Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 10 (14.10.1932)
- Date
- 1932-10-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 10 Jüdisch «Schulze Itung Seite b VtiiljdHiucubtntfi für Herz tittb Leben der Kinder. Anschlietzend kann ein Bibelvers oder ein geeigneter kleiner Psalm gelernt werden. Das Lernen wird durch Vorsprechen des Lehrers in. der Schule vorbereitet, damit nicht Falsches in. Wort und Betonung eingelernt werde. Die Kinder der Oberstufe, deren Blick'schon weiter, umfassender und tiefer geworden ist. sind zur Lösung gröberer!und schwierigerer Aufgaben fähig. Die Oberstufe mub das auf der Unter- und Mittelstufe Angebahnte weiter ausführen und He einzelnen Bilder zu einem Gesamtbilde vereinigen. Die Oberstufe hat auch das Bibellesen zu pflegen. Ie weniger von dem Hause, von der Familie, für das Bibellesen geschieht, um so ernster und nachdrücklicher ergeht die Forderung an die Schule, dahin zu wirken, dab das Kind während seiner Schulzeit befähigt werde, die heilige Schrift zu lesen und zu verstehen. Die Schule, besonders die jüdische, hat vor allem bei den Eltern einzusetzen, datz sie ihren Kindern die hebräische, die heilige Sprache erlernen lassen, damit die Kinder befähigt werden, dem Gottesdienste folgen und die heilige Schrift im Urterte lesen und verstehen können. Soll das Bibellesen rechter Art sein, so ist es in organische Verbindung mit der biblischen Geschichte zu sehen. Die Reihenfolge der biblischen Bücher ist zu lernen, und damit die Kinder auch ö.utzerlich in der Bibel Bescheid wissen, sind Aufschlageübungen zu veranstalten. Die fünf Bücher Moses sind bekanntlich in 54 Abschnitte (Sidras) geteilt, die an den Sabbathen zur Verlesung gelangen. 2m Anschlüsse daran gelangt auch eiu Prophetenabschnitt (Haftara) zum Vortrag. Auch an den Feier- und Fasttagen wird ein Thora- und ein Prophetenabschnitt vvrgelesen. Werden die Thora- und Prophetenteile im Religions- - unterrichte gelesen und erklärend besprochen, dann dient die Vorlesung zur rechten Erbauung und Belehrung. Wenn dann in der zunächst folgenden Religionsstunde auf den verlesenen Wochenabschnitt nochmals zurückgegangen und eine wichtige Lehre desselben nochmals einer Besprechung gewürdigt wird, dann wird diese Stunde zu einer Art Nachfeier des letzten Sabbaths. Die biblische Geschichte bildet auch die Grundlage des Religionsunterrichts. Daher darf er nicht neben der biblischen Geschichte und unabhängig von ihr behandelt werden, sondern seine Wahrheiten müssen Ergebnisse einer richtigen Behandlung der biblischen Geschichte sein: aus ihr schöpft der . Religionsunterricht seinen Anschauungsstoff. Das Lehrverfahren ist das lebendige Wechselgespräch zwischen Lehrer und Schülern, d. h. die dialogisch-eromatische Lehrform. Der richtige Wechsel der Lehrform erfordert grotze Umsicht, Einsicht und Gewandtheit vom Lehrer. Er mutz genau wissen, wann er zu geben und wann er herausholend zu entwickeln hat. Bei Worterklärungen ist. wo es angeht, das etymologische, bei Sacherklärungen das historische Verfahren anzuwenden. 2n solchen Fällen, in denen den Kindern die sprachlichen Anknüpfungspunkte fehlen, ist die Umschreibung anzuwenden. Zur Veranschaulichung beim Religionsunterrichte sind möglichst die heiligen Geräte, die beim Gottesdienste gebraucht werden, vorzuzeigen und zu erklären. Es mutz das Kind alle Ritualien kennen, damit es beim Besuck>e des Gotteshauses jeden Teil derselben und seine Bedeutung kennt. Nicht unterlassen möchte ich es bei dieser Gelegenheit, auch auf unsere herrlichen Psalmen aufmerksam zu machen, damit dieselben mehr als bisher Lehrgegenstand . des Religionsunterrichtes werden: denn nichts ist so geeignet, uns ein Bild ru geben von der kindlichen und tiefen Frömmigkeit als ein mit Stimmung oorgetragener