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Jüdische Schulzeitung · 1932-10-14 · 10 (14.10.1932) · page 7

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
8 (1932)
Issue
10 (14.10.1932)
Date
1932-10-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nummer iö .... Jüdische Schulzeitung Seite 7 Beachtung schenkt. Nietzsche selbst würde sicher diese Dmgom Stillschweigen übergangen haben, allerdings in seinen gesunden Tagen. Es gehl unseres Erachtens zu weit, Anklagen zu erheben geyen diese Ausstreuungen und schiefen Darstellungen, daß sie Nietzsches Erkrankung mitverursacht hätten. Ferner ist nur aus dem Gesichtspunkt persönlicher Liebe umd Verehrung zu verstehen, daß Frau Förster-Nietzsche und vielleicht auch Cohns Aeutzerungen Nietzsches in diesen letzten Lebensjahren in seinen Briefen u. a. so schmerzlich empfunden haben, als ein Zerreitzen der Blutsbande und dergleichen — in Wirklichkeit waren das Aeutzerungen eines kranken genialen Geistes. Wer will bestreiten, datz die Gegensätze in Nietzsches Leben, die verschiedenen Perioden seiner Philosophie und seines Denkens nicht schon aus der Wirkung der kommenden seelischen Umnachtung, der allzubeklagenswerten. zu verstehen sind. Am wenigsten wird das der Arzt Cohn bezweifeln wollen. Wenn auch Cohn behauptet, datz jeder Autor nur für sich selbst schreibt zur Befriedigung seines Gehirnes, so können wir ihm sagen, datz er auch für uns Leser mit „intellektueller Rechtschaffenheit" seine Schriften geschrieben hat und wir danken, ihm für seine feine sachliche Eedankenführung, wenn wir auch in sachlichem Gegensatz zu ihm stehen, - und für den erneuten Nachweis, datz der moderne Antisemitismus und der chauvinistische Nationalismus unserer Tage kein Recht haben, sich auf Nietzsche zu berufen oder gar sich als seine Verwirklichung zu bezeichnen. Solche Barbarei ist mit dem Geiste Nietzsches nicht zu vereinbaren, der der geistig! bedeutendste unter den ethischen Denkern und Kulturphilosophen am Ausgang des 19. Jahrhunderts gewesen ist. Im Schlutzkäpitel wird nun versucht auf Grund dieser Harmonisierungstendenz die pädagogische Bedeutung der Vererbungslehre in einem einheitlichen und eindeutigen Sinne aufzubauen, obwohl die widersprechendsten Ansichten von Autoren über all die schwerwiegenden Probleme: Einfluß des Milieus, der Hebung und Gewöhnung, der ökonomischen Lage usw. herangezogen werden. Trotz des Schillerschen Wortes: „Wenn ibr im Suchen euch trennt, wird erst die Wahrheit erkannt" und trotzdem der Verfasser versucht, das Goethe-Wort zu deuten für seinen Harmonisierungsversuch: „Und keine Zeit und keine Macht zerstückelt geprägte Form, die lebend sich entwickelt" — vermögen wir solche Bestrebungen und diese Art Probleme zu behandeln nicht als fruchtbar anzuerkennen. Wir finden, datz inan sich die Sache mit solcher Methode zu leicht macht. Zunächst einmal ist es nicht so. datz man den Menschen und die menschliche Psyche biologisch behandeln kann. Der Mensch ist doch etwas mehr als ein biologisches Wesen. Ferner ist es reine wissenschaftliche Tatsache, datz wir in der Seelenfrage von Sokrates bis Kant keinen Schritt vorwärts gekommen sind. So sind all diese „Seelenfragen", wozu auch die Frage der Vererbung gehört, durchaus nicht absolut gedeutet, am wenigsten rein naturwissenschaftlich: man kayn die Tatsächlichkeit der Vererbung bestreiten, ohne damit in der Erziehung und Bildung eines Individuums unsicher zu werden oder fehlzugreifen. Wir nehmen die Gegebenheit hin, die allerdings erforscht sein will und mutz, ohne uns über die letzten Ursachen dieser Gegebenheit ein absolutes Urteil gestatten zu können. Jedenfalls ist es mehr vonnöten, solchen Erklärungsversuchen wie der vorliegenden gegenüber Vorsicht zu beobachten als gegenüber denjenigen, „die aus religiösen Gründen sofort mit dem Zweckhetzer .Gott' kommen", wie der Verfasser meint. Immerhin empfehlen wir die Lektüre solcher Arbeiten und das wissenschaftliche Ringen mit solchen Problemen: schließlich mutz der Einzelne zu. diesen Fragen für sich Stellung nehmen und einen Standpunkt gewinnen, der ihn innerlich befriedigt und befähigt, eindeutig zu arbeiten. Dr. I. Bamberger. Zur Charakterisierung der - deutschen Jugendbewegung von Dr. Kurt Grube im Verlag von Julius Beltz, Langensalza. . Die Broschüre, verdient unsere sorgsame Beachtung. Die Jugendbewegung 'ist eines der ernsten Probleme, welchem w>r unser ganz besonderes Interesse zu widmen, haben. Sie m nicht nur. wie es dem oberflächlichen Beobachter erscheinen mag. ein Vater-Sohnproblem, sondern eine Zeitströmung. die m ihren tiefsten Wurzeln erkannt werden mutz, wenn man zu "N die richtige Einstellung