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Jüdische Schulzeitung · 1932-10-14 · 10 (14.10.1932) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
8 (1932)
Issue
10 (14.10.1932)
Date
1932-10-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Nummer 10 Seite 2 ] - Jüdische Schulz eitung yor. Das^ Männchen .dieses Vogels stößt zu Beginn der. Paarungszeit einen eigentümlichen Ton aus, der dem Gebrüll eines gereizten Stieres ähnelt. Deswegen nennt wohl, die Thora diesen Vogel anofoh. Die Raschierklärung für das nächste Wort dudiifas können wir nicht ohne weiteres hinnehmen. Sie ist grammatisch unhaltbar. Raschi analysiert nämlich haduchikas in sdt’haudau kappauss (derjenige, dessen 'Schmuck ein Federwedel ist). Er rechnet also -das KL von hadudiifas zum Stamm, obwohl es augenscheinlich ein KL haj’dioh ist. Der Name ist aus dem arabischen Wort su, welcher, und dem hebräischen kippoh, Palmzweig gebildet. Er will auf einen Vogel Hinweisen, der einen Federschmuck trägt, welcher in irgendeiner Weise Palmzmeigen ähnlich ist. Das ist bei den Kopffedern des Wiedehopfs der Fall Daß die Thora mit lmdudiifas diesen Vogel meint, sagt ja auch Raschi. Der zuletzt genannte Vogelname birgt wieder große Schwierigkeiten in sich, da man in sprachlicher Hinsicht kaum einen Anhaltspunkt für -ihn findet. Manche wollen dieses Wort Mit Schwalbe übersetzen. Das ist aber nach tertoergleichenden Studien unmöglich. Misdile 26,2 heißt es: kazippaur ioaud kad'raur louk ken kil’las chinnom lau sowau — wie der Vogel entflieht, wie die d’raur dahinfliegt, so entgeht ein unverdienter Fluch. Mit kad'raur louf wollte der Dichter seinen Vergleich bekräftigen.' Man hätte nämlich annehmen können, daß ein Vogel auf seiner Flucht seine Kräfte leicht verliert und Len Vergleich als unrichtig hinstellen müssen. Deshalb fügt der. Dichter hinzu: kad'raur, wie der sicherste und geschickteste Flieger unter den Vögeln, die Schwalbe. Auch aus anderen Stellen der Heiligen Schrift kann man ersehen, daß Schwalbe mit d'raur (Psalm 84,4) oder mit sus (Jesaja 38.14) und dem adäquaten 8is (Jeremia 8,7) zu übersetzen fei; niemals aber mit atallef. Das geht schon aus dem Text, in dem das Wort außer an dieser und der Parallelstelle im Deuteronomium vorkommt, hervor. In Jesaja 2,20 heißt es: An jenem Tage wirft der Mensch seine silbernen und goldenen Götzen, die er sich machte, um sich vor ihnen zu bücken, den Feldmäusen und atallelim vor. Der atallef muß also in seiner Art und Weise ein den Feldmäusen ähnliches Tier sein. Ich glaube, daß atallef eine zweite Bezeichnung für Fledermaus ist. Vielleicht ist mit atallef die fruchtfressende (im Gegensatz zu thinsdiemes, der insektenfressenden) Fledermaus gemeint, da sie im oben erwähnten Satz mit Feldmaus zusammen genannt wird. Nach Lev. 11,4 usw. sind den Israeliten die bis jetzt genannten Tiere zum Genuß verboten. In Satz 20 kommt noch das Verbot Infekten zu essen hinzu. Allerdings besteht dabei eine Ausnahme: es hoarbeh, es hadiargaul und es hediogowr können in allen -ihren Arten gegessen werden. Man ist sich darüber einig, daß diese Namen vier Heuschreckenarten bezeichnen. Es ist aber, bis auf arbeh, aus sprachkundlichen Gründen nicht möglich, sie begrifflich eng zu umgrenzen. Aus dom 21.- Verse dieser Pentateuchstelle geht deutlich hervor, daß es sich nur um die saltatoria, also um Laub-, Feld- und Grabheuschrecken handeln kann. (Vgl. auch Raschi zu diesem Satze!) Inwieweit die im Thorasatze aufgezählten Arten in diese Gruppen hineingehören, können wir nur bei arbeh mit Sicherheit feststellen. Dieses Wort ist rein hebräisch und kommt von rowoh, viel sein. Arbeit bedeutet also wörtlich: ich werde viel sein lassen. Diesen Ausdruck konnte der Hebräer nur der nomadenartig lebenden Wander- oder Zugheuschrecke in den „Aland" legen. „Bei günstiger Witterung vermehren sich diese Tiere ins Ungemessene, so daß bald Nahrungsmangel eintritt. Dann sind sie genötigt, neue Weideplätze auszusuchen. Zu unabsehbaren