Psalm. Dies wären im. grotzen und ganzen die Mittel zur Veranschaulichung des Religionsunterrichtes. Werden sie gewissenhaft, benutzt, so kann der Erfolg nicht ausbleiben. Aber bei allein bleibt das Wichtigste die Persönlichkeit des Lehrers. Und wenn das Wort: „Der Lehrer ist die beste Methode", irgendwo Wahrheit ist. so ist es hier der Fall. Das Prinzip der Anschauung findet darin seine Verwendung, datz der Lehrer es versteht, die' kindliche Seite in den Vordergrund zu stellen, datz er weih, wie es -anzufangen sei, die Tiefe des Reichstums überall dem kindlichen-Geiste recht nahe zu bringen. ) Die Hauptsache ist jedoch, datz Wandel und Lehre des Lehrers stets harmonieren. Unsere Kinder haben ein scharfes Auge dafür, ob wir auch nicht lehren und von ihnen fordern, was wir selbst nicht tun. Bemerken sie derartiges, so fällt ihr Vertrauen zu uns dahin, und dann ist unser Lehren» umsonst. Wir würden selbst mit unseren: Leben niederreihen, was wir mit unseren Lehren gebaut haben. Darum, nicht durch das, was man sagt, sondern durch das. was man ist. wirkt man am meisten. Vorleben ist wichtiger als vorlehren. Kindgematzes Zeichnen. Von Anselm Ving. Die Art des kindlichen Sehens ist antiperspektivisch., Das bedeutet, datz die Verkürzungen und Ueberschneidungen. die der. Erwachsene sieht, von ihm nicht wahrgenommen werden können. Dafür hat das Kind das eidedische Sehen dem Erwachsenen voraus. Darunter versteht man die Fähigkeit Nachbilder zu sehen. An einer leeren Tafel, an der vor kurzem ein Bildtzum Anschauen aufgehängt war, sieht das Kind noch lange nach der Entfernung des Anschauungsbildes ein Nachbild. Man . kann fragen: „An welcher Stelle war der Schornstein der Fabrik?" und es bezeichnet uns mit Sicherheit die Stelle, an der er im realen Bild zu sehen war. Versuche von W. Stern- Hamburg und Hut h - Nürnberg haben den Nachweis des eidedischen Sehens bei Kindern erbracht, einer erstaunlichen Fähigkeit, die dem Erwachsenen nur in Ausnahmefällen erhalten bleibt. Diesem ersten und zweiten Unterschied fischen der Art des Sehens bei Erwachsenen und Kindern, fügt sich noch ein dritter an. Diemeisten Kinder sehen die Erscheinungen der Umwelt ungegliedert, kompakt, als Ganzes. Einen Rosenstrauch sehen sie als grünen grotzen Farbfleck mit roten Punkten. Erst nach der Pubertät verliert sich die eidedische Fähigkeit, wird die Anschauung reif zur Perspektive, und löst sich das kompakte in analytisches Sehen auf. In dieser Zeit also und nicht früher darf mit Natur- und Porträtstudien begonnen werden. Die ganze Zeichnerei und Malerei vorher hat also ihre festen Grenzen. Die Warnungstafel für den Zeichenlehrer und für den. der kindliche Zeichnungen betrachtet, heitzen also: Antiperspektive von der Eidedik. her! Primitivität aus Mangel an Technik!. Kompakter Farbeindruck ohne analytische Schau! Von diesen Gesichtspunkten ausgehend, hat der Zeichenunterricht der letzten Fahre neue Wege beschritten. Nach Ueberwindung kleinlicher Lehrplankämpfe und zum Schrecken einiger verständnisloser Leute, konnte man bisher diese neuen Wege gehen. Ferner, indem man die scharfe Abgrenzung des Werkunterrichts gegen den Zeichenunterricht aufhob. Die Forderung, datz beide Fächer in eine Hand gelegt werden sollen, konnte nicht immer verwirklicht werden. Eine weitestgehende Zusammenarbeit der Vertreter beider Fächer kann hier jedoch Einheitliches schaffen. Der Zeichenunterricht kann neben Bleistift, Buntstift, Kohletechnik alle Techniken des Buntpapiers kultivieren. Das . Arbeiten mit dem Buntpapier kommt der kompakten Darstellungsart des Kindes sehr entgegen. Man gibt ihm zuerst das Buntpapier ohne Schere in die Hand. Diese einfachen bunten Flächen stellen besser als der Bleistiftstrich dar, was das Kind ausdrücken will. (Reitztechnik). 2n der weiteren Ent-