Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 10 (14.10.1932)
- Date
- 1932-10-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Stitit' »1 i S5;x&xshea.*cB '.Suiuini’: .*n Hilfsmittel: es fördert die richtige Erkenntnis, vermittelt den -religiös-sittlichen Inhalt, beschränkt die gedächtnismähige Aneignung des Stoffes, bildet.den Schönheitssinn und ist ein wichtiges Erinnerungsmittel bei Wiederholungen. Darum haben viele Pädagogen der Neuzeit die biblischen Bilder als bestes i Anschauungsmaterial zur Erläuterung der biblischen Geschichten bezeichnet. Ueber das „Wie", „Wo" und „Wann" der Anwendung ' gehen die Ansichten der Methodiker allerdings noch weit auseinander. Ich glaube, mich jedoch aus praktischen Gründen der Meinung anzuschliehen. das Bild weder an den Anfang, noch an den Schluß der Lektion zu verweisen, sondern in die Besprechung und zwar an die Stelle, wo die Szene, die es darstellt. in den Gang der Unterredung tritt. Außer den eigentlichen biblischen Anschauungsbildern verfügt der Religionsunterricht noch über andere Veranschaulichungsmittel, die geographischer Art sein können, z. B. bildliche Darstellungen von Gegenden. Bergen. Städten usw. (Berg Sinai, Jerusalem, Stiftshütte. Tempel, Brandopferaltar. siebenarmiger Leuchter, Bundeslade. Rauchopferaltar. Schaubroftisch usw.). Da die Volksschulen jedoch — ich will sagen „meisten" — mit dem leidigen Kostenpunkte zu rechnen haben, so wird der Lehrer manches mit seiner treuen Gehilfin, der Kreide, an der Wandtafel entwerfen müssen. Gute Zeichner lassen an der Tafel, wie ich es hier sehr oft beobachtet habe, die wundervollsten Zeichnungen erstehen, die die teueren Wandbilder ersparen. Zu den unentbehrlichen Lehrmitteln der Volksschule gehört nach den „Allgemeinen Bestimmungen" die Wandkarte von Palästina, die in der Regel auf Nebenkarten den Plan von Jerusalem, den Wüstenzug u. a. enthalten und dadurch ein ganz brauchbares Veranschaulichungsmittel bilden. Höher aber steht im Hinblick auf die sachliche Bedeutung dieses Gebietes die innere, geistige Veranschaulichung. Dieselbe findet ihre Berücksichtung a) durch gutes Erzählen, t>) durch sachliche Erklärung von Dingen, welche außerhalb des Erfahrungskreises der Kinder liegen, die aber mit dem religiösen Stoffe aufs innigste verknüpft sind, c) durch fleißige Nutzanwendung. Die Grundlage alles Religionsunterrichts ist die biblische Geschichte. „Sie ist ihrem eigentlichsten Zwecke und ihrer wahren Bedeutung nach ein göttlicher Anschauungsunterricht, in welchem der höchste Erzieher und Lehrer des Menschengeschlechtes diesem die unsichtbaren Geheimnisse seines WeVns und seines Reiches vor Augen legte." (Völker, Schmids Enz. S. 200). Aus diesem Grunde beginnt der Religionsunterricht der unteren Klassen mit der biblischen Geschichte, während der systematische Religionsunterricht den oberen Stufen zugeteilt ist. Daher hat die Schule aus religiösen und pädagogischen Gründen die Pflicht, die biblische Geschichte als dasjenige Unterrichtsgebiet aufzufassen, auf welchem sie die Lösung ihrer Aufgaben in religiöser Beziehung vorzugsweise anzustreben hat. Sie erzählt alles in so einfachen, schlichten Worten, daß man das, was vor uralten Zeiten sich begeben hat, gleichsam als in der Gegenwart geschehen vor sich sieht. Das ist es, was die Kinder brauchen. Nun ist aber die heilige Schrift kein blödes Kinderbuch, sondern.das Buch der Bücher für die Erwachsenen, auf welche sich Mischna und Eemoro aufbauen. Sie enthält Wahrheiten und Gedanken, die selbst von den Gelehrten aller Zeiten i:vch nicht ganz ergründet, ja. um welche bis in die jüngste Zeit und heute noch gestritten und gekämpft wird. Darum ist — mit Rücksicht auf den geistigen Standpunkt der Schüler — eine Auswahl zu treffen. Milch für die Schwachen, Speise für die Starken. Bei den Kindern der Unterstufe, welche die biblischen Geschichten noch nicht in fortlaufender