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Jüdische Schulzeitung · 1932-09-15 · 9 (15.9.1932) · page 3

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
8 (1932)
Issue
9 (15.9.1932)
Date
1932-09-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nummer 9 Jüdische Schulzeit»«« Seite 3 So war denn die Wasserlibation ein regelmäßiger Opferkult. Auf solche Ursprünge lassen sich viele Ceremonien zurückführen. Wenn der Abendländer vor einem Höherstehenden den Hut abnimmt, so ist er noch kaum sich dessen bewußt, daß er damit nur einen Rest jener älteren Form der Unterwürfigkeit beibehalten hat, bei der man sich aller Waffenbedeckung, zu der auch der Hut gehörte, entblößte, um vor dem Vornehmen wie ein Knecht zu erscheinen. Zur Waffenabrüstung: gehörte wie die Kopsso die Fußbedeckung. Das. Abnehmen der Schuhe ist morgenländischer Brauch. geblieben. Dagegen gilt es im Morgenlande respektwidrig, unbedeckten Hauptes vor dem Fremden zu stehen, und ebenso ist es eine Verletzung der Gottheit, unbedeckten Hauptes zu beten. Wir sehen in unseren Begrüßungsformen nur noch Zeichen der Höflichkeit. Die Ceremonie ist daher meist symbolischer Natur. Symbol heißt einen Gedanken statt durch Worte, durch ein äußeres Zeichen oder durch eine äußere Vornahme ausdrücken. Ursprung des Symbols in den Erkennungszeichen Symbola. Holztäfelchen, die vom Wirt und Eastfreund in griechischer Vorzeit vor der Trennung in zwei Teile gebrochen, durch späteres Zusammenlegen (symballein) beider Hälften ein untrügliches Mittel zur Wiederanknüpfung von Freundschaftsbeziehungen gaben. — Die Zeremonien haben die Heiligung des Menschenlebens oder des Volkes zum Zweck: keine derselben aber trägt einen, sakramentalen Charakter in dem Sinne, daß sie eine Heilskraft besäße, um dem Menschen etwas von der Eottesnatur mitzuteilen, oder ihn zum Mitglied der Glaubensgemeinschaft zu machen, wie das bei der kirchlichen Taufe oder dem Abendmahl der Fall ist. Die 'Zugehörigkeit zum. Judentum beginnt mit der Geburt, die allein die Verpflichtung auferlegt, die der am Sinai mit Israel für alle Zeiten geschlossene Eottesbund in sich schließt. Das Judentum ist ein religiöses Erbe, eine priesterliche Volksmission und wird nicht erst durch einen Weiheakt und ein Glaubensbekenntnis übernommen. 4. Micha 6. 8. Daß aber auch das richtige Verständnis ethischer Grundgedanken von der Kenntnis des Hebräischen abhängt, kann, eine Stelle in Harnacks „Das Wesen des Christentums^ zeigen. Da heißt es (S. 30): Kann das Wort Micha's überboten, werden: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was lder ' Herr von dir fordert, nämlich: Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gotte?" Allerdings kann diese Forderung überboten werden, und sie ist überboten durch das, was die Worte des Erundtextes besagen:. Asoth misehpat weahubath chessed wehaznea ledieth im elohecha. Da steht nämlich an der Spitze nicht „Gottes Wort halten" (was ja von verschiedenen Gläubigen verschieden gedeutet wird), sondern «Recht tun" und an zweiter Stelle nicht „Liebe üben", sondern das viel liefere „Güte lieben", und an dritter Stelle nicht «demütig sein vor deinem Gotte", sondern, „demütig wandeln mit deinem Gotte"., Harnack hat hier ohne weiteres Luthers llebersetzung angenommen. H o l z m a n n. Micha hat es in dem Ausspruch, der zwar viel zitiert wird, aber nicht tief genug verstanden werden kann, präzis formuliert. worin der Unterschied des neuen Gottes von den alten Göttern besteht: „Er hat dir verkündet, o Mensch, was gut ist." Nicht darein seht der Prophet die, Offenbarung seines Gottes, daß dieser sein göttliches Wesen dem Menschen kundgetan hätte: das ist nicht der Sinn noch der Inhalt der göttlichen Botschaft: in seinem eigenen Wesen