Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 12 (15.12.1932)
- Date
- 1932-12-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 12 . Jüdische Sch Bibelkommentar als Erklärung zu dem Worte K3 xV ' •nx'-nn mo mmnV xnpan ..Die Schrift will nicht die Reihenfolge der Schöpfung lehren.'", sondern wie Raschi schon vorher mit den Worten seines Vaters, Rabbi Jitzchak, sagt: vvva ms bim man ,.um Gottes Allmacht seinem Volke zu verkünden!" An anderer Stelle sagt Raschi: niina nmxm Dlp a ]’K ..Es gibt in der Thora keine strenge Scheidung nach früher und später!" (Kap. t>, Vers 3) und weiter .Q*rxn man» mwn Thora redet in der Sprache der Menschen", d. h. um für Menschen verständlich zu sein, mutz sie menschliche Ausdrücke sich zu eigen machen. (Die Anschauung, daß die Bibel stets wörtlich aufzufassen sei. die Lehre von der Verbalinspiration, ist m. E. nicht jüdischen, sondern christlich-pietistischen Ursprungs), Bibel-Glaube und Naturwissenschaft schließen sich also gar nicht aus, und so sehen wir denn auch tatsächlich, datz hervorragende Naturwissenschaftler strenggläubige Juden sind. Nur in einer Religion, die wie das Christentum lehrt: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt!" kann ein Gegensatz zwischen Religion und Wissenschaft entstehen. Wem aber diese Argumente, die die Bibel als Ganzes treffen, nicht genügen, wer über die' Einzelheiten aufgeklärt werden will, auch dem können wir dienen: Wenn die Bibel erzählt, die Welt fei in sechs Tagen erschaffen worden, so sagt sie doch damit.nichts anderes als das, was die Naturwissenschaft mit ihren Entwicklungsperioden sagen will. Die Schöpfung geht nach dem biblischen Bericht in der Weise vor sich, datz zuerst die Grundlage des Lebens: Licht, Land und Meer, dann die Flora, nach dieser die Fauna und als letztes und höchstes der Mensch erschaffen wurde. Es herrscht also auch im biblischen Schöpfungsbericht der Grundsatz: vom niederen zum höheren bis zum höchstentwickelten Wesen. Ünd datz die Schöpfung abgeschlossen sei, wird uns auch.in der Bibel nicht gesagt, im Gegenteil: der Schluß des 1. Kap. nmV O’n^X X*ia ivx ist wohl kaum anders aufzufassen. als „Gott ruhte am 7. Tage von dem geschaffenen Werke aus. um nachher weiterzuwirken." Datz dies auch talmudifche Auffassung ist, beweist wohl der Gebrauch des?articipium prä8onti8 in den ni233' in denen von Gott als dem Schöpfer die Rede ist. Bei den Segenssprüchen über Wein, Baum- und Erdfrüchte und dergleichen ist dies natürlich, da sie ja in jedem Jahre aufs neue reifen' anders aber ist es beispielsweise bei dm Segensspruch über den Blitz. Da wäre das psrt. prüs. nie und nimmer anzuwenden, wenn unsere Weisen nicht den Standpunkt vertreten hätten n'wxia nBWö rtBny'n „Gott schafft immer wieder von neuem das Werk der Schöpfung!" Es wird selbstverständlich viele Fragen geben, die wir nicht auf diese Weise werden beantworten können; aber wir können unsere Schüler darauf Hinweisen, wie wenig auch ein Naturwissenschaftler imstande sein wird, alle Rätsel des Lebens zu lösen. Auch für einen Haeckel war es eine Unmöglichkeit, das Wesen der Substanz und" ihre Entstehung ».» erklären. Fritz Kahn sagt am Schluß seines Büchleins „Die Milchstraße": „Wir können, hat ein französischer Philosoph gesagt, vielleicht einmal dazu kommen, eine Welt zu schaffen, aber zu begreifen — nie. Niemals können wir als Teile des Ganzen das Gänze begreifen, können wir als ein Produkt der Welt die Welt enträtseln, niemals werden wir. selbst nichts als denkende Materie, das Wesen dieser Materie erdenken. Seien wir auch am Abschluß dieses erhabensten Naturbildes, das der menschlichen Forschung zugänglich ist. im Angesicht der Milchstraße, uns dieser ewigen Grenzen menschlichen Wissens bewußt!" Wenden wir uns nun der Geschichtswissenschaft und ihren Argumenten gegen die Wahrheit der Bibel zu. Zunächst ein kurzes Wort zur Quellenscheidung. Die betreffenden Forscher haben an Hand ihrer Forschungsergebnisse Nachweisen wollen, daß eine einheitliche Geschichtsauffassung in den Büchern der Bibel ursprünglich fehlte und erst durch den Petzattak