Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 10 (14.10.1932)
- Date
- 1932-10-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nummer 10 Jüdische Schulzeitung Seite L sehen werden. Südlandeidechsen insbesondere bezeichnen, dagegen. Ich glaube, das Wort als eine Verstümmelung des hebräischen Stammes xzxansehen zu müssen und zow mit dem Kollektiobegrisf - „Panzertier" zu übersetzen. Es sollen damit alle ciioloiüa! (Schildkröten), crurstacea (Krebse) und lamollibrancitia! (Muscheln) wohl gemeint sein. Ich vertrete also halbwegs die Ansicht Raschis. Beim nächsten Sprachausdruck finde ich keine,Schwierigkeiten. Ich pflichte der Uebersetzung der Septuaginta mit mygale — sorex araneus bei und dringe das rein hebräische Wort mit aiiokoli, Wimmern in Verbindung. Die Spitzmaus, die mit der inus nicht verwandt und zu verwechseln ist, bringt tatsächlich Laute hervor, welche einem Wimmern ähneln. Mit welcher scharfen Naturbeobachtüngsgade die alten Israeliten ausgerüstet waren, beweist besonders der folgende Sprachausdruck kauadi. Unter diesem hebräischen Worte versteht man die Körperkraft, welche in inniger Wechselbeziehung mit den psychischen Funktionen steht. Nun gibt es unter den Eidechsen eine Art, welche infolge von Hunger, Sättigung, Uebersättigung oder DUrst, also durch ab- und zunehmende Körperkraft, sofort ihre äußere Farbe wechselt und matt oder munter ist. Es ist das nur in den Südländern oorkommende Chamäleon. Das eigenartige Tier bemüht sich, seine Körperlraft so einzustellen, daß sie ihm die entsprechende Schutzfarbe (grün, gelb usw.) verleiht. Nach allgemeiner Ueberlieferung ist der l'toöh eine zweite Eidechsenart. Wahrscheinlich soll damit die taroutola maurifanica, der Maüergecko, gemeint sein. Auch er ist eine aus- - gesprochene Südlandeidechse. Sie hat die Fähigkeit, durch ihre scheibenförmigen Haftzehen an senkrechten Wänden und selbst an der Decke der Zimmer „so flink wie man eben sprichwörtlich von ihren Arten sagt", umherzulausen. Die Haftzehen hinterlassen oft schwärzliche Flecken. Es sind Nachttiere und stören in jeder Weise den Schlaf der Menschen. Man sieht also, daß sie nicht zu Unrecht zur Ldioroz-Eruppe gerechnet werden. Ueber den vorletzten Namen ist man sich gar nicht klar. Einige übersetzen ihn mit Eidechse (König bezweifelt diese Uebersetzung), andere wieder mit Krebs oder Schnecke. Ich glaube, daß man Naschis Uebersetzung mit limaco den Vorzug geben sollte. Endlich kommen wir zum letzten Namen. Wohl weiß ich. daß ich vielleicht der einzige bin, welcher dieses Wort hier genau so übersetzt, wie ich es nach oben ausgeführter Deutung getan habe. Die Thora zählt die Fledermaus deshalb noch einmal, hier bei der Ldiorez-Eruppe, auf, weil die große Masse des Volkes, auch heute noch, dieses Tier tatsächlich als sdierez betrachtet, obwohl es (wie die meisten Vögel!) sehr nützlich ist. Noch ein kurzes Schlußwort. Unser ganzes wissenschaftliches Forschen ist im Grunde genommen nur subjektiv. Denn was gestern noch für unerschütterliche Wahrheit galt, kann heute schon unter dem Einfluß anderen .subjektiven Denkens als falsch erwiesen sein. Die Forschung kommt wohl der absoluten Wahrheit schrittweise immer näher, erreicht sie aber nie. Des-, halb bitte ich den kritischen Leser, diese kleine wissenschaftliche Arbeit nicht etwa als endgültiges Forschungsrefultat anzusehen, sondern als Anregung zur Weiterforschung auf diesem interessanten Gebiete. Wie mutz ich den Religionsunterricht gestalten» daß er anschaulich ist? Von Konrektor I. Speyer, Frankfurt a. M. Nach den Allgemeinen Bestimmungen vom 15. Oktober 1872 ist für den evangelischen Religionsunterricht als Aufgabe gestellt: „Die Einführung der Kinder in das Verständnis der heiligen Schrift und in das Bekenntnis der Gemeinde«, damit die Kinder befähigt werden, die