Scharen vereinigt, die selbst die Sonne verfinstern, ziehen sie dahin. Wenn sie sich ntederlassen, bedecken sie weithin das Land, und in sehr kurzer Zeit ist alles Grün vernichtet." Bei solom, chargaul und chogow können wir, wie ich schon bemerkte, nur behaupten, daß es sich um springende Geradflügler handelt. Solom könnte von dem hebräischen Worte sela, Spalt oder Spaltung kommen und vielleicht'damit eine Heuschreckenart gemeint sein, die ihren Aufenthalt und ihre Zuj flucht in Fels- und Mauerspalten hat. Chargaul, dessen Stamm! wir in dem nomen propium diogloh (Numera, 26,33) wieder-! finden, heißt nichts weiter als galoppierend. Und diogow, das mit diogag, hüpfende, tanzende Bewegungen machen, verwandt ist, deutet auch nur auf ein springendes Tier hin. Auch Textanalogien oder anderweitige nähere -aufschlußreiche Bestim- . mungen für diese Namen gibt es meines Wissens nicht. Wir müssen uns also mit der Begriffsbestimmung: saltatoria begnügen. s Ganz zum Schluß werden dann noch 8 Tiere ausgezählt, denen! das gemeinsame Merkmal zugeschrieben wird: basdiercz hu- ' schaurez al hoorez. Mit sdierez meint die.hebräische Sprache Tiere, welche zum Schäden der Menschen massenhaft Vorkommen und aus diesem oder jenem Grunde ekelerregend sind. Das Wort wird am besten mit Ungeziefer wiedergegeben. Die Verpönung dieser Tiere wird besonders dadurch gekennzeichnet, daß hier das Berührungsverbot (Tabuismus!) dom Speiseverbot vorausgeht. Beim ersten Worte dieser Gruppe schwanken die Uebersetzungen zwischen Wiesel, Marder und Maulwurf. Noch vor kurzer Zeit glaubte i ch, diauled mit Wiesel übersetzen zu .müssen. Ein dreifacher Grund hatte mich dazu veranlaßt: die bekannte traditionelle Uebersetzung des im Talmud öfter vorkommenden Wortes chuldoh (Wiesel), das dieser Tiergruppe gemeinsam zugeschriebene Merkmal al hoorez (das für den Maulwurf nicht in Betracht kommt) und die Verwandtschaft mit dem syrischen Wort diallcd. In dieser Annahme wurde ich noch durch einen schriftlichen Hinweis auf eine Stelle in Hossmann, Leviticus 1 (S. 342) von Rabbiner Dr. Wolf (Köln) gestärkt. Zu gleicher Zeit er-. hielt ich auf Grund einer Empfehlung des derzeitigen Dekans! der evangelisch-theologischen Fakultät an der Bonner Universität, - des Alttestamentlers Prof. Dr. Hölscher von dem bedeutendsten! Kenner auf diesem Gebiet, dem Züricher Universitütsprofessor \ Ludwig Köhler folgende Zuschrift, die meine Meinung voll- \ ständig änderte: j „Daß Maulwurf „hätte nicht bezweifelt werden! sollen", sagt Nöldeke, Beiträge zur semitischen Sprachwissen-! schaft S. 80 unter.Verweis auf aramäischer, „sich eimvühlen". - Auch arabisch chuld siehe Laue p. 784a—b ‘) beweist es. Die, alten Ueberfetzungen schwanken zwischen Wiesel und Marder!• Das beweist, daß sie es nicht mehr wußten. Ihr Argument mitflKirtor kommt gegen die Etymologie nicht auf." Nach kurzen Erwägungen habe ich mich diesem kompetenten - Urteil unterworfen. Ich sah auch ein. daß mein Argument mit al hoorez unrichtig ist, daß hier erez mit adomoh nicht' identisch sei, sondern den Planeten selbst bezeichne. Dafür spricht: übrigens auch der nächste Name, adibor. Man war sich von jeher im allgemeinen darüber einig, daß mit diesem Worte die - arvicolidu, die Wühlmaus gemeint ist. Die von Manchen vor-. genommene Wortanalyse 12 fK nur Getreide ist wohl geoank-? lich naheliegend, aber aus sprachlichen Gründen durchaus zu! verwerfen. Adibor ist ein selbständiges hebräisches Wort, welches mit dem arabischen akabiruu verwandt ist. Das Wort" kommt im T'nach noch im 1. Buche Samuel und in Jesaja vor. ' Auch das zweite Wort wird sehr verschieden gedeutet. Professor König bringt es mit dem arabischen dabbun in Ben ■ bindung und übersetzt es mit Eidechse. Wenn auch gegen diesen etymologischen Hinweis durchaus nichts einzuwenden ist, st sprechen doch die später vorkommenden Namen, welche, wie wir l) Der Gelehrte meint: An arabic-engli.sh Lcxicou.

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