tzlne gewisse Einheit, allerdings mit vielen Rissen und Sprüngen, bewirkt ulzelt ung - Seite S worden sei. Demgegenüber beweist Benno Jacob an Hand der biblischen Zahlen die wirklich vorhandene einheitliche Geschichtsauffassung der Bibel. (Es würde zu weit führen. Jacobs Berechnungen hier darzulegen: aber ich empfehle sie dem Studium der Kollegen.) Ein weiterer Vorwurf der Bibelkritik bautet, die Bibel „male auf Goldgrund". Run datz unsere Schüler jemals mit dieser Behauptung kommen werden, glaube ich nicht. In dieser Beziehung werden sie mit ihren weniger verbildeten Sinnen objektiver sein als jene Gelehrten und beim einfachen Lesen erkennen, daß die Menschen der Bibel mit allen ihren menschlichen Schwächen gezeigt werden, datz Licht und Schatten verteilt sind wie im menschlichen Leben überhaupt. Und über all diesem schwebt der Grundgedanke: So sind die Menschen, und so (wie das biblische Gesetz es verlangt) sollen sie sein! Daß die Duplizität eines Ereignisses (Abraham—Isaak) ein Beweis gegen die Wahrheit der Bibel ist, wage ich zu bestreiten. Oder ist es wirklich so unmöglich, datz die gleichen Schicksale Vater und Sohn treffen konnten? Die Behauptung Wellhausens, datz die Bibel als Quelle für die Urgeschichte der Menschheit und des israelitischen Volkes vollkommen wertlos sei, da ja ein Volk in seiner Frühzeit noch nicht die Kunst des Schreibens kenne und aus diesem Grunde auch keine Geschichte schreiben könne, wird durch die Ausgrabungen in Aegypten, Babylon und Palästina glänzend widerlegt. Sie beweisen, datz das israelitische Volk in seiner Frühzeit schon innerhalb des altorientalischen Kulturkreises stand, in welchem es gang und gäbe war, datz Behörden und einzelne und nicht etwa nur Gelehrte, sondern auch die Leute aus dem Volke, Aufzeichnungen machten. Kauf¬ und Ehevertrüge waren etwas Selbstverständliches, die Zeugen mutzten die Prozetzurkunden eigenhändig unterzeichnen. Ein Beweis dafür, datz die biblischen Schriften auf Quellen fußen, die sehr früh ausgezeichnet worden sind, ist die Tatsache, daß sie von Völkern berichten, die wir Modernen bis vor kurzem überhaupt nicht gekannt haben. Die Sumerer und Ehetiter sind erst in den letzten Jahrzehnten durch die Ausgrabungen bekannt geworden. Die Bibel aber hat ihre. Rainen bewahrt und muhte auch dafür häufig den Spott der Gelehrten über sich ergehen lassen. Die Geschichte des Turmbaus von Babel wird durch die Freilegung und Rekonstruktion der Ziggurat (des künstlichen Tempelberges) von Ur bestätigt. Daß das kleine israelitische Volk die.Geisteskultur der großen Reiche Sumer. Babylon und Aegypten übernahm, ist ganz natürlich. Daraus aber wie Delitzsch abzuleiten, datz die Kultur der Bibel Plagiat der babylonischen Kultur sei. datz die Bibel sich mit fremden Federn schmücke, ist vollkommen absurd. Man braucht nur zu vergleichen, was der jüdische Geist aus dem babylonischen, besser gesagt, sumerischen Gesetz gemacht hat, dann sieht man den Unterschied. Rur wer mit Vorurteil an die Materie herantritt — und das tun vor allem unsere deutschen Forscher gerne, von Wellhausen und Eduard Meyer bis zu Delitzsch und weiter; diesen Vorwurf kann man nicht laut genug erheben — ist blind für den gewaltigen Unterschied zwischen altorientalischem und biblischem Geistesprodukt. Ich brauche wohl in diesem Kreise nicht weiter einzugehen auf den Unterschied zwischen babylonischem und biblischem Schöpfungsbericht, zwischen ägyptischer, sumerischer, babylonisch-assyrischer und biblischer Sintflut-Erzählung, auch nicht auf den weiten Abstand zwischen Psalmen, prophetischen (Prophezeihung eines Lammes unter König Bokchoris) und weltanschaulichen Schriften. Eine himmelweite Kluft tut sich auf zwischen dem babylonischen sabbatu und dem biblischen 'miy* Hier der soziale Gedanke, der die Veranlassung gibt, dort die Furcht vor den Dämonen, die jede am siebten Tage begonnene Arbeit von vornherein zum Scheitern verurteilen. Hier beim biblisch-jüdischen N3V hie Lietze zu allen Geschöpfen. auch zum Tier, dort die Furcht vor der Rache der bösen Geister, denen dieser Tag geweiht