Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 10 (14.10.1932)
- Date
- 1932-10-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Jüdische Schulzeitung Wicklung verlangt die kindliche Darstellung nach einer Differenzierung. Wir bereiten jetzt die Auflösung der kompakten Darjtellung vor. Kleine, verschiedenfarbige Würfel Buntpapier werden geschnitten und zu gegenständlichen Formen aneinander gekkbt. (Mosaiktechnik). Diese bunte und sehr reizvolle Darstellungsart macht den Kindern Freude und gewöhnt sie an Ausdauer. Später kann die Mosaikarbeit spezialisiert werden. Bei der Darstellung von Personen nahmen wir einmal Stoffreste. um Röcke und Jacken anzudenten,- ein andermal wurde eine Litfabsäule gezeichnet, die mit „richtigen Zeitungsausschnitten" beklebt wurde. — Ein Wort noch über die Gemeinschaftsarbeit: Gleich wichtig und ausschlaggebend war das künstlerische Moment der Unterordnung aller unter einen Gedanken und das erzieherische Moment der gegenseitigen Hilfe. Das Thema „Wintersport" war gegeben. Auf gleich groben Zeichenbogen stellte jeder seinen Schlittenfahrer oder Eisläufer oder Schneemann dar. Gemeinsam war allen Bildern« der weihe Hintergrund. Die entstandenen fünsunddreihig Mosaikbilder wurden an einer Wand des Klassenzimmers zu einem Rechteck (fünf Reihen zu je sieben Bildern) angeordnet. Der Stolz aller Kinder auf „ihre Klassenarbeit" war unbeschreiblich. Der hier gezeigte Weg hat Vorgänger und sollte Nachahmer finden. Denn er zeigt, daß auch im primitiven, antiperspektivischen Zeichnen — hier war es ein „Malen" mit Buntpapier — künstlerische Wirkungen erzielt werden können. Prof. Paul Fiebig über „Das dritte Reich" Von Bezirksrabbiner Dr. Steckelmacher. Bad Dürkheim. Wer sich über die Haltung der evangelischen Kirche zur nationalsozialistischen Bewegung aufs genaueste ins Bild setzen will, wird die soeben bei Leopold Klotz in Gotha erschienene Schrift „Die Kirche und das Dritte Reich. Fragen und Forderungen Deutscher Theologen" , mit Interesse lesen, in der 23 Vertreter verschiedenster Richtung ihre Haltung zur Bewegung umreiben. Derjenige, der geglaubt hat. daß die Führer und Vertreter des Protestantismus bereits allesamt im nationalsozialistischen Lager stehen, wird durch diese Darlegungen eines anderen belehrt werden. Denn viele hier zu Worte.kommende wenden sich in scharfer Weise gegen die Bewegung, bezw. stellen an sie ihre Forderungen, von deren Erfüllung sie es abhängig machen, ob sie eine Synthese vom evangelischen Christentum und Nationalsozialismus befürworten können. Den jüdischen Lehrerkreis wird besonders interessieren, wie Paul F i e b i g. Professor an der Universität Leipzig, sich äußert. Fiebig geht in seinen Fragen und Forderungen an. die Bewegung von der neutestamentlichen Wissenschaft aus und erklärt, daß es heute innerhalb dieser Wissenschaft etwas ganz Selbstverständliches wäre, „die Muttersprache Jesu, d. h. das Hebräisch-Aramäische. zu studieren, daß Jesus seiner völkisch-rassischen Herkunft nach Jude war. ebenso der für die evangelische Kirche so wichtige Apostel Paulus, nicht minder der Verfasser des Johannesevangeliums, daß also vor allem der Begründer des Christentums völkisch-rassisch seinen Ort auf Erden rnnerha'.d des Judentums har". S. 26. Hieraus ergibt sich aber für Fiebig mit zwingender Notwendigkeit, daß man die rabbinischcn Ouellenschriften — Fiebig nennt ausdrücklich den Talmud — studieren müsse „um die Ueberlieferungen! über Jesus wiüenitzaMch r-erhehein und ein richtiges und fachkundiges Urteil erarbeiten zu können". S. 26. Fiebig richtet daher an die nationalsozialistische Bewegung die Frage,, ob diese rabbinischen Forschungen im Dritten Reiche tatkräftige Förderung erfahren werden und zwar schon aus dem Grunde, damit die deutschen Forschungsstätten auf der Höhe bleiben und besoutzsts