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Jüdische Schulzeitung · 1932-09-15 · 9 (15.9.1932) · page 5

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
8 (1932)
Issue
9 (15.9.1932)
Date
1932-09-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nummer 9 Jüdische ßi ..Wettzeit" dex adjektivischen „ewig" vorgezogen hat. so geschah es wohl in der Absicht/die st^tus Kon^truetus-Fügung ungeschwächt in die Uebe!ctragung mit hereinzunehmen. Allein die Wahrung' des Wortbestandes zog eine offensichtliche Schwächung des Wortgehaltes nach. sich. „Weltzeit-Huld" Und -..Weltzeit-Liebe" sagen uns nichts: unser Sprachempfinden lehnt beide Ällsdrücke ab, und damit zugleich manche Eigenarten. die die an reizvollen Neubildungen und Wortfügungen reiche Buberbibel aufweist. Martin Buber ist sich sehr wohl der Grenzen bewutzt. die seinem Werk gezogen sind: deutlich spricht er sich darüber in der oben erwähnten Schrift aus. Und dennoch ist er häufig.der Bersuchung erlegen, das Eigengeseh'iche der deutschen Sprache hintenanzustellen. Das gilt namentlich im Hinblick auf die Empfindungsqualitäten, die vom Wort ausströmen, wenn es gesprochen wird. Wer das klassische Buch Hildebrandts „Vom deutschen Sprachunterricht" kennt, der weih, was hier gemeint ist. Es soll in diesem Zusammenhang nicht verschwiegen werden, datz Buber selber die bessernde Hand an sein Werk gelegt hat. Man lese die erste Bearbeitung des Pentateuch und vergleiche dann mit ihr die im Auftrag der Erotzloge Benai Berith herausgegebene zweite Ausgabe, und man wird leicht finden, datz Buber an vielen Stellen die Härten beseitigt hat. die die Lektüre der ersten Fassung empfindlich störten. Das ist ohne Zweifel aus der Erkenntnis heraus geschehen, daß die Arbeit des Itebersetzers zwei Seiten hat: daß es einmal gilt, den ursprünglichen Sinn von Sah und Wort zu erfassen, und zum andernmal. das Eruierte so vorzutragen, daß es den Hörer ergreift. Der schöpferische Mensch findet da ein breites Feld vor sich, auf dem er sich in Freiheit bewegen darf, wenn er nur der Schranken achtet, die ihm das Gesetz der Form vorschreibt. Martin Luther hat das in unerreichtem Matze getan, deshalb geht noch hertte eine gewaltige Wirkung von seiner Bibel aus. Martin Buber lebt gewitz in gleichstarker Leidenschaft zum Wort, wenn er uns „das Buch" neu erschlietzen will: aber uns scheint, als ströme es nicht so urlebendig wie bei dem Volksmann von Wittenberg. Schrift, Kurzschrift und seelische Hygiene Von Konrektor Behling, Neinscheid. Ueber dieses Thema sprach Professor Dr. med. Vogel, wissenschaftlicher Direktor des Hygienemuseums in Dresden, auf dem Bundestag der deutschen Kurzschrift (Nationalstenographie. Duisburg. Friedenstrntze 79) in Weimar. Er führte ungefähr folgendes aus: Unsere ganzen Lebensformen find in den letzten Jahrzehnten immer komplizierter geworden,' immer größer wird der Kraftaufwand, der zur Bewältigung des zivilisatorischen Apparates auch schon für den einfachsten Menschen notwendig wird. Insbesondere ist der Wissensstoff, der die Voraussetzungen für die Erfüllung der Berussaufgaben schaffen soll, ins Uferlose gewachsen. Darum wächst gerade in dieser Krisenzeit auch immer stärker das Gefühl der Unzulänglichkeit dem Leben gegenüber und es erhebt sich der Wunsch, dem allen entrinnen zu können. Es erwächst darum aber auch die Notwendigkeit, uns von einer übermäßigen Inanspruchnahme der Kräfte zu entlasten. Aus dem Unvermögen, das Leben zu meistern, entstehen Minderwertigkeitsgefühle, die zumal als Massenerscheinungen vom Standpunkt der seelischen Hygiene dringend Abhilfe verlangen. Alles, was dazu beitragen , kann. Kraft zu sparen, die Leistungsfähigkeit und damit das Selbstgefühl zu erhöhen, bedarf der Förderung. In diesem Zusammenhang spielt die Schrift als wichtigstes technisches Hilfsmittel eine sehr bedeutende Nolle: Sie — .die Langschrist — steht heute technisch noch keineswegs.aus der hulzeltung Seite b Höhe, die ihrer sozialen Funktion , entspricht, und ihre . Bedeutung hat sich