liegt nicht die Bedeutung Gottes für den Menschen. Was gut sei, das hat Gott kundzutun, und das hat er kundgetan. Wenn es sich aber um das Gute handelt, so handelt es sich nicht um Gott, außer sofern es von ihm ausgeht, von ihm kundgetan wird. Bei dem tzruten handelt es sich um den Menschen. Daher ist diese Apostrophe: „o Mensch" hier so innerlich bedeutsam. Wo das Gute kundgetan wird, da wird der Mensch angesprochen. Und. das allein erscheint jetzt als die Aufgabe Gottes: den Menschen anzusprechen, und was gut sei, ihm zu künden. Wo in aller Welt fände sich in den Mythen ein solcher Sah: die Götter oder einer derselben künden den Menschen, was gut sei? Glück oder Unglück. Sieg oder Untergang verkünden sie, oder lassen es verkündigen. Die Propheten erkannten Gott als die Idee des Guten. „Er hat dir gesagt, o Mensch, was gut ist". Gott verkündet die Sittlichkeit. Gott ist das. was er verkündet. Dies ist eben der Begriff der Offenbarung, daß Gott im Verkünden des Guten sich dem Menschen offenbart. Und nur in diesem Verkünden des Guten offenbart sich Gott dem Menschen: nur in der Sittlichkeit erkennt der Mensch den wahren Gott. Die Sittlichkeit allein ist sein Amt. Und wenn der Gott der Propheten vom Menschen fordert, daß er ihn erkenne und liebe: so wird hiermit vom Menschen gefordert, daß er die Sittlichkeit erkenne und liebe. Gott erkennen,, heißt daher nicht seine Natur erkennen. Der Prophet befreit sich von dem Interesse an der Natur Gottes und begeistert sich umsomehr für das Interesse an der Verkündung Gottes: „Nicht was Gott sei, soll Gott mich lehren: sondern was der Mensch sei". Da ist der tiefste Unterschied zwischen den mythischen Religionen und der prophetischen Religion. Der Mythos hat ein Interesse an der Natur Gottes, die Religion der Propheten an der Sittlichkeit Gottes. Cohens Im heißen Ringen mit sich selbst, hatten die Propheten den Eottesgedanken immer hehrer und reiner erfaßt, und den einen, den Wellengott erkannt, der einzig, ewig und lebendig in Gerechtigkeit, Liebe und Heiligkeit über den Welten thront, der von den Menschen fordert — nicht allein von Israel — „das Rechte zu tun, Liebe üben und in Demut wandeln vor Gott." Elsaß. Der Sah des Micha: „Es ist dir gesagt, o Mensch, was gut ist und was der Ewige -von! dir fordert, nichts anderes als: Recht tun, Liebe üben und in Demut wandeln mit deinem Gotte." Dieser Sah wird immer und immer wieder in allen Reden der Propheten variiert. — Und man beachte wohl: Der Kultus als Selbstzweck wird nicht geduldet, mit aller Deutlichkeit wird er ausgeschieden. „Nichts als" — so lautet die ewig denkwürdige Negation des Propheten. ' Kellermann. Wenig bekannt, aber sehr treffend ist die folgende Formulierung. die vollkommen parallel der oben angeführten Stelle aus Micha ist. (b.B.K. 30 a). Wet ein Frommer fein will, halte dje Worte von Nizikin. Raba sagt: Die Worte von Aboth. nach anderen die Worte von Berochoth. (Nizikin ist der das Recht bezeichnende Teil des Talmud. Aboth enthält nur ethische Aussprüche und Berochoth spricht vom Gebete). Perles. Hebräische Ausdrücke und Redewendungen für den Unterricht im Hebräischen Von M. Abraham, Berlin. (Schluß.) 15. Lob, Tadel, Strafe Du hast gut gelernt. I>) Lomadto lietcw, Lomadto bischkido. Se in’s.sammeadi aussi. Etten l’dio sdicwadi. T’kubbel sdiewath. (Sdiuw) hojisso ozel. Etten l’dio n’sifo. Du hast fleißig gelernt. Das freut mich. Ich gebe dir ein Lob. Du erhältst ein Lob. Du bist (wieder) faul gewesen. Ich gebe dir einen Tadel. iJtlfcJll 1 VIIU lft nUUl tyYfcPV VMIVIt $%UVV«t c) Lau mlllösso toinid es Du hast nicht immer deine dmuwossedio. Pflicht getan. ' Audia l’liauredio. Ich werde es deinen Eltern mit- ' teilen.

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