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Jüdische Schulzeitung · 1932-11-15 · 11 (15.11.1932) · page 6

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
8 (1932)
Issue
11 (15.11.1932)
Date
1932-11-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Jüdische Schülzeituna Nummer u der Erkenntnis, daß wir die besondere Form der neurotischen Erkrankungen in eine bestimmte Abhängigkeit vom Gewissen sehen müssen. Auch die Individualpfychologie und die Psychoanalyse bezeichnen «die Neurose als Folge eines Gewissenskonfliktes, genauer als Folgeerscheinung und psychopathologischer Ausdrück einer Eewissensbeunruhigung bestimmter Art. Levy- Suhl überschreitet aber die rein naturwissenschaftliche oder triebenergetische Betrachtungsweise Freuds, ebenso auch die intelleltualistifche Lehre Adlers mit ihren Behauptungen des rein logischen Irrens der Neurotischen. An Hand von banalen Beispielen wird aufgezeigt, daß Probleme, die den Menschen als Person betressen, nicht aus biologischem Wege zu lösen sind, daß vielmehr anerkannte Gesetze des Sollens unser Handeln bestimmen. Verfasser nähert sich hier den Anschauungen Kants, die sich im zweiten Teil der Kritik der reinen Vernunft finden. Soweit es sich um Ursprung und Klärung der neurotischen Konflikte handelt, wird man mit dem Verfasser gehen können. Sobald aber die Grenzlinie «der Seelenheilkunde überschritten wird, wird man ihm nicht inehr folgen. Moral und Religion als Gegensätze lassen sich weder mit altnoch neutestamentlichen Anschauungen vereinbaren. Der Trennungsstrich, der zwischen dem Gewissen der Gesunden und der Neurotiker gezogen wird, .erscheint micht hinreichend begründet. Dr. W. Schmidt-Mödling: Der Oedipns-Komplex. Erneuerungs-Verlag Berlin—Wien. Preis 1 Ml. . Der Inhalt der Schrift entspricht nicht den Erwartungen, die .der verheißungsvolle Titel in uns hegen läßt. Im ersten Kapitel werden wir mit den elementarsten Begriffen der Psychoanalyse vertraut gemacht, um dann in den Fragenkreis des Oedipuskomplexes hineingezogen zu werden. Die Ablehnung der ethnologischen Kritik des Freudfchen Oedipuskomplexes kann man wohl teilen. Was Verfasser jedoch über die Ehegestaltung, des Bolschewismus in wenigen Sätzen sagt, rechtfertigt den Titel seines Buches nicht. Manche Sätze muten recht naiv an, so der folgende, der dem Sexualstrafrecht der Sowjets angeblich entnommen find: „Danach ist es also Wirklichkeit in Rußland, daß die letzten, aber auch die allerletzten Bindungen der Familie und die letzten Einschränkungen . grenzenlosen Geschlechtsverkehrs aufgehoben find, so daß auch Ehen zwischen Geschwistern, ja zwischen Eltern und Kinder zugelassen werden." Gleichfalls in das Bereich der Fabel zu "erweisen ist die Behauptung, daß 80 Proz. aller Kinder aus Sowjetkreisen von den Eltern abgegeben und in die große Schaar der „Staatskinder" eingereiht werden. Der versteckte Angriff auf Freud und feinen Kulturkreis, der - sich am Schluffe der Schrift findet, ist eines Gelehrten an der Universität Wien unwürdig. Paula Messer-Platz: Vorgeburtliche Erziehung. Verlag: Felix Meiner, Leipzig. Preis gebunden 4,80 Ml. Verfasserin hat ein bisher noch wenig erforschtes Gebiet in ungemein fesselnder Weise behandelt. Die Bedeutung der Zeit, in der das Kind im Mutterschoße reist und den Grundstein zu seiner-späteren Entwüttung legt, war bisher nicht genügend gewürdigt worden. Dieses Versäumnis ist nun gründlich nachgehott worden. Man storini über die Fülle medizinischer und philosophischer Kenntnisse, über die die Verfasserin verfüg:..Daß sie auch die Erziehung zur Elternschaft und die Ehegestaltung als wesentliche Vorbedingung für die vorgeburtliche Erziehung in . den Kreis ihrer Betrachtungen stellt, ist außerordentlich wertvoll. Paula Messer sucht die sexuelle Frage von ihrem hohen sittlichen Standpunkt aus zu lösen. Leider ist dieser Teil des Buches nicht verständlich genug geschrieben. Ich denke da in erster Linie an ihre' Ausführungen über den beherrschten Geschechtsoerkehr. Manche Ansicht der Verfasserin scheint nicht haltbar, doch verbieten der Mangel an Raum sowie die heiklen Fragen, näher darauf einzugehen. Die Verfasserin dürste die Lebenshaltung der befferen Kreise zu einseitig betont haben. So schreibt sie auf - Seite 123 über die drei ersten Monate der Schwangerschaft: ' „Beschäftigung mit philosophischen und künstlerischen Fragen.. ■ edle Geselligkeit, soll gepflegt werden." Trotz dieser Einwände; halte ich es für wünschenswert, daß dieses Buch jeder Braut; und angehenden Mutter als Vademecum mit ins Leben ge- : geben wird. Darüber hinaus dürste es sich für Besprechungen \ in pädagogischen Arbeitsgemeinschaften empfehlen. 