mit der Ausbreitung des Schriftverkehrs und Druckwesens in neuerer Zeit außerordentlich erweitert. Ihre ' Beherrschung ist aber von Beginn des Schulunterrichts an sehr erschwert durch die Vielzahl der zu erlernenden Schriftzeichen und durch die in jeder Hinsicht unlogische Rechtschreibung, deren vollständige Beherrschung selbst dem Gebildeten kaum möglich ist. Durch Vereinfachungen, z. B. den Verzicht auf die großen Buchstaben, wäre eine Niesenerspnrnis an geistiger Energie wie auch an materiellen Mitteln möglich. Nicht anders liegen die Dinge bei der Stenographie, Hie von der ursprünglichen Aufgabe der Redeschrift sich allmählich zur Berufsschrift entwickelt hat, deren herrschenden Systeme — und das gilt besonders für die amtlich eingeführte „Einheits- oder Neichskurzfchrift" — noch viel zu schwierig find, um die letzte Stufe der Entwickelung zu ermöglichen, d. h. um als allgemeine Verkehrsfchrift zu dienen. Dazu ist unentbehrliche Voraussetzung, leichte Erlernbarkeit, Schreibtiichtigkeit und Wiederlesbarkeit. Diese Bedingungen werden tatsächlich nur erfüllt von der Deutschen Kurzschrift, deren Regelwerk so außerordentlich einfach ist, daß sie sogar schon von noch nicht schulpflichtigen Kindern völlig beherrscht werden kann. Hier ergibt sich ein Weg, der es sogar gestatten würde, als erste Schrift an Stelle der Langschrift, die ungleich einfachere Kurzschrift zu setzen —. die dem Kinde den Vorteil des Schreibens gewähren, dabei aber seine geistigen Kräfte schonen würde, zu einer Zeit, wo es ohnedies eine Wissensmenge in sich aufzunehmen hat. wie wohl sonst in seinem ganzen Leben nicht mehr. Z e i t g e w i n n s e i g o r ad e h ie r K u l tn r g e w i n n! Literarisches Baruch Krupnik. Hebräische Phraseologie (firrbH»n») Charlottenburg. Pestalozzistratze 15. Rubin Matz. 1,50 K.lk. Für den. fremdsprachlichen Unterricht sind neuerdings treffliche Lehrmittel entstanden: „Tausend Worte Englisch". „Französisch". „Italienisch" usw. Ein ähnliches Hilfsmittel zur Erlernung des Hebräischen als Umgangssprache ist das vorliegende Büchlein mit etwa 3000 hebräischen Redewendungen, hebräisch-deutsch und deutsch-hebräisch, lerikographisch geordnet. Wer sich des Hebräischen als Umgangssprache bedienen will, kann das Büchlein gar nicht entbehren, aber auch derjenige, dessen Ziel sich nicht so weit erstreckt, sondern nur einige Geläufigkeit im Ausdruck erstrebt, wird von dem Gebrauch des Büchleins geradezu entzückt sein. Seit etwa vier Wochen habe ich es in Händen und es ist mir ein direktes seelisches Bedürfnis geworden, mich jeden Tag ein Stündchen mit ihm zu beschäftigen. M. Steinhardt. „Schrift und Schreiben", 3. Iahrgang. Heft 4. (Verlag Soennecken. Bonn), bringt einen Aufsatz des Basler Schriftreformers Hulliger über die Schriftreform der Schweiz. Die Schriftformen stellen ein Mittelding dar zwischen der lateinischen Schrift und der römischen Kapitalschrist: die herkömmtichen gothischen und Renaissance-Formen werden abgelehnt. Das ist ein gesundes Wollen, und man vergleiche damit das phrasenhafte neue Flugblatt ».Die Rot der deutschen Schrift". Vogt bringt Beispiele von der Entwicklung aus den gradlinigen Schriftformen der Uralphabete zu den gewellten und geflammten Formen, ohne aber über die Ursache nachzudenken. Es folgt noch ein sehr bemerkenswerter historischer Ueberblick über die gesamte Schreibtechnik von Dr. Horstmann und R. Hardt tritt — übrigens sehr zeitgemätz — für Einführung der Graphologie als Wissenschaft ein. Otto Geismar. Die Firma Heintze & Blankertz läßt sich durch die gegenwärtigen schwierigen Verhältnisse in der Wirtschaft im Fortschreiten zu den gesteckten Zielen nicht ablenken, ebenso wie es uns bekannt ist. datz sie schon Spezialschristen herausgebracht hat. von denen sie genau gemutzt hat. datz der zu erwartende Absatz die Selbstkosten bei weitem nicht decken werde. Einer der Bahnbrecher auf dem Gebiete der neuen Schreibkunst. Hermann Delitsch, bringt in diesem Verlag

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