Persönlichkeit zusammenzufiigen sucht wie ein Mosaitbild aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, damit er endlich „heimgeholt werde in den heimatlichen Bezirk." Aus der „Welt des Nichts" kommt Gabriel da Costa. Marannen waren seine Eltern, Christen vor der Welt, Juden im innersten Wesen. Er geht in die „Welt der Sicherungen", erhält seine Erziehung bei den Jesuiten, wird geistlicher Würdenträger. Dem Forscher und Grübler gerät seine Welt ins Bersten, er findet den Weg in die Bücher des Alten Bundes, in sein Judentum. Die „ideale Welt" tut sich ihm auf. Mit seinen Angehörigen kommt er in die „Welt der Heimkehrer" nach Hamburg. Hier haben Marannen die neue sephardische Gemeinde gegründet, mit starkem Fundamente, mit starkem Gebälk: mit fester Tradition. In diese „Welt der Einordnungen" soll sich da Costa einordnen. Da beginnt der Kamps. Er hat Religion gesucht, findet nur Religiosität. Er rebelliert, es wird über ihn der Bann ausgesprochen. Er geht nach Amsterdam. Das gleiche Bild. Er hat aber nicht die Kraft, der Gemeinschaft zu entfliehen/ der Bann wird von ihm genommen, es bleibt ein tief gedemütigter und zerschlagener Mensch, der nur den Ausweg des Freitodes findet. Und um die erschütternde Tragödie des Uriel da Costa baut Kastein die Tragödie des jüdischen Volkes von der Zeit des Marannentums (vom 15. Jahrhundert ab) bis in unsere Tage. . Ein ausgezeichnetes Werk, inhaltlich, sprachlich, nicht immer leicht verständlich, ein Buch, von einem Juden für Juden geschrieben. für solche, die bereit sind, es nicht nur mit dem Verstände zu erfassen, sondern auch mit dem Herzen zu erfühlen. E.M. Werkgestaltung im Freistaat Oldenburg von W. Pralle (Oldenburg). Noch steht die Werkarbeit in der Schule nicht in dem Ansehen, das sie fordern darf. Werkstätten und Geldmittel fehlen. Behörden und Pädagogen sind noch weit davon entfernt, den erziehlichen, künstlerischen und volkswirtschaftlichen Wert der Werktätigkeit anzuerkennen. Dieses Büchlein zeigt Wege der Werkarbeit. die auch mit geringen Geldmitteln gangbar sind-ist also zeitgemäß! Plastik aus Papierabfüllen, Klei als Arbeitsmittel! Mit geringsten Mitteln große Wirkung. Anregungen für aktuellen Unterricht in sachlicher Form, jedem fortschrittlichen Lehrer willkommen! A.Bing. Technik voran! Jahrbuch mit Kalender für die Jugend 1033. Deutscher Ausschuß für technisches Schulwesen. Der Kalender ist gut und übersichtlich, das Jahrbuch bringt interessante Durchblicke durch die Technik. Manche Bilder dürften 'mehr dem jugendlichen Beschauer angepaßt sein, statt der „Ersten Otto'schen Viertaktgasmaschine" hätte man sich den Querschnitt und die schematische Zeichnung gewünscht. In diesem Zusammenhang sei aus die neuen drehbaren Kartonmodelle hingewiesen.