1 W. I. R u t t m nun: Psychologie in Leitlinien, erster Teil. > allgemeine Psychologie. Verlag der Kornschen Buchhandlung.; Nürnberg 1932. Preis gebunden 4,40 Ml. ] Ein Buch, dessen Erscheinen trotz der Fülle von psychologischen s Leitfäden eine Lücke aussüllt. Die Ergebnisse der modernen; Psychologie sind meisterhaft geordnet und leicht verständlich dar- - gestellt, reichliches Bildermaterial erhöht den Wert des Werkes, - das sich besonders zur Examensvorbereitung eignen dürste. i Hoffentlich folgt bald der zweite Band, der die pädagogische Individualpsychologie behandeln soll. ' Etwas verspätst komme ich zur Besprechung des Werkes R. . Alters: Das Werden der sittlichen Person. Wesen und Erziehung des Charakters. Herder - Verlag, Freiburg Vr. 1930. : In Leinwand 8 Ml. , . Ein Werk, das den sonst oft so spröde dargestellten Stofs! der Charakterologie in anziehender Weise vermittelt und sich ' an weiteste Kreise wendet. Alters fußt im wesentlichen auf den > Anschauungen Adlers, läßt also die Zukunft ausschlaggebend sein für die entscheidende Bedeutung bei der Entwicklung des Charakters. Die Kodankengänge des Verfassers suchen die Ergebnisse der Individualpsychologie in Einklang zu bringen mit der ' katholischen Weltanschauung und für Leben. Erziehung und Zusammenleben in katholischem Sinne fruchtbringend zu gestalten. Literarisches H. I. Schoeps. Indischer Glaube in dieser Zeit. Prolegomena zur Grundlegung einer systematischen Theologie des Judentums. Philo-Berlag, Berlin 1932. Die Grundlegung einer systematischen Theologie des Iudentums will uns Schoeps geben und nimmt dafür seinen Ausgangspunkt von Solomon Ludwig Steinheim. Offenbarung nach dem Lehrbegriff der- Synagoge. - (4 Bände. 1640). das seinerseits von Kants Kritik der reinen Vernunft ausgeht. Außerdem spürt man den Einfluß, den Franz R o s c n z w e i g von der religiösen Lebenswirklichkeit aus auf den Verfasser ausgeübt hat. Im ersten Abschnitt behandelt Schoeps die Lage des jüdischen Glaubens und er behauptet grundlegend: Deswegen ist die Reliaion auch in der Krisis... weil . die Grundwahrheiten der Religion aus dem Daseinsverständnis der abendländischen - Menschen eliminiert worden sind. Einen untrüglichen Maßstab für die falsche Entwicklung, die letzten Endes in die Krisis führen mußte, gibt die Tatsache, in welcher Weise das, worin wirkliche Religion als solche sich qualifiziert. verstanden, wird: Das Faktum der Offenbarungals einmaliger Selb st beweg u'n g G o t t e s i n d i e G e s ch i ch t e h i n e t n. Einen Augenblick glauben wir hier, daß uns Schoeps in die Gedankenwelr eines ö. R. Hirssü biiieinsühren werde - aber diese Well wird streng abgelebnt. Weder. Orchodorss : noch Liberalismus finden Gnade bei Schoeps. In einem zweiren Ab'chni:: Schoeps Act und Ergebnisse de: Diskussionen über den theviogn'-dl - Gehalt des A. T. im christlichen Lager und in einem dritten Abschnitt — erstmalig — im jüdischen Lager. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß Schoeps weit mehr selb „ ständige Sachkenntnis über das christliche Lager besitzt als auellenmäßige des Judentums, so daß der Einfluß jener Kreise stärker in die Erscheinung tritt als derjenige der jüdischen Welt. Rur so ist es zu verstehen, daß Schoeps im vierte» A b f ch n r t t: Versuch einer Grundlegung der spstem atischen Theologie des Judentums aus Heu tlöcm Bewußtsein vor allem nach der Siuniofsenbanmn dem S i n a i g e s e tz so wenig Bedeutung und. Verständnis entgegen bringt. Dieser Gesetzescharakter des Judentums ist nicht hi»-

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