finden will. Kurt Grube hat in seiner Broschüre, die zwar nur 74 Seiten umfaßt, in gedrängter Kürze, futzend auf einem reichhaltigere Material, eine Charakterlogie der derrtschen Jugendbewegung skizziert, die ihn uns als einen feinen Beobachter all' der Strömungen erkennen läßt, die zrrr Jugendbewegung hinführten. In dem ersten Teile der Schrift zeigt er uns die Jugendbewegung als allgemeine Charaktermöglichkeit, um dann irn zweiten Teile ausführlicher auf die Jugendbewegung als einmaliger individueller Charaktertypus ernzugehen. Wohl haben wir. wie wir auch aus dem der Schrift beigefügtem Literaturverzeichnis ersehen können, eine unendliche Fülle von Einzelabhandlungen, die jeweils uns Einzelseiten der Jugendbewegung. vom Blickpunkt der jeweiligen Verfasser gesehen, aufzeichnen. auch größere, umfangreichere Darstellungen, die andererseits aber wieder zu allgemein gehalten sind, so das; die sich überschneidenden Fragestellungen, die der Jugendbewegung anhaften, in ihrer Totalität nicht erfaßt werden können, weshalb es zu begrüßen ist. datz Kurt Grube den Versuch unternimmt, diesen Einzelfragen der verschiedenen Arten der Jugendbewegung, der tiefen Kräfte der Jugendbewegten und deren Bünde nachzuforschen, um sie gleichsam auf einen gewissen Generalnenner zu bringen. Wir hätten zwar gern, besonders bei dem allgemeinen Teile, eine ausführlichere Darstellung gesehen, das kann uns aber nicht hindern. Erubes Versuch der Charakterlogie als außerordentlich ansprechend und gelungen zu bezeichnen. Erubes Ausführungen sind nicht ganz leicht zu lesen. Sie verlangen eine gewisse Kenntnis der Materie an sich und ein ernstes Versenken in seine Gedankengänge, zeigen aber ganz neue Gesichtspunkte und ein Verständnis für die Jugendbewegung . die zu neuen Erkenntnissen führen kann, so datz diese Schrift Lehrern und Pädagogen zum Studium dringend empfohlen sei. Sie müssen sich von den oeralterten, überlieferten Erziehungstendenzen losmachen, wenn sie der heutigen Jugend gerecht werden wollen, um auf sie den nötigen Einfluß zu gewinnen. Grubes Schrift kann ihnen ein Wegweiser hierfür sein, wenn sie die praktischen Folgerungen daraus ziehen. Nülf. Detmold. Arbeltshefte für de» Sachunterricht an allgettieinbildende» Schulen. Herausgegeben von Dr. H. Hermann. Wetterkundliches Arbeitsheft A, B, C. Pestalozzi-Verlag. München. Bei der großen Bedeutung, die der Wetterbeobachtung heute zukommt, darf auch die Schule daran nicht vorübergehen. Die Schüler hören am Abend die Wetternachrichten am Radio. Sie finden in der Zeitung die Wetterkarten mit ihren eigentümlichen Zeichen. Es genügt aber nicht, datz sie eine solche Karte lesen und verstehen können. Sie müssen selbst auch praktisch in die Wetterbeobachtung eingeführt werden. Vielfach begnügt man sich dann damit, die am Thermometer und Barometer gemachten Beobachtungen au die Schultafel zu schreiben. Damit ist aber nicht viel getan. Sollen die Schüler einen Ileberblick über die Witterung eines ganzen Monats erhalten, sollen sie daraus ihre Schlüsse ziehen lernen, so müssen die täglichen Beobachtungen in Tabellen notiert werden. Haben Lehrer und Schüler dafür Arbeitshefte wie die oben genannten zur Verfügung, so erleichtert das natürlich die Arbeit ganz bedeutend. Vor allen Dingen wird, da alles tabellarisch vorgedruckt ist. viel Zeit gespart. Das ist bei der heutigen Verringerung der physikalischen und geographischen Unterrichtsstunden ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Das Arbeitsheft A weist je eine besondere Monatstabelle zur Eintragung des Luftdrucks und der Temperatur auf. Außerdem sind für jeden Tag Windrichtungen, Windstärke. Bewölkung und Niederschläge anzugeben. In einer besonderen Rubrik können wichtige Lebenserscheinungen an Menschen. Tieren und Pflanzen vermerkt werden. Warum werden aber nicht schon in diesem Hefte die für Bewölkung und Niederschläge in den Wetterkarten üblichen Zeichen angegeben, statt der willkürlichen Abkürzung? Erst in den Heften B und C werden die richtigen Zeichen verwendet. Heft ß bringt eine gemeinsame Tabelle zur Eintragung von Druck. Feuchtigkeit. Bewölkung und Winde und eine andere für Wärme, Niederschläge und Himmelserscheinungen. Bemerkenswert jjt hier eine Rubrik, in die der Schüler auf Ernnd seiner Beobachtungen eine elgene Wettervorhersage ausstellen kann. Heft C vereinigt in einer Tabelle die Eintragungen für Luftdruck, Feuchtigkeit. Wärme und Niederschläge, .die mit verschieden-farbigen Linien gezeichnet werden. Die Hefte besitzen auch eine gute äußere Ausstattung. Sie haben Din-Format. kräftige Deckel, auf deren Innenseiten die

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