heilige Schrift selbständig lesen und an dem Leben, sowie an dem Gottesdienste der Gemeinde lebendigen Anteil nehmen zu können." Für jüdische Schulen enthielten die Allgemeinen Bestimmungen , keine Zielangabe. Sie sind genötigt, sich selbst ihr Ziel zu setzen. Die Zielangabe für evangelische Schulen kann derjenigen für jüdische Schulen zugrunde gelegt werden. Aber religiöse Kenntnisse, religiöses Wissen und Verstehen macht den Juden nicht, und zu selbständigen Juden sollen doch unsere Kinder durch den Religionsunterricht herangebildet werden. Sie sollen nicht nur die heilige Schrift und die Vorschriften unserer Religion kennen lernen, sie sollen auch mit Lust und Liebe imstande sein, in der heiligen Thora zu lesen und sie zu verstehen. Um dies hohe Ziel zu erreichen, redet die heutige Pädagogik von dem erziehenden Unterrichte, dem das Wissen nicht Selbstzweck, sondern Mittel ist für das Ziel, durch Beeinflussung des Gedankenkreises Einfluß auf das Wollen des Zöglings zu erlangen, so daß der Wille die Richtung auf das Sittliche er- - halte, mit einem Worte für das Ziel der sittlich-religiösen Charakterbildung. Wenn trotzdem heutzutage über die mangelhaften Erfolge des Religionsunterrichtes geklagt wird, wenn wir selbst sehen müssen, wie trotz acht- und mehrjähriger Arbeit immer mehr die Religionsfeindschaft sich breit macht, wie Gottlosigkeit in erschreckender Weise um sich greift, dann müssen wir uns doch fragen, ob nicht, da bekanntlich der Lehrer den Grund für die Fehler seiner Zöglinge in sich selbst suchen soll, in etwas auch die Art unseres Religionsunterrichts an diesem traurigen Resultat schuld sei; ob nicht doch auch hier noch oft an die Stelle des freudigen „ich will". des Kindes das harte „Du soll st" tritt, indem nur darauf Bedacht genommen wird. Stoffmassen an das Kind heranzubringen und sie dem Gedächtnisse einzuprägen, gerade als ob der Stoff an sich erziehlich wirken könnte. Darauf deutete auch die Kaiserliche Botschaft vom 1. Mai 1889 hin, welche sagte: „Bei der Auswahl des religiösen Lehr- und Lernstoffes ist der Gedächtnisstoff auf das Nötige zu beschränken, dagegen das sittliche Wollen in Beispielen und Worten von zündender Kraft mehr zu befruchten." Daraus folgt, daß der Religionsunterricht in erster Linie Sache des Herzens ist. Was vom 'Herzen kommt, das geht auch zum Herzen. Den Weg zur Erreichung dieses Zieles zeigt uns die Pädagogik, indem sie uns auf das induktive Verfahren hinweist, das dem Schüler die zu gewinnenden Einsichten und Erkenntnisse nicht fertig vorlegt, sondern auf dem Wege der Anschauung finden läßt. Der Religionsunterricht muß sich daher das Prinzip der Anschauung zunutze machen. Die Notwendigkeit der Anschauung ist von den Pädagogen aller Zeitrichtungen betont und anerkannt worden. Schon Comenins, der Seher unter den Pädagogen, forderte: „Nicht Regeln, sondern Beispiele, nicht Phrasen, sondern Sachen!" Das Prinzip der Anschauung vertritt er im Orbi? pictus und in der Oidactia magna. Die Forderung des Comenius wurde von den Philanthropen und nach ihnen von Pestalozzi zur Ausführung gebracht. Für die äußere sinnliche; Veranschaulichung sind gute Abbildungen und Karten ein bewährtes Hilfsmittel. In unseren Schulen wird, nachdem die Neuzeit Anschauungsbilder für den Religionsunterricht in größerem Maßstabe nach den Angaben Wangemanns oder den Originalzeichnungen Schnorr von Carolsfelds geschaffen. das der Anschauung in weitestem Umfange zur Durch? führung gebracht. Für jüdische Schulen sind nur die wenigen (zirka 12 Bilder) Bilder vom Kunstverlag von Wohlgemut & Lißner in Berlin nach Originalen von Joh. Tillack erschienen. Steht dem Lehrer ein biblisches Anschauungsbild zur Verfügung. so versäume er nicht, es den Kindern zu zeigen und »es mit ihnen zu besprechen; denn ein gutes Bild ist ein wichtige»