Reihenfolge erhalten, ist eine kurze Vorbereitung notwendig, um einerseits den kindlichen Geist für das neue Bild, das vor ihnen entrollt werden soll, oorzubereitcn und andererseits die schichte historisch einzureihen. Ist die Geschichte so vorbereitet, so folgt die Erzählung. Soll dieselbe den gestellten Anforderungen genügen, so muh der Lehrer die Geschichte: 1. in einfachen kurzen Sätzen und mit langsamen, deutlich gesprochenen Worten erzählen: 2. die Bibelsprache derart umarbeiten, dah er a) schwierige und den Kindern unverständliche Ausdrüclr wegläht oder sie durch leichtere vertauscht. Ohne Rot weiche er jedoch nicht von der Bibelsprache ab. b) schwierige Satzgefüge vermeidet. c) persönliche Fürwörter so wenig als möglich gebraucht und dafür den Namen wiederholt. cl) die direkte Rede biblischer Personen aber beibehält. e) sich durchweg konkret und anschaulich hält, damit dem Kinde die Geschichte möglichst durch sich selbst verständlich werde. Alle außer dem Anschauungskreise der Kleinen liegenden llebersichten und Darstellungen sind zu vermeiden. Was die Bibel in ihrer kurzen, knappen Weise erzählt und andeutet. hat der Lehrer mit der Plastik seiner Sprache und der Innigkeit seines Eentütes weiter auszumalen. so dah die Kinder die Begebenheiten gleichsam anschauen, von denen er erzählt, dah sie sich wirkliche Personen vorstellen, wenn sie die Namen von solchen hören, dah sie sich in die Seelenzustände der biblischen Personen hineinversetzen, wenn sie die direkten Reden hören, in welchen dieselben ihre Gefühle zum Ausdruck brachten. Die biblische Geschichte will aber nicht nur das Gemüt der Kinder treffen, sondern auch ihre Seelen mit religiösen Vorstellungen bereichern. Dies geschieht durch die „Nutzanwendungen", welche an Beispielen aus dem Leben, der Geschichte, den Erzählungen aus dem Lesebuche veranschaulicht werden. Die Anwendung muh sich jedoch wie von selbst an; der Geschichte ergeben: sie darf nicht herausgepreht. noch künstlich hineingetragen werden. Von einem gesonderten systematischen Religionsunterricht kann auf dieser Stufe noch keine Rede sein. Derselbe wird; vielmehr mit der biblischen Geschichte verwebt, d. h. gelegent-; lich an eine passende Geschichte angeknüpft. Auf diese Weisr^ lernen die Kleinen die Gebete. Am Schlüsse des Halbjahres werden dann einige Stunden zur Herstellung der Reihenfolge •’ verwandt. . Der Lehrer hat die Gebete stets gut vorzusprechen und auf gutes Sprechen der Schüler zu hallen. Die für diese Stufe geeigneten Morgen-, Mittags-, Albend- und Schulgebete werden mit guter Betonung eingeprägt. Der Lehrer der Mittelstufe hat die. auf der Unterstufe gewonnenen Geschichten weiter auszubauen. Neues hinzuzufügen und mit bereits Bekanntem in.Verbindung zu setzen. Für die methodische Behandlung gelten dieselben Forderungen wie auf der Unterstufe. Nur darf nicht außer acht gelassen werden, daß die Erzählweise auf dieser Stufe mit größerer Ausführlichkeit und engerem Anschlüsse an das Bibelwort zu geschehen hat. Tie Darbietung geschieht in der Weise, dah der Lehrer, um die Kinder nicht mit Stoff zu überladen, die Geschichte abschnittweise vorträgt und abfragt, wobei die Kinder möglichst mir den Worten der heiligen Schrift zu antworten haben. Infolge der höheren Reife dieser Schüler darf der Lehm noch einen Schritt weiter gehen, d. h. tiefer aus den iniiem: Zusannnenhang der Tatsachen eingehen, das Verständnis durL Heranziehung bekannter Geschichten besonders aus ‘.bftf Midrasch, Sprüche. Gedichte usw. erweitern, einen zusammen fassenden Ueberblick über Teile der heiligen Schrift gewinnen und auf dem Wege der Induktion, allgenieine religiöse Änln heilen mit den Kindern auffinden. Ueber die Wiedergabe da biblischen Geschichten, die den Kindern der Mittelstufe noä vielfach Schwierigkeiten machte, wird im Unterrichte die noti.f Anleitung gegeben. Ist die Geschichte abgefragt, so folgt d'.c