auch hem Wylandtz Sygenüher nicht zurückstehen. Ferner erinnert Fiebig den Nationalsozialismus an die Tatsache. — wir wollen hier nicht darauf eingehen. was vom jüdischen Standpunkte aus zu erwidern wäre — dab Jesus „gegen die Gefahren des Juristischen, des Talmudismus, und gegen die Erfahrendes Nationalistischen — wohlbemerkt: gegen die Gefahre n", S. 27. protestiert, und folgert hieraus, daß die evangelische Kirche und Theologie im Namen Jesu sich aufs entschiedenste „gegen die Gefahren nationalistischer Einengung", S. 28, wenden muß. Wohltuend berührt insbesondere auch, daß Fiebig in diesem Zusammenhang die Leistung der Pharisäer zu würdigen bemüht ist. Er sagt nämlich: „So hat denn auch der Talmudismus. so hat alles Juristische, trotz seiner Gefahren, eine positive (von Fiebig gesperrt gedruckt) Kehrseite. Eine Religion also, die wie die katholisch-christliche, die jüdische, die muhammedanische, die „kirchliche" das Juristische, die Gesetzlichkeit, die Rechtsordnung mit in ihren Umkreis einbezieht, leistet damit zu autoritativer Formung und Erziehung etwas Wichtiges. Geist ohne Form oerflattert allzuleicht. Man kann und mutz auch von der Gesetzlichkeit sagen, daß dieses religiös-sittliche System für viele Menschen sehr segensreich ist." S. 28. Von der jüdischen Apologetik sagt Fiebig: „Gerade jüdische Apologetik pflegt den Grundsatz zu vertreten: Ueber die Pflege des gottgewollten Volkstums zum Universalismus und dabei zu betonen, daß auch in der jüdischen Religion dem einen Gott die eine Menschheit entspricht", S. 26. Eine durchaus richtige und dem Judentum gerecht werdende Auffassung! Beachtenswert sind auch die Folgerungen, die sich nach Fiebig nunmehr ergeben. „So liegt denn gerade darin, daß. Gott das Christentum in seiner Urgestalt in jüdisch-palästinensischen Formen und tausendfachen Verwurzelungen in die Welt gestellt hat, die ernste Mahnung, namentlich auch an jeden Deutschen, nicht dem Rassenhab Raum zu geben". Seite 29. , Fiebig ist sehr hoffnungsvoll und gibt am Schluffe seiner Ausführungen der Ueberzeugung Ausdruck, daß .der echte Deutsche, der gründlich gerecht und sachlich ist. wohl weiß, „daß er ja doch mit der Verurteilung alles Alttestamentlichen und Jüdischen die christliche Kirche zertrümmern würde und dann auf die Suche nach einem besseren Erlöser gehen müßte, als es der geborene Jude Jesus ist". S. 29. Literarisches Paul Cohn. Um Nietzsches Untergang. Mit einem Anhang in vier Briefen an den Verfasser von Elisabeth Förster-Nietzsche. Die Zeit von Nietzsches Erkrankung bis zu seinem Tode. Morris-Verlag. Hannover. Am 25. August 1930 waren es 30 Jahre feit dem Tode Nietzsches. Diesem Gedenktag verdankt diese Schrift ihre Entstehung. Sie will einige neuerdings wieder ausgetretene Irrtümer in bezug auf 'Nietzsches Schlutzkrankheit berichtigen. Mit grober Liebe und Verehrung, verbunden mit ausgezeichneter Sachkenntnis der Philosophie Nietzsches und seines Werdegangs und seines Untergangs in geistiger Umnachtung, ist diese Schrift in klarer und edler Sprache geschrieben. Ein Hauch Nietzsches Geist und Sprache in darin zu spüren, wie auch in dar Bücher rechrrä-rnen Schri't Cadns ure: de Seele Leid. C. ist Nietzscheaner im beiten Sinne des Wortes. e:r hält sich fern von allem ^Mißverstehen der Ücl)cc seines Meisters. Meisterhaft geschrieben sind vom naturwissenschaftlichen . Standpunkt aus die Darstellungen Uber: Nietzsche und das Weller und Nietzsche und der Nuulch, zum Verständnis des Genies. Ein besonderes Verdienst des Verfassers ist es, daß er Elisabeth Förster-Nietzsckze. einer Schwester Nietzsches, erneut Gelegenheit gibt, uns aufschlußreiches Material über das Leben Nietzsches überhaupt und aus der Zeit seiner Krankheit im besonderen zu vermitteln. . ..W'r. bedauern nur. dab man all den selbst richtenden. Ausstreuungen über Stiehl